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Krisen, Wirtschaft

Der Bankrun kommt bei der nahenden Krise!

von Norbert Nelte

Kritik des Artikels “Über den Niedergang des Kapitalismus und die Unausweichlichkeit des Sozialismus“ vom 23.6.18 von Rüdiger Rauls in Scharf Links, dem Kommentar zu meinem Artikel „Rosa Luxemburgs Die Schlussperiode des Kapitalismus“ vom 18.6.18

Rauls Kritik an meinen Artikel konzentriert sich in dem Satz „Denn kein Gesellschaftssystem bricht alleine dadurch zusammen, dass es in seiner bisherigen Form nicht mehr weiter funktioniert.“.

Pauls kritisiert über das Alter hinaus keine einzige These von mir oder Marx und Rosa Luxemburg, weshalb sich eigentlich die Beschäftigung mit dem Artikel gar nicht lohnt. Wahrscheinlich hat er die Thesen mit dem Produktionsmittel- und dem Konsumsektor gar nicht verstanden.

Dass Scharf-Links Marx Thesen für zu alt und überholt hält und dass letztlich „weiterhin der Kapitalismus“ siegen wird, zeigt, dass sie eigentlich Scharf-Neoliberal heißen müsste. Wir können an dem Artikel sehr schon zeigen, wie der Durchschnittsbürger denkt

Pauls schreibt;

„Ohne die Erkenntnis der Menschheit, dass der Kapitalismus ihren Bedürfnissen nicht mehr gerecht wird, wird sie sich weiterhin im Hamsterrad der Gesellschaftsformen abstrampeln, dessen Achse, um die sich alles dreht, weiterhin der Kapitalismus ist.“

Die Antwort der Pflegekräfte, denen ich eine Schweinerei vom Kapitalismus erzähle ist zu 80% „Ja, da können wir überhaupt nichts ändern.“ Fatalismus hier wie dort, der vollkommen verkehrt ist und von Historie hat Herr Pauls auch keine Ahnung.

Es sind schon viele Systeme oder Staaten an sich gescheitert, ohne dass jemand Drittes sie umstoßen musste. Bekannt sind die Majas bis 800 oder das Khmer-Reich um 900.

Auch die Römer sind schon lange untergegangen, bevor die Westgoten 410 Rom geplündert haben. Von der Reichskrise des 3. Jahrhunderts haben sie sich wirklich nicht mehr erholt. Die Inflation hat sie einfach niedergestreckt. Und selbst Italien geriet immer mehr unter den Einfluss von Germanen. 410 plünderten meuternde Westgoten die Stadt Rom, 455 folgten ihnen darin die Vandalen, 472 schließlich die Krieger Ricimers“ (Wikipedia) Schließlich setzte 476 der germanische Heermeister Odoaker den Romulus Augustulus als weströmischen Kaiser ab und ernannte sich selbst zum König.

Und auch der Feudalismus war schon lange marode, bevor die von Gott auserwählten gebeten wurden, abzutreten.

Beim Kapitalismus nun wurde der Untergang schon von Anfang an mit eingebaut, so dass es Marx schon 1890 erkennen konnte.

So alt, denkt Rauls, das ist gewagt, bedenkt man, wie sehr sich die Welt in dieser Zeit verändert hat. Viele Ereignisse und Entwicklungen waren zudem damals noch gar nicht vorhersehbar…“

Aber dass wir heute lt. Blackrock nur noch eine durchschnittliche Profitrate in der Produktion von 1% haben, das ist Fakt, und den hat Marx schon vor 130 Jahren gesehen.

Auch der Milliardär Florian Homm spricht davon, sogar mit außerordentlichen Gewinnen mit Aktien im Finanzbereich nur 1,8% Dividende im Durchschnitt.

Florian Homm: in seinem neuen Buch „Der Crash ist da „Heute liegt die Dividendenrendite der Titel im S&P 500 bei lediglich  1,8  Prozent.“

Wer will da noch investieren? Sogar die Fed warnt: Weltwirtschaft vor der Rezession? Federal Reserve: Ohne permanente Interventionen kommt der Crash. Der Crash, hört ihr, ohne Fragezeichen, nix 50:50, der Crash, Punkt. Und nun soll mir Rauls verraten, wer bei 1% Rendite noch investiert.

