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Ausland, Welt

Gegen wen geht der nächste Krieg: Iran oder Venezuela?

von Jacob G. Hornbergerhttp://www.antikrieg.com

Bemitleiden Sie Präsident Donald „America First“ Trump, Außenminister (und ehemaligen CIA-Direktor) Mike Pompeo, National-Security Advisor (und Cold War Fanatiker) John Bolton, und Sonderbeauftragten der USA für Venezuela (und Cold War Fanatiker) Eliott Abrams. In dem Wissen, dass das amerikanische Volk ihre ewigen Kriege in Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen und Jemen satt hat, können sich diese vier Interventionisten nicht entscheiden, ob sie einen neuen Krieg gegen Venezuela oder gegen den Iran oder gegen beide auslösen sollen. Sie wissen nur, dass sie einen neuen Krieg, einen aufregenden Krieg, einen gewinnbringenden Krieg gegen ein armes Land der Dritten Welt wollen, einen Krieg, der die Amerikaner dazu bringt, die anhaltenden Fiasken im Nahen Osten und in Afghanistan zu vergessen, und der hoffentlich Amerika durch „erfolgreiche“-Eroberung, Bombenangriffe, Tod, Zerstörung und Regime-Wechsel wieder zur Größe bringen wird. Man kann sich leicht die Argumente vorstellen, die im Weißen Haus vorgebracht werden: „Iran! Sie haben unseren Schah von der Macht verdrängt!“ „Nein, Venezuela! Es ist Teil der weltweiten kommunistischen Verschwörung, Amerika zu übernehmen!“

Im Idealfall wird ihnen die Wahl erleichtert, wenn entweder der Iran oder Venezuela zuerst zuschlägt. Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass die Verfassung, die angeblich das Gesetz des Landes ist, eine Kriegserklärung des Kongresses erfordert, bevor der Präsident und seine Armee Krieg führen können. Darüber hinaus erklärten die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse nach dem Zweiten Weltkrieg, dass es für eine Nation ein Kriegsverbrechen ist, einen Angriff auf eine andere Nation zu starten.

Nicht, dass sich ein Präsident mit der Verfassung und den Nürnberger Prinzipien beschäftigt. Trump weiß, dass er diesen Abschnitt der Verfassung ungestraft verletzen kann. Er weiß, dass, während der Kongress ihn wegen „Kollusion“ mit den Russen oder wegen des nebulösen Verbrechens der „Behinderung der Justiz“ anklagen könnte, es keine Möglichkeit gibt, dass der Kongress ihn anklagen wird, weil er absichtlich gegen die Einschränkung der Kriegserklärung in der Verfassung verstößt. Er weiß auch, dass das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten von Amerika, dessen Aufgabe es ist, die Verfassung durchzusetzen, sich nur passiv und respektvoll gegenüber jedem vom Präsidenten initiierten Krieg verhalten wird.

Aus der Sicht dieser vier Interventionisten wäre ideal, wenn entweder Venezuela oder der Iran die Vereinigten Staaten angreifen oder, wie sie es jetzt formulieren, „US-Interessen“ angreifen, was auch immer das bedeutet. Dann könnten sie herumschreien: „Wir wurden angegriffen! Wir sind schockiert! Wir hatten keine Ahnung, dass das passieren würde! Wir sind unschuldig! Wir haben uns nur um unsere eigenen Angelegenheiten gekümmert! Das ist ein Akt der Aggression! Dies ist ein weiterer Tag, der in Schande leben wird! Wir haben jetzt keine andere Wahl, als uns selbst zu verteidigen, indem wir Bomben werfen und Tod und Zerstörung anrichten, um einen Regimewechsel zu erreichen!“

Ihr Vorbild ist natürlich Präsident Franklin Roosevelt, der Japan dazu gebracht hat, US-Truppen in Pearl Harbor anzugreifen. Zu dieser Zeit hielten die US-Präsidenten noch die verfassungsmäßige Bestimmung ein, die eine Kriegserklärung durch den Kongress erforderte. FDR wusste, dass er keine Kriegserklärung des Kongresses kriegen konnte, da das amerikanische Volk sich überwältigend gegen den Eintritt in den Zweiten Weltkrieg aussprach, insbesondere nach dem tödlichen, zerstörerischen und nutzlosen Fiasko des Ersten Weltkriegs.

