//
du liest...
Betrieb und Gewerkschaft, Inland

Die Lüge der hohen Lohn(neben-)kosten

von https://npr.news.eulu.info

Zwischen 2000 und 2017 gab es für die Arbeitnehmer Reallohnverluste von ca. 22% (reale Nettolöhne zum realen BIP). Die Profite hingegen explodierten. Schwedens Stundenlöhne liegen um ein Drittel über unseren, auch die LNK (Lohnnebenkosten) sind höher – und trotzdem erzielen sie ein höheres Wachstum: irgendetwas kann an den Argumenten der Arbeitgeber nicht stimmen.

Lohnnebenkosten, Lüge – Der Lügner hofft vergeblich Treu und Glauben. (Goethe)

Seit Jahren üben sich die Gewerkschaften in „nobler Lohnzurückhaltung“: wieso?

In Österreich stehen die Verhandlungen der Metaller an und der ÖGB (Österreichischer Gewerkschaftsbund) versprach einen heißen Herbst, weil der 12-h-Tag erstmals an ihnen vorbei und im Eilverfahren, ohne Debatte im Parlament, beschlossen wurde.

Sie fordern 5% sagen aber schon im ersten Nebensatz, dass dies eine große Forderung ist? Nich sehr selbstbewusst, wie alle Medien anmerkten. Diesmal ist es anders, weil

  • die Regierung durch die Demonstration von mehr als 120.000 Menschen gegen den 12-h-Tag sehr unter Druck ist
  • der ÖGB nicht nur grosse Sprüche klopfen kann, sondern auch liefern muss
  • die realen Nettolöhne zwischen 2000 – 2017 um ca. 22% sanken und dies (fast) alle Arbeitnehmer in ihrem Geldbörserl spüren: tagtäglich!

Neu ist, dass sogar der Nationalbankpräsident in der Pressestunde meinte, dass bei 3 % realem Wachstum und einer Inflation von 2 % eine 5 %ige Forderung „verständlich sei“. Und seit dem Ende des Krieges hat sich auch die Regierung das erste Mal in Lohnverhandlungen eingemischt, was noch verdächtiger ist. . .

Also – Zeit für einen kurze Überprüfung:

  1. ) Lohnkostenvergleich 2016:

Die Lohnkosten je Arbeitsstunde inkludieren die Lohnnebenkosten (Arbeitgeberanteile zu den sozialen Sicherungssystemen) und zeigen folgendes Bild:

  • Vorne weg liegen Dänemark (43,40 Euro), Belgien (41,20) und Schweden mit 40,90 Euro;
  • Deutschland und Niederlande liegen um oberen Drittel gleichauf mit 33,40 und Österreich folgt knapp dahinter mit 32,90 Euro je geleisteter Arbeitsstunde.
  1. ) Bruttolöhne – Lohnnebenkosten

Das klassische Arbeitgeberargument – die Lohnnebenkosten (LNK) seien zu hoch – relativiert sich sehr rasch, wenn man einen Ländervergleich anstellt.

Deutschland und Österreich weisen ähnliche Werte aus – währenddem Dänemark, Belgien und Schweden höher liegen. Aber die Berechnung hinkt, weil einige Posten, die in Österreich dazu zählen in anderen Ländern in anderen Steuern ausgewiesen werden, wie zB. die Beiträge zu einem Familienlastenausgleichsfonds, aus dem die Familienbeihilfen finanziert werden.

Die höchsten Lohnnebenkosten wurden in Schweden fällig, wie die Presse 2016 in einem Kommentar festhielt: 48 Euro auf 100 Euro Lohn.

Österreich lag mit 36 Euro Lohnnebenkosten über dem dem Eurozonen-Schnitt von 34 Euro. Für Deutschland wird ein Wert von 28 Euro ausgewiesen.

Aber – seis drum, nehmen wir die Daten so wie sie sind.

