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Debatte, Gesellschaft

Als der Kaiser verkündete: „UNTEILBAR!“…

von https://opablog.net

hätten alle Alarmsirenen schrillen sollen. Stattdessen breitete sich Wohlbehagen aus. Hatte doch Schiller schon gesagt: Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen, noch Gefahr“ und schien nun im Alltag angekommen zu sein.

Im August 1914 war es dann soweit. Wilhelm kannte keine Parteien mehr. Jubelnd schickten die Bräute ihre Verlobten ins Feld. Um Ruhm und Ehre und andere christliche Werte.

Nach wenigen Jahren waren die armen Schlucker verblutet, erstickt, verstümmelt. Die Ruhrbarone aber, die Junker, die Geldsäcke hatten ihre Badekur

1923 galoppierte die Inflation. Da waren sie wieder alle UNTEILBAR vereint, als vielfache „Millionäre“ mit Nichts.

Die Ruhrbarone aber hatten ihre Schlote, die Junker ihr Rittergüter und die Geldsäcke ihre Devisen. „Schnee von gestern“, meinen heute Viele.

*

„UNTEILBAR!“ schrien auch die Faschisten: „Ein Volk, ein Reich – Führer, wir folgen Dir!“ Die christlichen Werte waren wieder dabei+Germanenmythos+“Kraft durch Freude“. UNTEILBAR der Stolz – der Bräute auf ihre blonden Flieger, der Mütter auf die fröhlichen Nachrichten aus Kreta. Am Ende beide „in stolzer Trauer“.

Die Anderen aber rechneten mit gewaltigen Ölvorräten, mit endlosen Schwarzerdeböden und vor allem mit den Wundern der Blitzsiege.

UNTEILBAR bis zum Schluss fanden sich die Herren und Knechte in der bedingungslosen Kapitulation.

*

Drei Jahre später – Währungsreform, JEDER kriegte 60,-DM auf die Hand – sah es mit der UNTEILBARKEIT schon deutlich anders aus. Alle stürzten sich ins Wirtschaftswunder. Die Einen malochten als Kumpel, die Andern als Kriegsgewinnler (Wer googelt mal nach „Quandt“?), die Dritten mästeten sich an ihren in treuen Diensten erworbenen Pensionen. Und die Kommunisten saßen jetzt im Kittchen, statt KZ.

UNTEILBAR, hoch gehalten, wie eh und je, hatte jetzt einen rabiaten Bedeutungswandel erlebt. UNTEILBAR galt jetzt für all die Genießer der FDGO. Fast ein Drittel der ehemals Dazugehörigen hatte man kurzerhand abgespalten. Ihr Pech, dass sie jenseits der Elbe wohnten.

Merk’s wohl: Nichts ist zu passender Zeit so leicht teilbar,wie das mit heiliger Inbrunst verkündete UNTEILBARE.

*

Michel hat fleißig einige Leitsätze der neuen UNTEILBARKEIT gelernt:

  1. Amerikaner bringen Frieden, Demokratie und Kultur. (Der Deutsche kann das zwar auch, doch vorläufig bleibt er der Zweitgrößte.)
  2. „Lieber tot als rot!“(Ist das der wahre Kern der UNTEILBARKEIT?)
  3. Israeli sind die Einzigen; im Nahen Osten und überhaupt. Und wer nicht wöchentlich einmal vor einer Kippa kniet, verletzt die Staatsräson.
  4. Nazis sind dumm und an ihrer Glatze zu erkennen. Seit neulich vertieft durch die Antifa-Erkenntnis:“Wer nicht hüpft, ist Nazi!“
  5. Unsere Musterdemokratie braucht keine Verfassung, schon gar keine vom Volk beschlossene.

*

Michel, was willst Du noch mehr?

Die Zeiten änderten sich im Sauseschritt. Was ist eine Kruppsche Knochenmühle von dunnemals gegen die modernen „Heuschrecken“ oder gar gegen Blackrock?

Was sind die IG Farben gegen die Weltordnung des atlantisch-zionistisch-wahabitischen Superkapitals? UNTEILBAR wird jetzt in ganz andere Dimensionen katapultiert.

Warum mit Interessen rechnen, wenn es doch Stichworte gibt.

Michel sieht nicht mehr den Pfeffersack, der ihn presst – umso lauter preist er die Offenheit der Grenzen.

Er erlebt, dass seine Gewerkschaft sich zu faulen Kompromissen nötigen lässt – umso mehr rühmt er das Prinzip der allumfassenden Solidarität.

Er fährt von morgens bis abends die Ellbogen aus – umso mehr berauscht er sich am Miteinander aller Gutwilligen – für die Bäume vom Hambi, gegen eklige Dieselgase oder für vor 30 Jahren gedemütigte Homosexuelle.

*

Organisierte politische Interessenvertretung durch die Angehörigen einer sozialen Gruppe ist ersetzt durch das knallharte aber anonymisierte Leistungsranking der absolut einzelnen Individuen. Jeder betreibt und das mit aller verfügbaren Kraft die Selbstoptimierung seiner kleinen Ich-AG. Für das Sich-Als-Guter-Fühlen sorgen die Verkünder der Moral, die zugleich ihre Wächter sind.

