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Ausland, Europa

Alles über die Quelle Bellingcat und die offizielle Untersuchung über die Zerstörung des Fluges MH-17

von Jürgen Cain Külbelhttp://www.voltairenet.org

Bild: Ein Blumenstrauß auf dem Wrack des Fluges MH17. Diese Boeing 777, die von Amsterdam nach Kuala Lumpur flog, wurde am 17. Juli 2014 über den Kampfzonen zwischen den Putschisten von Kiew und den Separatisten des Donbass zerstört, wobei die 298 an Bord befindlichen Personen ums Leben kamen. Seitdem schieben sich die beiden Lager die Verantwortung für diese Katastrophe gegenseitig zu. Der Westen hat sich schließlich der These der britischen Website Bellingcat angeschlossen.

Jürgen Cain Külbel ist ein ehemaliger Ermittler der Kriminalpolizei der Deutschen Demokratischen Republik und wurde nach der Wiedervereinigung Deutschlands Journalist. Es war ihm gelungen, den Autor der Website Bellingcat zu identifizieren, der das internationale Polizei-Team beeinflusst hat, das durch die Ukraine beauftragt wurde festzustellen, wer den Flug MH17 zerstört hat. Dieser Amateur, der angeblich „unwiderlegbare“ Beweise der russischen Schuld „gefunden“ hat, ist in Wirklichkeit ein Musiker, ohne Kenntnisse der forensischen Wissenschaft.

Daniël Romein und die Journalisten von De Volkskrant

„Er nennt sich Daniël Romein. Das ist nicht sein richtiger Name. Wir haben uns in einem Café verabredet. Er setzt sich unbehaglich hin. Er hat ein freundliches Gesicht. Gelegentlich rucken seine Augen nach rechts. Dann schaut er, wer draußen im Regen geht. ‚Ich versuche immer, dem Gegner einen Schritt voraus zu sein‘, sagt er. Mit Gegner meint er die Russen. Er will vorsichtig sein. „Als IT-Spezialist weiß ich, welche Maßnahmen zu ergreifen sind“. Und fügt hinzu: „Diese Arbeit birgt ein Risiko, denn ich weiß, dass die Russen mit unserer Forschung wirklich nicht zufrieden sind.“

Daniël Romein hatte sich im Februar 2016 in jenem Café mit Journalisten getroffen [1]. Heimlich, versteht sich. Huib Modderkolk und Bert Lanting von der Amsterdamer Tageszeitung de Volkskrant schrieben nachher, dass Romeins „Findungen“ die Basis für Bellingcats Berichte aus den Jahren 2015 und 2016 über die MH17-Katastrophe bildeten. Jikke Zijlstra und Michael de Smit von Nederlandse Omroep Stichting (NOS), eine Rundfunkanstalt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der Niederlande, gaben zu Protokoll: „Obwohl Higgins letztendlich als Gründer von Bellingcat verantwortlich ist, hat der niederländische Mitarbeiter Daniël Romein den Großteil des Berichts (aus 2016) verfasst.“ Modderkolk und Lanting titelten sogar, Romein brachte die Grundlagen für die Berichte ein, sei Hauptautor der Studien und dass er „heimlich für das Forschungskollektiv Bellingcat arbeitet. Fast niemand weiß es. Familie, Freunde, Kollegen: Die meisten haben keine Ahnung. Er mag es, den Kreis klein zu halten. Er selbst schätzt die Zahl auf maximal zehn. Letztes Jahr (2015) untersuchte er, welche russischen Soldaten am Abschuss des Fluges MH17 beteiligt waren“. Und er benutzt „seinen Computer als Waffe. Stundenlang schaut er auf den Bildschirm und streift durch russische Websites und soziale Medien. Er tut es freiwillig, zusätzlich zu einer Arbeit als IT-Profi. Manchmal ist es spät – zwei Uhr nachts – und er sitzt am nächsten Morgen mit kleinen Augen im Büro… Dann wird es hart, und er kann mit niemandem darüber reden. Manchmal fühle ich mich wie in einem Doppelleben.“ Romein erklärte den Journalisten, die Aufmerksamkeit soll auf die Täter gerichtet werden, nicht auf ihn; er möchte anonym bleiben. „Nur seine Kollegen bei Bellingcat kennen seine wahre Identität“, weiß de Volkskrant.

Daniël Romein ist der Verbindungsmann zwischen Bellingcat und dem Joint Investigation Team

Um Weihnachten 2015 verschickte Romein seinen und Bellingcats Ermittlungsfundus im Auftrag von Bellingcat-Gründer Eliot Higgins an das niederländische Openbaar Ministerie, die Staatsanwaltschaft also, der das Joint Investigation Team (JIT) [2] untersteht, das für die internationalen strafrechtlichen Ermittlungen in Bezug auf die Flugzeugkatastrophe MH17 zuständig ist. Die Staatsanwaltschaft erklärte, sie werde „die Informationen ernsthaft untersuchen, auch ihre Nützlichkeit für die strafrechtliche Ermittlung“. „Sie sind mit unseren Bemühungen und unserer Arbeit zufrieden“, sagte Romein, der regelmäßig Kontakt zu Detektiven des JIT hat. So habe er beispielsweise auf Einladung der JIT bereits mehrmals Informationen über die Bellingcat-Ermittlungen mit dem Staatsanwaltschaft-Team ausgetauscht. Bellingcats Chef-Alchimist Eliot Higgins wurde dort zweimal als Zeuge gehört.

Bellingcats „Forensiker“

Eliot Higgins „Bürgerjournalisten-Rechercheplattform“ Bellingcat, die von sich behauptet, „forensische Untersuchungen“ zu leisten, erfreut sich eines ungebrochenen medialen Hype im westlichen Mainstream; wegen ihrer „Ermittlungen“ zur MH17-Katastrophe oder auch im Vergiftungsfall Skripal. Doch sind mehr als starke Zweifel an der Methodik der Gruppe, ihren Schlussfolgerungen, ihrer Unparteilichkeit angebracht. Der Mainstream erhebt die Teamworker ohne mit der Wimper zu zucken zu „Experten“. Doch zeichnen sich die in den Jahren 2015/2016 mit der Untersuchung des Falles MH17 betrauten Bellingcats weder als anerkannte Gutachter noch als forensische Untersucher vom Fach aus; es handelt sich dabei um

- die Niederländer Pieter van Huis – Absolvent in Geschichte,
- Stijn Mitzer (Oryx) – Analyst und Blogger,
- Daniel Romein – IT-Spezialist,
- die Briten Sean Case – Fachmann für Pflanzen und Umweltwissenschaften,
- Eliot Higgins – Chef von Bellingcat, ohne nennenswerte Qualifikation,
- die US-Amerikaner Andrew Haggard – Ex-US-Army,
- Aric Toler – Literatur- und Sprachwissenschaftler,
- Nathan Patin – Ex-Praktikant für Außen- und Verteidigungspolitik beim Washingtoner Think Tank American Enterprise Institute,
- den Finnen Veli-Pekka Kivimäki – Offizier an der Universität der finnischen Verteidigungskräfte in Helsinki,
- den Deutschen Olaf Neitsch aka Timmi Allen – ehemals Sachbearbeiter in einer Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, Ex-Kneipenwirt, heute Versicherungsverkäufer,
- den Russen Igor Ostanin (Magnitski) – Freelancer,
- sowie Anders Klement von StopFake, eine in Kiew beheimatete anti-russische Propaganda-Initiative.

Wenn man bedenkt – unabhängig davon, dass Bellingcat von Sponsoren wie beispielsweise George Soros Open Society bedient wird -, dass zu den „Gründungsmitgliedern“ der Gruppe in den Jahren 2014/15 der britische Ex-Geheimdienstler Cameron Colquhoun gehörten sowie Nur Bakr vom britischen Außenministerium oder Chris Bigger vom US-Geheimdienst National Geospatial-Intelligence Agency (NGA) sowie Christoph Koettl von der New York Times, Leroy Aliaume von BBC World und Aaron Stein aus dem mit Geheimdienstlern durchsetzten britischen Forschungsinstitut Royal United Services Institute (RUSI), erkennt auch der Blinde, wo Bellingcats „gutachterliche Expertise“ hingehen soll: röhren wie die brünstige Katze, Krach schlagen, und zwar anti-russisch.

Neutralität, Unvoreingenommenheit, Unparteilichkeit – Eigenschaften, die einen professionellen Ermittler und Gutachter auszeichnen sollen – gehen anders. Normalität im Alltag der Justiz- und Sicherheitsorgane eines jeden Landes ist, dass forensische Untersuchungen mit dazugehörigen Gutachten von ausgebildeten Experten realisiert werden. Und das erstellte Gutachten hat – wie jedes andere Beweismittel auch – sowieso keine im Voraus festgelegte Beweiskraft. Erst das Gericht wird es auf seinen Beweiswert prüfen. Gutachten müssen daher eine Reihe von definierten Qualitätsmerkmalen aufweisen, was Darstellung der Beweistatsachen betrifft, die Untersuchungsmethode und vieles andere mehr. Mainstream-Journalisten, vor allem transatlantisch gefärbte, ignorieren vorsätzlich die Notwendigkeit der wissenschaftlichen, juristisch exakten Vorgehensweise, hinterfragen die Richtigkeit der Bellingcat-Reporte in keinem Satz, üben sich in copy und paste, um nachher gewissenlos ihre Feiglings-Honorare einstreichen zu können.

Warum untersucht „Daniël Romein“ die Katastrophe der MH17?

Untersuchungsfrage: Welches Motiv treibt Daniël Romein an, die MH17-Katastrophe zu analysieren?

Ermittlungsergebnis: Modderkolk und Lanting schrieben, dass ihn [D. Romein] die „Bilder kaum loslassen. Für ihn ist die Katastrophe eine Mischung aus Bestürzung und Besessenheit… Seit einiger Zeit interessiert er sich für diese Region. Er hat Russisch vor langer Zeit gelernt … Er besucht alle Arten von Webforen. ‚Ich wollte wissen, wer es getan hat‘. Menschen in niederländischen Foren scheinen schlecht informiert zu sein. Er durchsucht zügig ukrainische und russische Foren.“ Jikke Zijlstra und Michael de Smit von NOS, die Romeins Suche nach den Tätern als „nahezu obsessiv“ bezeichneten, erklärte er: „Ich bin sehr beschäftigt damit im Kopf. Die Katastrophe hat mich wirklich getroffen. Ich fand es so schrecklich, ich war so wütend, obwohl ich keines der Opfer persönlich kenne, wollte ich wissen, welche Idioten dahinterstehen.“

Die Genese der Suche nach „Daniël Romein“

Wie heißt es auf Wikipedia: „Open Source Intelligence (OSINT) ist ein Begriff aus der Welt der Nachrichtendienste, bei dem für die Nachrichtengewinnung Informationen aus frei verfügbaren, offenen Quellen gesammelt werden, um durch Analyse der unterschiedlichen Informationen verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen.“ Ziemlich gestelzt, handelt es sich doch um alltägliche kriminalistische Kleinarbeit; Klinkenputzen, von Haustür zu Haustür sozusagen, nur in diesem Falle auf Online-Ebene, im World Wide Web, von Blog zu Blog, von Eintrag zu Eintrag.

Das OSINT-Klinkenputzen mit Yandex und Google nach „ Daniël Romein“ lief ins Leere; die meisten Einträge standen im Zusammenhang mit Bellingcat. Indes bot das holländische Geneanet die Variante „Romein/Romijn“ an. Der Eintrag „Daniel Romijn“ lieferte knapp 2 Millionen Ergebnisse. Unter der Kombination „Romein Romijn“ meldete jedoch Kommissar Zufall einen Link, der zwar tot doch mit der WaybackMachine wiederzubeleben war: Auf der Seite Pink Floyd Fans Nederlands hatte Autor Floydian Theo über den Musiker „Danyo Romijn (Keyboards, Gitarre, Hammond)“ geschrieben, den er im selben Beitrag, einige Zeilen weiter, als „Danyo Romein“ bezeichnete. „Danyo“, so die Suche unter Bedeutung und Herkunft von Namen, ist die männliche Vornamensvariante zu Daniel.

Informationspotential

Aus den wenigen Veröffentlichungen der niederländischen Medien zu „Daniël Romein“ geht hervor, dass er
- seit November 2014 für Bellingcat tätig,
- ein Niederländer,
- ein IT-Spezialist ist,
- der tagsüber in einem Büro arbeitet,
- die russische Sprache beherrscht und
- Sach- und Fachkunde in der Fotografie hat.