3.a.) reales Wirtschaftswachstum

Eine kurze Recherche klärt auf: über den Zeitraum von 2008 – 2017 stieg das reale, inflationsbereinigte, Wachstum

  • in Schweden um 17,3 %,
  • in Österreich um 9,6 % und
  • in Deutschland um 12,3 Prozent.

Schweden erzielte ungefähr das Doppelte Wachstum von Österreich – und fast um die Hälfte mehr als Deutschland. Und dies nach der grössten Rezession überhaupt!

Irgendwas dürfte an den Argumenten der Arbeitgeberverbände nicht korrekt sein, zumal gerade in einer Phase der grössten Rezession und der folgenden Erholung, sich hohe Löhne und Lohnnebenkosten schlecht auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken sollen . . . so liest sich ihre Propaganda?

3.b.) Lohnstückkosten – reale Lohnverluste

Für den Zeitraum 2010 – 2016 weist die Arbeiterkammer Oberösterreich eine Lohnstückkostenzunahme von 7,1% für Österreich und 4,7 % für Deutschland aus. Die Inflation macht aber grob geschätzt ungefähr 12,6 % aus, was bedeutet, dass es zu Reallohnverlusten kam.

In Schweden hingegen lag mit der Zunahme um 11,3 % nahe an der Inflation, d.h. die Lohnentwicklung verlief (fast) gleichgeschaltet mit der Inflation und dem realen Wachstum.

3.c.) Deutschland 2017: Wachstumskomponenten

Die Zusammenhänge werden mit einem Schlag klar, wenn man die Treiber des Wachstums analysiert:

Kurz zusammengefasst:

  • je kräftiger die Löhne steigen – umso besser entwickelt sich die Binnennachfrage – umso stabiler wird auch das Wachstum steigen – und umso unabhängiger ist ein Land von Exporten,
  • je mehr „Lohnzrückhaltung“ durch die Gewerkschaften ausverhandelt wird – umso geringer ist der reale Lohnzuwachs – umso niedriger fällt daher auch das Wachstum aus,
  • Reallohnverluste – also reale Nettolöhne die man in Realtion zum realen BIP setzen muss, weil dieses zu 90% von den Arbeitnehmern erwirtschaftet wird – wie in Österreich seit 2000 von ca. 22%, mögen zwar kurzfristig die Gewinne erhöhen, sind aber mittel- und langfristig kontraproduktiv,
  • nachdem auch der Staat durch höhere Steuereinnahmen über ein kräftigeres Wachstum profitiert, konnte Schweden viel leichter alle sozialen Standards halten und verbessern – als auch seine Schuldenquote senken.

FAZIT:

  • Hohe Löhne sind das Um und Auf für einen sozialen Wohlfahrtsstaat – und einer florierenden Wirtschaft; sie sorgen für eine stabilen Binnenkonsum,
  • eine stabile Nachfrage im Inland sorgt für ein gleichbleibendes Investitionsnveau und so volkswirtschaftlich für einen permanent sich erneuernden Kapitalstock (Anlagevermögen),
  • schon Henry Ford wusste um die Bedeutung guter Löhne von denen die Menschen leben können: „„Es ist nicht der Unternehmer, der die Löhne zahlt — er übergibt nur das Geld. Es ist das Produkt, das die Löhne zahlt.“ Eine stabile Nachfrage kann es nur mit guten Löhnen – und nicht mit Hungerlöhnen – geben;
  • klar ist auch, dass wenn man die LNK senkt – die Differenz des Finanzierungsausfalls von irgendjemandem erbracht werden muss: ein Tipp – es ist nicht der Arbeitgeber . . .
  • die Zusammenhänge sind so logisch – wie klar: es ist das genaue Gegenteil dessen, was uns die Arbeitgberverbände Tag für Tag vorjammern und vorlügen, nur um ihre Profitgier zu befriedigen!

Wer betrügt, der wird stets jemanden finden, der sich betrügen lässt.
(Niccolo Machiavelli )

https://npr.news.eulu.info/2018/10/07/die-luege-der-hohen-lohnneben-kosten/

Advertisements

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archive

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: