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The Management of Savagery: Kriegs-Lobbyisten wollen ein Buch verhindern, das Regimewechsel-Kriege aufdeckt

von Alexander Rubinstein via mintpressnews.com – http://www.theblogcat.de

THE MANAGEMENT OF SAVAGERY: Wie Amerikas Nationaler Sicherheitsstaat den Aufstieg von AlQaeda, ISIS und Donald Trump befeuert hat – von Max Blumenthal

Der Syrian American Council und eine Ansammlung von Kriegslobbyisten haben eine Einschüchterungskampagne durchgeführt, um einen großen Buchladen in Washington dazu zu bringen, dass die Vorstellung des neuen Buches („The Management of Savagery“) des preisgekrönten Journalisten und Autors Max Blumenthal abgesagt wird.

Und es scheint zu funktionieren. Politics and Prose (Anm.d.Ü.: eine Buchladen-Kette und gleichzeitig der Veranstalter) kündigte an, dass das Ereignis „verschoben“ wird. Als Begründung wurden in einem Tweet „Bedenken“ über „das Format, den Inhalt … (und) die Sicherheit“ angeführt. Als Beweis für die Bösartigkeit der Einschüchterungskampagne gegen die kleine Kette hat die Firma ihren Tweet angepinnt, damit jeder Besucher sofort erkennen kann, dass sie nachgegeben haben. (Anm.d.Ü.: Mittlerweile ist dieser Tweet nicht mehr angeheftet.)

Politics and Prose ist DER Buchladen für Bücherpräsentationen in Washington D.C. Wenn man auf Buchtournee ist und nach Washington kommt, dann ist wahrscheinlich Politics and Prose der Veranstalter.

Ich habe am Montag Politics and Prose angerufen, den Gastgeber für den Event mit Max Blumenthal. Ich wurde an die Event-Abteilung weiterverbunden, denn im Laden konnte keiner etwas dazu sagen. Nach ein paar Minuten Wartezeit sagte mir ein Angestellter: „Ich habe mit allen meinen Ko… meinem Manager und auch dem Event-Manager gesprochen, und wir haben keine Pläne, den Event abzusagen. Er wird wie geplant durchgeführt.“

Was nicht gesagt wurde: Der Buchladen hatte bereits seltsame Forderungen an Blumenthal gestellt, unter anderem solle er einen „Gesprächspartner“ für die Bühne haben. Einen, der dem Syrian American Council gefällt. Blumenthal besorgte sich Andrew Cockburn, einen der führenden Journalisten für die USA und den Nahen Osten und langjähriger Korrespondent für das Harper’s Magazine. Aber Blumenthal sagte zu MintPress, dass Cockburn abgelehnt wurde. Politics and Prose behauptet, dass Cockburn seinen Ansichten „zu nahe stehe“.

Hier das Audio: https://twitter.com/RealAlexRubi/status/1113624229700939776

Mit zunehmendem Druck stieg auch der Verdacht des Unternehmens gegen Blumenthal. Man sollte meinen, dass sie Blumenthal bereits kennen, da er dort bei drei früheren Buchveranstaltungen aufgetreten ist.

Kritiker sagen, dass Blumenthal eine Rettungsorganisation als Terrorgruppe bezeichnet und Opfer von Kriegsverbrechen verspottet habe. Was sie auslassen, ist, dass Blumenthals Berichterstattung diese Rettungsorganisation – die berüchtigten Weißhelme – als ein von westlichen Regierungen finanziertes PR-Projekt entlarvt hat, die tatsächlich an der Seite extremistischer Gruppen wie Jabhat al-Nusra und Al Qaeda operieren. Und er hat die Opfer von Kriegsverbrechen nicht verspottet, sondern den Mangel an Beweisen für diese Verbrechen jenseits manipulativer Social-Media-Videos (von glitschig produziert bis hin zu völlig schlampig) aufgedeckt

Aaron Maté: „Sehr enttäuschend, dass @PoliticsProse hier einknickt. Ich persönlich glaube, dass @MaxBlumenthals mutiger, präziser Arbeit eine größtmögliche Plattform gegeben werden sollte, aber wenn man anderer Meinung ist, einen Buchladen zur Absage seiner Buchvorstellung nötigt, dann ist das Zensur und keine ernsthafte Person sollte das hinnehmen.“

In einem Telefongespräch mit Blumenthal kurz vor der Veranstaltung am 3. April informierte ihn der Mitinhaber von Politics and Prose, Bradley Graham, dass seine Berichterstattung aus Venezuela, wo er kürzlich die Täuschungen der Unternehmensmedien aus Caracas angefochten hatte, ebenfalls zu einem Problem geworden sei. Graham sagte:

„Eine Reihe von Personen…. haben ihre Besorgnis über verschiedene Aspekte der Veranstaltung zum Ausdruck gebracht; in erster Linie, dass ihm eine Plattform gegeben wird und in einigen Fällen nicht nur Einwände gegen seine Positionen zu Syrien, sondern auch zu Venezuela und anderen Themen erhoben werden.“

„Ich weiß nicht, was hinter all dem steckt, und das ist der Punkt, an den ich zu gelangen versuche“, sagte Graham zu Blumenthal. „Wir hatten noch nicht die Zeit, herauszufinden, was all diese Behauptungen sind und ob sie relevant sind oder nicht.“

Politics and Prose-Mitbesitzerin Lisa Muscatine schaltete sich ein: „Wir haben uns einfach gegen die Wand gestellt gefühlt. Sie sind überall in unseren Social Media…. Wir wurden verdammt nochmal überflutet.“

Der Syrian American Council feierte den Erfolg ihrer Druckkampagne und dankte Politics and Prose dafür, dass sie der „syrisch-amerikanischen Gemeinschaft“ „zugehört“ haben, deren Ansichten ihrer eigenen Meinung nach monolithisch sind. Sie warfen Blumenthal weiterhin vor, die „gelebten Erfahrungen“ der syrischen Amerikaner zu leugnen, die in Wirklichkeit gar nicht so homogen sind.

So konnten sie ihren effektivsten Kritiker zum Schweigen bringen. Blumenthals neuestes Buch, The Management of Savagery, enthüllt die zynischen Bestrebungen dieser Lobby und ihrer Bettgenossen, vom Regimewechsel bis zum Völkermord.

Täuschungen und Doppelmoral

Blumenthal sagte zu MintPress, dass die Kritik an seinem Buch absichtlich falsch dargestellt wird:

„Niemand von diesen Leuten, die versucht haben, meine Buchvorstellung absagen zu lassen, hat dieses Buch gelesen, aber es ist verständlich, dass sie es verboten haben wollen, denn es geht eigentlich um sie. Aber wenn sie das Buch gelesen hätten, würden sie sehen, dass es sich tatsächlich um eine Kritik an der rechten Politik und Islamophobie im Rahmen des amerikanischen Imperiums handelt, die zeigt, wie diese Stellvertreterkriege und Regimewechselkriege, die der Westen von Afghanistan über den Irak bis nach Libyen bis nach Syrien geführt hat, wie Steroide für die Rechtsextremen gewesen sind, und einen fremdenfeindlichen Rausch ausgelöst haben, dank einer Reihe von Flüchtlingskrisen, die unser Nationaler Sicherheitsstaat ausgelöst hat.

In meinem Buch gehe ich zurück in die Zeit lange vor dem so genannten „Krieg gegen den Terror“, um zu zeigen, wie diese Destabilisierungskampagne den Aufstieg der Islamophobie beflügelt hat, die Donald Trump effektiv ausnutzte, um Präsident zu werden. Wer also versucht zu sagen, dieses Buch sei irgendwie islamfeindlich – ich habe gesehen, dass diese Anschuldigung sorglos verbreitet wurde – der hat es offensichtlich nicht gelesen. Ich denke, dieses Buch ist eine der vernichtendsten Untersuchungen über den Aufstieg der Islamophobieindustrie und die Rolle des Nationalen Sicherheitsstaates, der sie antreibt – und in vielen Fällen finanziert. Offensichtlich wollen diese Regimewechsel-Lobbyisten mein Buch verbrennen, weil es ihre eigenen zynischen Taktiken enthüllt, aber damit wollen sie den Menschen die Fähigkeit nehmen, aus einem neuen und einzigartigen Blickwinkel von der schrecklichen politischen Krise zu erfahren, in der wir uns im Westen befinden.“

Blumenthal berichtet seit Jahren über die so genannte „Anti-Islam-Industrie“. Tatsächlich ist es Teil dessen, was den Autor zur Geltung gebracht hat. Seine Untersuchung des Aufstiegs der Islamophobie, in der Blumenthal führende antimuslimische Agitatoren und Geldgeber nannte und beschämte, ging den Mainstream-Studien des Trends voraus und wurde sogar in einem wütenden Artikel vom rechtsextremen FrontPageMag dafür verantwortlich gemacht, dass er „die Idee hinter“ dem Bericht des Center for American Progress über antimuslimische Politik sei, „Fear Inc.“. Blumenthal erzählte MintPress, dass er im Jahr 2015 das Grayzone Project bei AlterNet gründete, um die gefährliche antimuslimische Politik, die Trump damals ausnutzte, kritisch zu hinterfragen.

