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Ausland, Naher Osten

Sündenbock Iran

von Chris Hedges – http://luftpost-kl.de

Der bekannte US-Journalist Chris Hedges warnt die US-Kriegstreiber davor, den Iran zum Sündenbock für das im Mittleren Osten angerichtete Chaos und ihre eigenen Niederlagen zu machen.

NEW YORK – 17 Jahre Krieg im Mittleren Osten, und was ist dabei herausgekommen?  Mit der US-Invasion im Jahr 2003 und der anschließenden Besetzung hat der Irak aufge – hört, ein geeintes Land zu sein. Seine ehemals moderne Infrastruktur wurde größtenteils zerstört, und sein Staatsgebiet ist in mehrere sich streitende Teilstaaten aufgesplittert. Der Westen hat den Krieg in Afghanistan verloren, denn die erstarkten Taliban beherrschen heute wieder 70 Prozent des Landes. Libyen ist zu einem gescheiterten Staat zerbombt worden. Der Jemen durchleidet wegen der seit drei Jahren andauernden Luftangriffe und einer Blockade eine der schlimmsten humanitären Katastrophen, die es bisher auf der Welt gegeben hat. Die 500 „gemäßigten“ syrischen Rebellen, die von der US-Regierung finanziert und bewaffnet wurden, haben die US-Steuerzahler über 500 Millionen Dollar gekostet und befinden sich nach dem Ende der gesetzlosen Schreckensherrschaft (des Islamischen Staates) überall auf dem Rückzug. Für diese militärischen Abenteurer haben die USA gigantische 5,6 Billionen Dollar verschwendet [s. https://www.thenation.com/article/ americas-war-on-terror-has-cost-taxpayers-5-6-trillion/ ]; gleichzeitig ist die US-Infrastruktur verkommen, grundlegende Sozialleistungen wurden gekürzt, und Hälfte die US-Bevöl- kerung lebt schon unter dem Existenzminimum oder ist auf dem Weg dahin [s. https://ww- w.commondreams.org/views/2017/10/16/yes-half-americans-are-or-near-poverty-heres- more-evidence ]. Die endlosen Kriege im Mittleren Osten haben sich als die größte strategische Fehlentscheidung in der US-Geschichte erwiesen und den Niedergang des US-Imperiums eingeleitet.

Die für dieses Debakel Verantwortlichen, das Hunderttausende Tote, darunter mindesten

200.000 Zivilisten, gefordert und Millionen Menschen aus ihren Behausungen vertrieben und zu Flüchtlingen gemacht hat, müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Diejenigen, die für die Entstehung der dschihadistischen Gruppierungen im Mittleren Osten, die von deren Anhängern weltweit begangenen Terroranschläge, die totale Zerstörung von Städten und Dörfern durch tagelange Luftangriffe und die brutale, aber erfolglose „Aufstandsbekämpfung“ durch die Streitkräfte der USA und ihrer Verbündeten verantwortlich waren und sind, müssten angeklagt und verurteilt werden. Es ist aber ziemlich sicher, dass die kommandierenden Generäle und Politiker wie George W. Bush, Barack Obama und Hillary Clinton, neokonservative Kriegstreiber wie Dick Cheney, Paul Wolfowitz [s. http://ww- w.aei.org/scholar/paul-wolfowitz/ ] und John Bolton [s. https://www.britannica.com/biogra- phy/John-R-Bolton ], die CIA, die Rüstungsindustrie, die von allen Kriegen profitiert, und die Moderatoren und Schreiberlinge, die in den Medien die Massaker preisen, nicht dafür bestraft werden.

