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Debatte, Internationales

Über Linke – was immer das sein mag – und Unbelehrbare (in Sachen Syrien)

von Anton Holberg

Die soft-trotzkistische – im übrigen sehr empfehlenswerte – “Sozialistische Zeitung“ (SoZ) hat in ihrer Oktober 2018-Ausgabe wieder einmal Harald Etzbach über Syrien schreiben lassen. Thema ist – wie könnte es anders sein – „die drohende humanitäre Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes“, die mit einer Rückeroberung der Provinz Idlib durch die syrische Zentralregierung im Verbund mit Putins Russland einhergehe. Etzbach ist ein Syrien-„Spezialist“, wie leicht aus der Tatsache zu entnehmen ist, dass er nicht nur von 25.000 Zivilisten in der Stadt Idlib zu berichten weiss, die dort gegen das syrische Regime und den drohenden Angriff auf die Provinz demonstriert haben, sondern auch von weiteren Großdemonstrationen in hierzulande so gut gut wie unbekannten Orten wie Maarat a-Numan, Atareb, Kafranbel und Saraqeb. Die unterdess bekanntlich durch ein vorläufiges Abkommen zwischen Putin und Erdoğan vertagte Katastrophe würde eine an die Türkei grenzende Provinz
betreffen, in der knapp 3 Millionen Menschen, davon 1,4 Millionen Vertriebene aus anderen Landesteilen leben. Etzbach schreibt durchaus zutreffend: „Zwar gibt es in Idlib eine Präsenz von etwa 10.000 Kämpfern der Gruppe Hayat Tahrir al-Sham (HTS, al-Qaeda nahestehend). Opfer wären jedoch vorallem Zivilisten. Denn in die Provinz Idlib hat das Regime in den letzten Jahren alle die Menschen vertrieben, die sich der brutalen Diktatur nicht beugen wollten“. Etzbach kennt sich also bezüglich der – oder besser einer Anzahl von – Fakten gut aus – nicht jedoch bezüglich der logischen Schlussfolgerungen.

Dass ein Angriff auf Idlib Teil des seit Jahren wesentlich auch von äußeren Interessenten – darunter den „liberalen Demokratien“ – am Leben gehaltenen Krieges gegen das diktatorische Regime in Damaskus eine Kriegshandlung ist, kann nicht bestritten werden. Ebenso ist es nicht neu, dass es im Krieg viele unschuldige Tote gibt – oft sogar die Mehrheit der Opfer. Was hätten Etzbach und die Anhänger seiner Denkschule zum Bürgerkrieg der US-amerikanischen „Union“ gegen die
Südstaaten-„Konföderation“ gesagt, was zum Angriff der Roten Armee auf das von Deutschen besetzte Stalingrad, dem zweifellos auch viele unschuldige Zivilisten – unabhängig vom Ausmaß ihrer Liebe zu Stalin – zum Opfer gefallen sind oder den Luftangriffen der Allierten auf Köln oder Hamburg. Ich nehme nicht an, dass Etzbach ein glühender Verehrer Joseph Stalins ist oder auch nur Winston Churchills und deshalb vom Kampf des „Guten“ gegen das „Böse“ spräche. Etzbach, der im übrigen
durchaus unzureichend nur die HTS als in Idlib präsente sunnitisch-fundamentalistische und damit jeglicher Demokratie feindliche Organisation erwähnt, will offenbar auch nicht bemerken, dass die 1,4 Millionen in Idlib aus anderen Teilen Syriens Vertriebenen großenteils eben Gesinnungsgenossen und Angehörige jener im übrigen zur Fortführung ihres Djihads gegen die „Ungläubigen“ in Damaskus Entschlossenen sind.

Selbstverständlich muss man – nein: darf man – dem Baath-Regime in Damaskus keine besonderen humanitären und progressiven Eigenschaften zuschreiben. Aber gibt es irgendeine Regierung auf der Welt, die sich kampflos von bewaffneten Gegnern beseitigen lässt, von Feinden, von denen sie weiß, dass diese sie nicht finanziell wohlausgestattet ins Exil oder gar in Rente schicken, sondern ihre Mitglieder und ihren Anhang (im syrischen Fall darunter ein Großteil der nicht-sunnitischen
Minderheiten, wenn auch nur aus Angst vor den „Rebellen“) an die Wand stellen werden? Dass Syriens Regime noch überlebt, ist zweifellos wesentlich dem Eingreifen Russlands, sowie des Irans und dessen Verbündeter zu verdanken, aber nicht ausschließlich. Nicht zuletzt ist es dem zu verdanken, dass ein wachsender Teil der Bevölkerung aus den praktischen Erfahrungen mit dem sich über die Jahre entwickelt habenden Kräfteverhältnis zwischen „gemäßigten“ Rebellen und den verschiedensten Gruppen von Jihadisten oder einfachen lokalen Räuberbanden ihr Heil in einer ansonsten eher ungeliebten Regierung sucht.

