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Ausland, Europa

„Solidarität statt Heimat“: Ein besonders dummer Aufruf der Kulturlinken

von Albrecht Goeschel – https://tumult-magazine.net

Mitte Juni 2018 hat ein sogenanntes Institut Solidarische Moderne einen Aufruf mit dem Motto „Solidarität statt Heimat“ veröffentlicht. Der Aufruf wurde von mehr als 16.000 Personen unterzeichnet. Diese kamen vorwiegend aus Hochschulen und Kirchen, dem Kunst- und Literaturbetrieb, aus den Medien, der Pädagogik und dem Gesundheits- und Sozialwesen.

Im Aufruf wird ein deutschland- und europaweiter politischer Rassismus dämonisiert, der konservative, rechte und faschistoide Lager ebenso wie Teile der politischen Linken infiziert habe.

Als Ursachen für nationalistische Wohlfahrtsstaatlichkeit und soziale Privilegienforderungen benennt der Aufruf die prekären Arbeits- und Lebensbedingungen sowie die Zukunftsängste, insbesondere in Deutschland.

Den Migranten spricht der Aufruf das „Recht auf ein gutes Leben“ zu und verspricht ihnen „Solidarität“.

Als weltfremde Phantasie bezeichnet er hingegen die Abschottung eines „wohligen Privatglücks“ in der „Heimat“.

Selten hat ein sozialmoralisches Milieu in Deutschland seine Lebenslüge, in diesem Fall die Verklärung von Menschenhandel zur Menschenrettung, so schonungslos selbst offenbart wie die 16.000 Unterstützer des Aufrufes „Solidarität statt Heimat“. Eine ihres Risikos sehr wohl bewusste irreguläre Migration, das „Begehren nach einem guten Leben“, wird hier umgedeutet in ein „Sterben an Europas Grenzen“.

Verantwortlich sei ein „konservativer, rechter und faschistoider Rassismus“, der gegen Geflüchtete und „Globale Gerechtigkeit“ kämpfe. Migration wird als „Kraft der Pluralisierung und Demokratisierung der Gesellschaft“ verklärt. Dem „Privatglück in der Heimat“ wird ein nahes Ende verkündet.

Unfreiwillig verweist der Aufruf aber auch auf den arbeitsmarktradikalen Kern der Migration. Diese sei eine „Tatsache“, stellt er fest und belegt dies mit dem historischen Beispiel der „Gastarbeit“ im westdeutschen Wirtschaftswunderkapitalismus. Die strategische Trostformel für regulierte kapitalistische Arbeitsmärkte ist die sie ergänzende „Solidarität“. Als Gegenpol zur neoliberalen Steigerung und Verbilligung des Arbeitsangebotes durch Migration fungiert das Privatglück in der „Heimat“.

In Wirklichkeit ist diese freilich der Inbegriff der seit langem kaputt gesparten und zunehmend privatisierten Infrastrukturen der wohlfahrtsstaatlichen Daseinsvorsorge als der keynesianischen Regulierung auf den kapitalistischen Arbeitsmärkten.

Die Unterstützer des Appells sind leider nur „nützliche Idioten“ im Dienste der Kapitalwirtschaft. Sie spielen Migration aus gegen Daseinsvorsorge. Damit stellen sie sich dem von Ernst Bloch einst erhofften solidarischen „Umbau der Welt zur Heimat“ in den Weg. Zugleich ist dieser Aufruf, wenn man die Angaben der Unterzeichner in Augenschein nimmt, auch ein Laufsteg der Eitelkeiten.

Auf ihm präsentieren die Gesinnungsdarsteller und Gesinnungsdarstellerinnen ihre akademischen Trophäen und sonstigen bildungsnahen Errungenschaften dem Milieu der Gleichgesinnten. Neben der Dümmlichkeit beeindruckt daher auch die Peinlichkeit dieses Aufrufes.

Der wahre Grund für die Borniertheit hinter dem Scheingegensatz von „Solidarität“ und „Heimat“ ist das schnöde Eigeninteresse des kulturlinken Milieus. Ernst Bloch, Roland Barthes, Norbert Elias, Georg Simmel und andere, die über „Alltagskultur“ aufklärten und vor Geisterfahrten in die „Heimat“ warnten, hin oder her: Das Milieu hat bereits seine „Heimat“ gefunden und besetzt.

Seine Heimat ist die Staatssolidarität, der kapitalistische Sozialstaat, den sie von Berufs wegen begründen, gestalten, verwalten und möglichst noch ausbauen und von und in dem sie vor allem gut leben. Migranten als Bodenpersonal, Verbraucher, Beitrags- und Steuerzahler – daher „welcome“.

Paul Collier bringt die Heuchelei der Aufrufer und Aufruferinnen auf den Punkt: Er hält ihnen ihre Ignoranz gegenüber den Zurückgelassenen in den afrikanischen Abwanderungsländern vor. Und er enthüllt ihre Indolenz gegenüber der Zukunftszerstörung dieser Heimatländer durch die Qualifiziertenabwerbung des Merkel-Regimes.

In ihrer moralischen Überheblichkeit, aber auch intellektuellen Bescheidenheit bemerken die Unterstützer und Unterstützerinnen des Aufrufes auch nicht, dass sie mit den von ihnen denunzierten „Rassisten“ in der Problemdefinition übereinstimmen. Ganz ähnlich wie etwa Björn Höcke stellen sie die soziale Frage des 21. Jahrhunderts nicht mehr primär als Verteilung des Volksvermögens von oben nach unten, sondern als die der Verteilung von innen nach außen.

Während aber das kulturlinke Milieu sich aus der politisch-ökonomischen Debatte überhaupt verabschiedet hat, liegt Höcke mit seinem geopolitischen Ansatz durchaus richtig – allerdings anders, als er selbst es annimmt. Es war das Regime des Parvenüs Schröder und des Taxiprofessors Fischer, das die Alterssicherung von Millionen Arbeitnehmern per Reformzwang zur „Riester-Rente“ dem internationalen Finanzkasino ausgeliefert hat.

https://tumult-magazine.net/

 

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Diskussionen

6 Gedanken zu “„Solidarität statt Heimat“: Ein besonders dummer Aufruf der Kulturlinken

  1. Ich fürchte, das „kulturlinke Milieu“ wird diese Analyse gar nicht verstehen, weil man das Denken dort bereits eingestellt hat. Heutzutage wird in der Neuen Linken rein aus dem Bauch entschieden – Nachdenken und gesellschaftiche Analyse sind zutiefst verpönt. Die Neue Linke ist irrational und antiintellektuell ausgerichtet, sie geistert und irrlichtert durch den Nebel ihrer eigenen verqueren Ideologie. Und die sog. Neo-Linken dienen als nützliche Idioten und willige Handlanger dem Großkapital.

    Bei einer kritischen Analyse der aktuellen Entwicklungen bzgl. der unkontrollierten Massenmigration würde man vielen systemimmanenten Widersprüchen begegnen; die dafür erforderliche Denkanstrengung stellt das narzisstische Bedürfnis in Frage, als moralisch überlegener Gutmensch dazustehen. Viel lieber möchte man doch für seine hehren Zielen die Huldigungen der blauäugig-naiven linken Mitläufer goutieren.

    Finanziert werden sollen diese totalitär-hypermoralischen Größenphantasien von den „kleinen Leuten“, den Steuersklaven. Sie sind dazu „ausersehen“, die Kosten für diesen Egotrip zu erwirtschaften

    Die Dichotomisierung Solidarität versus Heimat ist so plump wie undurchdacht. Eine Heimat zu haben ist ein MENSCHENRECHT – und gerade die Menschenrechte haben sich Linke doch auf ihre Fahnen geschrieben.

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    Verfasst von maru | 11. September 2018, 2:53
  2. Ich habe mal eine schöne Beschreibung darüber gehört, was Heimat und ein Land ausmachen.
    Leute, die sich gegenseitig lieben und schätzen, bilden eine Familie.
    Viele Familien bilden eine Stadt.
    Viele, viele Städte bilden ein Land.
    Ein Land ist also eine Ansammlung von Leuten, die sich lieben und gegenseitig schätzen.
    Wie könnte ich also meine Heimat nicht lieben?

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    Verfasst von Sven Korte | 10. September 2018, 16:48
    • Gefällt mir @Sven:) Ist aber etwas idealisierend. Ich kann nicht sagen, daß ich alle deutschen Landsleute liebe. Dazu laufen mir hier zuviele Ideologen und Idioten linker und rechter Couleur herum, die sich beharrlich weigern, selber zu denken.
      Dumpfes MITLÄUFERTUM ist in allen politischen Lagern üblich. Ein übles Erbe aus braunen Zeiten.

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      Verfasst von maru | 11. September 2018, 17:01
  3. Die Pseudo-Linken mit Tendenz zum Antideutschen geben sich ein Stelldichein.

    Nur einige angeblich Linke von den P-Linken die unterschrieben haben:
    1546 Edith Bartelmus-Scholich, Krefeld (Redaktion ’scharf-links‘),
    530 MdB Ulla Jelpke, Berlin (Bundestag Die Linke), 1416 Andreas Reichelt, Berlin (DKP Berlin), 1478 Thies Gleiss, Köln (Mitglied Parteivorstand DIE LINKE), 1796 Herr Reinhold Fertig, 64720 Michelstadt (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, ChristInnen für den Sozialismus, DKP), 4719 Heino Berg, Göttingen (Die LINKE, SAV)

    Und hier einge Antideutsche Unterzeichner:
    6686 Petra Pau, Berlin (MdB, DIE LINKE),
    1794 Oliver Kube, Ludwigsburg (ÖkoLinX),2650 Alexander Feuerherdt, Kiel (Fachschaft SoPo – Soziologie/Politikwissenschaft der Uni Kiel) 3081 Stefan Liebich, Berlin (MdB / DIE LINKE), 5426 Anja Maier, Berlin (taz)

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    Verfasst von Willi | 10. September 2018, 15:45

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