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Ausland, Nordamerika

Das chaotische Imperium dreht voll am hybriden Kriegsrad

von Pepe Escobar – http://www.theblogcat.de

Ist dies das Zeitalter der Angst? Das Zeitalter der Dummheit? Das Zeitalter des hybriden Kriegs? Oder von allem etwas?

Während der Rechtspopulismus lernt, Algorithmen, künstliche Intelligenz (KI) und Medienkonvergenz zu nutzen, entfesselt das chaotische Imperium (Empire of Chaos) parallel dazu einen hybriden und semiotischen Krieg.

Dick Cheney’s Global War on Terror (GWOT) ist zurück, metastasiert als hybrider Bastard.

Aber der GWOT wäre nicht der GWOT ohne eine Wildwest-Vogelscheuche. Auftritt Hamza bin Laden, den Sohn von Osama. Am selben Tag, an dem das US-Außenministerium eine Prämie von einer Million Dollar auf seinen Kopf aussetzte, erklärte der sogenannte „Sanktionsausschuss IS und Al-Qaeda im UN-Sicherheitsrat“ Hamza zum nächsten al-Qaida-Führer.

Seit Januar 2017 ist Hamza vom US-Außenministerium ein speziell designierter globaler Terrorist – auf Augenhöhe mit seinem bereits in den frühen 2000er Jahren verstorbenen Vater. Die Geheimdienstblase rund um Washington „glaubt“, dass Hamza „in der Region Afghanistan-Pakistan“ lebt.

Denken Sie daran, dass dies die gleichen Leute sind, die „geglaubt haben“, dass sich der ehemalige Taliban-Führer Mullah Omar in Quetta, Belutschistan aufhielt, während er tatsächlich nur wenige Kilometer von einer massiven US-Militärbasis in Zabul, Afghanistan sicher versteckt war.

In Anbetracht der Tatsache, dass Jabhat al-Nusra oder Al-Qaida in Syrien praktisch von der Intel-Gemeinschaft des Beltway als „moderate Rebellen“ definiert wurden, so kann man davon ausgehen, dass die neue Vogelscheuche Hamza auch ein „Moderater“ ist. Und doch ist er gefährlicher als der verschwundene falsche Kalif Abu Baqr al-Baghdadi. Das nennt man ein meisterhaftes Beispiel für Culture Jamming. (https://de.wikipedia.org/wiki/Culture_Jamming )

Zeig mir das große Bild

Es gibt schlagende Beweise dafür, dass das chaotische Imperium derzeit keine Verbündeten hat; es ist im Wesentlichen von einer Reihe von Vasallen, Marionetten und Komprador-Eliten der 5. Kolumne umgeben, die unterschiedliche Grade von – manchmal zögerndem – Gehorsam kennen.

Die Außenpolitik der Trump-Regierung kann leicht als Kreuzung zwischen den Sopranos und einer Late Night Comedy dekonstruiert werden – wie in dieser ganzen Episode der Ernennung eines Lackaffen zum Präsidenten von Venezuela durch ein Regimewechsel-Laborexperiment des State Departments und der CIA. Der legendäre Kulturkritiker Walter Benjamin hätte es „die Ästhetisierung der Politik“ genannt (die Verwandlung von Politik in Kunst), als er von den Nazis sprach, aber dieses Mal ist es eine Schweinchen Dick Version.

Um die konzeptionelle Verwirrung noch zu verstärken, gibt es trotz unzähliger „ein Angebot, das man nicht ablehnen kann“, die von Psychopathen wie John Bolton und Mike Pompeo geäußert wurden, diese erstaunliche Perle: Der ehemalige iranische Diplomat Amir Moussavi hat enthüllt, dass Trump selbst Teheran besuchen wollte, aber er wurde rundweg abgewiesen. „Zwei europäische Staaten, zwei arabische Länder und ein südostasiatischer Staat“ vermittelten eine Reihe von Botschaften, die von Trump und seinem Schwiegersohn Jared „von Arabien“ Kushner übermittelt wurden, so Moussavi.

Hat dieser Wahnsinn Methode? Ein Versuch einer großen Erzählung würde in etwa so aussehen: ISIS/Daesh mögen an den Rand gedrängt sein – im Moment sind sie nicht mehr nützlich, also müssen die USA das größere „Böse“ bekämpfen: Teheran. Der GWOT wurde wiederbelebt, und obwohl Hamza bin Laden zum neuen Kalifen ernannt wurde, hat sich der GWOT in den Iran verlagert.

Wenn wir dies mit den jüngsten indisch-pakistanischen Auseinandersetzungen kombinieren, so entsteht eine umfassendere Botschaft. Premierminister Imran Kahn, die pakistanische Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI hatten absolut kein Interesse daran, in Kaschmir einen Angriff auf Indien zu starten. Pakistan ging langsam das Geld aus und stand kurz davor, von den USA via Saudi-Arabien mit 20 Milliarden Dollar und einem IWF-Kredit unterstützt zu werden.

Gleichzeitig gab es Mitte Februar zwei fast zeitgleiche Terroranschläge aus Pakistan – gegen den Iran und gegen Indien. Es gibt noch keinen Beweis, aber diese Angriffe könnten von einem ausländischen Geheimdienst manipuliert worden sein. Das Cui Bono-Rätsel lautet: welcher Staat würde immens von einem Krieg zwischen Pakistan und dem Iran und/oder einem Krieg zwischen Pakistan und Indien profitieren?

Unterm Strich: Versteckt im Schatten plausibler Verleugnung – nachdem das, was wir als Realität verstehen, nichts anderes als reine Wahrnehmung ist – wird das Empire of Chaos auf das Chaos eines grenzenlosen Hybridkrieges zurückgreifen, um nicht das eurasische Kernland (das „Heartland“) zu „verlieren“.

Zeig mir, wie viele hybride Pläne du hast

Was für das Kernland gilt, gilt natürlich auch für den Hinterhof.

Der Fall Venezuela zeigt, dass das Szenario „Alle Optionen auf dem Tisch“ de facto von Russland zunichte gemacht wurde, wie in einem erstaunlichen Briefing von Maria Sacharowa, der Sprecherin des russischen Außenministeriums, dargelegt und anschließend vom russischen Außenminister Sergej Lawrow erläutert wurde.

Lawrow traf sich mit dem chinesischen Außenminister Wang Yi und dem indischen Außenminister Sushma Swaraj auf einem wichtigen RIC-Gipfel (Teil des BRICS-Gipfels) in China und sagte: „Russland beobachtet die schamlosen Versuche der USA, einen künstlichen Vorwand für eine Militärintervention in Venezuela zu schaffen…. Die tatsächliche Umsetzung dieser Drohungen besteht darin, militärische Ausrüstung heranzuschaffen und (US)-Spezialkräfte auszubilden….“.

Lawrow erklärte, wie Washington damit beschäftigt sei, Mörser und tragbare Luftverteidigungssysteme „in einem osteuropäischen Land zu erwerben und sie durch eine Fluggesellschaft eines Regimes, das…. eher absolut gehorsam gegenüber Washington im postsowjetischen Raum ist, nahe an Venezuela heranzubringen“.

Der US-Versuch eines Regimewechsels in Venezuela war bisher in mehrfacher Hinsicht erfolglos. Plan A – eine klassische Farbrevolution – ist kläglich gescheitert, auch weil es an ordentlichen lokalen Geheimdiensten mangelt. Plan B war eine weiche Version des humanitären Imperialismus, mit einer Wiederbelebung der schändlichen, in Libyen erprobten Schutzverantwortung (R2P); auch das scheiterte, vor allem, als das amerikanische Märchen sich als Lüge herausstellte, dass die venezolanische Regierung Lastwagen für humanitäre Hilfe an der Grenze zu Kolumbien verbrannt habe, was sogar von der New York Times entlarvt wurde.

Plan C war eine klassische Hybrid-Kriegstechnik: ein Cyberangriff, vollgepackt mit einer Wiederbelebung von Nitro Zeus, der 80 Prozent der Elektrizität Venezuelas lahmlegte.

(Anm.d.Ü.: „Nitro Zeus“ ist der Projektname für einen umfassenden Cyberangriff auf den Iran: https://en.wikipedia.org/wiki/Nitro_Zeus

Dieser Plan war bereits von WikiLeaks enthüllt worden, und zwar durch ein Memo von 2010, das von einem von den USA finanzierten, in Belgrad ansässigen Farbrevolutions-Betrug stammt, der dazu beitrug, den selbsternannten „Präsidenten“ Random Dude auszubilden, der nur als Juan Guaidó bekannt war. Das durchgesickerte Memo besagt, dass der Angriff auf das venezolanische Stromnetz ein „Wendepunkt“ sein würde, der „wahrscheinlich die Auswirkungen haben würde, öffentliche Unruhen in einer Weise zu schüren, die keine Oppositionsgruppe jemals zu erzeugen vermag“.

https://search.wikileaks.org/gifiles/?viewemailid=218642

Aber auch das war nicht genug.

Damit bleibt Plan D übrig – der im Wesentlichen darauf abzielt, die venezolanische Bevölkerung durch zusätzliche, verhängnisvolle und tödliche Sanktionen zu Tode zu hungern. Das sanktionierte Syrien und der sanktionierte Iran sind nicht zusammengebrochen. Selbst wenn man sich unzähliger Kompradoreneliten rühmt, die sich in der Lima-Gruppe zusammengeschlossen haben, müssen sich die Einzigartigen vielleicht damit abfinden, dass der Einsatz der Monroe-Doktrin, um den Einfluss Chinas im jungen 21. Jahrhundert einzudämmen, kein „Kinderspiel“ ist.