Zuerst tat FDR sein Bestes, um die Deutschen zum Angriff auf die Vereinigten Staaten zu bewegen, damit er ausrufen konnte: „Wir wurden angegriffen! Jetzt gebt mir meine Kriegserklärung!“ Aber die Deutschen weigerten sich, seinen Köder zu nehmen. So ging FDR in den Pazifik und begann, die Japaner zu provozieren, mit dem Ziel, sich eine „Hintertür“ zum europäischen Konflikt zu sichern. Zu seinen wichtigsten Mitteln der Provokation gehörten Beleidigungen und Demütigungen japanischer Beamter, das Einfrieren japanischer Vermögenswerte in den Vereinigten Staaten und vor allem die Verhängung eines Embargos für Erdöl, von dem FDR wusste, dass die Japaner es für die Aufrechterhaltung ihrer Kriegsmaschine in China benötigten.

Der Plan des FDR hat hervorragend funktioniert. Beleidigt, gedemütigt und ausgequetscht, versuchten die Japaner, aus der immer enger werdenden Schlinge FDRs zu schlüpfen, indem sie versuchten, die US-Pazifikflotte mit ihrem Angriff auf Pearl Harbor auszuschalten, was es ihnen, so hofften sie, ermöglicht hätte, Öl sicher von den niederländischen Ostindischen Inseln ohne Einmischung der USA zu bekommen. Der Angriff auf Pearl Harbor ermöglichte es FDR, vor dem Kongress zu erscheinen und zu rufen: Wir wurden angegriffen! Wir sind schockiert! Wir sind unschuldig! Wir hatten keine Ahnung, dass das passieren würde! Das ist ein Akt der Aggression! Dies ist ein Tag, der in Schande leben wird! Jetzt gebt mir meine Kriegserklärung!“ Da Deutschland den USA den Krieg erklärt hatte, um das Bündnis mit Japan zu honorieren, hatte FDR bekommen, was er wollte – den Eintritt der Vereinigten Staaten von Amerika in den Zweiten Weltkrieg.

Das ist das Modell, das Trump, Pompeo, Abrams und Bolton jetzt gegen den Iran und Venezuela anwenden. Sie haben angekündigt, dass sie keinem Land erlauben werden, Öl aus dem Iran zu kaufen, mit dem Ziel, den iranischen Bürgern so viel wirtschaftliches Leid wie möglich und sogar Tod zu bringen. Gleichzeitig haben sie die Vermögenswerte Venezuelas hier in den Vereinigten Staaten eingefroren, dem Land einen anderen Präsidenten verordnet, dem venezolanischen Volk durch immer strengere Wirtschaftssanktionen massiven Schaden zugefügt und einen gewaltsamen Aufstand innerhalb des Landes angeheizt.

Die Zeit wird zeigen, ob Trump mit seiner fröhlichen Bande von Interventionisten so erfolgreich sein wird wie Roosevelt, oder ob Trump und seine interventionistischen Kohorten die Geduld verlieren und einen neuen nicht erklärten Aggressionskrieg gegen den Iran, Venezuela oder beide auslösen werden.

erschienen am 7. Mai 2019 auf > Future of Freedom Foundation > Artikel

http://www.antikrieg.com/aktuell/2019_05_08_wasfuerein.htm

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Gegen wen geht der nächste Krieg: Iran oder Venezuela?

