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Historiker Wolffsohn vergleicht Wagenknecht-Bewegung mit NSDAP

von von Andreas Richterhttps://deutsch.rt.com

Sahra Wagenknechts Bewegung „Aufstehen“ ist noch nicht gegründet und zieht dennoch bereits massive Kritik aus Politik und Medien auf sich. Besonders dick trägt wieder einmal die Bild auf: Der Historiker Michael Wolffsohn zieht Vergleiche zur NSDAP.

Sahra Wagenknechts Sammlungsbewegung „Aufstehen“ ist noch nicht gegründet. Seit dem 4. August ist die Internetpräsenz der Bewegung freigeschaltet, auf der einige Videos mit Statements von Unterstützern zu sehen sind. Das mediale Echo auf die entstehende Bewegung aber ist erheblich, und es ist, wenig überraschend, überwiegend negativ. Ganz vorne in der Schar der Kritiker: die Bild.

Ist die Initiative von Sahra Wagenknecht so weit links, dass sie schon wieder rechts ist?

So beginnt der Artikel, in dem Bild versucht, die Wagenknecht-Bewegung dadurch zu diskreditieren, dass sie als rechtsextrem dargestellt wird. Dabei wird wieder einmal mit Verdrehungen und Unwahrheiten gearbeitet.

Kritisch werden die Ideen für eine linke Sammlungsbewegung  beäugt. Spalten wolle Wagenknecht aber nicht. Foto: Parteitag der Linken im Juni 2018.

Zwar kommt Wagenknecht zu Beginn selbst zu Wort, dann aber sind die Kritiker an der Reihe. Die Führung übernimmt hier der Historiker Michael Wolffsohn. Der emeritierte Professor der Universität der Bundeswehr München hatte es vor Jahren in die Schlagzeilen geschafft, als er vorschlug, das Eiserne Kreuz als Orden in der Bundeswehr einzuführen, oder als er die „Ossifizierung“ der Bundeswehr beklagte, die Gefahr liefe, zu einer „Unterschichtenarmee“ zu werden.

Auch im Bild-Artikel geht Wolffsohn gleich in die Vollen und vergleicht Wagenknechts Bewegung mit der NSDAP:

Wenn ich ‚BEWEGUNG‘ höre, klingeln bei mir alle Alarmglocken. Die Nazis legten seinerzeit auch Wert darauf, keine herkömmliche Partei zu sein, sondern ‚Bewegung‘. Wissen das Wagenknecht und ihre Mit- plus Nachläufer nicht? Wollen sie ganz bewusst und scheinbar unverfänglich solche Gedankenverbindungen herstellen? Wollen sie damit signalisieren, dass sie die bessere AfD wären? Also eine Partei der ‚kleinen Leute‘. Sozial. Und natürlich (siehe ‚Bewegung‘) national. Also national-sozial.

Und weiter:

Da sich Frau Wagenknecht als Sozialistin bezeichnet, bewirkt das phrasenhafte Mischmasch des Internetauftritts auch ohne Gedankenkrücken wohl nicht zufällig Gedankenbrücken zum Begriff ‚National-Sozialismus‘ oder gar Nationalsozialismus. Davon hatten Deutschland und die Welt genug. Selbst ohne Krieg und Holocaust nie wieder das!

Wolffsohn diskreditiert dann einzelne Unterstützer von „Aufstehen“, die der Bewegung als Tarnmittel dienten: eine Journalistin mit syrischen Wurzeln und einen farbigen DJ, weil die Bewegung, wir wissen es dank Bild, ja flüchtlings- und also ausländerfeindlich sei, und einen Pastor, weil die Evangelische Kirche „alles andere als NS-immun“ gewesen sei.

Wolffsohns Fazit:

Im Vergleich zu dieser ‚Bewegung‘ sind alle unsere traditionellen Parteien ein Gottesgeschenk.

Bild-Chefredakteur Julian Reichelt twitterte umgehend seine Zustimmung.

Was lehren uns diese Tiraden? Erst einmal zweierlei.

Zum einen, und das ist nicht neu: Wenn darum geht, den politischen Gegner zu verunglimpfen, ist der Bild und ihren Gewährsleuten noch jedes Mittel recht. Die Formulierung „so links, dass es schon wieder rechts ist“, die Gleichung national plus sozial gleich nationalsozialistisch, all das ist offensichtlich widersinnig.

Den Begriff der Bewegung exklusiv mit den Nazis in Verbindung zu bringen, als hätte es vorher und nachher keine Arbeiterbewegung, Frauenbewegung und Bürgerbewegung gegeben, ist unanständig, ebenso wie das Unmöglichmachen eines Pastors wegen der NS-Verbindungen seiner Kirche. Wäre es Bild und Wolffsohn eingefallen, das gegen Pastor und Ex-Bundespräsident Joachim Gauck vorzubringen? Dessen familiärer Hintergrund hätte das immerhin nahegelegt. Es geht darum, Dreck zu werfen, in der Hoffnung, dass irgendetwas hängenbleibt.

Mehr zum ThemaAnmerkungen aus linker, queerer Sicht zum offenen Brief des LSVD an Sahra Wagenknecht

Zweitens, und das kommt doch etwas überraschend: Der Historiker Michael Wolffsohn hat offenbar keine Ahnung, wovon er hier spricht. Oder er tut so. Denn er nimmt die Nazi-Propaganda für bare Münze. Die NSDAP nannte sich Bewegung, war aber an eine streng hierarchisch organisierte Führerpartei. Der Begriff „Bewegung“ ist hier ebenso Fassade wie die Begriffe „Arbeiterpartei“ und „Sozialismus“. Diese Begrifflichkeiten im Sinne ihrer Erfinder zu verwenden, heißt auch, ihnen auf den Leim zu gehen. Und Wagenknecht vorzuwerfen, sich mit ihrer Bewegung bewusst in diese behauptete Tradition zu begeben, ist einfach nur lächerlich.

Letztlich kann man Sahra Wagenknecht und ihrer Bewegung nur gratulieren. Wer seine Gegner schon zu solchen Reaktionen verleitet, bevor es überhaupt losgegangen ist, macht wohl gerade einiges richtig. Mal sehen, was den lieben Medien und den etablierten „Gottesgeschenken“ als Nächstes einfällt.

https://deutsch.rt.com/meinung/74083-historiker-wolffsohn-vergleicht-wagenknecht-bewegung-mit-nsdap/

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Diskussionen

6 Gedanken zu “Historiker Wolffsohn vergleicht Wagenknecht-Bewegung mit NSDAP

  1. FCK BLD!!! Dieses Lügenblatt dürfte keiner mehr kaufen!

    Gefällt mir

    Verfasst von baumeise | 10. August 2018, 20:45
  2. Guten Abend Herr Prof. Wolffsohn,

    Ihr Kommentar oder „Meinung“ zur Bewegung „Aufstehen“ in der Bild-Zeitung ist bewusst geschichtsvergessen und Sie verniedlichen die Verbrechen des deutschen Faschismus. Kurzum Ihr Kommentar ist ekelhaft. Immer wieder fallen Sie über friedensorientierte und sozial eingestellte Menschen mit Ihren scheinbar „wissenschaftlichen“ Kommentaren her. Allein, dass Sie die Begrifflichkeit „Bewegung“ als Nachweis für eine Faschismusnähe bringen ist derart boshaft, dass Sie besser den Begriff „Historiker“ aus Ihrer Biographie streichen sollten. Ich habe eine Frage an Sie: War der Aufstand der geschundenen, gequälten und verhungernden Menschen im Warschauer Getto organisatorisch einer Bewegung oder einer Partei geschuldet? Ich schätze mal es war eine Bewegung der Gleichgesinnten, denn von einer Partei hat man nichts gehört im Widerstand der jüdischen Menschen im Getto. Es waren zudem überwiegend polnische Bürger, jüdischen Glaubens, die aufgestanden sind gegen den Terror der Faschisten, waren die nun deshalb „national“ weil polnisch?…diese Gequälten sind zuallererst aus sozialen Gründen in den Widerstand gegangen…oder ist Hunger kein sozialer Grund? Nach Ihrer dreckigen Logik für die linke Bewegung „Aufstehen“ hätten diese Menschen im Warschauer Getto allein schon deshalb eine historische Nähe zur NSDAP, weil sie eine „Bewegung“ waren, zudem „national“ organisiert und sie haben auch für „soziale“ Rechte gekämpft.
    Herr Wolffsohn, ich habe Sie mehrfach sprechen und argumentieren hören, auch gelesen habe ich einiges von Ihnen. Ich habe nie verstanden, warum so ein durchaus intelligenter Mann wie Sie, stets auf die Schwachen und Armen und deren Organisationen verbal einschlägt. Mittlerweile gehört es in Deutschland zum „guten Ton“, die Armen, die Vertriebenen und Flüchtenden zu diskriminieren. Sie wohnen mit Sicherheit villenartig, Ihr Einkommen wird deutlich jenseits der Grenze vom Mindestlohn sein, Sie haben bestimmt keine Bomben erlebt und zehren meiner Meinung nach auf widerliche „wissenschaftliche“ Art und Weise aus dem Elend, welches deutsche Faschisten und Militaristen den Menschen angetan haben. Ein russisches Sprichwort sagt: „Du kannst mit einem Reichen nicht über Arme reden“, sie sind ein bestes Beispiel dafür. Kein einziges Wort in Ihrem „Kommentar“ über Millionen von Juden aller Nationalitäten welche durch die „Ideologie“ der NSDAP abgeschlachtet wurden, Millionen von Zivilisten und Widerstandskämpfer ( auch die von Ihnen so gehassten Kommunisten und linken Sozialdemokraten) die gehenkt, vergast, zerbombt und ausgehungert wurden. Sie erklären eine Bewegung des Widerstandes gegen soziale Ungerechtigkeit und Rüstungswahn unserer Zeit allein schon deshalb zum Wurmfortsatz des Faschismus bzw. der NSDAP, weil diese Bewegung national ist (was sonst in der BRD?), auch sozial und zudem sei sie noch eine „Bewegung“.
    Herr Wolffsohn, falls es Ihnen als „Historiker“ noch nicht aufgefallen ist: Faschismus ist international (schauen sie nur zur Ukraine wer das Assow- Bataillon unterstützt), Faschismus ist asozial (schauen Sie zur Ukraine, wie es den Menschen geht nach 4 Jahren „Maidan“) und Faschismus ist bestimmt keine basisdemokratische Bewegung, sondern geht als Staatsform immer einher mit einer Diktatur (schauen Sie zur Ukraine…!) Sonst funktioniert der Faschismus nicht. Faschismus (den Sie so puppenlustig als „national-sozial“ bezeichnen) ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Ich bin Unterstützer der Sammlungsbewegung „Aufstehen“, ich bin weder Militarist, noch Faschist, ich bemühe mich Humanist zu sein und ich werde darauf achten, dass solche scheinintellektuellen Zyniker wie Sie, nicht das Sagen in dieser Bewegung haben. Sie verherrlichen Gewalt, Sie verniedlichen den Faschismus und Sie verraten nebenher eine Religion des Friedens. Der Kampf gegen solche Kriegsapologeten und menschenverachtenden „Historiker“ wie Sie, wird bestimmt eine der Hauptaufgaben dieser Bewegung sein…daher wahrscheinlich Ihr Hass und Sie fühlen es.

    Mit Grüßen der Verachtung Ihrer Person

    Gefällt 1 Person

    Verfasst von Der Linksliberale | 10. August 2018, 20:30
  3. Wolffsohn ist doch der NATO-Korrumpierte Märchen-Erzähler auf der Transatlantik-Gehaltsliste

    Gefällt 2 Personen

    Verfasst von tom | 10. August 2018, 19:26
  4. Wenn Bild und seine Lakaien sich aufregen, dann ist diese BEWEGUNG sicher genau das Richtige. Ich freue mich schon, ihr beizutreten.

    Gefällt 1 Person

    Verfasst von MIKAEL | 10. August 2018, 18:58
  5. Manche Historiker dürfen es nicht anders.
    Sonst stünde am Label des Geschichtsschaffenden, woher man die Geschichte hat.
    Rom selbst haben wenige noch selbst gesehen.
    Gehört davon sicherlich.
    Gesoffen noch viel mehr.

    Gefällt mir

    Verfasst von allesfließt | 10. August 2018, 11:58
  6. Der Vergleich mit der NSDAP ist mehr als lächerlich. Entweder hat dieser“ Historiker“ keine Ahnung von der NSDAP und dem Faschismus oder aber er lügt und diffamiert, dass sich die Balken biegen. Die NSDAP war vor allem eine Partei des großen Kapitals (Krupp, Thyssen, Kirdorf, Vereinigte Stahlwerke, IG Farben, Deutsche Bank …), die den Hitler und dessen Komparsen („Bewegung“) förderten und schließlich zur Macht verhalfen. Jene identifizierten sich mit den Zielen der NSDAP: Revision des Versailler Vertrages, Erringung der deutschen Vormacht auf dem Kontinent mittels Aggression (Angriffskrieg). Geschaffen werden sollte schließlich ein „Großdeutscher Wirtschaftsraum“ bis zum Ural, der die gewaltsame Vernichtung der Nationalstaaten zum Ziel hatte.

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    Verfasst von lumpazivagbundus | 10. August 2018, 11:44

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