Plan E – wie in extrem – wäre eine US-Militäraktion, die Bolton nicht ausschließen will.

Show Me The Way to The Next War Game

Wo bringen uns also all diese unzähligen Waffen der Chaostheorie hin? Nirgendwo, wenn sie dem Geld nicht folgen. Lokale Kompradoreneliten müssen großzügig belohnt werden, sonst stecken Sie in einem hybriden Sumpfgebiet fest. Das war in Brasilien der Fall – und deshalb war diese bisher anspruchsvollste Hybrid-Kriegsgeschichte ein Erfolg.

Im Jahr 2013 enthüllten Edward Snowden und WikiLeaks, wie die NSA den brasilianischen Energieriesen Petrobras und die Regierung Dilma Rousseff ab 2010 ausspioniert haben. Danach erreichte ein komplexer, rollierender Coup aus Justiz, Wirtschaft und Politik sowie der Finanzmedien seine beiden Hauptziele: 2016 mit der Amtsenthebung von Rousseff und 2018 mit der Inhaftierung von Lula.

Jetzt kommt wohl das saftigste Stück des Puzzles. Petrobras sollte 853 Millionen Dollar an das US-Justizministerium zahlen, damit es nicht wegen Verbrechen vor Gericht gestellt wird, derer es in den USA beschuldigt wurde. Aber dann wurde ein schmieriger Deal beschlossen, wonach die Geldbuße an einen brasilianischen Fonds überwiesen wird, solange Petrobras sich verpflichtet, vertrauliche Informationen über seine Geschäfte an die Regierung der Vereinigten Staaten weiterzugeben.

 

                      Mattis: Er schrieb 2005 über den Hybridkrieg.

Der hybride Krieg gegen das BRICS-Mitglied Brasilien funktionierte wie ein Wunder, aber ihn gegen die atomare Supermacht Russland auszuprobieren, das ist ein völlig anderes Spiel. US-Analysten beschuldigen in einem weiteren Fall von Culture Jamming sogar Russland selbst, einen Hybridkrieg zu führen – ein Konzept, das tatsächlich in den USA im Kontext der Terrorismusbekämpfung erfunden wurde; das während der Besetzung des Irak angewendet und später über das Spektrum der Farbrevolutionen hinweg metastasiert wurde; und das unter anderem in einem Artikel, der 2005 vom ehemaligen Pentagon-Chef James „Mad Dog“ Mattis mitverfasst wurde (damals war er noch einfacher Generalleutnant).

http://www.infospecnaz.ru/en/hybrid-war-technology-and-social-media-master-class/

Auf einer kürzlich abgehaltenen Konferenz über die russische Militärstrategie betonte Generalstabschef General Valery Gerasimov, dass die russischen Streitkräfte sowohl ihr „klassisches“ als auch ihr „asymmetrisches“ Potenzial erhöhen müssen. In den USA wird dies als Subversion/Propaganda-Hybridkriegstechniken interpretiert, wie sie in der Ukraine und beim weitgehend widerlegten Russiagate angewendet würden. Stattdessen bezeichnen russische Strategen diese Techniken als „komplexen Ansatz“ und „Krieg der neuen Generation“.

Santa Monicas RAND Corporation hält sich immer noch an die guten alten Szenarien des heißen Krieges. Seit 1952 veranstalten sie „Rot gegen Blau“-Simulationen von Kriegsspielen – und modellieren, wie die sprichwörtlichen „existentiellen Bedrohungen“ asymmetrische Strategien nutzen können. Das letzte Rot gegen Blau war nicht gerade prickelnd. RAND-Analyst David Ochmanek verkündete, dass bei Blau, das das aktuelle militärische Potenzial der USA repräsentiert, gegen Rot, das Russland und China in einem konventionellen Krieg repräsentiert, „Blau auf ganzer Linie verliert“.

Nichts davon wird den Empire of Chaos-Funktionär General Joseph Dunford, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff, überzeugen, der kürzlich in einem Senatsausschuss für Streitkräfte sagte, dass das Pentagon weiterhin eine „No First Use“-Nuklearstrategie ablehnen werde. Der angehende Dr. Strangeloves glaubt tatsächlich, dass die USA einen Atomkrieg beginnen und damit davonkommen könnten.

Das Zeitalter der hybriden Dummheit, das mit einem Knall endet.

https://consortiumnews.com/2019/03/24/empire-of-chaos-in-hybrid-war-overdrive/

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/das-chaotische-imperium-und-der-hybride-krieg-24-03-2019/

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Das chaotische Imperium dreht voll am hybriden Kriegsrad

  1. Ich find‘ den Krieg gar nicht so Hybrid, ich find‘ ihn eher global und total, die USA mit ihren Vasallen testet einfach, wessen Ökonomie zuerst zusammenbricht.

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    Verfasst von zivilistin | 22. April 2019, 13:41

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