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Finanzen, Wirtschaft

Die Schuldenlawine rollt und die EZB ist machtlos

von Ernst Wolff – https://kenfm.de

Zwei Entwicklungen werden unser Leben in der nahen Zukunft maßgeblich prägen: Das ungebremste Wachstum des weltweiten Schuldenberges und die Verschärfung der „Austeritätspolitik“.

Der Grund: Das globale Finanzsystem wird seit zehn Jahren nur durch die künstliche Erzeugung riesiger Geldsummen am Leben erhalten. Da diese aber nicht verschenkt, sondern als Kredite vergeben werden, müssen zu ihrer Bedienung immer neue Schulden aufgenommen werden.

Um diesen Kreislauf aufrecht zu erhalten, muss an anderer Stelle immer härter gespart werden. Für Unternehmen bedeutet das die Senkung von Lohnstückkosten, also Rationalisierungen, Lohnsenkungen und Entlassungen. Für Staaten bedeutet es in erster Linie die Kürzung von Sozialleistungen.

Dieser Prozess wird sich in der vor uns liegenden Periode weiter verstärken und zwar aus zwei Gründen: Die Geldpolitik der Zentralbanken hat zu immensen Blasen an den Aktien-, Anleihen- und Immobilienmärkten geführt, die jederzeit platzen können. Außerdem droht nach der mittlerweile fast zehn Jahre andauernden, künstlich erzeugten Rallye an den Finanzmärkten eine Rezession.

Beides muss um jeden Preis verhindert werden, da wegen der Niedrigzinsen der vergangenen Jahre extrem viel geliehenes Geld zur Spekulation eingesetzt wurde und es zu einem „Margin Call“ kommen könnte: Das heißt, dass Kreditgeber ihr Geld wegen fallender Kurse zurück verlangen, die Kreditnehmer aber nur zahlen können, wenn sie weitere Anlagen verkaufen und so eine Spirale nach unten in Gang setzen. Außerdem würden konservative Anleger wie Pensionskassen und Rentenfonds, die wegen der Niedrigzinsen ins Risiko gehen mussten, riesige Verluste erleiden und im Bereich der Derivate würden Zahlungen in unbekannter, vermutlich aber systemgefährdender Höhe fällig werden.

Die einzige Macht, die eine solche Entwicklung verhindern könnte, sind die Zentralbanken. Sie aber stehen vor einem riesigen Problem: Sie haben ihre Möglichkeiten der Steuerung des Systems – Geldschöpfung und Zinssenkung – in den vergangenen zehn Jahren weitgehend ausgeschöpft. Um wieder handlungsfähig zu werden, müssen sie ihre bisher „lockere“ Geldpolitik daher nun unter enormem Zeitdruck „straffen“.

Die US-Zentralbank FED hat das bereits zu einem kleinen Teil geschafft und die Zinsen auf 2 – 2,25 Prozent angehoben, allerdings mit erheblichen Nebenwirkungen. Investoren wechseln scharenweise zurück in den US-Dollar, so dass die Währungen von Schwellenländern rapide an Wert verlieren. Um gegenzusteuern, heben die Zentralbanken dieser Länder die Zinsen an, was dazu führt, dass die Bedienung von Schulden in der Landeswährung erschwert wird und es zu immer mehr Unternehmenszusammenbrüchen kommt und den Staaten wegen geringerer Steuereinnahmen und höheren Zinszahlungen immer weniger Geld zur Verfügung steht.

Doch nicht nur die Schwellenländer rutschen momentan immer tiefer in die Krise: Wie die jüngsten Entwicklungen in Italien und Griechenland zeigen, nehmen die Probleme auch in Europa lawinenartig zu. Dennoch hat die EZB die Zinsen bis heute nicht angehoben, sondern bei Null belassen. Warum? Weil ihr die Hände gebunden sind – unter anderem deshalb, weil eine Zinserhöhung die Zahlungsfähigkeit von Ländern wie Griechenland und Italien, die ohnehin am Abgrund stehen, weiter einschränken, deren Finanzsituation noch schwieriger machen und die Eurozone damit noch tiefer in die Krise reißen würde.

Während die US-Zentralbank FED also im Notfall über ein Manövrierpotenzial von 2 – 2,25 Prozent verfügt, steht die EZB den vor uns liegenden Problemen weitgehend machtlos gegenüber.

Was also wird passieren…?

Möglichkeit 1: Die EZB könnte ihre Geldpolitik allen Widrigkeiten zum Trotz „straffen“ und die Zinsen erhöhen. Das aber würde zum einen die Wirtschaft ausbremsen, zum anderen aber müsste die EZB Ländern wie Griechenland, Italien, Portugal und Spanien in noch größerem Ausmaß als bisher unter die Arme greifen, was ihre Bilanz zusätzlich belasten würde und politisch schwer durchsetzbar wäre.

Möglichkeit 2: Die EZB könnte die Zinsen bei Null belassen. Dann aber würden die Spekulationsblasen so lange weiter wachsen, bis sie platzen.

Möglichkeit 3: Die EZB könnte die Zinsen in den Negativbereich senken und die Anleihenkäufe wieder erhöhen. Das aber würde zu noch höherer Verschuldung führen und den Weg in eine Hyperinflation ebnen.

Egal, für welche Variante sich die EZB in Zukunft entscheidet: Die vor uns liegende Entwicklung wird zeigen, dass ein Finanzsystem, ebenso wie ein kranker Patient zwar lange, aber wegen der Nebenwirkungen der Medikation nicht ewig künstlich am Leben erhalten werden kann.

https://kenfm.de/tagesdosis-6-10-2018-die-schuldenlawine-rollt-und-die-ezb-ist-machtlos/

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Die Schuldenlawine rollt und die EZB ist machtlos

  1. An den Prognosen sieht man ganz deutlich, dass es innerhalb des kapitalistischen Systems keine Lösung gibt.
    Würde als 4. Alternative die EZB ihr Geld aus dem Nichts direkt an die Armen verteilen,( Helikoptergeld) hätten wir ganz schnell eine Hyperinflation.

    Wie in jeder Krise des Kapitals kommt man aus der Krise nur heraus,wenn man das überschüssige Kapital vernichtet. Weil das unangenehm ist, lasst man das.

    Hierein interessantes Gespräch:

    https://www.zdf.de/gesellschaft/precht/ist-die-erde-noch-zu-retten-100.html

    Prof. Schellnhuber war offensichtlich Berater von Frau Merkel.Seine vorsichtige Kritik lässt mehr erahnen.
    8 Jahre Wahlperiode aber dann Abtritt. Die Kanzlerin hält sich aber für unersetzlich..

    Was noch wichtiger ist, unten und OBEN weiß man eigentlich, dass es mit dem Wachstum nicht funktionieren kann. Selbst der Prof.stellt den Kapitalismnus in Frage, setzt aber darauf,im alten System schon umzusteuern.
    Aber alle diese Eliten bleiben eben spätestens bei Kant stehen und verfallen dan in moralische Glaubenssätze, anstatt den primitiven kurzsichtigen Egoismus durch Transparenz und Gewaitenteilung bis in die Grundlagen der Wirtschaft in einen langsichtigen Egoismus zu verwandeln, der den Vorteil der Kooperation zur Wirkung bringt.

    Der Mensch hat bis heute überlebt durch seine vielseitige Anpassungsfähigkeit. Der Arbeiter von heute ist schon ein anderer als der der Großelterngeneration, aber wir werden beherrscht von den Triebkräfte des Kapitalismus, die inzwischen zwangsvergewaltigt werden müssen. Der Negativzins ist bereits das Gegenteil des kapitalistischen Zinses, er muss nur von der Konsumtion in die Produktion verschoben werden.

    Damit zerfällt aber der Anspruch auf Profit und das ermöglicht, die Wertschöpfung auf für das Allgemneinwohl zu verwenden. Dieses Allgemeinwohl umfasst auch den Schutz der Natur. Und die Idee eines Preises auf CO2 ist bereits die Keimform des Reproduktiionspreises. Dazu gehört aber auch, diese Einnahme fürden Umweltschutz einzusetzen und nicht für doe Profitsteigerung.

    Was der Vortrag eben auch zeigte, wir leben also wieder einmal in einer Welt der gegenseitigen Lüge!
    Wenn aber die „Beauftragten“ des Volkes lügen,dann sind sie fehl am Platz und müssen durch bessere Frmen der Demokratie ersetzt werden.

    Modelle jemseits des Kapitalismus willman öffentlich nich diskutieren. Sie würden nämlich die alten Eliten auf das herunterstutzen, waqs sie sind, hilflos und ohne Konzept.

    Andere geben aber die Linie vor undd as sind genau diejenigen,die ihr Pseudokapital verlieren müssten.

    Wolf kommt in seinem Denken über die alten Vorstellungen nicht hinaus.

    Wir müssen aber über nichtkapitalistische Modelle ins Gespräch kommen.

    Viele haben sicher schon das Argument gehört, der Mensch wäre eben egoistisch und deshalb würde jedes andere System in eine Diktatur entarten müssen. Ich kenne aber kein System, das über die Zeit der Geschichte mehr Diktaturen hervorgberacht hat wie der Kapitalismus und unsere bürgerliiche Demokratie wird ja bereits in eine Meinungsdiktatur mit Versuchen der Gleichschaltung verwandelt.

    Wer bestimmt eigentlich, welche Produkte ich kaufen kann. Der Kunde ist längst zum Objekt der Ausforschung und Manipulation geworden. Anonyme Fremdbestimmung aller Orten.

    Andererseits gibt es in Israel die gelebte Praxis des Kibbuz.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kibbuz

    Dort kann man als Keimform sehen, wie Verhalten sich ändern kann, auch von jungen Leuten.
    Solche Kollektive funktioneren auf Grund iher Autonomie, können aber nicht die anderen Produktiionsweisen, alsominsbesondere industrielle erreichen. Boden, Natur und Arbeit funktioniert also auf der Grundlage kollektiven Eigentums,warum soll es nicht auch mit dem industriellen funktioneren, wenn man zudem den Reproduktionsprozess in einen natürlichen verwandelt?

    Boden lässt sich nicht vermehren, Geld schon, sinnvoll aber nur in einer natürlichen Form von intelligenter Arbeit, nicht in einer unnatürlichen, die die Gesellschaft spaltet.und die Umwelt vernichtet.

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    Verfasst von Politikus | 8. Oktober 2018, 10:59

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