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Die marxistische Theorie in der Realität 2019

von Norbert Nelte

Die wesentlichste Kritik am Kapital von Marx ist die Kritik am „Tendenziellen Fall der Profitrate“. Die Profite steigt doch immer mehr, wird eingewendet. Hier fällt auf, dass die Kritiker „Profit“ und „Profitrate“ nicht unterscheiden können. Denen antwortet Marx:

„Wir haben gesehen, dass, obwohl im Entwicklungsgang der kapitalistischen Produktion m, die Gesamtsumme des Mehrwerts, stetig wächst, dennoch m/C ebenso stetig abnimmt, weil C noch rascher wächst als m.“

(Karl Marx Kapital, 3. Band, 15. KAPITEL. Entfaltung der innern Widersprüche des Gesetzes)

In „Das Gesetz als solches“ (Kapital, 3. Band, 13. Kapitel,) erklärt Marx das Gesetz:

„Bei „m/v wäre = 100%. Diese Rate des Mehrwerts würde sich jedoch, wie wir gesehen, in sehr verschiednen Profitraten ausdrücken, je nach dem verschiednen Umfang des konstanten Kapitals c und damit des Gesamtkapitals [c+v =]:

Wenn c =  50, v = 100, so ist p´ =  100 /150 = 66 2 /3%.

Wenn c =100, v = 100, so ist p´ =  100 /200 = 50%.

Wenn c =200, v = 100, so ist p´ =  100 /300 = 33 1 /3%.

Wenn c =300, v = 100, so ist p´ =  100 /400 = 25%.

Wenn c =400, v = 100, so ist p´ =  100 /500 = 20%.“

Wenn wir dieses Gesetz fortführen, so bliebe nach 100 Jahren nur noch 1%, denn:

Wenn c 9.900  (nach   99 Jahren), so ist p’=100/10.000=1%. Dieser Verlauf ist eine inverse oder negative Exponentialverteilung aus p’ = m/(c+m[bzw. v])

So gesehen, wäre der Kapitalismus schon 100 Jahre nach der französischen Revolution tot gewesen, mausetot, also um 1900. Deshalb haben vielleicht die großen Marxisten damals an eine Revolution gedacht, denn sie kennen ja alle Marx in- und auswendig, und er sagt auch:

„Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im   Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind.“

(Zur Kritik der Politischen Ökonomie von 1859, Vorwort, S. 8)

Marx sieht aber auch:

„Es müssen gegenwirkende Einflüs­se im Spiel sein, welche die Wirkung des allgemeinen Gesetzes durchkreuzen und aufheben und ihm nur den Charakter einer Tendenz geben, weshalb wir auch den Fall der allgemeinen Profitrate als einen tendenziellen Fall bezeichnet haben.“.

(Karl Marx  Das Kapital, Band 3, 14. Kap. Entgegenwirkende Tendenzen, S. 242)

Wir können heute im Gegenteil von Marx Zeiten auf Istzahlen zurückgreifen und siehe da, Marx hat sich vollauf bestätigt.

Statt in 100 Jahren ist der Kapitalismus nach 220 Jahren seit der französischen Revolution bei 1 Prozent in der Produktion angekommen. Das langt nicht mal mehr für die Bankzinsen, also klinisch tot. Nur noch die Apparate halten die Pumpe in Gang.

Eine durchschnittliche Profitrate von 1 Prozent in der Produktion schätzt auch die weltgrößte Fondsgesellschaft mit 6,29 Billionen US-Dollar Blackrock ein. Im Finanzsektor schätzt sie noch 4% ein.

Florian Homm: in seinem neuen Buch „Der Crash ist da „Heute liegt die Dividendenrendite der Titel im S&P 500 bei lediglich  1,8  Prozent.“

Mit den außerordentlichen Gewinnen von Finanzmarktaktien, wohlgemerkt. 1% langt nicht mal mehr für die Bankzinsen, den Konzernen bleibt nichts mehr aus der Produktion, nur noch aus ihren Finanzmarktaktien gibt es müde Dividenden.

