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Ausland, Medien

Die Schlacht um unseren Verstand

von Patrick Lawrencehttp://www.theblogcat.de

Video: John Pilger – Der Krieg durch die Medien und der Triumph der Propaganda

Es gibt Schlachtfelder in Syrien, in der Ukraine, im Jemen und anderswo. Aber wenn man den Zustand der Konzernmedien bedenkt, dann wird jetzt die vielleicht entscheidende Schlacht um unseren Verstand ausgefochten, sagt Patrick Lawrence.

Nachdem ich den New York Times-Artikel „The Plot to Subvert an Election“ („Der Plan zur Unterwanderung der Wahl“) gelesen hatte, legte ich die Zeitung mit einer einzigen Frage beiseite.

Warum sieht sich die NYT, dieses Leitmedium – nun ja, es war einmal ein Leitmedium – nach zwei Jahren Andeutungen, Anklagen und den Behauptungen, dies und jenes und sonstiges beweisen zu können, warum sieht sie sich genötigt, ein solches Stück zu veröffentlichen? Meine Antwort ist einfach: Die orthodoxe Darstellung eines Russiagate hat sich nicht durchgesetzt: Man hat es nicht geschafft, bei den Amerikanern eine übereinstimmende Gewissheit herzustellen. Meine Schlussfolgerung passt zu dieser Feststellung: Die orthodoxe Erzählung wird dieses Ziel nie erreichen. In dieser Geschichte sind zu viele Löcher.

„Das Informationszeitalter ist eigentlich ein Medienzeitalter“, sagte John Pilger, der renommierte britisch-australische Journalist, während eines Symposiums vor vier Jahren, als die Ukraine-Krise ihren Höhepunkt erreichte. „Wir haben Krieg durch die Medien, Zensur durch die Medien, Verteufelung durch die Medien, Vergeltung durch die Medien, Ablenkung durch die Medien – ein surreales Fließband mit gehorsamen Klischees und falschen Annahmen.“

Pilger erneuerte das Thema letzte Woche in einem Stück in Consortium News und argumentiert, dass die einst tolerierte, abweichende Meinung in den letzten Jahren „in einen metaphorischen Untergrund ausgewichen ist“.

https://consortiumnews.com/2018/09/19/hold-the-front-page-the-reporters-are-missing/

Es gibt Schlachtfelder in Syrien, der Ukraine, im Jemen und anderswo, aber vielleicht ist der folgenreichste Kampf, der jetzt geführt wird, der um unseren Verstand.

Diejenigen, die auf ehrliche intellektuelle Forschung und auf eine gesunde Skepsis gegenüber allen Medien verzichten und nicht darauf beharren, dass Behauptungen fundierte Beweise erfordern, sie sollten diesen Krieg nicht gewinnen. Das NYT-Stück von Scott Shane und Mark Mazzetti – zwei der führenden Reporter der Zeitung – ist ein Beispiel dafür: Wenn die Russiagate-Erzählung so umfassend akzeptiert wäre, wie ihr Bericht behauptet, dann wäre es nicht nötig gewesen, ein solches Stück zu diesem späten Zeitpunkt zu veröffentlichen.

Viele orthodoxe Erzählungen werden jedoch in einer Öffentlichkeit, die nicht immer aufmerksam ist, allgemein akzeptiert. Die Öffentlichkeit nimmt zu oft an der hergestellten Zustimmung teil. Normalerweise dauert es Jahre, bis die Wahrheit allgemein verstanden wird. Manchmal kommt sie ans Licht, wenn die USA etwas Jahrzehnte später zugeben, wie zum Beispiel die Rolle der CIA bei den Staatsstreichen im Iran und in Chile. Andere Male kommt es durch das Eingeständnis von ehemaligen US-Beamten ans Licht, wie dem ehemaligen Verteidigungsminister Robert McNamara über den Vietnamkrieg.

Sogar die jüngsten Erzählungen fransen aus

Es gibt jüngere Beispiele für offizielle Erzählungen, die schnell ausfransen, wenn nicht sogar anfangen auseinanderzufallen, obwohl die etablierten Medien sie weiterhin vorantreiben.

So gibt es beispielsweise ernsthafte Zweifel daran, wer für angebliche Chemiewaffenangriffe in Syrien verantwortlich war. Der bedeutendste war im August 2013 in Ost-Ghouta, gefolgt von Angriffen in Khan Sheikhoun (April 2017) und Douma (April 2018).

