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Ausland, Medien

Wie die Konzernmedien zu einem Fetisch verkommen

von C.J.Hopkinshttp://www.theblogcat.de

Jetzt haben es die Konzernmedien schon wieder getan. So wie sie es die vergangenen zweieinhalb Jahre bereits wiederholt getan haben. Sie haben die Welt mit einer „explosiven“ Story erschüttert, die ohne jeden Zweifel beweist, dass Donald Trump sich mit den Russen verschworen hat, um Hillary Clinton die Präsidentschaft zu stehlen. Oder dass er zumindest ein justiziables Vergehen begangen hat, das etwas mit Russen, Ukrainern oder anderen slawischen Menschen zu tun hat … nur dass sich die Story als inakkurat herausstellte, oder nicht ganz akkurat, oder als ein Haufen Scheißdreck.

Dieses Mal war es Jason Leopold von Buzzfeed, ein Reporter „mit einer schillernden Vergangenheit“ (sprich: eine Geschichte aus erfundenen Quellen), der die „explosive“ Russiagate-Story herausbrachte, die sich als ein Haufen Scheißdreck herausstellt. Leopold und sein Kollege Anthony Cormier berichteten, dass Trump seinen Anwalt Michael Cohen angewiesen habe, den Kongress über Pläne für einen Trump-Tower in Moskau zu belügen und damit einen Meineid begangen und die Justiz behindert habe. Ihre Quellen für diese „explosive“ Story waren angeblich „zwei Bundesbeamte der Strafverfolgungsbehörde, die an den Ermittlungen in diesem Fall beteiligt sind.“

Ungefähr 24 Stunden später nahm das Büro des Sonderermittlers Robert Mueller (d.h.: jene Behörde, die „an den Ermittlungen in diesem Fall beteiligt ist“) Stellung und sagte, dass die Buzzfeed-Story „nicht akkurat“ sei, was ein juristischer Ausdruck für „ein Haufen Scheißdreck“ ist. Buzzfeed steht zu seiner Story und arbeitet daran, zu bestimmen, was Muellers Büro mit „nicht akkurat“ gemeint hat. Ben Smith, der Chefredakteur von Buzzfeed, forderte Mueller auf, „klarzustellen, was er bestreitet.“

Liberale und andere Trump-Besessene beteiligen sich an der Suche nach einer Interpretation der kryptischen Äußerung aus dem Büro des Sonderermittlers. Französische Hermeneutiker wurden angeblich eingeschaltet, um die Bedeutung des Begriffs „akkurat“ zu dekonstruieren. Professionelle Twitter-Semiotiker erklären, dass „nicht akkurat“ nicht „falsch“ bedeutet, sondern sich eher auf etwas bezieht, das „akkurat“ ist, was aber der Benutzer dieses Wortes nicht öffentlich bekanntmachen will, oder das juristische Begriffe nicht das bedeuten was sie bedeuten … oder etwas in der Art, mehr oder weniger.

Glenn Greenwald berichtete im August 2018 über eine andere „explosive“ Story, die sich als ein Haufen Scheißdreck herausgestellt hat und stellte eine vorläufige Liste von Russiagate-Storys zusammen, die die Konzernmedien im Laufe der vergangenen 18 Monate veröffentlicht und verbreitet haben und die sich als ein Haufen Scheißdreck herausgestellt haben (d.h.: diese Storys, nicht Greenwalds Liste). Anlässlich dieser jüngsten Schwachsinns-Story hat Greenwald seine Liste erweitert und umbenannt: „Die 10 übelsten und peinlichsten Schnitzer der US-Medien in der Trump/Russland-Story“.

https://theintercept.com/2019/01/20/beyond-buzzfeed-the-10-worst-most-embarrassing-u-s-media-failures-on-the-trumprussia-story/

Aber Greenwalds Liste ist nur ein kleiner Ausschnitt jener Russiagate-Storys, die sich als Schwachsinn entpuppt haben. Fürs Protokoll, hier ein paar weitere:

– „17 Geheimdienstbehörden“ bestätigen, dass Russland sich in die US-Wahlen eingtemischt hat (New York Times)