Die Wirtschaft wird nur noch durch die 0% Zinsen der Zentralbanken, Fiktive Gewinne, Falschbuchungen und massive Statistikfälschungen am Leben gehalten.

Nicht nur ich sehe ein Ende unseres Wirtschaftssystems, auch Ernst Wolff auf KenFM malen ein düsteres Bild, wobei auch alle anderen Marktbeobachter, die einen Supercrash in 2019 sehen, noch nicht mal wissen, wie es weiter gehen wird.

„2008 wäre das Todesjahr für das bestehende globale Finanzsystem gewesen, hätten Regierungen und Zentralbanken es nicht durch die größte Vermögensumverteilung aller Zeiten mit Hilfe von Steuergeldern am Leben erhalten. Diese Reanimation aber hatte ihren Preis: Sie hat eine ständig wachsende Schuldenlawine von nie dagewesenem Ausmaß in Gang gesetzt,   die   unablässig   durch   Zinszahlungen   bedient   werden muss. Aus diesem Grund bleibt den Zentralbanken seit 2008 gar nichts anderes übrig, als immer neues Geld zu drucken und es der Finanzindustrie zu immer niedrigeren Zinsen zur Verfügung zu stellen.“(Ernst Wolff bei KenFM, „Wer erhält das globale Finanzsystem eigentlich am Leben?“)

In FOCUS-MONEY warnt Finanzprofi Florian Homm: „Sicher, dass es in den kommenden Wochen knallen wird

„Die Wirtschaftserholung der vergangenen Jahre hat nur durch die Nullzinsen funktioniert. Nur das billige Geld hat die Industrieländer halbwegs am Leben gehalten. Die Wirtschaft ist wie ein Schwerkranker in der Endphase. Wahrscheinlich rutschen wir in eine tiefe Rezession. Das ist brandgefährlich, denn die EZB kann nichts mehr dagegen tun. Sie hat ihr Pulver verschossen.“

Rosa Luxemburg weiß auch, welche Probleme am Ende auftauchen werden. „Mit einem Wort,“ schreibt sie 1899 „der Kredit reproduziert alle kardinalen Widersprüche der kapitalistischen Welt, er treibt sie auf die Spitze, er beschleunigt den Gang, in dem sie ihrer eigenen Vernichtung – dem Zusammenbruch – entgegeneilt. Das erste Anpassungsmittel für den Kapitalismus in Bezug auf den Kredit müsste also darin bestehen, den Kredit abzuschaffen, ihn rückgängig zu machen. So wie er ist, bildet er nicht ein Anpassungs-, sondern ein Vernichtungsmittel von höchst revolutionärer Wirkung.“

(Rosa Luxemburg: Sozialreform oder Revolution?)

Gebongt, die Profitrate in der Produktion des marktwirtschaftlichen Kapitalismus ist KO, da hat Marx voll Recht gehabt, Bingo, kann der Marxismus auch sagen, wie genau das Ende kommen wird und wie es weiter gehen wird? Kann er, kann er.

Im 2. Band versucht Marx so etwas wie ein Kapitalumlauf darzustellen, und stellt fest, dass die Überproduktion in normalen Zeiten immer im Produktionsmittelsektor stattfindet, Friedrich Engels schreibt aber an Victor Adler am 16.3.1 995

„Abschnitt III ist eine ganz ausgezeichnete Darstellung des Kreislaufs von Waren und Geld in der kapitalistischen Gesellschaft – ausgezeichnet dem Inhalt nach, aber furchtbar schwerfällig der Form nach, weil 1. zusammengeflickt nach zwei verschiedenen Methoden verfahren, und 2. weil Bearbeitung Nr. 2. einem Krankheitszustand gewaltsam zu Ende geführt wurde, wo das Hirn an chronischer Schlaflosigkeit litt.“

Rosa Luxemburg schrieb auf S 31 ihrer  Antikritik 36: „Zwar schien dieser letzte Abschnitt des Bandes, nach dem Engelsschen Zeugnis, Marx selbst »einer Umarbeitung dringend bedürftig« und ist nach demselben Zeugnis »nur eine vorläufige Behandlung des Gegenstandes« geblieben“. Und sie nimmt diese Umarbeitung vor und kommt zu dem Schluss, dass in normalen Zeiten die Überproduktion immer im Konsumsektor stattfindet.