Spur 1: Daniël Romein, Danyo Romijn und IT

Die Suche nach „Daniël Romein“ und IT verlief ergebnislos; „Danyo Romijn“ in Kombination mit IT ergab auf Linkedin (https://at.linkedin.com/in/danyorom…) einen Volltreffer. Dort stellt sich ein „Danyo Romijn“ aus Den Haag als „IT-Spezialist Anwendungsmanager, Softwareentwickler“ vor. Nach dem Studium der Computerwissenschaften an der Den Haag University of Applied Sciences (1988 bis 1995) war er von Februar bis September 1996 als Softwareentwickler beim Ministerie van Binnenlandse Zaken en Koninkrijksrelaties (Ministerium für Inneres und Königreichsbeziehungen – BZK) tätig ehe er zum Immigratie- en Naturalisatiedienst (Einwanderungs- und Einbürgerungsdienst – IND) abgeordnet wurde. Ab Mai 1997 folgten Tätigkeiten in der IT-Branche als Entwickler von Software und Webentwicklungen, zwischen April 2010 und November 2016 als Anwendungsspezialist in der Provinz Zuid-Holland. Im November 2016 orientierte er sich neu, kam als Projektmitarbeiter bei POSG Den Haag, einem Dienstleister für Arbeit und Karriere, unter. Danyo Romijns Profil auf contactout.com weist ihn als IT-Spezialisten, regionalen Koordinator in der Provinz Zuid-Holland und Mitglied der Tibet Support Group aus; dokumentiert ist auf contactout.com das Fragment seiner E-Mail d****n@gmail.com.

Spur 2: „Danyo Romijn“ und Fotografie

Die Suche nach „Danyo Romijn“ in Kombination mit „fotografie“ ergab einen zweiten Volltreffer.

Beeldbank Haags Gemeentearchief bietet nicht nur Fotos von „Danyo Romijn“ mit allerlei Straßenansichten sondern wiederum auch seine vollständige E-Mail: d****@gmail.com (die komplette Adresse liegt RT Deutsch vor). In der Online gestellten Sammlung euRopeana collections sind ebenfalls 152 Fotos von „Danyo Romijn“ zu besichtigen.

Spur 3: „Danyo Romijn“ und MH17

Die Suche nach „Danyo Romijn“ und „MH17“ brachte den Durchbruch. Ein User namens „Danyo Romijn“ verfasste im englischsprachigen Diskussionsforum niqnaq in der Zeit von Montag, den 4. bis Mittwoch, den 6. August 2014 insgesamt 14 Beiträge über eigene Ermittlungen in Sachen MH17-Katastrophe. Er verlinkte zu Fotos in russischen und ukrainischen Medien, beschrieb seine Suche auf Vkontakte.ru, einem mehrsprachigen sozialen Netzwerk Russland, auf DNRpress, auf der Seite des ukrainischen Geheimdienstes, des russischen Außenministeriums und schlussfolgerte, dass die Donezker „Rebellen“, die die BUK M1 am 29. Juni 2014 stahlen, diese auch abgefeuert haben könnten. Er führte auch das Muster der „Einschusslöcher“ am Cockpit auf eine BUK M1 zurück, hielt sich aber noch mit direkten Schuldzuweisungen zurück. Kurzum: der Mann beschäftigte sich zu diesem Zeitpunkt extensiv mit der Materie; mehr als Otto-Normalverbraucher, der sich nur in der Sache kundig machen möchte. Dieser „Danyo Romijn“, das kann mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit behauptet werden, ermittelte nach bestem Wissen und Gewissen.

Untersuchungsfrage: Handelt es sich bei dem auf niqnag registrierten User „Danyo Romijn“ tatsächlich um den niederländischen IT-Spezialisten Danyo Romijn?

Ermittlungsergebnis: „Eine IP-Adresse ist eine Adresse in Computernetzen, die – wie das Internet – auf dem Internetprotokoll basiert. Sie wird Geräten zugewiesen, die an das Netz angebunden sind, und macht die Geräte so adressierbar und damit erreichbar“, sagt Wikipedia. Aus Großbritannien erhielt der Autor die Nachricht, dass der User „Danyo Romijn“ sich auf niqnaq mit der IP-Adresse IP 213.86.41.20 und der bereits dem Niederländer Danyo Romijn zugeordneten E-Mail d****n@gmail.com eingeloggt hatte. Genannte IP wiederum gehört zu einem „Verbund“ – IP IP 213.86.41.16 bis 213.86.41.23 – des NET-NL-PROVINCIE-ZUID-HOLLAND.

Zwischenergebnis: Der real existierende Danyo Romijn hatte sich offenbar unter seinem eigenen Namen sowie unter Verwendung seiner eigenen E-Mail-Adresse im August 2014 im Forum niqnaq in die Diskussion zur MH17-Katastrophe eingebracht.

Untersuchungsfrage: Ist der real existierende Danyo Romijn jener Daniel Romein, der für Bellingcat arbeitet?

