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Banken, Wirtschaft

Game over – Das Spiel ist aus

von Sven Henrich – http://www.theblogcat.de

Game over. Das große Zentralbankexperiment der letzten zehn Jahre endet in einem heillosen und kompletten Scheitern. Die Spielchen mit billigem Geld und ständigen Interventionen, die uns weltweite Rekord-Schulden in der Größenordnung von $250 Billionen und ein rekordverdächtiges Ungleichgewicht beim Reichtum beschert haben, gehen mit der Verteilung von unreinem Crystal Meth in eine weitere Runde.

Australien hat bereits die Zinsen gesenkt, Indien ebenso. Die EZB redet darüber und die Märkte preisen bereits mehrere Fed-Senkungen ein. Das weltweite Zinssenken beginnt bereits von Neuem, bevor die letzte Runde überhaupt beendet wurde. Geht besser in Deckung, denn niemand, wirklich niemand kann wissen wie das endet.

Absolut atemberaubend. Wir werden Zeugen eines historischen Zusammenbruchs. Alles was die ganzen Zentralbanker im letzten Jahr sagten, war völlig falsch. Jede Prognose, die sie in den letzten zehn Jahren gemacht haben, war völlig falsch. Kein Wunder, dass Jay Powell (der Fed-Chef) die Diagramme in die Ecke werfen will. Es ist ein öffentliches Protokoll des Scheiterns.

Warum sollte man Vertrauen in Leute haben, die auf die Trümmer jener Politik starren, die sie auf die Welt losgelassen haben und jetzt wieder loslassen?

All die Verzerrungen von 10 Jahren billigem Geld, Schulden, Vermögensungleichheit, Zombie-Unternehmen, negativen Zinsen, TINA (es gibt keine Alternative) und so weiter, all das wird durch unglückselige und verängstigte Zentralbanker nur noch verschärft, deren einzige Lösung für ihr Versagen ist, noch einmal auf den Zug des billigen Geldes aufzuspringen. Alles unter dem Motto „Verlängerung des Konjunkturzyklus“, um jeden Preis. Und sich niemals fragen, ob sie das tun oder die Konsequenzen bedenken sollten. Aber da sie nicht vom Volk gewählt sind und keine Konsequenzen für ihr Scheitern zu befürchten haben, müssen sie den Kollateralschaden nicht berücksichtigen, den sie verursachen.

Ich wiederhole: Die grundlegenden Bären, die vorhergesagt haben, dass die Zentralbanker nie in der Lage sein würden, das von ihnen geschaffene Konstrukt zu normalisieren und was die weltgrößte Schuldenexplosion der Geschichte ausgelöst hat, diese Bären hatten zu 100 Prozent recht. Wir alle starren auf ein kolossales Politikversagen ohne Rechenschaftspflicht.

Und so geht’s los:

Draghi: Einige Mitglieder des EZB-Rats haben die Möglichkeit von Zinssenkungen vorgebracht, andere die Möglichkeit einer Neuauflage des Programms zum Ankauf von Anleihen oder die Verlängerung der forward guidance (Anm.d.Ü.: die Einschätzung über die Absichten des EZB-Rats mit Blick auf die zukünftige Entwicklung. Volker Pispers würde sagen: die Glaskugel-Besitzer)

Zurück zum alten TINA-Unsinn:

Zu einem Zeitpunkt, an dem die Bilanz der EZB auf einem Rekord-Hoch ist, bei gleichzeitig einbrechenden Inflationserwartungen:

Und das bei anhaltenden Negativ-Zinsen:

Bevorstehende Zinssenkungen in den USA, nach dem erbärmlichsten Zinserhöhungs-Zyklus in der Geschichte, während die öffentlichen Schulden im Vergleich zum BIP höher sind als je zuvor:

Und die Wirtschaftsdaten, die Renditen und die Inflationserwartungen kollabieren ringsum:

Und somit ist TINA wieder da, das blaue Meth ist wieder auf dem Markt und Investoren flüchten wieder in Aktien, angesichts sich verschlechternder Fundamentaldaten.

Das bringt FOMO zurück (Anm.d.Ü.: die Angst, etwas zu verpassen), mit der Erwartung, dass dies eine neue Ära von Rekord-Hochs bringt und die Zentralbanker im rechten Moment einschreiten, um einen weiteren Einbruch bei den Akteinkursen zu verhindern.

Man wird geradezu verleitet, für das große Finale wieder nach Vermögenswerten zu jagen.

Nicht wegen der Ergebnisse, nicht wegen des Umsatzes oder des Wachstums. Weil sie es müssen, da die Renditen wieder einbrechen und die Zentralbanker wieder kostenloses Geld versprechen.

Wie ich schon seit geraumer Zeit darlege: Die Aktienmärkte können ohne Intervention, ohne helfende Hand, ohne zahme und intervenierende Zentralbanken keine Gewinne oder Rekordpreise erzielen. Dies gilt seit 10 Jahren und auch für 2019, denn dort liegen alle großen Gewinne:

Dies ist kein Kapitalismus, und diese laufende Farce stellt auch keine freie Marktpreisfindung dar. Es ist eine Polit-Büro basierte Zentralplanung, die verzweifelt versucht, die Bälle in der Luft zu halten.

„Um den Konjunkturzyklus zu verlängern“, sagte Jay Powell diese Woche. Seit wann ist dies der Hauptzweck der Fed? Was ist mit Inflation und Preisstabilität passiert? Sie werfen bereits ihre angegebenen Inflationsziele über den Haufen und sprechen darüber, die Inflation heißer laufen zu lassen, wenn sie sie auffrischen können. Es gibt keine Integrität, nur bewegliche Ziele und Karotten, die von den Aktienkursen angetrieben werden.

Die Vortäuschung ist verschwunden, es geht darum, die Illusion am Leben zu erhalten, dass die Fed weiß, was sie tut, dass sie immer da ist, um die Märkte vor Schwierigkeiten zu bewahren.

Aber ihre Erfolgsbilanz ist offensichtlich: Seit 10 Jahren hat die Fed ihre Inflationsziele (so schlecht sie auch sein mögen) nicht erreicht. Sie hat es trotz jahrelanger Versprechungen nicht geschafft, sich zu normalisieren, und wird sich nie normalisieren können. Zwischen 2008-2019 war die Fed nur 3 Monate lang nicht akkommodierend (Anm.d.Ü.: was bedeutet, dass die Zentralbank bei einer Erhöhung der Staatsausgaben mit einer Erhöhung der Geldmenge reagiert). Das explodierte ihnen im Dezember ins Gesicht. Sie werden nie wieder nicht akkomodierend sein. Das können sie nicht.

Diese Woche freuen sich die Investoren, wieder auf den kommenden Zug mit kostenlosem Geld aufzuspringen. Sie könnten durchaus für die gleiche Masche belohnt werden, die seit 10 Jahren funktioniert, mit den bereits erkennbaren Folgen: Immer mehr Rekordverschuldung von Regierungen, Unternehmen und Verbrauchern und ja, immer extremere Vermögensunterschiede. Bravo.

Alternativ können Anleger auch vorsichtig sein, wenn es darum geht, dem Scheitern der Politik hinterherzulaufen und stattdessen ein Auge auf technische Details werfen, die durchaus auf ein anderes Ergebnis hinweisen könnten:

Während die Märkte noch über das endgültige Ergebnis streiten, ist das Urteil an der strategischen Front bereits da: Game over. Das große Zentralbankexperiment hat sich als ein kolossales Scheitern herausgestellt. Geht in Deckung.

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/game-over-07-06-2019/

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