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Kinderehe und Zwangsheirat – Weltweite Regelungen und Gesetze

von Isabel Frankenberg – www.familienrecht.net.

Allein im Jahr 2016 zählte das Bundesministerium rund 1.500 verheiratete Kinder und Jugendliche – davon 361 noch unter 14 Jahre alt. Laut UNICEF leben wiederum 700 Millionen Frauen weltweit in einer Zwangsehe. Auch unter ihnen lassen sich viele Minderjährige zählen. Daher hängen die Kinderehe und die Zwangsheirat oft eng zusammen. Worum es sich dabei handelt und welche Gesetze diesbezüglich herrschen, klärt die Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. auf seinem kostenlosen Ratgeberportal.

Die Kinderehe wird häufig mit armen und weit entfernten Ländern und Regionen in Verbindung gebracht. Doch auch in Deutschland ist diese anzutreffen. Häufig werden junge Mädchen mit älteren Männer verheiratet, mit denen sie dann nach Deutschland kommen. Dort gelten die Männer als einzige Bezugsperson der Mädchen. Daher stellt diese Problematik nicht nur die Ausländerbehörde, sondern auch die Jugendämter vor eine große Herausforderung.

In Deutschland ist das Konstrukt der Kinderehe verboten. Bevor hierzulande die Ehe geschlossen werden kann, prüft das Standesamt die Ehefähigkeit beider Parteien. Hierzu zählt auch die Ehemündigkeit, die in Deutschland bei 18 Jahren liegt. Bis Mitte 2017 war dies jedoch noch anders. In Ausnahmefällen und mit der Erlaubnis der Erziehungsberechtigten war es unter Umständen möglich, schon mit 16 Jahren zu heiraten. Seit Juli 2017 müssen jedoch beide Ehepartner das 18. Lebensjahr erreicht haben.

Bei der Kinderehe handelt es sich also grundsätzlich um die Eheschließung zweier Personen, von denen mindestens einer das 18. Lebensjahr, also die Volljährigkeit, noch nicht erreicht hat. Doch auch die Heirat zweier Minderjähriger, wird als Kinderehe bezeichnet. Obwohl die meisten Staaten ein Mindestalter für die Eheschließung vorsehen, gibt es immer noch Regionen und Kulturen, die sich nicht an diese Regelungen halten. Meist sind kulturelle oder religiöse Hintergründe die Ursache dafür.

Weltweit sind mehr als 700 Millionen Frauen bereits vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet worden. 250 Millionen waren unter 15 Jahren. Meist verheiraten die Eltern ihre Töchter frühzeitig, um zu gewährleisten, dass diese bei der Eheschließung noch Jungfrau sind. Zudem muss das Kind nach der Heirat nicht mehr ernährt werden, wodurch vor allem arme Familien viel Geld sparen. Hinzu kommen verwandtschaftliche Verhältnisse und Beziehungen zu einflussreichen Familien der Region. Um ein solches Konstrukt vorzufinden, muss der Blick nicht einmal weit um den Globus gehen. Bis zum Jahr 2005 erlaubte der Vertrag von Lausanne der Region Thrakien in Griechenland, Kinder miteinander zu verheiraten. Bis heute gilt dies auch für die Roma in Rumänien.

In asiatischen Ländern lässt sich häufig in Zusammenhang mit der Kinderehe auch eine Zwangsheirat wiederfinden. Meist findet diese aus den gleichen Gründen, also aufgrund der Religion, Kultur oder aufgrund von Armut, statt. Je jünger die Kinder sind, desto weniger können diese die Tragweite einer Heirat jedoch verstehen. Meist wollen die Mädchen gar nicht verheiratet werden. Da diese allerdings keine Entscheidungsfreiheit besitzen, werden sie von den Eltern an ältere Männer verkauft.

In diesem Fall liegt eine Zwangsheirat vor. Hierbei handelt es sich um die Eheschließung gegen den Willen einer oder beider Personen. Häufig fühlt sich eine der Parteien zu der Ehe genötigt. Wehren sie sich gegen die Heirat, müssen sie jedoch mit Konsequenzen rechnen. Besonders häufig betreffen solche Zwangsehen Frauen und junge Mädchen in Regionen, die ohnehin weniger Rechte für das weibliche Geschlecht vorsehen. Die Gründe sind jedoch häufig die gleichen, wie bei der Kinderehe. Oft wird die Zwangsehe aber auch als Erziehungsmittel gesehen. Erlaubt sich das Kind Fehltritte, wird es zur Strafe an einen älteren Mann verkauft. Dieser zahlt dann den sogenannten „Brautpreis“.

Ebenso wie die Kinderehe, ist auch die Zwangsheirat in Deutschland laut § 237 Abs. 1 Strafgesetzbuch (StGB) verboten. Nach § 237 Abs. 2 StGB werden Personen bestraft, die die Zwangsheirat durch Gewalt, Drohung oder List im Ausland stattfinden lassen. Schon beim Versuch droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Meist folgen in Zusammenhang mit einer Zwangsheirat weitere strafrechtliche Handlungen, wie die Vergewaltigung, die Verschleppung oder der Menschenhandel.

Laut der Studie „Zwangsheirat in Deutschland“, welche vom Bundesfamilienministerium im Jahr 2011 veröffentlicht wurde, ließen sich 3.443 Personen zum Thema Zwangsheirat beraten. Wie viele davon tatsächlich zwangsverheiratet wurden, lässt sich jedoch nicht festmachen. Betroffene sollten sich in jedem Fall Hilfe suchen. Handelt es sich um Minderjährige, dient das Jugendamt als entsprechende Beratungsstelle. Ansonsten helfen städtische oder karitative Beratungsstellen weiter. Dabei handelt es sich um kostenlose Angebote, welche anonym in Anspruch genommen werden können.

Der Artikel 16 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte besagt: „Eine Ehe darf nur bei freier und uneingeschränkter Willenseinigung der künftigen Ehegatten geschlossen werden“. Dennoch wird die Zwangsheirat in einigen Regionen und Kulturkreisen immer noch vollzogen – so z.B. in Teilen Südasiens und der islamischen Welt. Auch in Saudi-Arabien ist die Zwangsheirat nicht erlaubt, jedoch wurden noch keine festen Strafen verankert, weshalb diese aus kulturellen Gründen immer noch vollzogen wird. Der Islam wiederum erlaubt die Zwangsheirat unter bestimmten Voraussetzungen. Hierzu zählt das Vorhandensein eines Ehevormunds. Handelt es sich hierbei um den Vater oder Großvater der Braut, kann die Eheschließung gegen ihren Willen vollzogen werden. Auch in Afrika ist die Zwangsheirat noch immer verbreitet. Hier werden die Mädchen häufig schon mit 12 oder 13 Jahren mit einem älteren Mann verheiratet.

Weitere Informationen zum Thema „Kinderehe und Zwangsheirat“ finden Sie hier oder unter www.familienrecht.net.

 

 

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