Ermittlungsergebnis: Im englischsprachigen Diskussionsforum Websleuths tauchte am 2. November 2014, 14.22 Uhr (der Post ist gelöscht, konnte aber vom Autor „rekonstruiert“ werden), ein Kommentator namens „danyoromijn“ auf und fügte der dortigen MH17-Auseinandersetzung einen einzigen Beitrag hinzu: „Hallo alle, dies ist mein erster Beitrag zu diesem Thema auf Websleuths, aber ich bin bereits seit dem 17. Juli hier und habe alles auf Bellingcat und vielen anderen Websites gelesen, darunter auch einige ukrainische und russische (ich kann etwas Russisch lesen, auf der anderen Seite ist Google Translate mein Freund). Ich war selbst in der Ukraine und in Russland (Ukraine vor kurzem, also vor zwei Jahren, in Russland bereits vor 14 Jahren), was die Dinge für mich leichter verständlich macht. Ich bin tatsächlich überrascht, dass es hier nur 16 Seiten auf Websleuths gibt, während es so viele Informationen gibt, die man teilen kann… Nun, wegen der Komplexität habe ich noch nichts über MH17 hier gepostet, aber jetzt denke ich, ich habe einige Informationen, die ich mit Bellingcat teilen möchte … “

Auch dieser User „danyoromijn“ gibt persönliche Dinge preis. Erstens: Er kann etwas Russisch. Zweitens: Tatsächlich besuchte der real existierende Danyo Romijn, so wie es „danyoromijn“ auf Websleuths vorgibt, im Jahr 2000 Russlands Hauptstadt Moskau, zwei Jahre später, 2012, die Ukraine wo ihn seine Reisetätigkeit nach Kiew, Tscherkassy, Kirovograd, Winnyzja, Schytomyr, Chmelnyzkyj, Lwiw, Chernivtsi, Ternopil, Wolyn, Transkarpatien, Riwne führte. Überhaupt: Bislang besuchte Romijn über 50 Länder dieser Erde, darunter 2004 Weißrussland, 2008 Estland, Litauen, Lettland sowie 2015 auch Großbritannien, dort wo Bellingcats Chef-Sofa-Experte Eliot Higgins wohnt.

Wir merken uns: Am 2. November 2014 postete „danyoromijn“ auf Websleuths, dass er Informationen mit Bellingcat teilen möchte. Wir erinnern uns an Modderkolk und Lanting von de Volkskrant, die die „Arbeit“ des Bellingcat-Mitgliedes Daniel Romein im Februar 2016 so beschrieben: „Er schaut sich die Fotos an, die von russischen Militärs auf VKontakte aufgenommen wurden, und entdeckt so mehr und mehr die Gegend und die russische Militärpräsenz. Seine topographischen Kenntnisse stammen hauptsächlich von Google und dem russischen Amtskollegen Yandex. Zum Auffinden gefundener Fotos betrachtet er Amateurbilder von Dashcams – Kameras, die die Straße während der Fahrt filmen. Stundenlang wandert er von seinem Zimmer über die Grenze zwischen Russland und der Ukraine.“

Dann folgt: „Er schickt die Übersicht im November (2014) an Elliot Higgins, den britischen Gründer von Bellingcat. Der bedankte sich mit freundlicher Rückmeldung. Zwei Wochen später erhält er eine weitere Mail von Higgins. Romein: „Er war beeindruckt, wenn ich mehr machen wollte.“ Er tut es. Es gibt E-Mail-Kontakte und Higgins fragt Romein, ob er der Gruppe beitreten möchte. Romein kann kaum erklären, was das bedeutet. Es gibt keine Auswahlkommission, er muss keinen Brief schicken oder ein Telefoninterview führen. Er trifft niemanden. Er schüttelte niemals Higgins die Hand. Eigentlich ändert sich nichts. Nun, er erhält Zugang zu den „i-channels“ von Bellingcat: einer Informationsplattform, auf der sich Mitglieder von Bellingcat gegenseitig Nachrichten senden. Die Nachrichten werden verschlüsselt. Romein ist dann das siebte Mitglied von Bellingcat.“

Kontaktaufnahme und Kommunikation mit Danyo Romijn

Ende Februar, Anfang März nahm der Autor Kontakt zu Danyo Romijn auf – beide E-Mail-Adressen d****n@gmail.com und i**o@danyo.nl erwisen sich als aktiv – und bat um Beantwortung folgender Fragen:

Autor: Haben Sie einen Abschluss oder eine Ausbildung in digitaler Forensik und/oder in digitaler Bildforensik? Würden Sie sich als einen forensischen Experten bezeichnen? Wissen Sie, wie man strafrechtliche und kriminalistische Ermittlungen durchführt?

Da Romijn dem Autor mit dem Gericht gedroht hat, kann ich seine Erwiderungen leider nur aus dem Gedächtnis zitieren. Nach drei E-Mail-Anfragen reagierte Romijn: „Es tut mir leid, Sie verwechseln mich mit jemandem. Ich habe nichts mit MH17 zu tun.“

Autor: Ich verwechsle Sie nicht. Ich habe Ihre (frühere) IP 213.86.41.20 (NET-NL-PROVINCIE-ZUID-HOLLAND) verfolgt. Sie haben sie für Ihre Kommunikation über MH17 verwendet. Wir sollten reden.

Romijns Antwort aus dem Gedächtnis: Meine frühere Arbeit war in der Tat Provincie Zuid-Holland. Aber ich bin mir sehr sicher, dass wir noch nie E-Mail-Kontakt hatten, schon gar nicht über MH17. Es ist möglich, dass ich jemandem eine E-Mail zu dem Thema geschickt habe, was nicht seltsam ist, da fast jeder in den Niederlanden darüber sprach.

Autor: Sie haben Recht, wir hatten noch keinen E-Mail-Austausch. Ich besitze auch keine E-Mail, die Sie an jemanden geschrieben haben. Es geht um Ihre IP 213.86.41.20 in Verbindung mit vielen detaillierten MH17-Informationen, die vor einigen Jahren von Ihnen recherchiert, produziert und geschrieben wurden.

Romijns Antwort aus dem Gedächtnis: Diese IP-Adresse ist eine allgemeine IP-Adresse meiner früheren Arbeit und eine der wenigen online genannten IP-Adressen: http://www.lookip.net/whois/213.86.41.20. Ich sehe jedoch keine Verbindung zwischen dieser IP-Adresse und einer Aktivität von meiner Seite. Mein früherer Arbeitgeber hätte mir wahrscheinlich auch nicht zugestimmt, lange Textfragmente zu schreiben, die nicht mit meiner Arbeit zusammenhängen. Was auch immer Sie schreiben und veröffentlichen möchten, bedenken Sie, dass sowohl die Niederlande als auch Deutschland sehr strenge Datenschutzgesetze haben. Und wenn Sie total schwachsinnig über mich schreiben, werden Sie sich selbst zum Narren machen mit der Gefahr, dass Ihr Artikel gelöscht wird. Und wenn Sie gegen Gesetze verstoßen, weil Sie zum Beispiel gehackt haben, riskieren Sie weitere zehn Tage im Gefängnis. Sie können natürlich über meine Reisen, meine Arbeit und meine Musik schreiben. Hoffentlich bestellen einige Leute meine letzte CD wegen Ihrer Veröffentlichung. Smiley.

Autor: Sie waren mit dieser IP-Adresse (auch in Verbindung mit einem Ihrer E-Mail-Konten) in einem bestimmten Zeitraum sehr aktiv, um Arbeiten im Zusammenhang mit MH17 auszuführen.
Bitte senden Sie mir eine eidesstattliche Erklärung, dass Sie, Danyo Romijn, niemals die allgemeine IP-Adresse 213.86.41.20 zum Suchen, Schreiben oder Versenden in Sachen MH17 benutzt haben.

Personenaufklärung Danyo Romijn

Das war das Ende des Kontakts mit Danyo Romijn. Die angeforderte Erklärung kam nicht, anstelle nahm er seine Homepage vom Netz, entfernte auf diversen Portalen Daten, die Aussagen zu seiner Person lieferten. Der Autor hatte vor der Kontaktaufnahme jedoch alles Wichtige gesichert.