„Die falsche und deshalb erfolglose Politik der US-Regierungen, die außerdem gegen das Völkerrecht verstoßen, haben den Mittleren Osten ins Chaos gestürzt,“ erklärte Gholamali Khoshroo, der iranische Botschafter bei den Vereinten Nationen, als wir uns in New York

City trafen. „Um von ihrer eigenen aggressiven, rücksichtslosen und kostspieligen Politik abzulenken, versuchen US-Politiker alle angerichteten Schäden dem Iran anzulasten. Der Iran soll für ihre Misserfolge im Jemen, im Irak, in Afghanistan, in Syrien und im Libanon verantwortlich sein.“

Die Trump-Regierung verhalte sich „in Bezug auf den Mittleren Osten und besonders gegenüber dem Iran sehr naiv,“ fügte der iranische Botschafter hinzu. „Sie kann nur drohen – mit Sanktionen oder mit Interventionen. Diese Politik ist nicht nur zum Scheitern verurteilt, sie ist auch sehr riskant und kostspielig. Die US-Streitkräfte werden mit den Problemen. die sie in den überfallenen oder angegriffenen Staaten, verursacht haben, nicht fertig. Im Mittleren Osten setzen sie ihre Macht nur destruktiv ein. Im Irak, in Afghanistan, im Jemen oder in Syrien sind sie noch nicht einmal in der Lage, funktionierende Verwaltungen in Dörfern aufzubauen. Die US-Regierung glaubt, mit Druck und Gewalt nicht nur den Mittleren Osten, sondern die ganze Welt unterwerfen zu können. Mit dieser Politik wird sie die Beziehungen zu souveränen Staaten, die sich den USA nicht unterwerfen wollen, keinesfalls verbessern können.“

„Die Bewaffnung ‚gemäßigter syrischer Rebellen‘, war nur ein verdeckter Versuch, den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu stürzen,“ führte der iranische Botschafter weiter aus. „Die US-Amerikaner wussten, dass es überhaupt keine ‚gemäßigten Rebellen‘ gibt. Sie wussten auch, dass die von ihnen gelieferten Waffen terroristischen Gruppierungen wie Daesch [so nennen die Araber den Islamischen Staat, s. https://de.wikipedia.org/wiki/ Islamischer_Staat_(Organisation), der Al-Nusra-Front (in Syrien, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Nusra-Front ) und deren Ablegern in die Hände fallen würden. Auch in dieser Hinsicht erwies sich die US-Politik als Fehlschlag. Die US-Amerikaner können Staaten verwüsten. Sie richten bei jeder Intervention Blutbäder an. Sie machen immer wieder Millionen Menschen zu Flüchtlingen und gewinnen nichts dabei. Syrien gewinnt gerade seine Souveränität zurück, und es ist völlig unklar, welche Strategie Präsident Trump in Syrien verfolgt. Heute kündigt er den Rückzug aus Syrien an und morgen verspricht er, seine Truppen so lange in Syrien belassen zu wollen, wie der Iran die syrische Regierung unterstütze [s. https://www.reuters.com/article/us-usa-syria/trump-seeks-syria-pullout-as-advisers-warn-of-hard-work-ahead-idUSKCN1HA2DA ]. Ich frage mich, ob die US-Steuerzahler wissen, wie groß der Anteil ihrer Steuergelder ist, der im Irak, in Syrien und im Jemen vergeudet wird?“

Die einseitige Entscheidung Trumps, vom Atomabkommen mit den Iran zurückzutreten, obwohl der Iran alle ausgehandelten Bedingungen erfüllt, war der erste Versuch, von der gescheiteren US-Politik gegenüber dem Iran abzulenken. Bolton, der neue Nationale Sicherheitsberater Trumps, US-Außenminister Mike Pompeo und Trumps Rechtsanwalt Rudy Giuliani fordern den Sturz der iranischen Regierung; Giuliani hat letzten Monat sogar öffentlich verkündet, Präsident Trump stimme mit seinen Beratern darin überein, „dass im Iran ein Regimewechsel herbeigeführt werden“ müsse. [Weitere Infos dazu sind aufzurufen unter https://www.newsmax.com/newsfront/regime-change-john-bolton-nuclear-deal-sanctions/2018/05/28/id/862808/ .]

„Zu dem Iran-Abkommen kam es nur, weil US-Präsident Barack Obama der iranischen Führung vorher in mehreren Briefen zugesichert hatte, dass die USA nicht die Absicht hätten, die iranische Souveränität zu verletzen,“ betonte Botschafter Khoshroo. „Die USA strebten einen ernsthaften Dialog auf Augenhöhe mit dem Iran an, der in gegenseitigem Interesse notwendig sei. Diese Zusicherungen ermöglichten die Verhandlungen, die zum JCPOA (s. https://en.wikipedia.org/wiki/Joint_Comprehensive_Plan_of_Action ) führten. Von Anfang an hat der US-Kongress dieses Atomabkommen mit dem Iran jedoch sabotiert. Weil er die von Präsident Obama angestrebte Umsetzung des Abkommens ablehnte,

konnte es nicht voll in Kraft treten. Am Tag des Inkrafttretens hat der Kongress eine Resolution verabschiedet, mit der die Europäer (vertragswidrig) aufgefordert wurden, auf Geschäfte mit dem Iran zu verzichten. Firmenvertreter, die Geschäftsreisen in den Iran gemacht hatten, mussten ab sofort ein Visum beantragen, wenn sie in die USA reisen wollten. Die Intervention des US-Kongress war aber nicht gänzlich erfolgreich. Das OFAC (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Office_of_Foreign_Assets_Control ) verhielt sich zwiespältig gegenüber Firmen, die wegen der bestehenden Sanktionen bei ihm anfragten, unterstützte das von der Obama-Regierung unterzeichnete Iran-Abkommen aber wenigstens verbal mit der Einschätzung, das Abkommen könne als Basis für weitere Verhandlungen dienen.

„Schon als Präsidentschaftskandidat hat Trump das Iran-Abkommen als ‚den schlechtesten, jemals von den USA eingegangene Deal‘ bezeichnet,“ ergänzte der Botschafter. „Es werde den USA noch große Sorgen machen. Damit meinte er aber nicht das Abkommen, sondern die Probleme, die entstünden, wenn die USA einseitig einen Deal aufkündigen würden, den sogar der UN-Sicherheitsrat gutgeheißen hatte und der von der Obama-Regierung ermöglicht worden war. Die Aufkündigung eines internationalen Abkommens und die gegen den souveränes Staat Iran gerichteten Drohungen werden sich bald als Quelle weiterer Unannehmlichkeiten erweisen, weil die USA damit einen Vertrag brechen, den der Iran erfüllen möchte.“

„2008 haben die Israelis der Welt weismachen wollen, der Iran sei nur noch wenige Tage vom Bau einer Atombombe entfernt,“ erinnerte der Botschafter. „Die Israelis forderten damals einen Militärschlag, mit dem das verhindert werden sollte. Was ist seither geschehen? In den beiden letzten Jahren hat die IAEO (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Atomenergie-Organisation ) dem Iran in 11 Berichten bestätigt, dass er sich strikt an den JCPOA hält [s. https://www.iaea.org/newscenter/news/iran-is-implementing-nuclearrelated-jcpoa-commitments-director-general-amano-tells-iaea-board ]. Nicht nur die IEAO, auch die EU, Russland, China und weitere Staaten in Asien, Lateinamerika und Afrika habe alle Anschuldigungen, der Iran missbrauche seine Atomanlagen für militärische Zwecke, zurückgewiesen. (Dass der Iran das Abkommen einhält. ist auch der US-Regierung bekannt, und) Trump will ja eigentlich nur den Einfluss des Irans in der Region zurückdrängen, weil er begriffen hat, dass die US-Politik im Mittleren Osten gescheitert ist. Aus den USA kommende Einlassungen zum Iran sind deshalb häufig widersprüchlich. Einerseits wird behauptet, der Iran sei ’so schwach, dass er bald zusammenbrechen‘ werde, andererseits wird dem Iran unterstellt, ‚in mehreren Hauptstädten im Mittleren Osten den Ton anzugeben‘ „.

Der Iran hat kürzlich angekündigt, dass er die Urananreicherung mit Zentrifugen wieder aufnehmen wird, wenn auch die europäischen Vertragspartner den JCPOA aufkündigen sollten [s. https://www.reuters.com/article/us-iran-nuclear-iaea/iran-tells-iaea-it-plans-to-produce-feedstock-for-centrifuges-idUSKCN1J11Z0 ]. Die durch Trumps Ausstieg verunsicherten Europäer möchten die Verhandlungen über das Abkommen wieder aufnehmen, das nicht nur die atomaren Aktivitäten des Irans einschränkt, sondern auch die Aufhebung der gegen den Iran verhängten Sanktionen vorsieht.

Warum will Trump Krieg gegen ein Land führen, das sich auf ein Abkommen mit den USA eingelassen hat? Warum will er eine Regierung stürzen, die gegen die Taliban, Al-Qaida, den Islamischen Staat und andere dschihadistische Gruppierungen kämpft, die heute die USA bedrohen, die sie geschaffen und bewaffnet haben? Warum will er das De-Facto- Bündnis aufgeben, das die USA im Irak und in Afghanistan mit dem Iran haben? Warum will er den fragilen Mittleren Osten noch weiter destabilisieren?

Die Architekten der US-Interventionskriege sind verunsichert. Sie mussten hilflos zulassen, wie besonders der Irak immer instabiler und zum politischen Vakuum, und der Iran immer stärker und zur dominierende Macht in der Region wurde. Washington muss seine Niederlage akzeptieren. Es wird seine Fehler auch mit einem Überfall auf den Iran nicht mehr korrigieren können, den die Kriegstreiber in den USA und anderswo als einzigen Ausweg aus dem außen- und innenpolitischen Dilemma sehen, in das sie sich selbst hineinmanövriert haben.

Der in einem Sumpf von Bestechungsskandalen steckende israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hofft zum Beispiel, durch die Anzettelung eines Konfliktes mit dem Iran von der Untersuchung seines Machtmissbrauchs und dem Gemetzel ablenken zu können, das israelische Scharfschützen unter gegen den fortgesetzten Landraub protestierenden Palästinensern angerichtet haben.

„Derzeit ist in Israel das bisher brutalste Regime an der Macht,“ stellte der iranische Botschafter fest. „Es tritt das Völkerrecht und die Menschenrechte mit Füßen. Mit seiner Siedlungs- und Besatzungspolitik und der Erklärung Jerusalems zu seiner Hauptstadt verstößt es seit langem gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. Schauen Sie sich nur an, was Israel in den letzten 30 Tagen in Gaza angerichtet hat. Trotzdem haben die USA illegalerweise ihre Botschaft nach Jerusalem verlegt. Israelische Scharfschützen haben 60 unbewaffnete palästinensische Demonstranten niedergestreckt. Während ihr Blut vor dem Grenzzaun zum Gazastreifen versickerte, haben Israelis in Jerusalem Freudentänze aufgeführt. Und die Trump-Regierung lässt das nicht nur zu, sie leistet auch noch Unterstützung. Das macht viele Menschen im Nahen und Mittleren Osten wütend – auch viele in Saudi-Arabien. Die Zionisten diffamieren den Iran als größte Bedrohung für den Frieden  im Mittleren Osten. Damit versucht Israel von seinen eigenen Verbrechen abzulenken und sie dem Iran anzulasten. Auch die verfehlte Politik Israels, mit der es nur seine innere Schwäche verdecken will, wird sich rächen.“

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, hat, um innere Unruhen zu dämpfen [s. https://geopoliticalfutures.com/saudi-arabias-race-time/ ] und sich als fähigen Militärführer in Szene setzen zu können, den Krieg im Jemen forciert. Jetzt versucht er verzweifelt von der humanitären Katastrophe abzulenken, die er angerichtet hat.

„Saudi-Arabien hat in den Bürgerkrieg im Jemen eingegriffen und agiert auf taktischer und strategischer Ebene gemeinsam mit Israel gegen den Iran,“ stellte der iranische Botschafter fest. „Gleichzeitig unterdrückt das saudische Regime seine eigene Bevölkerung. Wie lange wird das noch möglich sein? Schon drei Jahre führt Saudi-Arabien mit Unterstützung der USA einen Bombenkrieg gegen die Menschen im Jemen, und durch eine Totalblockade werden ihnen auch Nahrung und Arzneimittel vorenthalten. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. Auch für ihren Misserfolg im Jemen machen Saudi-Arabien und die USA  den Iran verantwortlich. Wegen der Totalblockade kann der Iran den Menschen im Jemen aber überhaupt nicht helfen, selbst wenn er das wollte. Die jemenitischen Kämpfer fordern seit Beginn des Krieges Friedensverhandlungen. Das militärische Abenteurertum der Saudis und ihr Bedürfnis, ihre militärische Entschlossenheit zu demonstrieren, haben bisher eine friedliche Lösung verhindert. Die USA und Großbritannien leisten logistische und militärische Unterstützung und beliefern die Saudis auch mit geächteten Clusterbomben (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Streumunition ), die im Jemen eingesetzt werden. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate bombardieren im Jemen. Alle diese Aktionen sind zum Scheitern verurteilt, weil der Konflikt im Jemen nur politisch und nicht militärisch gelöst werden kann. Und was bombardieren die Saudis im Jemen? Begräbnisse, Hochzeiten, bestellte Felder, Häuser und Zivilisten! Wie können die Saudis annehmen, dass sie von der bombardierten Bevölkerung begrüßt werden? Mit Umarmungen? Der Krieg hat schon viel Geld gekostet, doch Trump ist der Meinung, die Saudis hätten ja genug davon. (Bei seinem Besuch) hat er sie aufgefordert, ‚möglichst viele schöne Waffen in den USA zu kaufen‘ [s. http://www.newsweek.com/donald-trump-beautiful-weapons-qatar-suggests-supports-radical-ideology-621600 ]. Mit den ‚vielen schönen Waffen‘ werden dann ‚möglichst viele schöne Kinder‘ umgebracht. Es ist ein Desaster und eine Schande!“

Und dann gibt es ja auch noch diesen Präsidenten Donald Trump, der mit einem globalen Kreuzzug verzweifelt versuchen muss, seine eigene Unfähigkeit, seine korrupte Regierung und deren Erfolglosigkeit zu kaschieren, wenn er sich 2020 zur Wiederwahl stellt.

„Natürlich ist das nicht neu, dass der Iran diffamiert und bedroht wird,“ stellte der Botschafter fest. „Das geht schon seit 40 Jahren so. Die iranische Bevölkerung und die iranische Regierung haben sich an diese Anfeindungen gewöhnt. Die Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten des Irans hat schon lange vor dem Krieg zwischen dem Irak und dem Iran begonnen, in dem die USA Saddam Hussein unterstützt haben. 2003 fielen die US-Streitkräfte dann in den Irak ein, ‚um ihm die Demokratie zu bringen und ihm seine (nicht vorhandenen) Massenvernichtungswaffen wegzunehmen‘. Der Iran hat sich den Einmischungen der USA immer widersetzt und wird das auch weiterhin tun.“

„US-Amerikaner waren zuletzt vor 40 Jahren im Iran präsent,“ fuhr der Botschafter fort. „Während des Schah-Regimes haben sich 100.000 US-Berater im Iran herumgetrieben, der damals zu den engsten Verbündeten der USA gehörte. Die USA konnten den Schah aber nicht an der Macht halten, weil das iranische Volk gegen die Abhängigkeit von den USA und die Unterdrückung revoltierte. Seit dem Sturz des Schahs im Jahr 1979, also seit nunmehr 40 Jahren, brechen die USA das Völkerrecht und besonders das Algerien-Abkommen mit dem Iran [s. https://en.wikipedia.org/wiki/Algiers_Accords ], das sie 1981 unterzeichnet haben.“

Mit dem Algerien-Abkommen [s. https://en.wikipedia.org/wiki/Algiers_Accordshttps://en.wikipedia.org/wiki/Algiers_Accords ], das eine ganze Reihe von Vereinbarungen zwischen den USA und dem Iran umfasste, wurde die Geisel-Krise (s. https://de.wikipedia.org/wiki/ Geiselnahme_von_Teheranhttps://de.wikipedia.org/wiki/Geiselnahme_von_Teheran ) beendet. Die algerische Regierung hat es vermittelt. In diesem Abkommen haben sich die USA verpflichtet, künftig Einmischungen in die inneren Angelegenheiten des Irans zu unterlassen sowie die gegen den Iran verhängten Sanktionen und die Blockierung iranischer Konten aufzuheben.