– Russland hat sich in das Brexit-Referendum eingemischt (The Guardian)

– Russland hat sich in die deutschen Wahlen eingemischt (Reuters)

– Russland hat sich in die französischen Wahlen eingemischt (Politico und zahlreiche andere)

– Michael Cohen hat sich in Prag mit den Russen verschworen (Buzzfeed)

Mein persönlicher Favorit bleibt die Story, wie Hillary Clinton im Jahr 2016 von Putin-Handlangern vergiftet worden sein könnte. Und dann sind da noch die Hasch rauchenden, Huren bumsenden, inkompetenten Novichok-Parfüm-Mörder, die Meme über gehirngewaschene Afroamerikaner, die von Putin gesteuerte Rebellion der Gelbwesten, die Hirn fressenden russisch-kubanischen Grillen und verschiedene andere Haufen aus Schwachsinn.

Ich verwende die Ausdrücke „Scheißdreck“ und „ein Haufen Schwachsinn“ (im Gegensatz zu den Begriffen „Fehlschläge“ und „Irrtümer“), nicht weil ich unnötig vulgär sein will, sondern auch, um auf etwas hinzuweisen. Man soll diese Ausdrücke im Zusammenhang mit „ernsthaften“ und „respektierten“ Nachrichtenmedien nicht verwenden. Darum benutzen Journalisten wie Greenwald und Aaron Maté (die ausführlich über die fortgesetzte Produktion und Verbreitung von Schwachsinn durch die Konzernmedien berichtet haben) in ihren Berichten solche Ausdrücke nicht. Stattdessen verwenden sie weniger aufrührerische Begriffe wie „falsch“, „inakkurat“, „Fehler“ und „Irrtum“. Journalisten mit Prinzipien wie Greenwald und Maté sind erstens durch ihre journalistische Moral eingeschränkt, zweitens durch ihre Integrität und drittens durch ihren Glauben an eine „freie und unabhängige Presse“, was ein Grundpfeiler der westlichen Demokratie ist.

Da ich weder ein respektierter Journalist bin, noch an die Existenz einer „unabhängigen Presse“ glaube, unterliegen ich keinen solchen Beschränkungen. Da ich nicht versuche, einen Job zu bekommen oder zu behalten, oder eine „respektierten“ Ruf aufrecht zu halten, besitze ich die Freiheit, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und einen Haufen Scheißdreck als einen Haufen Scheißdreck zu bezeichnen. Und ich besitze die Freiheit, „Journalisten“ wie Leopold, Luke Harding, Craig Timberg, Franklin Foer und viele andere ihrer Medienkollegen (ganz zu schweigen von TV-Clowns wie Rachel Maddow) als die Lügner und widerlichen Propagandisten zu bezeichnen die sie sind. Ich muss nicht so tun als wären ihre erfundenen Storys das Ergebnis von „schlampigem Journalismus“ oder „zu großem Vertrauen in offizielle Quellen“, oder von sonstigen „Irrtümern“ und „Fehlern“. Diese Leute wissen ganz genau was sie tun und werden dafür extrem gut bezahlt. Sie haben das auf Schulen gelernt. Dann haben sie Hintern geküsst und intrigiert, um die Establishment-Stufen hochzukriechen um es tun zu können.

Ja natürlich, es gibt noch Journalisten mit Prinzipien, die bei den Konzernmedien arbeiten, aber sie tanzen auf einem sehr dünnen Seil. Niemand muss ihnen sagen wo es langgeht. Jeder professionelle Journalist weiß genau, wo das ist und warum das so ist. Sie dürfen zwar gelegentlich bis an die Grenze gehen (damit sie sich nicht direkt wie Huren fühlen müssen), aber ein Fehltritt und sie werden in die tiefe Finsternis der Blogosphäre verstoßen und aus der Kirche des Respektierten Journalismus verbannt. Wenn ihr mir nicht glaubt, dann fragt Seymour Hersh oder John Pilger, oder jeden anderen journalistischen Häretiker.