Die Berichte der Konzernmedien über jeden dieser Angriffe, dass die Regierung von Bashar al-Assad schuld war, wurden mit überzeugenden Beweisen gegen die vorherrschende Ansicht konterkariert. Das wurde Journalisten (Seymour Hersh), einem Wissenschaftler (Theodore Postol) und Korrespondenten und lokalen Zeugen vor Ort zur Verfügung gestellt. Diese Berichte bedürfen einer weiteren Überprüfung. Aber die offiziellen Narrative sind keineswegs mehr unangefochten.

Es trifft auch für den Fall des malaysischen Fluges MH-17 zu, der im Juni 2014 über dem ukrainischen Gebiet abgeschossen wurde. Der offizielle Bericht, der ein Jahr später veröffentlicht wurde, kam zu dem Schluss, dass das Flugzeug von ukrainischen Rebellen mit einer von Russland gelieferten Rakete zerstört wurde. Der Bericht war von Anfang an fehlerhaft: Die Ermittler haben nie den Tatort besichtigt, einige Beweise basierten auf einem Bericht von Bellingcat, einer Open-Source-Website, die dem energisch antirussischen Atlantic Council angeschlossen ist, und die Ukraine erhielt das Recht, den Bericht vor seiner Veröffentlichung zu genehmigen.

Letzte Woche hat das russische Militär Beweise dafür vorgelegt, dass die Seriennummern, die unter den Trümmern an der MH-17-Absturz-Stelle gefunden wurden, jene Rakete anzeigen, die das Flugzeug abgeschossen hat,und die wurde 1986 in einer sowjetischen Militärproduktionsstätte in der Ukraine produziert. Lassen Sie uns eine weitere Überprüfung dieser Beweise sehen (obwohl ich ernsthaft bezweifle, dass ein westlicher Korrespondent sie suchen wird). Der offizielle Bericht von 2015 notierte die Seriennummern, so dass wir wissen, dass sie authentisch sind, aber man hat sie nicht verwendet, um die Herkunft der Rakete zu verfolgen.

Dann ist da auch der schwer verwirrte Fall der Vergiftung der Skripals in Großbritannien. Warum haben sich die westlichen Medien nicht in diese Geschichte vertieft, anstatt die Äußerungen der britischen Regierung für bare Münze zu akzeptieren?

Vor einem Monat habe ich den Schaden beklagt, den Russiagate vielen unserer wichtigsten Institutionen zugefügt hat, nicht zuletzt der Presse. Was denken sich die Konzernmedien? Dass, sobald Präsident Trump abserviert ist, alles wieder normal wird und die professionellen Standards wiederhergestellt werden? Man kann auch das Gegenteil behaupten: Dass der feindliche Journalismus gegenüber dem Weißen Haus zurückgekehrt ist, und weitgehend aus persönlichen Animositäten gegenüber Trump heraus entstanden ist und dass er wieder verschwinden wird, sobald wieder ein „normaler“ Präsident im Amt ist.

Wie Pilger es ausdrückte: „Das ist eine seismische Verschiebung, bei der Journalisten das neue „Gruppendenken“ überwachen, wie (Robert) Parry es nannte, indem sie Mythen und Ablenkungen verbreiten und ihre Feinde verfolgen.“

Mit anderen Worten, der Journalismus des Establishment hat sich von seinen traditionellen Idealen einer unparteiischen, objektiven Berichterstattung weit entfernt und wetteifert stattdessen um euren Verstand, um ihn in seine Agenda aufzunehmen, um amerikanische Interessen im Ausland oder die eine oder andere Partei im Inland zu fördern.

Wir dürfen sie nicht damit davonkommen lassen. Unser Verstand gehört uns.

https://consortiumnews.com/2018/09/25/the-battle-for-our-minds/

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/die-schlacht-um-unseren-verstand/

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Die Schlacht um unseren Verstand

  1. Es gibt noch ganz andere unsinnige Dinge, die inzwischen scheinbar akzeptiert werden.

    Manche tun es sogar wissentlich, weil sie meinen, es wäre das kleinere Übel den Kapitalismus zu retten.

    Die Geldschöpfung aus dem Nichts.

    Bei Heise wird wieder mal der Crash diskutiert:
    Viele wissen, dass er unvermeidlich ist.
    Nur wird nicht gesagt, was nach dem Reset erfolgen soll?
    Wer in die Vergangenheit sieht, wird erkennen dass sich der Staat an seine Bürger halten wird, aber nicht das System ändern wird. 1/4 der Bevölkerung ist das wahrscheinlich schon egal, die haben nichts mehr zu verlieren.

    https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Nach-der-Krise-ist-vor-der-Krise/Re-Wenn-der-Kapitalismus-so-nicht-funktioniert/posting-33165982/show/

    Es gibt eine Lösung, aber die wäre für viele schmerzhaft.
    Das zu viele Geld müsste nämlich vernichtet werden.
    Wenn Aktienpakete auf Null sinken, wäre das locker zu bewerkstelligen und wenn ein Milliardär am Ende nur noch Millionär wäre, dann ist das kein ernsthaftes Problem.

