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Ausland, Naher Osten

Der Krieg gegen den Iran wird heiß

von Jochen Mitschka – https://kenfm.de

Seit 1953 führen die USA einen ständigen Krieg gegen den Iran, aber bald wird wieder geschossen.

Seit dem von den CIA finanzierten und orchestrierten Putsch von 1953 gegen eine gewählte demokratische Regierung im Iran haben die USA nie aufgehört, einen Krieg gegen das iranische Volk zu führen. Die verschiedenen Etappen und Höhepunkte hatte ich in meinem Buch: „Schattenkriege des Imperiums – Der Krieg gegen den Iran“ (3) ausführlich beschrieben. Dabei war einer der Höhepunkte sicher die Beteiligung der USA am Angriffskrieg des Irak gegen den geschwächten postrevolutionären Iran von 1980 bis 1988. Dabei wurde nicht nur Giftgas mit Wissen und Hilfe der USA eingesetzt, sondern die USA arbeiteten als Flugeinweiser für die Bomber des Irak und schossen nebenbei eine zivile Verkehrsmaschine des Iran ab, ohne sich jemals dafür zu entschuldigen. Und nun ist es wieder so weit. Nach CyberWar, Attentaten unter anderem mit der Ermordung von fünf führenden Atomwissenschaftlern, nach Wirtschaftskrieg und Unterstützung von Terroristen zur Destabilisierung des Landes, stehen wir nun, nach der Wiederwahl des israelischen Premierministers Netanjahu, vor einem neuen Krieg mit Bomben und Raketen. Allerdings ist der Iran dieses Mal wesentlich besser vorbereitet.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran waren noch nicht einmal bei der Besetzung der Botschaft in Teheran so hoch gewesen, wie sie heute sind. Als Trump nun die Revolutionären Garden, den wichtigsten Teil der Territorialverteidigung des Iran, als „Terroristenorganisation“ markierte, reagierte der Iran damit, das US-Zentralkommando (US Central Command „CENTCOM“) als Unterstützer des Terrors zu bezeichnen. Nun haben beide Regierungen die Streitkräfte des jeweils anderen Landes auf das Niveau von Terroristen herabgestuft, auf das gleiche Niveau wie Al-Kaida oder ISIS. Das bedeutet, dass Kommandeure vor Ort jederzeit angreifen dürfen, ohne zurückfragen zu müssen. Was einem offenen Eimer mit Benzin während eines heftigen Neujahrfeuerwerks gleich kommt.

Die beiden Mächte stehen sich nicht nur in Syrien und im Irak gegenüber, sondern auch auf der Straße von Hormus, im Persischen Golf. Wie der Name schon sagt, ist es eben nicht der US-Golf. Es braucht gar keine FalseFlag wie im Krieg gegen Vietnam, den Irak oder Libyen. Es reicht ein US-Schiff in der Nähe der iranischen Hoheitsgewässer, das die Aufforderung eines iranischen Schnellbootes nicht beachtet abzudrehen, und schon bricht die Hölle los. Ein Konflikt erscheint unvermeidbar. Auch wenn Analysten nicht erwarten, dass Teheran einen Angriff gegen US-Schiffe riskieren wird, so darf man wohl erwarten, dass das Land auf einen Übergriff entschlossen reagieren wird.

Der Iran ist nicht erst seit der „Anerkennung“ von Jerusalem als Hauptstadt Israels und der syrischen Golanhöhen als Israelisches Hoheitsgebiet durch die USA, und nur durch die USA, überzeugt, dass der nun wiedergewählte Premierminister von Israel Benjamin Netanjahu einen beherrschenden Einfluss auf den US-Präsidenten Trump ausübt. Deshalb geht der Iran davon aus, dass Netanjahu diesen dazu bringen wird, einen Angriffskrieg zu starten. Und deshalb haben sich der Iran und seine Verbündeten intensiv auf diesen Krieg vorbereitet. Elijah J. Magnier, der hervorragende Kontakte zu führenden Kreisen im Iran, in Syrien, im Irak und in der libanesischen Hisbollah hat, berichtet, dass alle Verbündeten des Iran vorbereitet und grimmig entschlossen sind, auf einen Angriff sofort zu reagieren.