Darauf läuft das neue UNTEILBAR hinaus: Große Stunde der Leitmedien und der „Zivilgesellschaft“. Jede erwünschte Kampagne, Petition, Demo oder Kundgebung (neuerdings auch Konzertveranstaltung), kurz, jede Aktion „Aufschrei“ steht pünktlich auf der Matte, sobald sie von den Lobbyorganisationen des Vertrauens (nicht wenige davon reichlich und reichlich undurchsichtig finanzierte NGO) gestartet wird.

*

UNTEILBAR war immer das leere Wort, Betrugswort der Ausbeuter für die Ausgebeuteten.

Heute ist UNTEILBAR darüber hinaus auch noch das leere Wort, Selbstbetrugswort derer, die meinen neoliberale Gewinner zu sein, für sich und die anderen Ausgebeuteten.

Als der Kaiser verkündete: „UNTEILBAR!“…

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Als der Kaiser verkündete: „UNTEILBAR!“…

  1. genau, richtige analyse in dem artikel….. vielleicht heist „unteilbar “ irgendwann auch wieder „unteilbare Volksgemeinschaft von Arbeiter u. Kapitalist“

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    Verfasst von tom | 19. Oktober 2018, 20:20
  2. Der Beitrag beschreibt schön die Realität und das Wirken psychischer Sehnsüchte aus der Existenzweise des Menschen als gesellschaftliches Wesen.

    Die funktionale Masse verhält sich als Herde, als Schafschlafherde auf Grund genetischer Voraussetzungen und soziaier Formung. Nicht das der Leistungsgedanke ein verkehrter wäre, aber das Nichterkennen der eigenen Minderleistung mangels eigener Bereitschaft zum kritischen und selbstkritischen Denken verursacht die Verabsolutierung des eigenen Menschenbildes, das von der Fiktion des Guten in Gestalt euphorisierender Wirkung volltrunken erscheint. Die Lebensrealität entspricht wohl dem der eigenen sozialen Gruppe und blendet damit die faktische Teilung der Gesellschaft aus, die Segregation, die sehr bewusst von den Herrschenden vorangetrieben wurde und manche in die Einsamkeit getrieben hat. Viele der Reichen verstecken sich ja heute hunter dicken Mauern und umden Reichtag existioert eine Bannmeile. Gäbe es die nicht, knnte es sein,der Reichstag würde brennen und ein Jubel bräche vielleicht sogar aus.

    ABER WAS MACHEN WIR DANN ANDERS?

    Die Parteien streiten gerade darum, ob es noch Volksparteien geben konne. Natürlich ist es Aufgabe des Staates die bestehenden Widersprüche auszugleichen, abzuschwächen, weil es sonst eine kapitalistische Gesellschaft zerreisst. Viele Menschen erkennen in der Profitsteuerung das Übel und verlangen Gemeinwohlorintierung.

    Dann muss man aber über eine andere Finanzierung der Produktion nachdenken, über ein anderes Akkumulationsmodell, das die Demokratie als Machteilung bis in die Wirtschaft trägt, über eine Vermannigfachung der Rollen,die jeder verwirklichen muss auf eine Art und Weise,die seinen individuellen Besonderheiten Raum lässt, also Freiheit gewahrt,ihn aber auch in eine Pflicht nimmt.

    Aber eben keine, die eine unfähig gewordene Kaste von Bürolraten erfindet und vorgibt. Echte Teilhabe kann nur vielgestaltig und umfassend sein, muss in Transparenz vor der gesamten Gesellschaft bestehen können.

    Bis vor einigen Jahrzehnten hat das funktioniert in der IIllusion durch die Indentität der Deutschen durch ihren wirtschaftlichen Erfolg, der sich lange Zeit in der DM ausdrücken konnte. Der Euro und die Aufdeckung der Wahrheit der kanzklerakte hat das Gegenteil bewirkt, aber diejenigen, die der Staat noch gut ernährt, fühlen sich bedroht durch die Vielstimmigkeit des neuen Protestes und reagieren panisch und folgen der Frau, die als fremdgesteuerte Puppe den alten Mächten folgt, die schon immer die Zugel in Deutschland gehalten haben. Einigkeit und Recht und Freiheit, es ist nicht einfach ein Omen, dass man denText der Nationalhymne eingestampft und Beethoven als Vision missbraucht hat, es war volle Absicht,planmäßiges Kalkül.

    Inwischen sollen die Grünen als die neuen Linken aufgebaut werden, welch Demagogie, die Nachfahren einer Hippyfamilie als Weltenretter, die Leugner eines Volkes als deren Erretter. Schizophrenie ist leider eine Erkrankung, die den Betroffenen keine Schmerzen bereitet.

    Mir tut das aber sehr weh. Geht Euch das auch so?

    Dazu müssten wir uns erst mal aus der Fremdsteuerung lösen und uns darüber verständigen, worin die Einheit der Nation bestehen könnte, vielleicht auch innerhalb einer gemeinsamen europäischen Kultur.

    Gemeinsamkeit entsteht durch Kooperation im gemeinsamen Handeln, nur müssen die Ergebnisse auch den Anforderungen entsprechen und die erzeugte Segregation wieder auflösen. Man könnte auch sagen, die alte Teilung der Arbeit überwinden und deren Hierarchien, Das funktioniert sicher nicht durch Demos, auch eine Powerpoint- Suggestion reicht dazu nicht aus, es muss schon ein realer Prozess werden.

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    Verfasst von Politikus | 19. Oktober 2018, 18:42

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