Bemerkenswert, wie verschwenderisch Danyo Romijn mit seinen Daten im WWW umging. Auf seiner Webseite, die nun geleert und „unter Konstruktion“ ist, hieß es, dass er am 14. Mai 1970 in Den Haag geboren wurde, wo er noch immer lebt, dass er eine Tochter namens Patricia habe, die am 20. Oktober 2005 in Den Haag geboren wurde, er seit 2009 geschieden sei, sich teilweise um seine Tochter kümmere. „Mein Beruf war seit 1996 Software- und Webanwendungsentwickler, aber ich habe auch Erfahrung im Anwendungs- und Änderungsmanagement. Ich habe kürzlich Projektmanagementkurse besucht. Neben meiner Arbeit war ich auch an der Entwicklung von Websites beteiligt…“ Neben Websites sind Reisen, Musik, Fotografie seine Lieblingsbeschäftigungen. „Was das Reisen angeht, bin ich viel in Europa gereist, aber auch in Indien, Nepal, Kuba, Aruba und Curaçao. Ich fotografiere hauptsächlich auf Reisen, aber auch in der Natur oder meine Tochter. Ich arbeite seit Jahren an der Musik, sowohl als Zuhörer, aber auch seit Jahren in Bands und Projekten. Jetzt mache ich zu Hause Musik mit Synthesizern.“ Es folgt die Aufzählung von Lieblingsmusik, Lieblingsfilmen, Lieblingskomödien, Lieblingsbüchern, Lieblingsessen, Lieblingsgetränk, Lieblingshaustier, Lieblingsfarben sowie die Angabe der privaten E-Mail i**o(at)danyo(dot)nl. An anderer Stelle, im Single-Forum Wamba, gibt er seine Körperhöhe mit 183 cm und sein Gewicht mit 90 kg an; er raucht nicht, sei ein sozialer Trinker, habe ein stetiges Einkommen und möchte gern ein „Girl“ im Alter zwischen 36 und 40 Jahren treffen, wohingegen er eine Frau im Alter zwischen 37 und 45 Jahren finden möchte. Der Unterschied ist dem Autor nicht ganz klar. Auch betreibe er die koreanische Kampfsportart Taekwondo Koryo.

Danyo Romijns offenbart auf seiner ehemaligen Webseite nicht nur die gesamte berufliche Laufbahn in allen Details, sondern auch seine Hobbys: „Ich mag auch Fotografie sehr gerne, was ich normalerweise in den Ferien mache, aber auch Architektur (alte Gebäude), Natur und natürlich Familienfotos, wie von meiner Tochter Patricia. Ich sehe mich noch immer als Amateur- / Hobbyfotograf, obwohl ich ein gutes Auge für eine gute Komposition habe.“ Und zählt dann noch die Kameratypen auf, die er sein eigen nennt.

Hobby kann man wohl nicht dazu sagen, doch der Single Romijn ist auch auf Frauensuche. Selbst dabei pulsiert das investigative Blut in seinen Adern. Auf der niederländischen Dating-Seite Lexa.nl hat er „schlimme“ Dinge entdeckt, sich auch gleich beschwert: die Namen der mit ihm flirtenden Damen seien nämlich „immer auf die gleiche Art und Weise aufgebaut: myszka_a_450, alinda_a_228, butterfly_a_723, karina_b_242, maymay_a_744, sandra_a_179, monika_c_221, primavera_a_824 und jolanda_a_375“. Romijn kombinierte nach Bellingcat-Art, „dass diese von Lexa.nl selbst generiert werden. Ich mag das wirklich nicht, Lexa.nl braucht das überhaupt nicht, es gibt genug echte Mitglieder, warum also falsche Profile erstellen?“ Lexa.nl wies Danyo Romijns „Ermittlungen“ vehement zurück.

Musik ist seine weitere Leidenschaft. Er begann schon früh, Klavier zu spielen. Mit 18 Jahren interessierte er sich für Hard Rock und Heavy Metal. Als Gitarrist spielte er in einer Metal-Band namens Eclipse, dann Keyboard und Gitarre im Pink Project, einer holländischen Pink-Floyd-Tribute-Band. 1995 trat er der Band Nangyala bei und nahm 1997 ein Album mit Synthesizer-Musik mit dem Namen Void auf. Danyo Romijn aka Danyo Romein, wie er von Floydian Theo doppelbezeichnet wurde, ist also ein Fan des britischen Sängers, Bassisten, Komponisten, Texters und Musikproduzenten Roger Waters, dem Frontman von Pink Floyd – dem vehementen Kritiker der Weißen Helme – Bellingcats besten Freunden? Wenn das kein Interessenkonflikt ist!

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Die besten australischen, belgischen, malaysischen, niederländischen und ukrainischen Experten, die das Joint Investigation Team (JIT) gebildet haben, aber nicht in der Lage waren, Beweise der russischen Verantwortung in der Katastrophe zu finden, haben sich den Ergebnissen von Daniel Romein und der Website Bellingcat angeschlossen: das Flugzeug wäre von einer Rakete sowjetischer Herstellung abgeschossen worden; eine seltsame Schlussfolgerung, die mit den Trümmern des Flugzeugs nicht übereinstimmt.

Fazit

Die Bewertung, ob Bellingcats Daniël Romein der vom Autor ermittelte Danyo Romijn ist, überlasse ich dem geneigten Leser. Aber: Sollten Sie mich aber fragen, dann würde ich meinen, die Wahrscheinlichkeit läge nahe einhundert Prozent. Für mich als ehemaligen professionellen Ermittler stellt sich allerdings eine andere Frage: In welch schlechtem Zustand müssen sich die niederländischen Ermittlungsbehörden, das Joint Investigation Team, befinden, dass sie sich die krüppelhaften Ermittlungen eines Laien antun?