Seinen vertrauenswürdigen Quellen zufolge hatte der Iran in den letzten Tagen die Verbündeten im Mittleren Osten kontaktiert, und über die drohende Gefahr informiert, und darüber was die möglichen Konsequenzen für diese Länder wären. Alle Verbündeten haben dem Informanten zufolge bestätigt, den Iran zu unterstützen, sollte er angegriffen werden, und die „Islamische Republik“ in Gefahr geraten. Magnier betont, dass diese Information von hochrangigen Entscheidungsträgern bestätigt worden wäre (1).

LIBANON

Bezugnehmend auf den Libanon hat der Generalsekretär der Hisbollah, Hassan Nasrallah versprochen, dass die Hisbollah nicht untätig zusehen werde, wenn der Iran angegriffen werden sollte, sondern dass die Hisbollah agieren wird, statt die Ereignisse nur zu beobachten. Das heißt, dass ein Krieg der USA und Israels gegen den Iran sofort auf andere Länder übergreifen wird. Zuallererst auf Israel und den Libanon. Und der Grund, warum die USA zusätzlich zum israelischen Raketenabwehrsystem, dem „Iron Dome“ in den letzten Wochen ein Raketenabwehrsystem vom Typ THAAD nach Israel brachten, verstärkt die Vermutung, dass sich auch die USA auf einen Krieg vorbereiten. Denn die Raketen der Hisbollah werden die größte Bedrohung für Israel sein. Und die Raketen der Hamas, die ab und zu von Gaza aus in besetzten Gebieten Palästinas einschlagen oder abgefangen werden, meist ohne Schaden anzurichten, sind nur Spielzeuge gegen die Raketen der Hisbollah.

Israelischen Quellen zufolge wird immer wieder kolportiert, dass die Hisbollah inzwischen 150.000 Raketen im Libanon versteckt hätte, die jeweils 400 bis 500 kg Sprengstoff transportieren könnten. Angeblich würden diese sukzessive in ihrer Genauigkeit verbessert werden. Aber auch ohne die Verbesserungen könnten diese Raketen unvorstellbare Zerstörungen anrichten. Selbst wenn die Hisbollah in der ersten Welle „nur“ 10.000 Raketen abschießen sollte, entspräche das der Sprengkraft von 4.000 Tonnen Sprengstoff. Und wenn der Iron Dome tatsächlich 80% abfangen kann und die THAAD Anlage noch einmal 10%, blieben immer noch 400 Tonnen Sprengstoff, die auf Israel, diesmal nicht auf Palästina, regnen würden.

Trotz dieses Abschreckungspotentials glaubt die Führung im Iran, dass Israel einen Krieg wagen wird, weil es sich auf die Abschreckung und Technologie der USA glaubt verlassen zu können. Noch nie, so denkt Teheran, war für Netanjahu das Ziel eines Krieges gegen den Iran so greifbar wie nun, da in den USA Donald Trump als Präsident die Interessen Netanjahus vertritt. Denn Netanjahu hat auch mit anderen arabischen Staaten die Beziehungen verbessert, wenn auch vorwiegend mit den Diktaturen wie Saudi-Arabien, Bahrein, den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die anderen Länder sind nicht in der Lage, sich einem Krieg gegen den Iran in die Wege zu stellen. Und so ist der Zeitpunkt für einen Krieg nun oder nie für Netanjahu gegeben. Ein Krieg würde nebenbei die lästigen Korruptionsvorwürfe gegen ihn in den Hintergrund drängen.