Die US-Kriegstreiber haben überhaupt keinen Plan für einen „Regimewechsel“ im Iran – den hatten sie auch nicht in Afghanistan, im Irak, in Libyen oder in Syrien. Die europäischen Verbündeten hat Trump mit seinem Ausstieg aus dem Iran-Abkommen so verärgert, dass sie (bei einem US-Angriff auf den Iran) nicht mit Washington kooperieren werden. Das Pentagon könnte, selbst wenn es wollte, den Iran auch nicht allein angreifen und besetzen, weil ihm dazu Hunderttausende Soldaten fehlen. Und die von Bolton und Giuliani propagierte Idee, extremistische Randgruppen wie die Mujahedeen-e-Khalq / MEK (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Volksmudschahedin ) – die im Krieg gegen den Irak an der Seite Saddam Husseins gekämpft haben und deshalb von den meisten Iranern als Verräter betrachtet werden – könnten die iranische Regierung stürzen, ist einfach nur lächerlich. Bei solchen Spekulationen werden die 80 Millionen Iraner ignoriert – wie vorher die Bevölkerungen Afghanistans, des Iraks, Libyens und Syriens. Warum sollten die Iraner einen Krieg mit den USA begrüßen? Würden sie sich nicht verteidigen, wenn sie angegriffen werden? Warum sollten die Iraner widerstandslos eine Besetzung hinnehmen? Vermutlich würde ein Krieg gegen den Iran als Krieg gegen alle Schiiten verstanden (und den Widerstand der Schiiten in anderen Staaten hervorrufen). Diese Überlegungen stellen die Kriegstreiber aber nicht an, weil sie nichts vom Krieg verstehen und keine Ahnung von den Völkern und Kulturen haben, die sie unterwerfen wollen.

„Der Nahe und Mittlere Osten hat viele Probleme: Unsicherheit, Instabilität, Wasserknappheit und Streit um andere Ressourcen,“ erklärte Khoshroo. „All diese Probleme wurden durch Interventionen ausländischer Truppen und die Maßlosigkeit israelischer Regierungen nur vergrößert. Das ungelöste Problem Palästina bewegt alle Muslime im Nahen und Mittleren Osten. Jede Verzögerung bei der Lösung dieser vielen Probleme erhöht die gefährlichen Spannungen, die in dieser Region herrschen. Die US-Amerikaner behaupten, sie wollten den Nahen und Mittleren Osten von gewaltbereiten Terroristen befreien, das wird aber nur gelingen, wenn die Interventionen und Besatzungsregime ausländischer Truppen in dieser Region endlich aufhören. Die US-Rüstungsindustrie verkauft ihre Waf fen an (fast) alle Staaten in der Region, weil durch die ständigen Kriege gerade dort besonders hohe Profite zu erzielen sind. Das Leid der Menschen kümmert sie nicht. Und Frieden und Sicherheit in dieser Region sind ihr genau so gleichgültig wie die Demokratie oder die Geopolitik.“

„Was hat die US-Politik in Nahen und Mittleren Osten bewirkt?“ fragte Botschafter Khoshroo. „Die Bevölkerungen aller US-Verbündeten in der Region sind im Aufruhr. Nur der Iran ist sicher und stabil. Warum ist das so? Warum herrscht im Iran seit 40 Jahren Stabilität? Ist das so, weil (seit 1980) keine (diplomatischen) Beziehungen mehr zwischen dem Iran und den USA bestehen? Warum herrscht Feindschaft zwischen dem Iran und den USA? Warum begreifen die USA nicht, dass ein stabiler Iran wichtig für diese Region ist? Wir sind von den instabilen Staaten Pakistan, Afghanistan, dem Irak, Syrien und dem Jemen umgeben. Was hätten die US-Amerikaner davon, wenn sie auch noch den Iran destabilisieren würden?“

(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in runden Klammern versehen. Die Links in eckigen Klammern hat der Autor selbst eingefügt. Infos über ihn sind nachzulesen unter https://en.wikipedia.org/wiki/Chris_Hedges .)

 

https://www.truthdig.com/articles/scapegoating-iran/

http://luftpost-kl.de/lp-16.html

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