Greyerz – We Are Now In The Final Seconds Of The Global Mega-Bubble

Blackrock Merz: „Wir stehen hart am Rande einer Rezession“

Aber Rauls will die Fakten nicht anerkennen und träumt von einem lieben Kapitalismus ohne steigender Kapital-zusammensetzung, wo die Maschinen und Roboter zerschlagen werden, wie in der Romantik, da gab es auch die Maschinenstürmer, den Luddismus.

Die Änderung eines Gesellschafts-systems ist nie so geschehen, wie Rauls es malt.

“Ohne die Erkenntnis der Menschheit, dass der Kapitalismus ihren Bedürfnissen nicht mehr gerecht wird, wird sie sich weiterhin im Hamsterrad der Gesellschaftsformen abstrampeln, dessen Achse, um die sich alles dreht, weiterhin der Kapitalismus ist.“

Na klar, es gibt schon in 16 Ländern über 100.000 Arbeiter in selbstverwalteten Betrieben ohne Profit. Die haben alle – ausnahmslos – ihre Betriebe besetzt, nicht weil einer ihnen den Kopf voll gesülzt hätte über ein besseres  Gesellschafssystem, sondern weil sie mussten, wollten sie  ihren Arbeitsplatz behalten. Und dies ist der 1. Schritt zum Sozialismus, bescheinigt Marx, hören Sie, Rauls, das ist schon Fakt. Und der 2. Schritt ist auch schon Fakt in 4 Ländern, Die Urform der zentralen Arbeiterrates gibt es in  Form der Koordination, in Argentinien, Brasilien, Frankreich und den Vereinigten Staaten.

Aber auch am Anfang des Klassenkampfes steht es nicht 50:50, wie Rauls glaubt, das aus Marx herauszulesen. Die einzelne Schlacht, ja, da steht es sogar 10:90 gegen die Arbeiterklasse. Aber kennen Sie das Lied: „Die letzte Schlacht gewinnen wir“?. Wir kämpfen einfach so viele Schlachten, bis unsere 10% dran sind. Im historisch richtigen Moment nehmen wir ihnen ihre Kampfmittel weg.

Der Kapitalismus hat glücklicherweise nur eine Halbwertzeit von 220 Jahren, dann sind die wichtigsten Betriebe alle durchroboterisiert und Roboter selber schaffen keinen Mehrwert, schreibt Engels.

„In keinem Fall aber kann das Arbeitsmittel mehr Tauschwert abgeben, als es selbst besaß – es dient im Arbeitsprozess nur als Gebrauchswert und kann daher nur den Tauschwert abgeben, den es vorher schon besaß.“

Friedrich  Engels: „Einführung in „Das Kapital“ von Karl Marx, S. 89

Wenn das Ihnen zu alt ist, hier etwas Neues, frisch auf den Tisch,  bzw. in den Computer.

Für alle in Konkurrenz stehenden Kapitalisten ist der Roboter normal gleich teuer und alle schlagen in ihrer Kalkulation noch 10% drauf. Dann verzichtet einer sehr schnell auf die Hälfte davon, um mehr zu verkaufen. Am Ende sind alle wieder bei Null Mehrwert angekommen.

Man kann es drehen und wenden, wie man will, Mehrwert kann nur der Mensch schaffen mit seiner Zusatzarbeit. Mit seiner Arbeitskraft kann er mehr Wertschöpfung für den Kapitalisten erbringen, als er dem an Lohn kostet, und der putzt jetzt im Stadtpark die Parkbänke.

 Ernst Wolff schreibt bei KenFM, „Wer erhält das globale Fi­nanzsystem eigentlich am Leben?