Zur Situation im Libanon schreibt Magnier: „Zu der heiklen Situation im Libanon, einem multi-ethnischen Land, das sich in finanziellen Nöten befindet, sagte die Quelle: ‚Der Iran hatte seit Jahrzehnten Verbündete im Libanon, Syrien, dem Irak und Palästina bewaffnet und finanziell unterstützt. Diese Investition wird nicht vergebens sein. Sowohl der Libanon als auch Israel habe seit langer Zeit genügend Gründe, um einen Krieg zu beginnen, aber die politischen und militärischen Umstände waren ungeeignet gewesen. (…) Deshalb bedeutet ein Krieg zwischen den USA und dem Iran einen Krieg gegen Israel‘.“ (1)

Israel war es nicht gelungen, die Hisbollah mit einem Angriffskrieg im Jahr 2006 zu schlagen und zu neutralisieren. 75.000 Soldaten Israels waren von 4.500 Hisbollah-Kämpfern aufgehalten worden. Von den angreifenden 400 gepanzerten Mannschaftstransportwagen wurden 44 zerstört. Der beschämende Rückzug Israels gegen einen deutlich unterlegenen Verteidiger warf einen Schatten auf der Geschichte der ruhmvollen israelischen Armee. Nach Verabschiedung einer UNO-Resolution stimmten Israel und die Hisbollah einem Waffenstillstand zu. Dieser wurde im Wesentlichen eingehalten und die israelischen Soldaten zogen sich stufenweise aus dem Libanon zurück. Inzwischen hat die Hisbollah durch die Kämpfe in Syrien und dem Irak erhebliche Erfahrungen dazu gesammelt, seine Waffen deutliche verbessert und genießt im Land allgemeine Anerkennung als wichtigste politische und militärische Kraft.

SYRIEN

Hinsichtlich der Situation in Syrien versuchen die USA das Land durch einen Wirtschaftskrieg in die Knie zu zwingen, nachdem es militärisch mit Hilfe der Terrororganisationen nicht gelang. Jede Annäherung der arabischen Länder wird durch sofortige Androhung von Strafmaßnahmen unterdrückt. Der Versuch der Arabischen Liga, Frieden mit Damaskus zu schließen, wurde erfolgreich torpediert. Präsident Assad kämpft gegen tödliche Sanktionen, die auch von Deutschland beachtet und verfolgt werden.

Ein interner Bericht der UNO aus dem Jahr 2016, zu dem „The Intercept“ Zugang hatte, enthüllte, dass die von den USA und der EU verhängten Sanktionen die einfachen Syrer hart treffen und die Arbeit der Hilfsorganisationen zunichte machen, sowie die schlimmste humanitäre Katastrophe seit dem 2. Weltkrieg verursachten. Der Bericht der UNO beschreibt, wie die Sanktionen und der Krieg jeden Sektor der Wirtschaft Syriens destabilisiert haben, die Wirtschaft eines Landes, das einmal fast vollkommen Selbstversorger war, und keinerlei Auslandsschulden hatte. Nun wird Syrien zu einem Land das Hilfe benötigt. Aber die Hilfe aus dem Westen ist kaum möglich, weil die Sanktionen Ausrüstungen zur Blutverarbeitungs-Sicherheit, medizinische Geräte, Nahrungsmittel, Treibstoff, Wasserpumpen, Ersatzteile für Kraftwerke und vieles andere verhindern.

In dem 40-seitigen Papier der UNO, das erstellt wurde, um die Auswirkungen der Sanktionen auf die humanitäre Hilfe festzustellen, wird beschrieben, dass die Maßnahmen der USA und der EU  das „weitreichendste Sanktionsregime ist, das jemals verhängt wurde„. In dem Papier wird detailliert ein komplexes System von „unberechenbaren und zeitraubenden“ Finanz-Restriktionen und Lizenz-Erfordernissen beschrieben. Der Bericht stellt fest, dass die Sanktionen der USA „außergewöhnlich hart hinsichtlich der Lieferung von Humanitärer Hilfe“ sind (2).

Eine interne UNO-E-Mail, die The Intercept eingesehen hatte, beschuldigte die USA und die EU, Sanktionen verhängt zu haben, die zu Nahrungsmittelengpässen und drastischer Verschlechterung der Gesundheitsversorgung der Syrer geführt haben. Im August 2016 warnte ein wichtiger UNO-Beamter, dass die Sanktionen innerhalb von 18 Monaten zu einer Verdoppelung des Benzinpreises und zu einem Abfall der Weizenproduktion um 40% seit 2010 geführt hatten, wodurch der Weizenmehlpreis um 350% und der Reispreis um 650% angestiegen sind. Die E-Mail nennt als „Hauptfaktor“ für die Erosion des Gesundheitssystems in Syrien die Sanktionen. Fabriken, die Arzneimittel zur Selbstversorgung hergestellt hatten, waren durch die Kämpfe zerstört, oder wegen den Restriktionen der Sanktionen, die Rohstofflieferungen unmöglich machen, geschlossen worden, erklärt die E-Mail (2).

