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Debatte, Linke Bewegung

HUNDSERBÄRMLICHES KAPITULANTENTUM

von Klaus Linder – http://www.facebook.com

In einem Film von Louis Buñuel gehen Eltern mit ihrem Kind zur Polizeiwache, um ihr Kind als vermisst zu melden. Die Anzeige wird aufgegeben, das Kind beschrieben. Das Kind ruft immer dazwischen: „Aber ich bin doch hier“, worauf Eltern und Polizist es ermahnen sie nicht zu unterbrechen und in der Suchanzeige fortfahren.
Das scheint das Verhältnis vieler deutscher „Revolutionäre“ zur Arbeiterklasse zu sein.

Es ist eine tief in die Köpfe eingesenkte Folge der Niederlage und Nährboden für das Sich-Weiterfressen der Konterrevolution – seit 30 Jahren bekannt, aber doch lmmer wieder verblüffend: Auch solche, die sich überzeugt und berufen sehen, das Subjekt zu vertreten, das die Bourgeoisie stürzen wird, beurteilen jede geschichtliche Wendung, jede neue Bewegung im Klassenkampf und die sich ergebenden Optionen ausschliesslich so, als sei das alleinige Subjekt dieser Veränderungen, dessen Entscheidungen ALLES bestimmen, die herrschende Klasse.

So sahen wir Freidenker seit unserer Kampagne „Raus aus der NATO“ uns zum Beispiel immer denselben, „impermeablen“, Einwänden kleinbürgerlicher „Links“radikaler ausgesetzt, die um nichts in der Welt zu erkennen vermochten, dass diese Losung eben keineswegs eine Aufforderung an die herrschende Klasse ist, sich bitte mal umzuentscheiden, sobald sie glauben sich der NATO entledigen zu können; sondern dass die Losung Orientierung auf den Weg einer Praxis und Bündnispolitik der unterdrückten Klasse ist, die, wenn verwirklicht, eine erhebliche Schwächung der Bourgeoisie bedeutet. Unsere Kritiker waren nicht mehr in der Lage, zwischen einer Schwächung und einer Stärkung des Klassengegners zu unterscheiden, weil sie überhaupt kein handlungsmächtiges geschichtliches Subjekt denken können als die herrschende Klasse selber – so laut im übrigen ihr (subjektloses) Getöse „Kapitalismus abschaffen“ sein mag.

Noch toller wird es mit der Haltung gegenüber den Massenprotesten in Frankreich und ihren Forderungen: „Ich fall da nicht drauf rein“, „Das ist ja doch nur von oben gesteuert“, „eine bunte Revolution der Herrschenden mehr“, „Streit der ‚Kapitalfraktionen‘, ich glaube es ist ein Konflikt zwischen EU und USA wegen der gemeinsamen Armee“ etc. pp. Die Werktätigen mit und ohne Arbeit, die Bauern, die Zwischenschichten können noch so machtvoll die Bühne betreten – ihre Sprache, die Aussage ihrer Forderungen und Handlungen, scheint in den Ohren vieler unserer „Revolutionäre“ wie das Gewisper eines Insektenschwarms, für das sie keine Übersetzung kennen, während sie über jede fallengelassene Silbe irgendeines Deppen der herrschenden Riege Kaffesatzleserei ohne Ende betreiben als sei es der Schlüssel zur Geschichte – weil sie kein anderes Subjekt mehr denken können als die herrschende Klasse!

Und das ist für „Revolutionäre“ und „Klassenkämpfer“ in Worten nicht nur ein kleiner Denkfehler, sondern HUNDSERBÄRMLICHES KAPITULANTENTUM.
Das Revers: wo die Arbeiterklasse als Subjekt wahrgenommen wird, wird sie zum Träger von „Faschismus“ erklärt.

Einzige Antwort:

HERAUS ZUR UNTERSTÜTZUNG DER GELBEN WESTEN.

https://bit.ly/2ComXqZ

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