Um den Krieg zu beenden, d.h. um der Mehrheit der Syrer ein halbwegs erträgliches Leben zu ermöglichen, ist die Liquidierung der „Rebellen“, so wie sie heute mehrheitlich sind, offenbar unverzichtbar. Dass „der Krieg“ – wie es der spanische Anarchist und Bürgerkriegs-„General“ Buenaventura Durruti formulierte – „eine Sauerei ist und nicht nur Häuser, sondern auch die höchsten Prinzipien zerstört“, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben – im Lager progressiver Gutmenschen aber ebenso auch die Tatsache, dass zum Kriegführen zwei gehören und deshalb der undifferenzierte Ruf „Frieden! Frieden!“ in der realen Welt irreal ist.

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Diskussionen

4 Gedanken zu “Über Linke – was immer das sein mag – und Unbelehrbare (in Sachen Syrien)

  1. vieleicht ist der typ auch ein BRD-geheimdienst-Agent zur unteranderung der Linken (Nato-Gladio-Geheimarmee)

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    Verfasst von tom | 27. September 2018, 14:09
    • Zwei Dinge: 1. Ich halte H.Etzbach keineswegs für einen „Agenten“, jedenfalls so lange nicht, bis irgendwer einen materiellen Beweis für eine solche Behauptung beibringt. 2. Ich halte es für unerträglich, wenn auf dieser Ebene diskutiert wird. Das erinnert mich an das Stalin’sche Verdikt gegen Trotzki als Agent des deutschen Faschismus nach dem Methode „Hitler ist gegen Stalin, Trotzki ist gegen Stalin. Also ist Trotzki ein Agent Hitlers“. Das mag noch erklärlich sein in Zeiten zugespitzen Klassenkampfes (wenngleich es auch dem schadet statt nützt), ist aber völlig daneben in Zeiten, in den die radikale (d.h. diejenige, die an die Wurzeln des Problems geht) Linke derart marginalisiert ist wie heute. Solche sektiererischen Reden (von „Argumenten“ kann ja nun wirklich nicht die Rede sein!) vertiefen die Marginalisierung noch stärker.

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      Verfasst von A.Holberg | 29. September 2018, 9:45
  2. Die “Sozialistische Zeitung (SoZ)“ ist lediglich ein weiteres Organ für die PDL.
    Das opportunistische und reformistische Schmierblatt ruft zur Wahl der PDL auf und
    einige Schreiberlinge gehören der PDL an.

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    Verfasst von Willi | 27. September 2018, 8:44
  3. Etzbach unterstützte schon länger den Imperialismus:

    „„Gesinnungsgenosse des israelischen Geheimdienstes“
    Veröffentlicht am 3. Juni 2012 von einparteibuch

    Der Redakteuer der „sozialistischen Zeitung“ Harald Etzbach behauptete in Soz 03/2012, „vom israelischen Standpunkt erscheint eine Stabilisierung des syrischen Regimes sogar als wünschenswert, hat sich dieses doch bislang als recht kalkulierbar erwiesen“ und forderte von der deutschen Linken basierend auf einem Sack voller Lügen sinngemäß, die Verfechter von Regime Change in Syrien zu unterstützen.

    Dass Syrien neben Iran und Hisbollah eine Schlüsselrolle dabei spielte, die massenmörderischen Agressionen der zionististisch-imperiaistischen Verbrecherbande gegen den Irak und den Libanon zurückzuschlagen, erwähnt Harald Etzbach nicht.

    In Soz 06/2012 behauptet Harald Etzbach nun, es sei eine dümmliche Unterstellung, er sei ein Gesinnungsgenosse des israelischen Geheimdienstes. Den sorgfältig geplanten Angriffskrieg der NATO gegen Libyen lobt Harald Etzbach als „Aufstand der Bevölkerung selbst gegen ihre Unterdrücker.“

    Ex-Mossad-Boss Efraim Halevy forderte am 7. Februar 2012 im zionistischen Kriegshetzer-Blättchen New York Times, die Verfechter von Regime Change in Syrien zu unterstützen, um Iran und Hisbollah zu schwächen. Wer ein bisschen in Online-Foren unterwegs ist, erkennt schnell, dass das zionistische Apartheidregime tatsächlich sehr intensiv daran arbeitet und seit vielen Monaten große Hasbara-Truppenkontingente damit beschäftigt sind, Krieg und Regime Change in Syrien zu promoten.

    US-Warlord-in-Chief Barack Obama, der den sogenannten Arab Spring mit seiner „Presidential Study Directive 11“ im August 2010 befohlen hatte, brüstete sich kurz darauf dem zionistischen Ex-Gefängniswärter Jeffrey Goldberg gegenüber, er forciere Regime Change in Syrien, um Iran zu schwächen.

    „Gesinnungsgenosse des israelischen Geheimdienstes“ ist ein bemerkenswerter Ausdruck. Was daran dümmlich sein soll, ist angesichts der Fakten allerdings schwer zu erkennen. Es mag natürlich sein, dass er nur Ausdruck von Dummheit ist, aber bei zuviel Dummheit auf einem Haufen drängt sich natürlich eine auf Einwirkung von Diensten zurückgehende versteckte Agenda auf.“

    https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2012/06/03/gesinnungsgenosse-des-israelischen-geheimdienstes/#more-4428

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    Verfasst von Eugen Hardt | 27. September 2018, 7:59

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