Tweet von WikiLeaks an Politics and Prose: „Können Sie mehr Details nennen? Herausgeber und Buchhändler sollten die Meinungsfreiheit verteidigen. Wenn es eine Kraft gegen Meinungsfreiheit gibt, so sollte sie bekämpft werden (z.B. durch einen Oppositionssprecher), oder zumindest dokumentiert werden, um offene Zensur zu verhindern.“

Blumenthal sagte in seinem Gespräch mit den Eigentümern von Politics and Prose, er habe die Doppelmoral betont, die sie an ihn anlegen.

„Ich habe darauf hingewiesen, dass sie letzte Woche Janet Napolitano zu Gast hatten, die im Wesentlichen die Deportations-Königin unter Obama war, und Tausende von Einwandererfamilien durch die von ihr überwachte Deportationsmaschine zerstört hat. Und ich sagte, dass niemand sie gebeten hat, jemanden auf der Bühne zu haben, der sie herausfordert, obwohl sie im Gegensatz zu mir persönlich in Menschenrechtsverletzungen verwickelt ist. Politik und Prosa haben auch David Frum beherbergt, den Neokon, der in meinem Buches erscheint und für den falschen Krieg im Irak mit verantwortllich ist, in dem eine Million Menschen getötet wurden. Niemand sagte, dass er jemanden haben müsse, der ihn für seine Rolle bei einer der schlimmsten Katastrophen der modernen Geschichte in die Mangel nimmt. Die Besitzer hatten wirklich keine Antwort auf meine Kommentare.“

* * *

Aus der Golf-Region unterstützte Experten, ausländische Agenten und Pro-Kriegs-Lobbyisten üben Druck aus.

Blumenthal sagte, dass die Besitzer von Politics and Prose darauf beharrten, dass sie mit „Nahost-Experten“ über sein Buch gesprochen hätten und dass sie Bedenken geäußert hätten, ihn aufzunehmen. Aber als er die Namen dieser Experten haben wollte, erhielt er nur einen: Amy Hawthorne, eine ehemalige Stipendiatin des von Saudi-Arabien finanzierten Rafik Hariri Center beim Atlantic Council – ein Think Tank, der von der Rüstungsindustrie und verschiedenen Golfmonarchien unterstützt wird und im Mittelpunkt der Kampagne für einen Regimewechsel in Syrien stand.

Vor ihrer Zeit beim Atlantic Council arbeitete Hawthorne im US-Außenministerium, wo sie „die Unterstützung der USA für den Übergang Ägyptens mitgestaltet und koordiniert und bei der Reaktion der USA auf den arabischen Frühling beraten hat“, so ihre Biografie.

Ein weiterer der selbsternannten Syrien-Experten, der sich dafür einsetzte, dass Blumenthals Event bei Politics and Prose abgesagt wurde, war Charles Lister. Wie so viele der Lobbyisten, die die Zensur von Blumenthals Buch fordern, ist Lister ein Fellow in einem vom Golf finanzierten Think Tank, der in „Management of Savagery“ vorgestellt wird, für Forschung, die fälschlicherweise behauptet, dass 70.000 sogenannte „moderate Rebellen“ gegen die syrische Regierung kämpften. Als Blumenthal persönlich mit Lister über seine diskreditierten Forderungen während einer Sitzung des Atlantic Council 2017 konfrontiert wurde, krümmte sich Lister und kämpfte darum, sich zu verteidigen.

Rania Khlaek: „Ich habe Max Blumenthals Buch gelesen und ein Abschnitt dreht sich um @Charles_Lister, er würde es hassen, wenn die Öffentlichkeit das zu lesen bekommt.“

Lister will keine noch größere Erniedrigung als diese hier“:

Rania Khalek: „Daher will er, dass Max zensiert wird. Traurig!“

Mouaz Moustafa, der Direktor der Syrian Emergency Task Force, schloss sich ebenfalls der Kampagne an, um Blumenthals Buchveranstaltung zu blockieren. Tatsächlich dokumentiert Blumenthals Buch, wie Moustafa als Washingtoner Spitzenmann für die syrische Regimewechseloperation diente und John McCain 2013 an die syrische Grenze begleitete, wo der verstorbene Senator für Fotos mit extremistischen Aufständischen posierte, die an der Entführung von schiitischen Pilgern beteiligt waren.