Über die Katastrophe der MH-17 haben wir die Ergebnisse der Untersuchung von Ivan A. Andrievskii veröffentlicht, erster Vizepräsident der russischen Union der Ingenieure: „Analyse der Gründe für den Absturz des Fluges МH-17“, von Ivan A. Andrievskii, Оdnako (Russland) , Voltaire Netzwerk, 27. September 2014.

Danksagung: Mein besonderer Dank gilt dem Teamwork und dem Informationsaustausch mit meinen hoch geschätzten niederländischen und britischen Kollegen, die aus guten Gründen anonym bleiben müssen.

 

[1] “De Nederlander die vanuit huis het MH17-gebied uitkamde”, Huib Modderkolk en Bert Lanting, De Volkskrant, 24 februari 2016.

[2] Die internationale Ermittlungsgruppe (JIT) besteht aus Vertretern von Australien, Belgien, Malaysia, den Niederlanden und der Ukraine. Russland wurde aus ihr entfernt. Anmerkung des Herausgebers

https://www.voltairenet.org/article205932.html

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Alles über die Quelle Bellingcat und die offizielle Untersuchung über die Zerstörung des Fluges MH-17

  1. Saubere Arbeit !

    Soviel ist doch klar: wenn die JIT Experten nichts zuwege bringen, kann das doch nur daran liegen, daß eines der Mitglieder von seinem VETO- Recht Gebrauch macht. Das ist einfach ein ungeeignetes Format zur Aufklärung eines Verbrechens.

    Und dann auf den findigsten Internet Rechercheur auszuweichen, ist doch nur peinlich. All die unscharfen Fotos, die nur Bellingcat findet, beweisen doch gar nichts, im Gegentum, jeder kann so eine Spur legen. Higgins hätte weiter an der Volkshochschule Kurse für Bildbearbeitung geben sollen, anstatt sich vom Britischen Geheimdienst anwerben zu lassen !

    Da am Ende auf den VoltaireNet Artikel 2014 verlinkt ist, möchte ich zu dem noch anmerken, daß mich die Haisenko- Version mehr überzeugt, nämlich zuerst ‚lahmschießen‘ mit hitzesuchender R-73 Rakete und dann Vernichten mit Bordkanone und zwar aus 3 Gründen:

    Den aufgerissenen Rumpf zerlegt allein die Luftströmung, nicht so die Triebwerke, die sind dafür gebaut, innen und außen angeströmt zu werden, sie müssen sogar dem Abreißen einer Verdichterschaufel bei voller Leistung standhalten, das wird getestet (RR’s Trent hat sich allerdings genau in dieser Disziplin beim Quantas A-380 blamiert). Nun ist aber der vordere Ring eines Triebwerkes unverbrannt und und fast unbeschädigt gefunden worden, d.h. er hat sich in der Luft vom Flugzeug gelöst und das kann nur durch eine große gleichmäßig wirkende Kraft von hinten geschehen. Und dafür kommt nur eine hitzesuchende Rakete, die von hinten in das Triebwerk fliegt und dort explodiert, in Frage.

    Wenn es sich um das linke Triebwerk gehandelt hat, würde sich das Flugzeug nach links drehen und der Beschuß mit der Bordkanone des Cockpits könnte dann in dem Winkel erfolgen, den der Streifschuß auf dem Flügel zeigt, ohne daß der Angreifer manövrieren muß. Ich halte das übrigens für die Signatur einer Zwillingskanone, für die nur die Su- 25 in Frage kommt. Die Su- 25 ist kaum schneller als die 777 im Reiseflug und hätte daher nicht die Möglichkeit zu mehreren Annäherungen, solange die 777 ihre Reisefluggeschwindigkeit hält. Die 777 Piloten würden nicht wissen, daß der Triebwerksausfall durch eine Rakete verursacht wurde und hätten alle Hände voll zu tun, Kurs zu halten und das defekte Triebwerk abzuschalten.

    Es ist einfach unlogisch, zuerst die Waffe mit der kleineren Reichweite dann die mit der größren einzusetzen.

    Liken

    Verfasst von zivilistin | 10. April 2019, 11:19

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  1. Pingback: Nur ein Versehen? Youtube sperrt Konto von Bellingcat-Gründer und gibt es eiligst wieder frei – alternativ-report.de - 19. Juni 2019

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