  1. Es kommt nicht gut rüber, die eigene Einschätzung mit „objektiver Analyse“ gleichzusetzen und so andere Meinungen zu diskreditieren.
    Zum Inhalt:
    Es war Trump, welcher die genannten Kriegstreiber in die jetzigen Schlüsselpositionen befördert hat und es ist eine reine Behauptung, daß er dies allein auf Grund des Drucks der Demokraten tat.
    Es war Trump, der sich zum engsten Handlanger der Zionisten gemacht hat, die nichts mehr anstreben als einen Krieg gegen den Iran. Er war es, der die Botschaft nach Jerusalem verlegte und die Annektion der Golanhöhen begrüßte.
    Es war Trump, der Megawaffendeals mit den Saudis abschloß und deren Vorherrschaftspolitik im mittleren Osten fördert. Grundlage ist ein inniges Bündnis von Zionisten, Saudis, das von seinem Schwiegersohn orchestriert wird.
    Es ist durchaus so, daß die Demokraten was Israel, Iran, Syrien, Afghanisten, Jemen, Lybien etc. betrifft genau die gleiche Kriegspolitik verfolgen. Aber es ist Trump, der weiter vorgeprescht ist als es Obama und Clinton sich getraut hatten.
    Trump ist ansonsten dafür bekannt, daß er bei Verhandlungen dem Gegenüber die Pistole auf die Brust setzt. Zu diesem Spiel gehört, möglichst unberechenbar zu erscheinen, in jeder Weise zu lügen oder auch mal den Anschein zu erwecken, kein Kriegstreiber zu sein, nur um dann plötzlich umso massivere Drohungen und Erpressungen durchzuführen. Das kann man aktuell sehr gut an den Verhandlungen mit China betrachten, wo er drei Tage vor dem anvisierten Abschluß der Verhandlungen per Twitter verkündete, ab Freitag auf alle chinesischen Importe 25% Einfuhrsteuer zu erheben.
    Zusammengefaßt: Trump sind die demokratischen Kriegstreiber zu lasch und er ist gewillt, zu zeigen wo der Hammer hängt, er, der sich selbst als „größten Militaristen aller Zeiten“ bezeichnet hat.

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    Verfasst von Eugen Hardt | 8. Mai 2019, 19:17
  2. Der Artikel wäre besser, wenn der Autor über gut fundierte Kenntnis verfügen würde oder unterstellt er besitzt sie, zur Kenntnis gebracht hätte. Es ist ein fataler Fehler, wenn die gegenwärtige politische Lage eines Landes nur oberflächlich betrachtet wird, statt sich eine richtige Analyse zu erstellen. Bereits mit dem ersten Satz in dem Artikel deutlich wird, dass er das unterlassen hat.

    Es ist vollkommen falsch, Trump mit Pompeo, Bolton und Abrams auf eine Stufe zu stellen. Gleichzeitig ist aber auch sonderbar, dass er Pence in dem Zusammenhang unerwähnt lässt. Richtig ist vielmehr, dass das Triumvirat – bestehend aus Pence, Bolton und Pompeo – die Kriegstreiber in der US-Regierung sind. Es war Bolton, der die Monroe-Doktrin ins Spiel brachte, die von Pence mit Freude aufgegriffen wurde, was der Autor des Artikels anscheinend nicht zur Kenntnis nahm.