Wie Ben Norton bei The Grayzone berichtete, hat Moustafa weiterhin die Trump-Administration in Syrien beeinflusst. Er prahlte sogar damit, dass er mit CNN-Anker Wolf Blitzer und MSNBCs Chris Matthews „rumhing“, während er etwa zur gleichen Zeit online nach der Absage von Blumenthals Buchveranstaltung schrie.

„Es ist völlig verständlich, dass ein Charakter wie Moustafa will, dass mein Buch verboten wird“, sagte Blumenthal. „Ich habe seine schockierende Bilanz von Pro-Kriegs-Lobbyarbeit ausgegraben und all die Täuschungen aufgedeckt, die dabei eingesetzt wurden.“

Der Syrian American Council, die Pro-Kriegs-Lobbygruppe, die die Anklage gegen Blumenthals Buch anführte, war auch mit einigen widerwärtigen Persönlichkeiten beteiligt, als man sich für einen Regimewechsel in Syrien einsetzte. Wie Norton berichtete, veranstaltete der Rat auf seiner Gala 2015 einen syrischen Oppositionsaktivisten namens Maher Sharafeddine, der offen zum Völkermord an religiösen Minderheiten in Syrien aufgerufen hat.

„Ich warne die Alawiten, sie sollen das Land verlassen, sonst werden sie alle abgeschlachtet. Es kann keine Versöhnung mit den Alawiten geben“, sagte Sharafeddine bei einem berüchtigten Auftritt 2015 auf Al Jazeera Arabisch. „Der einzige Weg für uns, ihnen (Macht) zu nehmen, ist über ihre Leichen.“

„Es ist das Recht der (Sunniten), das Abschlachten der Alawiten zu fordern“, sagte der Moderator dieser Al Jazeera-Show, Faisal al-Qassem, „Natürlich, natürlich“, antwortete Sharafeddine.

Die vielleicht bemerkenswerteste Person, um gegen Blumenthals Buch vorzugehen und die Absage seiner Veranstaltung zu fordern, war James Le Mesurier. Als ehemaliger britischer Geheimdienst-Offizier und von den VAE unterstützter Söldner beaufsichtigte Le Mesurier die Gründung der Weißhelme in der Türkei und stellte sich in das Zentrum der Destabilisierungskampagne gegen die syrische Regierung. Durch die Weißhelme, die scheinbar immer dann am Tatort waren, wenn ein größerer Chemieangriff vermutet wurde, spielte Le Mesurier eine zentrale Rolle dabei, die USA dazu zu bringen, Syrien wegen der Verletzung so genannter „Roter Linien“ zu bombardieren.

„Die ganze Geschichte von Le Mesurier und den Weißhelmen, die versucht haben, die USA dazu zu bringen, die Regierung eines anderen zuvor stabilen Staates des Nahen Ostens zu enthaupten, wird in „The Management of Savagery“ erzählt“, sagte Blumenthal. „Wieder einmal haben wir es mit einer Person zu tun, die versucht, ihre schmutzigen Taten zu vertuschen, indem sie einen Journalisten zensiert, der es gewagt hat, sie zu enthüllen.“

„Aus meiner Sicht, und ich sagte dies zu Politics and Prose“, fuhr Blumenthal fort, „haben sie sich einer Mobbing-Kampagne ergeben, die von einem Lobbying-Apparat geleitet wird, der versucht hat, mich zum Schweigen zu bringen und meinen sachlichen Journalismus zu beenden, der dazu beigetragen hat, einen der größten Skandale in der jüngsten Geschichte aufzudecken, nämlich die milliardenschwere Kampagne zur Bewaffnung und Ausrüstung extremistischer Aufständischer, die Syrien in Stücke reißen. Aber ich denke, die Öffentlichkeit will mehr über diesen gigantischen Skandal wissen, und sie will wissen, was auf den Seiten meines Buches steht, und es gibt nichts, was diese Kriegslobbyisten dagegen tun können. Die Maske ist gefallen.“

Blumenthals Buch ist über seinen Verleger in Verso und an vielen anderen Orten erhältlich. Die Auftaktveranstaltung für „The Management of Savagery“ findet am Mittwoch, den 10. Mai um 19:00 Uhr Eastern Time im Justice Center in der 617 Florida Avenue NW, Washington, D.C. statt.

https://www.versobooks.com/books/2868-the-management-of-savagery

https://www.mintpressnews.com/how-a-pro-war-lobby-strong-armed-a-bookstore-into-censoring-one-of-their-biggest-critics/256991/

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/buchzensur-05-04-2019/

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