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Ausland, Welt

Wo bleiben eigentlich die russischen Hacker wenn man sie mal braucht?

von Mathias Broeckershttps://www.broeckers.com/

“Sie wohnen in jedem Computer auf der ganzen Welt und lenken die Geschicke der Menschheit: Der Glaube an allmächtige russische Hacker, die den Lauf der Weltgeschichte bestimmen, ist heute offiziell als Religion anerkannt worden. Besonders in den USA, aber auch in Deutschland erfreut sich die Glaubensgemeinschaft immer größeren Zulaufs.” Dies hatte das Fachblatt “Postillon” schon im Juni 2017 gemeldet und welche Formen die Heilslehre des Russohackismus seitdem angenommen hat, lies sich jetzt erneut ganz wunderbar beobachten, nachdem zahlreiche gehackte Daten über deutsche Politiker und “Prominente” im Netz aufgetaucht waren. Täglich wurde den Gläubigen von den Kanzeln der großen “Bild”-Kathedrale Messen gelesen und Predigten gehalten, warum auch hinter dieser neue Plage niemand anderes stecken kann als “Putins Cyberkrieger”. Wer sich hinter dieser Ausgeburt des Bösen verbirgt, wurde dann nach einer Verhaftung am Dienstagabend klar: es ist ein 20-jähriger aus Mittelhessen, der noch bei seinen Eltern wohnt. Der junge Mann soll aus Langeweile schlecht geschützte Email-Accounts und Webseiten gehackt und die Daten per Adventskalender im Dezember ins Netz gestellt haben. Wahrscheinlich, weil seine Mutter “den süßen Versuchungen des Kreml erlag”. Das ist ja gerade das Gefährliche und Perfide an den russichen Hackern, die seit Jahren unsichtbar im Hintergrund ihre dämonischen Fäden ziehen und von keinem Fahnder oder gar Gerichten gestellt und identifiziert werden können, die aber natürlich auch hier dahinterstecken. Wer glaubt, dass so ein Bubi so viele Daten einsammeln kann, ohne dass ihm mächtige Kräfte aus dem Hinterhalt geholfen haben, ist wahrscheinlich schon ein Opfer russischer Fake News und Desinformation.

In einem anderen aktuellen Fall von Datendiebstahl ist die Lage leider ein wenig anders. Eine Hackergruppe namens “Dark Overloard” hat angeblich brisante Daten über die 9/11-Anschläge in ihren Besitz gebracht und sie an Sylvester verschlüsselt ins Netz gestellt. Es soll sich um insgesamt 10 GB Dokumente und Emails handeln, die die Hacker von Servern verschiedener Anwaltskanzleien sowie des WTC-Besitzers Larry Silverstein gezogen haben, die mit der Abwicklung u.a. von Versicherungsfragen zu tun haben. Für die Freigabe jeder der in acht Schichten (“Layer”) aufgeteilten Daten verlangen die Hacker Bezahlung in Bitcoin, für den teuersten Layer mit dem wichtigsten Material wollen sie umgerechnet 2 Millionen Dollar. Zudem gaben sie an, dass sie auch Namen aus dem Datenbestand löschen, wenn die entsprechenden Personen dafür bezahlen. Twitter und die Plattform Steemit haben die Accounts der dunklen Overlords mittlerweile entfernt. Dort hatten die Hacker bekundet, keine politischen Aktivisten zu sein und gedroht: “Bezahlt den Scheiß oder wir werden euch darunter begraben.

Nach Erhalt der ersten Bitcoins hat die Gruppe die beiden ersten “Layer” mittlerweile entschlüsselt , sie enthalten u.a. Interviews des FBI mit den Angestellten der Airlines und der Angehörigen, sowie Korrespondenzen verschiedener Versicherungen. Eine “smoking gun” befindet sich offenbar nicht darunter, die Echtheit der Dokumente scheint aber sicher zu sein. Unsicher ist allerdings, ob “Dark Overlord” wirklich Material erbeutet hat, dass zu einer Neuermittlung oder gar Aufklärung der Verbrechen beitragen kann. Zumal wenn auch nach einer “kompletten” Veröffentlichung niemand sicher sein kann, wer zuvor schon für die Nicht-Veröffentlichung unangenehmer Daten bezahlt hat. Deshalb werfen die rein kommerziellen Motive der Gruppe die Frage auf: Wo bleiben eigentlich die allmächtigen russischen Hacker, wenn man sie mal braucht?

https://www.broeckers.com/2019/01/11/wo-bleiben-eigentlich-die-russischen-hacker-wenn-man-sie-mal-braucht/

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