    Bis 100000 Euro zu schützen, ist aber heute schon nicht drin im alten System.
    Man brauchte also ein neues. Wenn schon kein Zins, dann auch kein Profit.
    Dafür aber das finanzieren, was unser Planet braucht, Menschen die sich vernünftig verhalten können,
    Wobei das, was Vernunft ist, erst mal demokratisch bestimmt werden müsste.

    Marx soll mal gesagt haben, Theorie ohne Praxis wäre Ideologie.
    Das haben wir massenhaft in der Politik, aber wir haben inwischen auch Praxis ohne gültige Theorie.
    QE der Zentralbank gehört dazu.

    Die alte Theorie sagt aber, dass Geldmengenwachstum ohne Gegenwert zu Inflation führt,
    Lange schien das nicht zu gelten, weil das neu gedruckte Geld im virtuellen Finanzmarkt den Dax in dei Höhe trieb.
    Aber ist das keine Inflation?

    Inwischen ist das Geld durchgesickert in die Realmärkte. Und da explodieren Baupreise und damit auch die Mieten.
    Wenn sich immer mehr in Betongold retten wollen, dann sind steigende Preise im kapitalistischen Markt normal.
    SPD und andere denken, sie könnten das durch ein Gesetz bremsen. Das erste war schon Ideologie, also Theorie ohne Praxis. Marx hat immer noch recht, nur darf man Marx nicht als Ideologoe betreiben.
    Theorie und Praxis müssen eine dialektische Einheit bilden, sonst geht eines von beiden oder eben sogar beides in die Hose. Die Prognosen stagnieren bei der Partei „Die Linke“ und Aufstehen setzt immer noch auf Facebook, das schon mal wieder gehakt wurde. Das sit aber nict einmal das Hauptproblem, sondern dass niemand von uns wissen kann, was Facebook mit den Daten anstellt.

    Die nächsten Listen, wenn Merkel zum Erdowahn mutiert?

    Aber die Politik mach lieber das Spiel von Tarnen, Tricksen und Täuschen weiter und die Gutmenschen sind glücklich.

    Was wir brauchen, sind ehrliche Antworten von den Menschen an den Quellen des Geschehens, keine Narrative, sondern die ganze Wahrheit. Wir wenigen, wissen vielleicht etwas mehr als die Masse, aber die meisten Leute haben keine Zeit und die Massenmedien sind ja geschickt geworden.

    Meistens können wir nicht beurteilen, was Lüge und Wahrheit ist und die halbe Wahrheit kann das selbe bewirken wie eine Lüge. Jeder, der eine Botschaft hat, steckt aber in der Gefahr, im Interesse seiner Botschaft zu agieren.
    Deshalb brauchen wir ein offenes Netz und eine Demokratie, die stabil ist, die in den Grundlagen der Gesellschaft verankert ist. Deshalb wäre ich für Klarnamen, aber dazu bräuchten wir erst mal wirkliche Demokratie, keine gelenkte und keine marktkonforme, sondern eine wirkliche.
    Ohne Demokratisierung der Wirtschaft nicht zu machen.
    Man kann Geld verleihen ohne Zins, selbst wenn es nur 1000 Währungseinheiten pro Person sind, bei sagen wir mal 50 Millionen Menschen wären das 50 Milliarden. Damit könnte man schon eine Menge anfangen, vor allem, wenn es werthaltiges Geld wäre, das nicht durch Spekulation und Tribut belastet wäre.

    Noch wichtiger ist aber, was Menschen zu leisten vermögen und zwar in praktischer Arbeit.
    Es gibt also genug Theorieansätze um zu einer besseren Praxis zu kommen.
    Aber da wollen zu viele in den Eliten ihre alten Privilegien behalten.

    Ehrliche demokratische Politik?
    Mit den etablierten Parteien leider nicht möglich.

    Der Imperialismus braucht immer das andere Böse, um das eigene Böse verstecken zu können.

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    Verfasst von Politikus | 30. September 2018, 15:06
  2. Glaubt Patrick Lawrence wirklich, dass wenn Trump nicht mehr Präsident sein sollte, sondern beispielsweise die Systemoligarchin Hillary Clinton, die Medien wahrheitsgemäß berichten? Das hieße für mich zu glauben dass Zitronenfalter Zitronen falten.

    Gefällt mir

    Verfasst von Oppa | 29. September 2018, 17:15

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