//
du liest...
Inland, Veranstaltungen

Koblenz | Oleg Muzyka – „Ukraine: Fünf Jahre nach Odessa“

von Koblenz im Dialog via facebook.com

Montag, 18. März 2019 von 19:00 bis 22:00
Kastorstr.3, 56068 Koblenz
Gastgeber: Koblenz: Im Dialog
Einlass: 18:30 Uhr
Eintritt: Frei, Spenden erwünscht

Es wird in Koblenz eine seltene Gelegenheit geben, alle denkbaren Fragen zur Ukrainekrise, den Schlüsselereignissen am Maidan, dem Brandanschlag auf das Gewerkschaftshaus in Odessa und zu den bevorstehenden Wahlen in der Ukraine Antworten zu bekommen. Oleg Musyka ist einer der Überlebenden des Massakers in Odessa am 2. Mai 2014. Dort kamen bei einem Brandanschlag 48 Menschen ums Leben, 210 wurden verletzt. Wie durch ein Wunder überlebte Oleg. Sein Bruder ist seither schwer behindert. Muzyka stellt in KOBLENZ sein Buch „Ukraine: Fünf Jahre nach Odessa” vor.

 

Bei dem Brandanschlag auf das Gewerkschaftshaus in Odessa am 2. Mai 2014 kamen 48 Menschen ums Leben, 210 wurden verletzt. Wie durch ein Wunder überlebte Oleg Muzyka. Sein Bruder ist seither schwer behindert. Muzyka stellte kürzlich sein Buch „Ukraine: Fünf Jahre nach Odessa” in Berlin vor.

Was hat Sie dazu bewegt dieses Buch zu schreiben?

Oleg Muzyka: Zuerst dachte ich, dass ich mich an alle Ereignisse in diesen fünf Jahren erinnern konnte — die Treffen mit den Abgeordneten, Diskussionen, der Auftritt im Parlament. Als ich dann angefangen habe, das genauer zu analysieren, habe ich verstanden, dass ich mich nur noch wirklich gut an die Ereignisse am 2. Mai 2014 erinnern kann. Ich sehe das alles immer noch gut vor meinen Augen: Die verstorbenen Kollegen, dieser Brand, der Rauch, der Tod. Das Ruhige und Friedliche, was mir danach zustieß, verschwindet allmählich. Dann haben meine Freunde mir geraten, alles woran ich mich noch gut erinnern kann, auf Papier zu bringen. Ich musste nicht lange überlegen, wen ich in dieses Projekt involvieren kann. Und habe mich an meine Freunde gewandt: Saadi Isakov, Frank Schumann, Lilia Bersuch. So hat diese dokumentarische Erzählung das Licht der Welt erblickt.

Was hat sich in den fünf Jahren ereignet und wie sehen sie die Situation heute, fünf Jahre nach der Katastrophe im Gewerkschaftshaus von Odessa?

Oleg Muzyka: Ich bereue es keinen Tag, dass ich an den Tagen 2014 in Odessa war. Ich habe mit meinen Kollegen, Freunden versucht, meine Stadt vor dem nahenden Nationalismus zu schützen, der heute langsam in Faschismus übergeht. Ich bereue es nicht! Ich bereue nur, dass meine Freunde und Kollegen gestorben sind, aber auch das Gegenlager wurde belogen. Hier bleibt alles beim Alten. Die letzten fünf Jahre hatten für mich persönlich mit dem Durchbrechen der Informationsblockade zu tun. D.h.: Treffen, Debatten, Filme. Ich denke die ganze Zeit darüber nach, lebe damit, schlafe damit ein und wache damit auf, bereite mich vor. Und im Gedenken an meine verstorbenen Freunde werde ich damit nicht aufhören, bis sich die Situation in der Ukraine ändert.

Wie reagiert die ukrainische Botschaft auf ihre Aktionen und ihr Buch?

Oleg Muzyka: Im Oktober wurde eine Veranstaltung vom deutschen Außenministerium und der Böll-Stiftung durchgeführt. Dort war einer der Mitarbeiter des ukrainischen Botschafters in Deutschland, Andrij Melnyk. Ich bin zu ihm hingegangen und habe mich vorgestellt, habe ihm meinen Reisepass gezeigt, habe ihm erzählt, dass ich ein politischer Flüchtling bin und habe ihm von meinem Buch erzählt — von den Ereignissen in Odessa am 2. Mai. Ich habe ihn gefragt, ob ich ihm das Buch schenken dürfte. Und er wollte das Buch nicht annehmen. Das zweite Mal war es in Warschau, im August 2018. Wir waren bei einem großen Forum der OSZE. Dort befand sich eine große ukrainische Delegation. Auch bei diesen Leuten habe ich mich vorgestellt und habe ihnen mein Buch schenken wollen, damit sie auch mal eine andere Meinung hören können. Dieser Mann hat kategorisch abgelehnt. Ich verstehe auch nicht warum. Er hätte das Buch einfach irgendjemandem geben können. Aber, nein, sie wollten es nicht einmal in die Hände nehmen.

Wie sehen sie nach diesen fünf Jahren die Zukunft der Ukraine?

Oleg Muzyka: Ich bin Politiker — vielleicht kein derart bekannter. Und natürlich mache ich mir große Sorgen über die Zukunft meines Landes. Ich würde gerne das Land, den Staat vereint sehen. Aber die momentane Regierung hat alles dafür getan, um nicht das Land in seinen Grenzen zu erhalten. Die Krim haben wir bereits verloren, der Donbass wird nicht zurückkehren. Deswegen kann man die Zukunft der Ukraine mit der Lage in Jugoslawien vergleichen. Sie wird im Endeffekt zerfallen. Diese Erkenntnis ist bitter. Das ist eine Tragödie für den Staat. Aber diejenigen, die heute an der Macht sind, erfüllen einen Auftrag: Die Zerlegung der Ukraine!

Die Buchvorstellung begleiten am Abend:

OLEG MUSYKA ist ein bekannter Politikwissenschaftler, Autor und Aktivist, der am 2. Mai 2014 das Massaker im brennenden Gewerkschaftshaus der Stadt Odessa überlebte. Nach diesen tragischen Ereignissen beleuchtete Oleg Musyka das Thema Menschenrechtverletzungen in der Ukraine in mehr als 70 Veranstaltungen in 18 europäischen Ländern. In den Sitzungen der Arbeitsgruppen im Europäischen Parlament und der OSZE berichtete er über die politischen Verbrechen, die nach dem Putsch in der Ukraine im Jahr 2014 begangen wurden. Als Vorsitzender der deutschen Sektion der internationalen Plattform GLOBAL RIGHTS OF PEACEFUL PEOPLE organisierte Oleg Musyka im Jahr 2015 das Dokumentarfilmfestival „PRISMA“ in Berlin

SAADI ISAKOV ist Prosaiker, Essayist, Journalist und wurde in Moskau geboren. Nach seinem Studium an der Pädagogischem Universität arbeitete er als Lehrer in Moskau. Er lehrte Slawistik an der Universität Bielefeld und war Redakteur der russischen Abteilung der Osnabrücker Sonntagszeitung, später Chefredakteur der Zeitung ,Yevrejskaja Gazeta“ und der Zeitschrift „Europa-Express“. Er ist Mitglied des russischen PEN-Zentrums. Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine von derzeit weltweit 150 Schriftstellervereinigungen, die im „PEN International“ zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

FRANK SCHUMANN wurde 1951 in Torgau geboren, wo sich im April 1945 Sowjetsoldaten und Amerikaner trafen. Nach Facharbeiterausbildung in der Glasproduktion und Abitur, ging er drei Jahre zur Marine, danach folgte ein Journalistikstudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Von 1978 bis 1991 war er bei der auflagenstärksten Tageszeitung der DDR, die ..Junge Welt„ tätig, zuletzt in deren Chefredaktion. 1991 Gründung des Buchverlages ,edition ost“, seither Selbständiger und unabhängiger Verleger, Buchautor und Publizist Deutsch-Russisches Kulturinstitut E.U. INITIATIVE

https://www.facebook.com/events/310663333141767/

Diskussionen

3 Gedanken zu “Koblenz | Oleg Muzyka – „Ukraine: Fünf Jahre nach Odessa“

  1. Es muss ganz schön irritierend sein, wenn ein einziges subjektiv erlebtes Ereignis zum Schlüssel für die neuere Geschichte einer Nation wird, und kein Mensch das gut findet und niemand einen dafür belobhudelt.

    Liken

    Verfasst von Alexander Kemper | 1. März 2019, 9:41
    • Hallo Herr Kemper, wir sind in Koblenz etwas langsamer, manchmal auch gründlicher 😉 Sehen Sie uns nach, wenn wir erst später einen großartigen Abend würdigen. Das Thema ist ein Schweres. Wir alle waren sehr betroffen und traurig. Aber man bekommt ordentlich Bodenhaftung, wenn man sich die Tragweite dieses Erlebnisses betrachtet. Zu Oleg wird es auch noch weitere Veranstaltungen geben, denn wir finden es gerade zu wichtig, dass diese Geschichte von allen nur möglichen Seite beleuchtet wird und in die Medien findet. Alles Gute aus Koblenz, Sabiene Jahn (die gerade ganz zufällig diese Seite entdeckt hatte, da ich das Dokumentarfestival „Prisma“ gern näher recherchieren wollte.) Haben Sie einen wertvollen Tipp für mich?

      Liken

      Verfasst von Jahn | 21. März 2019, 23:17

Trackbacks/Pingbacks

  1. Pingback: Die Linke beherrscht eines perfekt: das Säureattentat auf sich selbst | Jochens Sozialpolitische Nachrichten - 29. März 2019

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archive

%d Bloggern gefällt das: