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Ausland, Medien

So sieht moderne Kriegspropaganda aus

von Caitlin Johnstonehttp://www.theblogcat.de

In den letzten Tagen sind mir Videos aufgefallen, die sich wie ein Lauffeuer ausbreiten, einige mit Millionen von Klicks, über muslimische Frauen, die tapfer kämpfen, um sich von der Unterdrückung im Nahen Osten zu befreien. Die Videos werden – und das ist interessant – von vielen Republikanern und pro-israelischen Falken geteilt, traditionell nicht gerade jene Art von Menschen, die man sieht, wenn es darum geht, die Bürgerrechte von Moslems zu unterstützen. Was ist da los?

Nun, das wird jetzt manchen schockieren, aber es stellt sich heraus, dass es sich um die Frauen aus einem Land handelt, gegen das die US-Kriegsmaschine derzeit ihre Operationen eskaliert. Es sind Iranerinnen.

(Diese rebellischen iranischen Frauen riskieren eine Verhaftung.. Iranischen Frauen ist es verboten, auf der Straße zu tanzen … aber das hält sie nicht auf!)

Wann immer man das plötzliche Auftauchen einer erfolgreichen Medienkampagne sieht, die mit der Not der Zivilbevölkerung in einem ressourcenreichen Land sympathisiert, dann sieht man Propaganda. Wenn dieses Land von anderen Ländern mit ähnlichen Menschenrechtsverletzungen umgeben ist, diese Überschreitungen aber von der selben Medienkampagne ignoriert werden, dann ist es ganz sicher Propaganda. Und wenn dieses Land bereits das Ziel von Hungersanktionen und zunehmenden verdeckten CIA-Operationen ist, dann kann man seinen Arsch darauf verwetten, dass es Propaganda ist.

Letzten Dezember ist ein Memo aus dem Inneren der Traum-Regierung durchgesickert, das zeigt, wie der damalige Außenminister, der DC-Neuling Rex Tillerson, darin gecoacht wurde, wie das US-Imperium die Menschenrechte als Vorwand benutzt, um nicht-konforme Regierungen anzugreifen und zu untergraben. Politico berichtet:

Das Memo liest sich wie ein Crashkurs für einen Geschäftsmann, der zu Diplomaten wurde. Und die Schlussfolgerung liefert eine krass realistische Vision: dass die USA die Menschenrechte als Prügel gegen ihre Gegner wie Iran, Kuba und Nordkorea einsetzen sollten, während repressive Verbündete wie die Philippinen, Ägypten und Saudi-Arabien verschont bleiben.

„Alliierte sollten anders – und besser – behandelt werden als Gegner. Andernfalls haben wir mehr Gegner und weniger Verbündete“, so argumentiert das Memo von Tillersons einflussreichem politischen Berater Brian Hook.

Die Propagandamaschine arbeitet nicht anders als das Außenministerium, da sie dem gleichen Establishment dient. Der US-Verbündete Saudi-Arabien wird von den Massenmedien für „liberale Reformen“ gefeiert, weil man den Frauen das Autofahren erlaubt, obwohl es starke Beweise dafür gibt, dass es sich dabei nur um Kosmetik handelt, um der westlichen Welt ein freundliches Gesicht zu zeigen. Aber iranische Frauen, die seit Jahren Autofahren dürfen, werden als einzigartig unterdrückt dargestellt. Der Iran wird von den etablierten Kriegshuren wegen seiner Mängel im demokratischen Prozess verurteilt, während Saudi-Arabien, eine echte Monarchie, völlig ungeschoren davonkommt.

Das liegt daran, dass das US-zentrierte Machtestablishment, das sich zu keinem Zeitpunkt seiner Geschichte um die Menschenrechte gekümmert hat, plant, den Regimewechsel im Iran mit allen Mitteln zu vollziehen. Sollten diese Mittel ein potentiell umstrittenes Maß an direktem politischen Engagement erfordern, so muss das Imperium sicherstellen, dass es die Kontrolle über das Narrativ behält.

(Ü.: Frauen im Iran zeichnen den Missbrauch auf, den sie durch Männer erleiden, weil sie keine religiöse Kleidung tragen. Mögen sich die guten Menschen des Iran von den Fesseln der tyrannischen Mullah-Theokratie befreien.)

So sieht Kriegspropaganda im Zeitalter der Social Media aus. Das sieht nie hässlich aus. Sie wird nie direkt ihre wahren Absichten enthüllen. Wenn es so wäre, dann würde es nicht funktionieren. Man kann nicht einfach daherpoltern und sagen: Heh, wir müssen den Menschen in diesem Land auf der anderen Seite der Erde in eurem Namen schreckliche, böse Dinge antun, bitte spielt mit und macht keine Faxen!“ Es muss frisch, lustig und rebellisch aussehen. Es wird ansprechend aussehen. Es wird sexy aussehen.

Und es funktioniert. Ich werde zur Zeit in diesen Videos mehrmals täglich von Trump-Anhängern markiert, die versessen darauf sind, mir den Beweis zu liefern, dass ich in der Iran-Frage auf der falschen Seite stehe. Diese PsyOp ist so gut mit einer Kombination aus aalglatter Präsentation und voreingenommener Bestätigung geschmiert, dass es ihrer Skepsis völlig entgeht und als Tatsache hingenommen wird – sogar mit dem „Now This“ Pussyhat Propaganda-Logo rechts oben. (Anm.d.Ü.: Seht euch das Twitterprofil von @MsJulieLenarz an: „Terrorismus, Sicherheit, Verteidigung @israelproject und @hs_centre. Ihr findet mich auf BBC, Sky News, Daily Telegraph & mehr. Corbynistas nennen mich (((Jewlie))). )

Seien Sie bitte weniger vertrauensselig zu diesen Monstern. Die Menschen in Afghanistan haben nicht von dem endlosen militärischen Sumpf profitiert, der Zehntausende Menschenleben gefordert hat. Die Eindringlinge im Irak wurden von der unterdrückten Bevölkerung nie als „Befreier“ begrüßt. Die humanitäre Intervention in Libyen hinterließ eine humanitäre Katastrophe, die weitaus schrecklicher war als alles was sie angeblich verhindern wollte. Die Rettung der Kinder in Syrien („Saving the Children of Syria“) mit westlichem Interventionismus hat eine halbe Million Syrer getötet.

Wenn die Iraner tatsächlich ihre Regierung wechseln wollen, so sollte das ohne lähmende Sanktionen, ohne die Zusammenarbeit mit extremistischen Terrorkulten oder die vergewaltigenden Tentakeln der CIA geschehen, die die Lage manipulieren. Es hat nicht einen von den USA geführten Regimewechsel im Nahen Osten gegeben, der nicht katastrophal war. Die Menschen sollten die USA und ihre Verbündeten anschreien, dass sie mit ihren Interventionen aufhören sollen, und nicht diese Propaganda begrüßen, die eindeutig von eben jenem Imperium hergestellt wird.

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/caitlin-johnstone-05-07-2018/

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “So sieht moderne Kriegspropaganda aus

  1. Das sind jetzt die iranischen Pussy Riots.

    Gefällt mir

    Verfasst von helmutn | 8. Juli 2018, 7:16

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