    Dass mit hoher Wahrscheinlichkeit das der Fall ist, macht er in dem Artikel mit den Worten deutlich „… wie sie es jetzt formulieren „US-Interessen“ angreifen“. Die Worte „wie sie jetzt formulieren“ sind falsch, denn der US-Präsident James Monroe erklärte in seiner Doktrin 1823 eine Nichteinmischung der Vereinigten Staaten in europäischen Konflikte, forderte ein Ende der Kolonialisierung in der westlichen Hemisphäre und drohte, dass bei einer Zuwiderhandlung die USA eingreifen würden. Also fasst 200 Jahre ist der Gedanke von Verletzung der US-Interessen alt.
    1904 machte Präsident Theodore Roosevelt mit seiner Mitteilung, die als Roosevelt-Corollary bekannt ist, an den Kongress deutlich, dass die Vereinigten Staaten einen alleinigen Anspruch auf Interventionen in inneramerikanische Angelegenheiten besitzen bei Konflikten zwischen und innerhalb der Staaten Süd- oder Mittelamerikas und der Karibik als auch Konflikte dieser Staaten mit nichtamerikanischen Akteuren.
    In dem Zusammenhang ist die von Präsident Harry Trumen 1947 erfolgte Erweiterung der Monroe-Doktrin, die als Trumen-Doktrin bekannt wurde, dahingehend zu beachten, dass allen Völkern, deren Freiheit von militanten Minderheiten oder durch einen äußeren Druck bedroht ist, die USA Beistand gewähren werden. Die Hegemonie der USA ist nicht wie so oft dargelegt ein in der Neuzeit entstandener Anspruch, sondern geht auf das Jahr 1823 zurück.
    Deshalb erklärte auch Pence sofort, dass die Monroe-Doktrin nie außer Kraft gesetzt wurde und somit nach wie vor gilt mit all ihren Änderungen.

    Wenn ich dann oben schrieb, dass Trump nicht mit dem Triumvirat auf eine Stufe zu stellen ist, so muss man seine Politik unbeeinflusst und objektiv analysieren. Dabei ist unbedeutend, ob man Trump mag oder nicht, weil es bei der Erarbeitung einer objektiven Analyse darauf nicht ankommt.
    Trump gehört nicht zu den Kriegstreibern, aber er hat sich als Präsident den Kriegstreibern des Kongresses unterzuordnen, wenn er US-Präsident bleiben will, weil sie im Repräsentantenhaus die Mehrheit haben und im Kongress sich einige Senatoren zu den Demokraten mitunter hingezogen fühlen. Das verdeutlichte die Trump-Entscheidung zum Truppenabzug in Syrien und zur Reduzierung der Truppe in Afghanistan. Die Beendigung der Kriege ist ein Wahlversprechen Trumps. Die Kriegstreiber im Kongress und in der US-Elite haben ein Geschrei erhoben als würde der Weltuntergang nahen. Es blieb ihm nichts anderes übrig als beizudrehen. Seine Sachen wollte er deshalb nicht packen. In dem Zusammenhang sei an das Gesundheitsgesetz erinnert, dass er schaffen wollte, um das Obamacare zu ersetzen, was ebenfalls ein Wahlversprechen von ihm ist. Auch das war nicht durchsetzbar, weil die Kriegstreiber des Kongresses dafür keinen Cent auszugeben bereit waren. Niemand anders als Hillary Clinton ist es, die dafür sorgt, dass die Demokraten ihre politische Linie fortsetzen und das auch in Bezug auf Russland. So ist es auch nicht Trump anzukreiden, dass er nicht zielstrebiger auf Russland zugeht. Dabei darf nicht übersehen werden, dass er neulich mit Putin eineinhalb Stunden telefonierte, indem sie gewiss auch über Syrien bezüglich der Schaffung der entmilitarisierten Zone in Idlib gesprochen haben. In den nächsten Tagen werden wir erfahren, worauf sich beide verständigt haben.

    Nicht übersehen werden darf, dass er die Saudis gut mit Waffen versorgt, die den Krieg im Verbund mit anderen Staaten gegen den Jemen führen. Es sagt niemand, dass er ein Friedensengel ist, auch wenn Pompeo sagte: „Präsident Trump wurde gerade jetzt für eine solche Zeit, genau wie Königin Esther, sozusagen aufgezogen, um das jüdische Volk vor der iranischen Bedrohung zu retten.“ Er setzte hinzu: „Ich bin zuversichtlich, dass der Herr hier am Werk ist.“ Lassen wir Pompeo bei seinem Glauben, weil dieser bei Erstellung einer objektiven Analyse über die Politik Trump nicht stört.

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    Verfasst von Gerd Pehl | 8. Mai 2019, 18:50

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