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Ausland, Naher Osten

„Die Linke“ – Eine Querfrontorganisation

von A. Holberg

zu: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1109295.linke-und-syrien-wer-garantiert-schutz.html

In dem u.a. Artikel aus dem ND über den Streit in der PdL über Syrien heißt es u.a.: “ Letztere in der Linken sehen die Bemühungen der Kurden um eine fortschrittliche Entwicklung hin zu einer sozialistischen, demokratischen Gesellschaft durch den Rückzug der US-Soldaten bedroht.“ Das ist eine wirklich „interessante“ Position, bedeutet sie doch, dass es „Linke“ gibt, die die Möglichkeit der Schaffung einer „sozialistischen“ Gesellschaft von der militärischen Präsenz der USA – und anderer kapitalistischer Staaten – abhängig machen.

Überdies stellt sich die Frage, wie die kurdischen Regionen „sozialistisch“ werden sollen, wenn ihre politischen Führungskräfte nicht etwa von der Gründung eines unabhängigen Staates sprechen, sondern von einer Autonomie innerhalb des („staats“-)kapitalistischen Syriens. Über die Frage, ob es Sinn macht , angesichts des Zusammenbruchs des „realen Sozialismus“, der einst in einem zurückgebliebenen europäischen Land (Russland) gegründet wurde, dort isoliert blieb und so die ursprünglichen keineswegs voluntaristischen Hoffnungen der Bolschewiki nicht erfüllen konnte, von der Möglichkeit des „Sozialismus“ ausgerechnet in einem rückstängen Teil des rückständigen Syriens auszugehen, sollten die Freunde der PYD vielleicht auch einmal näher nachdenken. Ein Rückblick auf die „Errungenschaften“ anderer sich gar als „marxistisch“ bezeichnender nationaler Befreiungsbewegungen von Vietnam, Laos bis hin zu Mozambique, Angola oder Guinea Bissao könnte den Realismuas auch fördern.

Wenn es in der „Partei die Linke“ überdies in der Tat Anhänger der folgenden Position gibt – „Die andere Seite hält die Unterstützung strategischer Bündnisse linker Kräfte im Nahen Osten mit den USA, der NATO und der EU für nötig und ist dafür durchaus bereit, Völkerrechtsbrüche hinzunehmen.“ – dann ist das immerhin ein willkommener Hinweis darauf, dass der Begriff „links“ in dieser Partei so weit gefasst wird, dass er beispielsweise vor nunmehr 100 Jahren problemlos sowohl auf den „Genossen“ Noske wie auf Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht hätte angewandt werden können. Ich nehme an, dass die Repräsentanten dieser erwähnten Position mehr oder weniger mit denen identisch sind, die eifrig den Begriff  „Querfront“ benutzen. Nun – in dieser Frage haben wir es dann mit der PdL eindeutig um eine Querfrontorganisation zu tun, in der sich Pro- und Antiimperialisten zusammengetan haben. Von den linken Antiimperialisten z.B. in der KPF oder ähnlichen Plattformen sollte man erwarten, dass sie mit diesen Proimperialisten definitiv brechen, die wohlbemerkt – falls die Autorin richtig formuliert hat – nicht etwa für eine hin und wieder mal angebrachtes „taktisches“, sondern für ein „strategisches“ Bündnis mit den imperialistischen NATO-Staaten eintreten.

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1109295.linke-und-syrien-wer-garantiert-schutz.html

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Diskussionen

3 Gedanken zu “„Die Linke“ – Eine Querfrontorganisation

  1. Und wie wär’s zur Abwechslung mit einem souveränen Uiguren Staat ?

    Ca 8000 Uigurische Söldner sind immer noch in Idlib, mit Familiennachzug könnte das doch was wwerden ???

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    Verfasst von Zivilistin | 7. Januar 2019, 20:28
    • Das „nationale Selbstbestimmungsrecht“ ist allerdings nicht daran gebunden, ob uns die auf dieser Basis geschaffenen Staaten gefallen oder nicht. Lenin hat m.E. zu recht betont, dass sich Kommunisten nicht für das Selbstbestimmungsrecht einsetzen, weil sie sich möglichst viele kleine Nationalstaaten wünschen, ebensowenig wie die Anerkennung des Rechtes auf Ehescheidung in dem Wunsch begründet liegt, dass sich möglichst viele Paare trennen. Vielmehr hat das Recht auf nationale oder eben private Trennung zum Ziel, dass es ein freiwilliges unterdrückungsfreies und stabileres Zusammensein geben möge. In diesem Sinn sollten wir auch unabhängig von der Existenz uigurischer Jihadisten das Recht der Uiguren anerkennen, sich von China zu trennen, auch wenn es durchaus gute Gründe gibt oder geben mag, eine solche Trennung nicht für ein Ziel zu halten, dass den uigurischen Werktätigen nützen würde. Wir sollten als Marxisten Unterdrückung nur propagieren, wenn es aktuelle oder voraussichtliche Unterdrücker trifft. Das Alles bedeutet natürlich nicht, blind zu sein gegenüber den – zu erwartenden – Versuchen der Instrumentalisierung des (nationalen) Selbstbestimmungsrechtes durch fremde (imperialistische) Kräfte. Im konkreten Fall muss man dann im Interesse „des Ganzen“ Prioritäten setzen. So war also z.B. die Verteidigung des aus der Oktoberrevolution hervorgegangenen Sowjetstaates zunächst einmal wichtiger als das nationale Selbstbestimmungsrecht von früheren Bestandteilen des Zarenreiches, wenn dieses von den dortigen (bürgerlichen) nationalistischen Kräften benutzt wurde, um mit Hilfe ausländischer Interventen die Sowjetmacht zu stürzen.

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      Verfasst von A.Holberg | 8. Januar 2019, 10:06
  2. tja, alles nur noch von Kapitalisten umgeben, sozialistisch gibts rein garnichts mehr, das Kapital hat widerstandslos die ganze Welt vereinnahmt und seine absolute Herrschaft errichtet

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    Verfasst von tom | 7. Januar 2019, 18:05

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