2008 wäre das Todesjahr für das bestehende globale Fi­nanzsystem gewesen, hätten Regierungen und Zentralbanken es nicht durch die größte Vermögensumverteilung aller Zeiten mit Hilfe von Steuergeldern am Leben erhalten. Diese Reani­mation aber hatte ihren Preis: Sie hat eine ständig wachsende Schuldenlawine von nie dagewesenem Ausmaß in Gang ge­setzt, die unablässig durch Zinszahlungen bedient werden muss. Aus diesem Grund bleibt den Zentralbanken seit 2008 gar nichts anderes übrig, als immer neues Geld zu drucken und es der Finanzindustrie zu immer niedrigeren Zinsen zur Verfügung zu stellen.“

(Ernst Wolff bei KenFM, „Wer erhält das globale Fi­nanzsystem eigentlich am Leben?“)

In FOCUS-MONEY warnt Finanzprofi Florian Homm: „Sicher, dass es in den kommenden Wochen knallen wird

„Die Wirtschaftserholung der vergangenen Jahre hat nur durch die Nullzinsen funktioniert. Nur das billige Geld hat die Industrieländer halbwegs am Leben gehalten. Die Wirtschaft ist wie ein Schwerkranker in der Endphase. Wahrscheinlich rutschen wir in eine tiefe Rezession. Das ist brandgefährlich, denn die EZB kann nichts mehr dagegen tun. Sie hat ihr Pulver verschossen.“

(FOCUS-MONEY, Finannzprofi Florian Homm: „Sicher, dass es in den kommenden Wochen knallen wird)

Weik und Friedrich: Helikoptergeld ist letztes Mittel, um Krise herauszuzögern, DWN  03.03.19 20:00 Uhr. „Zehn Jahre ist es her, dass sich die Welt in einer ernsthaften Wirtschaftskrise befand. Gelernt haben wir aus dieser Krise offensichtlich äußert wenig, sagen die Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik.“

(Weik und Friedrich: Helikoptergeld ist letztes Mittel, um Krise herauszuzögern, DWN)

Die historische Mission des Kapitalismus ist mit der Kapitalisierung des ganzen Globus, dem Internet und den Robotern zu Ende. Die historische Mission des Kapitalismus ist fertig – aus. Warum gibt die EZB jetzt den Produktionskonzernen  für 0% Kredite? Warum? Weil die aus der Produktion keinen Mehrwert mehr erzielen können. Das ist das Ende der Profitproduktion oder wie Rosa Luxemburg sagt, das Ende der kapitalistischen Produktion.

Das Ende:

BMW Plant Dingolfing – KUKA robots

VW Golf 7 Produktion Wolfsburg 2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Diskussionen

8 Gedanken zu “Der Bankrun kommt bei der nahenden Krise!

  1. Aber werter Kollege Nelte, dafür musst Du doch Scharf-links nicht als Scharf-Neoliberal bezeichnen. Bevor Scharf-links meinen Beitrag veröffentlichte, stand er hier:
    https://linkezeitung.de/2018/06/19/rosa-luxemburgs-die-schlussperiode-des-kapitalismus/

    Ist die LZ jetzt nach deinem Sprachmuster in Linke-Neoliberale-Zeitung umzubenennen?

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    Verfasst von Rüdiger Rauls | 11. April 2019, 20:54
  2. Ich kann Nelte nicht zustimmen, dass Rauls Kritik sich auf den Satz „Denn kein Gesellschaftssystem bricht alleine dadurch zusammen, dass es in seiner bisherigen Form nicht mehr weiter funktioniert“ konzentriert. Wenn er darauf hinweist, dass „Prognosen aus Werken, die schon über hundert Jahre alt sind“ geschöpft wurde, so ist Neltes Darlegung, dass Raul oder wie er schreibt Scharf-Links „Marx Thesen für zu alt und überholt hält“ nicht nachvollziehbar. Vielmehr ist der Hinweis Rauls auf das Alter der Werke dahingehend zu verstehen, dass sie mit Beachtung der Geschehnisse innerhalb des Zeitablaufs betrachtet werden müssen. In dem Zusammenhang sei an Friedrich Engels „Vorrede zur englischen Ausgabe von 1888“ zum „Manifest der Kommunistischen Partei“ erinnert, in dem er darlegte, warum sie sich 1847 für den Namen Kommunismus entschieden haben und ihn auch nach 40 Jahren nicht ändern würden.

    Wenn Nelte mit einer gewissen „Anfeindung“ gegen Raul meint vorgehen zu müssen, so ist das nicht gerade das Gelbe vom Ei, das Nelte wählte. Es bestätigt zugleich, dass der von Nelte angegriffene Satz Rauls zutreffend ist. Dass es so ist, unterstreicht Nelte mit der Darlegung, dass es „schon in 16 Ländern über 100.000 Arbeiter in selbstverwalteten Betrieben ohne Profit“ gibt. Diese Betriebe befinden sich im Kapitalismus. Die Werktätigen – nicht nur die Arbeiter – verwalten das privatkapitalistische Eigentum. Sie sind gezwungen, Profit zu erwirtschaften, damit sie die Produktionsstätte und somit ihren Arbeitsplatz erhalten können. Es scheint, dass Nelte nicht begreift oder nicht begreifen will Rauls Darlegung zum Untergang des Kapitalismus, in dem er deutlich die dialektische Einheit von Inhalt und Form aufzeigt. So scheint es, dass Nelte den Kapitalismus als rein ökonomisches Konstrukt betrachtet, was zweifelsfrei falsch ist. Der Kapitalismus ist ein Gesellschaftssystem, in dem Menschen leben und keine ökonomische Einheit, die mittels kybernetischer Systeme zu steuern sind.

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    Verfasst von Gerd Pehl | 11. April 2019, 16:19
  3. Ach Herrje, nach so langer Zeit, machen Nelte und die LZ sich noch müde mit einer Antwort auf meinen Beitrag. Das scheint Euch ja mächtig zu wurmen. Eigentlich wollte ich ja für die LZ nicht mehr schreiben, auch keine Kommentare mehr. Ich bin nur durch Zufall drauf gestoßen. Ich habe versucht, hier eine Gegendarstellung zu schreiben. Aber ich halte es für verlorene Liebesmüh. Wen es interessiert, der soll sich über den von Nelte angebotenen Link selbst über die Haltlosigkeit seiner Behauptungen informieren. Wen es nicht interessiert, der soll es lassen und lieber den Neltes glauben. Dem Sozialismus und der Welt und der Geschichte ist es ohnehin egal. Die kommen alle ohne den Nelte aus, vermutlich auch ohne den Rauls.
    In diesem Sinne: macht weiter so! Bekämpft die, die sich immer noch einer Idee verpflichtet fühlen, die ihr auch als die Eure vorgebt und knickt ein vor denen, denen IHR nicht gewachsen seid und denen IHR nur ein „Schaun mer mal“ entgegensetzen könnt statt inhaltlicher Auseinandersetzung.

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    Verfasst von Rüdiger Rauls | 11. April 2019, 15:29
  4. Dass sich der Kapitalismus sich in einer schweren Krise befindet, heißt nicht dass er am Ende ist. Ohne die totale Entmachtung der kapitalistischen Elite, damit meine ich die Finanzeliten, die, die großen Konzerne und Zentralbanken kontrollieren, ist jeder Zeit ein Neustart des kapitalistischen Systems möglich oder sogar wahrscheinlich.

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    Verfasst von G. Karfeld | 11. April 2019, 14:59
  5. der bankrun steht im Titel, im text wird darauf aber nicht eingegangen…

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    Verfasst von Tom | 11. April 2019, 11:24
  6. 100.000 mitarbeiter auf der ganzen welt- is ja bisher auch nich sooo viel…..dividiert durch 16 sinds blos 6250 pro Land ..wie ist die organ.form der betriebe? genossenschaft, verein oder andres?

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    Verfasst von Tom | 11. April 2019, 11:23
  7. die „selbstverwalteten Betriebe “ in 16 Ländern..-die müssen ja auch gewinn (profit) machen ,und auch wieder einen teil davon in die erhaltung der prod.mittel investieren, um davon zu leben..und der Rest-gewinn wird dann gleichmässig auf alle arbeiter +angestellten verteilt? .oder wie läuft das?..2. offiziell ist der betrieb ja sicher nicht ihr eigentum, sondern nur besetzt, oder haben sie ihn gekauft?..ansonsten können die ex-besitzer sich die firmen ja jederzeit zurückholen…

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    Verfasst von Tom | 11. April 2019, 11:19

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