Wenn Russiagate sonst schon keine anständigen Zweck erfüllt, dann wenigstens den, dass es die Konzernmedien als die Propagandafabriken enthüllt, die sie sind. Angesichts der Menge des offensichtlich fabrizierten Scheißdrecks, den sie in den vergangenen zwei Jahren verbreitet haben, muss man schon ein völliger Schwachkopf sein, oder ein eingefleischter Anhänger des neoliberalen Kults sein, um nicht die Funktion zu erkennen, die sie innerhalb der globalen, kapitalistisch herrschenden Klasse ausüben. (Das unterscheidet sich nicht grundlegend von der Funktion, die Establishment-Medien in jeder anderen Gesellschaft ausüben, nämlich der Verbreitung, Behauptung und Konkretisierung des offiziellen Narrativs der jeweils herrschenden Klassen.)

Leider herrscht kein Mangel an Schwachköpfen und Kultanhängern. Den Schwachköpfen gebe ich keine Schuld, denn sie sind, nun ja … Schwachköpfe. Die Kultanhänger sind eine völlig andere Spezies. Hier handelt es sich um Menschen, die – egal wie oft sie von den Konzernmedien mit einer weiteren „explosiven“, „knalligen“ Russiagate-Story gefüttert werden, die sich im Nachhinein als ein Haufen Scheißdreck entpuppt – das Konzept der „unabhängigen Medien“ wie kahlgeschorene, glupschäugige Manson-Anhänger verteidigen. Konfrontiert man sie mit Fakten, die ihrem Glauben widersprechen, dann schließen sie ihre Augen und fangen an zu singen und zu murmeln und brabbeln ihre monotonen Bannzaubersprüche. Der Gedanke, dass die westlichen Konzernmedien den Interessen der herrschenden Klasse dienen könnten (so wie die Medien in jeder anderen Gesellschaft der herrschenden Klasse dienen), das ist unvorstellbar und gleichbedeutend mit Ketzerei.

Dieser Fetisch mit einer „unabhängigen Presse“ ist ein einzigartiges Phänomen im westlichen Kapitalismus. Im Grunde genommen ist es ein kindisches Märchen, vergleichbar mit dem Glauben, dass der Weihnachtsmann eine wirkliche Person ist oder dass das Wählen in einer Konzernoligarchie irgendetwas mit einer wirklichen Demokratie zu tun hat. Denkt darüber kurz einmal unvoreingenommen nach. Warum sollte irgendeine herrschende Klasse eine wirklich „unabhängige“ Presse zulassen, die einfach so Ideen und Informationen in der Gesellschaft verbreitet? Würden sie das zulassen, dann gäbe es sie (die herrschende Klasse) nicht sehr lange.

Die meisten Menschen verstehen das instinktiv, deshalb wiederholen die Konzernmedien auch ständig das Mantra von der „freien und unabhängigen Presse“, immer und immer wieder. Im Ernst, schaltet den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein, oder schaut in den Guardian oder die Washington Post, oder in jedes andere Konzernmedium und man wird immer wieder daran erinnert, wie „unabhängig“, „frei“ und“demokratisch“ sie sind. Das ist im Grunde Neuro-Linguistisches Programmieren.

https://de.wikipedia.org/wiki/Neuro-Linguistisches_Programmieren

Wir sollten uns also nicht wundern, wenn uns die Konzernmedien weiterhin mit „explosiven“ Storys über Trump und Russland bombardieren, die sich als Scheißdreck entpuppen. Ich persönlich freue mich auf diese Storys. Je mehr Scheißdreck von den Konzernmedien, umso besser! Wer weiß, vielleicht verlieren noch mehr Menschen ihr „Vertrauen in die Medien“, wenn die genug krassen Scheißdreck servieren, und dann fangen sie an, selbst die Dinge zu untersuchen. Ich weiß, das macht mich zu einem Nazi, nicht wahr? Oder wenigstens zu einem russischen Propagandisten? Also wirklich, die Menschen dazu ermutigen, den Konzernmedien zu misstrauen? Gibt es denn kein Gesetz gegen so etwas? Oder haben sie diese Gesetze nur noch nicht eingeführt?

http://www.unz.com/chopkins/the-fetishization-of-the-corporate-media/

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/c-j-hopkins-21-01-2019/

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