Abgesehen davon, dass das bis heute anhaltende Sanktionsregime, auch Deutschlands, die Heuchelei westlicher „Hilfe“ deutlich macht, muss die Regierung in Damaskus sehr sorgfältig überlegen, welche Schritte es in Fall eines Kriegs der USA gegen den Iran unternehmen kann. Andererseits war die letzte Provokation der USA, die „Übertragung“ der Golanhöhen durch die USA an Israel eine Demütigung zu viel, um sie zu ignorieren. Präsident Assad wird sich kaum einem Krieg gegen Israel verschließen können, sollte es zu einem Angriff auf den Iran kommen. Dabei werden zweifelsohne die syrischen Golanhöhen im Fokus stehen. Und diese auch mit Waffengewalt zurück zu gewinnen, wäre völkerrechtlich legitimiert, nachdem Jahrzehnte der Verhandlungen nutzlos waren, und nun sogar die international nicht anerkannte Annexion durch Israel ausgesprochen wurde.

IRAK

Im Irak gibt es eine neue Regierung und einen Premierminister, der dem Iran gegenüber freundlich eingestellt ist. Sehr zum Ärger der USA. Diese neue Zentralregierung ist bemüht, eine Konfrontation zwischen den USA und dem Iran zu verhindern, insbesondere versucht der Irak zu verhindern, dass von seinem Gebiet aus Aktionen gegen den Iran geplant und durchgeführt werden. Was bei angeblich inzwischen 10.000 US-Soldaten auf irakischem Gebiet nicht einfach ist.

Dabei muss die irakische Regierung immer im Auge behalten, dass tausende von ISIS-Kämpfern in Lagern in der Nähe der US-Militärbasen festgehalten werden und jederzeit „fliehen“ könnten. Deshalb ist die offizielle Haltung der Regierung zähneknirschendes Akzeptieren der US-Truppen.

Im Falle eines Krieges ist aber sehr wahrscheinlich, dass sich die dem Iran gegenüber loyalen Milizen, die eine wichtige Rolle im Kampf gegen ISIS spielten, sich nun gegen das US-Militär innerhalb des Iraks wenden werden. Und der Kampf der Rebellen, der die letzte Besatzung des Iraks durch die USA beendete, wird dann nur als Vorspiel gesehen werden.

USA

In der Zeitschrift Newsweek erschien am 4. April ein Artikel, der erklärte, dass der Iran für den Tod von mindestens 608 amerikanischen Soldaten zwischen 2001 und 2003 im Irak verantwortlich wäre. Das Pentagon beschuldigt den Iran für mindestens 17 Prozent der US-Verluste verantwortlich zu sein, indem das Land Waffen an schiitische Widerstandsbewegungen im Irak lieferte. Dazu kämen „tausende“ von toten Irakern, die durch vom Iran abhängige Milizen getötet worden wären (4).

Wir erinnern uns: Der Irak war durch einen Angriffskrieg der USA zerstört worden, der (auch bewaffnete) Widerstand gegen die Besatzung ist durch UNO Resolutionen legitimiert. Dieser Widerstand wird trotzdem von den USA jetzt als Grund genannt, das Land als Terroristen-Unterstützer zu sanktionieren, und einen neuen Angriffskrieg, diesmal gegen den Iran, zu führen. Im erwähnten Artikel wird festgestellt, dass der Hauptprofiteur aller Kriege, welche die USA im Mittleren Osten veranstaltet hatte, der Iran wäre.

„Die US-Armee sagte, dass es so scheint, als ob der Iran der einzige Gewinner im Irakkrieg wäre. Teheran übt nun signifikanten Einfluss auf die Regierung in Bagdad und viele schiitische Militante aus, die einst amerikanische Truppen angegriffen hatten und nun zu gut bewaffneten Volksverteidigungskräften wurden, die wichtig im Kampf gegen ISIS waren. Und so übt der Iran bemerkenswerten Einfluss auf diese Gruppen aus, und unterhält starke Verbindungen zu Schlüsselpolitikern die einst den Widerstand gegen die USA koordinierten.“ (4)

Ein Artikel in Stretegic Culture kritisiert das Pentagon und die Regierung und vergleicht die neuen Beschuldigungen mit denen der Bush-Regierung, des Kongresses und den Medien und erklärt, dass sie allgemein wären, vollkommen unspezifisch, dass sie auf möglichen aber ungerechtfertigten Annahmen basierten, was die Interaktionen des Iran mit anderen Kreisen in der Region angeht, dass sie „schnell und leichtfertig“ mit Statistiken umgingen, und dass sie zu selten nachprüfbare Beweise für die Behauptungen lieferten. „Man könnte auch hinzufügen, dass fast alle Berichte Derivate wären, weil einer auf dem anderen aufbaut, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen, eben so wie die Berichte über den Irak im Jahr 2002“. (5)

Der Bericht bezweifelt zum Beispiel auch die allgemein immer wieder erklärte Behauptung, dass der Iran für die zerstörerischen unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen (IED) die Hauptverantwortung trügen. Also für jene Bomben am Straßenrand, die große Verluste unter den Besatzungstruppen im Irak gefordert hatten. Möglicherweise waren sie im Iran entwickelt worden, aber die Hauptanwender waren sunnitische Aufständische. Und irakische Ex-Soldaten wären sehr wohl in der Lage gewesen, auch anspruchsvolle Bomben zu bauen, meint der Bericht.

Und vergessen wir nicht, dass es der Angriffskrieg der USA war, der den Irak in ein Schlachtfeld verwandelte, der Milizen und Terroristen ermöglichte, mit der Unterstützung der Bevölkerung gegen einen Aggressor, die USA und ihre Verbündete, zu kämpfen. Es waren die USA, die Verantwortung tragen für 1,45 Millionen Tote auf Grund des Angriffskrieges, nicht der Iran.

Als weiteren Grund für einen Krieg gegen den Iran wird immer wieder auch die Unterstützung des Iran für die Houthi-Rebellen im Jemen genannt. Zwischenzeitlich war deren Regierung übrigens durch eine der nationalen Einheit ersetzt worden, ins Amt gewählt von gewählten Abgeordneten, unter der Bombardierung durch Saudi-Arabien. Eine Regierung die dann aber erfolgreich durch Korruption und Drohnenmorde wieder zerstört worden war.

Und auch hier stellt sich die Frage nach Huhn oder Ei. Die Religion der Houthis, oft als Aufhänger für die Verbindung zum schiitischen Iran genannt, ähnelt stärker der der Sunniten, und die Houthis waren viel zu stolz und auf ihre Souveränität bedacht, als dass sie eine Abhängigkeit wie die Hisbollah im Libanon bereit gewesen wären einzugehen. Aber durch den mörderischen Krieg Saudi-Arabiens und der USA mit Großbritannien gegen das bitterarme Land, bei dem Riad weit über 100.000 Luftangriffe flog und zwischen fünf und sechs Milliarden Dollar pro Monat in Krieg, Zerstörung und Tötungen investierte, brachte die Houthis und den Iran immer näher zusammen. Der Krieg, der fast 100.000 Kindern verhungern ließ, und mehrere Wellen von Cholera auslöste, was als die größte Choleraepidemie in die Geschichte eingehen wird, wird die Welt weiter gegen die USA und ihre Verbündeten aufbringen. Und selbst falls der Jemen unter dem Druck der größten Kriegsmaschinerie der Welt zusammenbrechen sollte, werden die USA und ihre Verbündete sich in einem Morast wiederfinden, der mindestens mit dem Kampf der Aufständischen im Irak zu vergleichen ist. Ein Aufstand, der letztendlich zum Abzug der Besatzungssoldaten führte. Und zweifellos wird der Einfluss des Iran weiter wachsen, als wichtigstes Land für Bewegungen in antikolonialen Kriegen. Aber genau diese Befürchtung wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Angriffskrieges der USA gegen den Iran.

Im Wahlkampf hatte Donald Trump noch versprochen, die US-Soldaten nach Hause zu holen und mit Interventionen aufzuhören. Aber seit seinem Amtsantritt wurde der Mittlere Osten noch chaotischer, als er ohnehin durch seine Vorgänger gemacht worden war. Die USA unterstützen Saudi-Arabien in ihrem Vernichtungskrieg gegen den Jemen, Jerusalem wurde entgegen dem eindeutigen Völkerrechtsstatus Israel als Hauptstadt zugeschlagen, ebenso die syrischen Golanhöhen. In Syrien versuchten die USA mit ihren verbündeten Golfdiktaturen einen Regime-Change zu orchestrieren. Erfolglos. Und schließlich verfolgte auch Trump die Politik seiner Vorgänger weiter, den Mittleren Osten neu zu organisieren, und den Irak in drei sich ständig bekämpfende Staaten aufzuspalten. In Kurdistan, Sunnistan und Schiitistan. Ebenfalls vergeblich. Derweil hatte Israel durch hunderte von Luftangriffen versucht, die Bewaffnung der Hisbollah zu verhindern. Was ebenfalls weitgehend wirkungslos war, folgt man Analysten aus der Region.

Alle Bomben und Angriffe galten im Prinzip einem immer stärker werdenden Iran, und stellten sich nun als erfolglos heraus. Nie war die Achse des Widerstandes stärker und geschlossener als zurzeit. Und so ist die Logik eines Krieges als letzte Option, um den Iran zurück ins Mittelalter zu bomben in den Augen der US-Falken sicher auf dem Tisch. Und das war seit Jahren zu erwarten gewesen (3).

Aber die Strategen der USA haben wieder nichts aus der Geschichte gelernt. Sie vergaßen, wie sie aus dem Irak vertrieben wurden, wie sie seit 18 Jahren einen erfolglosen Krieg gegen Afghanistan führen, wie sie von Hisbollah-Vorgängern aus dem Libanon weg-gebombt wurden. Die einzige Macht über die sie verfügen, ist die Macht der Bomben aus der Luft. Vernichtung durch Drohnen und Bomber. Aber auch diese gerät zunehmend in Gefahr. Durch russische S300 und S400 und, was noch zu beweisen wäre, durch iranische Nachbauten der russischen Luftabwehr.

Einen so unberechenbaren Krieg wie den gegen den Iran vom Zaum zu brechen, wird selbst Donald Trump wohl nur riskieren, wenn seine Niederlage bei der nächsten Präsidentschaftswahl im November 2016 unabwendbar erscheint, oder eben nach der sicheren Widerwahl. Die nächsten zwölf Monate werden Klarheit bringen. Wenn der Krieg bis Ende 2020 verhindert werden kann, könnte er möglicherweise ganz ausfallen. Hoffen wir, dass sich Vernunft und Zurückhaltung doch noch durchsetzen.

Quellen:

  1. https://ejmagnier.com/2019/04/11/iran-allies-in-the-middle-east-the-trigger-finger-is-ready-in-case-of-us-israeli-war/
  2. Der Link zum Bericht: https://www.documentcloud.org/documents/3115191-Hum-Impact-of-Syria-Related-Res-Eco-Measures-26.html#document/p1 Der Link zum Artikel im Intercept https://theintercept.com/2016/09/28/u-s-sanctions-are-punishing-ordinary-syrians-and-crippling-aid-work-u-n-report-reveals/
  3. https://www.nibe-versand.de/Politik/Schattenkriege-des-Imperiums-Der-Krieg-gegen-den-Iran-Jochen-Mitschka::64.html  oder Digital https://www.nibe-versand.de/Ebooks/Schattenkriege-des-Imperiums-Der-Krieg-gegen-den-Iran-ebook::103.html
  4. https://www.newsweek.com/iran-us-iraq-war-troops-killed-efps-shiite-militias-1385990
  5. https://www.strategic-culture.org/news/2019/04/11/who-killing-whom-middle-east-blaming-iran-might-excuse-for-war.html

Der Krieg gegen den Iran wird heiß

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