Es ist klar, dass Rosa Luxemburg Recht hatte, denn ständig weitet sich das konstante Kapital aus und schrumpft relativ der Lohn.

Also sie sagt, dass in den normalen Wachstumszeiten nichts passiert, dass aber am Ende des Kapitalismus, wenn c schneller fällt als v und die Überproduktion dann wirklich im Produktionsmittelsektor stattfindet, dann zeigt es „das Ende des Kapitalismus an“

„Hier beginnt aber die Sackgasse. Das Endresultat einmal erreicht – was jedoch nur theoretische Konstruktion bleibt -, wird die Akkumulation zur Unmöglichkeit: Die Realisierung und Kapitalisierung des Mehrwerts verwandelt sich in eine unlösbare Aufgabe. In dem Moment, wo das Marxsche Schema der erweiterten Reproduktion der Wirklichkeit entspricht, zeigt es den Ausgang, die historische Schranke der Akkumulationsbewegung an, also das Ende der kapitalistischen Produktion.“

(Rosa Luxemburg: Gesammelte Werke, Bd. 5, S. 363 – 365, Dietz Verlag Berlin)

Noch genauer vor 100 Jahren geht’s nicht. Aber wir wissen es genauer.

FAZ; Boom ohne Investitionen 10.11.17, Spiegel: Liebe Unternehmer, was macht ihr mit all dem Geld? 3.11.17, Bund will ab 2019 Zukunfts-Investitionen kürzen 2.5.18 Spiegel: Brüssel  fordert mehr Investitionen von Deutschland 3.5.18,

Unter dem Titel „Wie die EU den europäischen Kapitalmarkt nachhaltig ruiniert“ schreiben die DWN:

“Die   EU-Kommission   strebt   die  Schaffung   einer   Kapital-markt-Union an, um den viel zu kleinen europäischen Kapitalmarkt zu entwickeln. Dieselbe EU-Kommission setzt aber laufend Maßnahmen, die den europäischen Kapitalmarkt und somit die gesamte Wirtschaft behindern. Das Resultat ist ein immenser Rückstand bei den Investitionen.“

Wenn diese Investitionsverweigerung weltweit vorkommt, fällt das konstante Kapital c schneller als die Löhne v und die Überproduktion im Produktionsmittelsektor kann nicht mehr auf den Konsumsektor übertragen werden. Was will auch die Frau Meyer mit einer Stanzmaschine in der Küche? Vielleicht Plätzchen ausstanzen? Dies nennen wir den „Point Of No Return“ in der Produktion.

Wenn ein Arbeitsplatz in der Produktionsmittelindustrie verloren geht, werden 9 Arbeitsplätze im Konsumsektor dichtgemacht.

In 2008/9 gab es die weltweite Investitionsverweigerung 1 ½ Jahre nach den Meldungen aus Deutschland. Deshalb sollte man etwa um die Jahreswende 2019/20 mit den weltweiten Investitionsverweigerungen und mit dem „Point Of No Return“ dann ½ später damit refchnen.

Wir hatten 2009 den 1. “Point of no return”. Damals ist die Wirtschaft um -5% eingebrochen. Ich schrieb am 25.3.2009 „Wirtschaftszusammenbruch: Der „Point of no Return“ der Produktion wird gerade überschritten.“.

Prompt krachte das BIP im 2. Quartal ein, das etwa im August bekannt gegeben wird.

Wir sehen bei der schönen Statistik vom Statistischen Bundesamt, dass so alle 10 Jahre eine kleine Depression kam.

2009 waren das weltweit minus 5-7% und die Regierung nahm diese hübsche Statistik vom Schirm und stellen sie seitdem nicht mehr ein. Sie wollen also etwas verheimlichen.

An dieser Statistik kann man auch erkennen, dass die roten 10 Jahres Durchschnittslinien immer tiefer fallen und 2010 die Nulllinie erreicht haben.

Die nächste Depression wäre nach 2009 dann 2019. Alle Vorbereitungen sind getroffen, oben die Investitionsverweigerungs-Meldungen zeigen, es kann losgehen.

Florian Homm meldet in seinem neuen Buch DER CRASH IST DA (Hallo aufwachen!) „Wie  Sie  an  dem  nachfolgenden  Schaubild (Abbildung  1)  erkennen  können,  sind  die Verbindlichkeiten  der  größten Zentralbanken  seit 2008  um  mehr  als  500  Prozent  gestiegen.“ (S. 27)

Also -5,0 von 2008 mal 5 mal 2 (weil die Gesamtschulden sich verdoppelt  haben) = BIP Minus 50%. 50% BIP durch (fabricas sine patrones + Gelbwesten) = Blutroter Sonnenuntergang für das Abendland.

Diskussionen

3 Gedanken zu “Die marxistische Theorie in der Realität 2019

  1. Die Deflation war keine , die aus dem wirtschaftlichen Tun hervorgegangen war. Die Wertstellung des Ausdrucks der Währung , war politisch gestaltet. Dies sogar an den Orten der Börsen in den USA. Die Börsen dort, waren Geldsammelmaschinen für Südamerika oder besser auf deren Kosten.Wie auch auf Kosten der damaligen zu entwickelnden Länder. Teils gehörte Australien noch dazu.

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    Verfasst von .... | 6. März 2019, 17:06
  2. @LT-Team -paar Gedanken zur Diskussion :
    1. richtig, der Null-Zins zeigt ein system im Endstadium an., (das gabs wohl zuletzt vor 1000 Jahren)- endet üblicherweise in einer Mega-Deflation , wie 1929
    2. Vorsicht mit den Konzern-Profiten !- die werden mit allen Tricks kleingerechnet , um steuern zu sparen.-Investitionen , abschreibungen,usw , – Frage : Gewinn vor Steuer oder nach steuer?, ganze Berater-armeen beschäftigen sich mit Bilanzkosmetik- Gewinne werden innerbetrieblich in die Steuerparadiese transferiert und hierzulande vermieden , sehr schierig durchzublicken bei Gross-Konzernen , wie z.B. siemens , die in über 100 Ländern aktiv sind , da brauchts Bilanz-experten
    beispiel Marseille-kliniken: die haben offiziell Verlust ausgewiesen, obwohl sie kurz vorher ein ganzes Hotel für 250 Mio gekauft hatten
    3. leider hat Marx ja vergessen , mitzuteilen , in welchem Jahr der Kapit. genau endet , durchaus möglich, dass er noch 100 jahre weitergeht., (so alt ist er ja noch nicht +den Feudalismus gabs ja auch 1000 Jahre ) wer weis, wir können uns überraschen lassen, welches Ass(oder Kaninchen ) das Kapital noch aus dem Ärmel zaubert ..
    4. Welche ökon. Produktionsweisen einer Nachfolge-gesellschaft lassen sich denn schon im heutigen Kap.
    erkennen ?
    Die selbstverwalteten Firmen in Argentinien ? die können aber jederzeit wieder enteignet werden.u. sollte nicht eine neues System zuerst in den fortgeschrittensten Ländern (heute OECD ) entstehen?

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    Verfasst von Tom | 3. März 2019, 20:08
  3. die historischen Marx/engels , Luxemburg in Ehren, aber gibts nicht auch im 21. JH Denker oder ein Expertengremium in ihren Fußstapfen , die eine aktualisierte Einschätzung der Situation (inclussive der Analyse der Fehleinschätzungen der Vergangenheit ) geben können ?, ausser Herrn Nelte natürlich:-)..

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    Verfasst von Tom | 3. März 2019, 19:02

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