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Ausland, Welt

Der kommende Zusammenbruch

von Chris Hedgeshttp://www.theblogcat.de

Also zunächst einmal – die Trump-Regierung ist nicht wie eine Venus in der Muschel aus dem Meer aufgestiegen. Donald Trump ist das Ergebnis eines langwierigen Prozesses des politischen, kulturellen und sozialen Niedergangs. Er ist das Produkt unserer gescheiterten Demokratie. Je länger wir die Fiktion aufrechterhalten, dass wir in einer funktionierenden Demokratie leben, dass Trump und die politischen Mutanten um ihn herum irgendwie eine absonderliche Abart wären, die wir bei der nächsten Wahl beseitigen können, desto mehr werden wir in Richtung Tyrannei stürzen. Nicht Trump ist das Problem. Es ist das politische System, das von den Konzernmächten und den Mandarinen der zwei großen politischen Parteien dominiert wird, in dem wir keine Rolle spielen. Wir werden die politische Kontrolle zurückerobern, indem wir den Konzernstaat zerlegen, und das bedeutet massiven und anhaltenden zivilen Ungehorsam, so wie ihn dieses Jahr die Schullehrer im ganzen Land gezeigt haben.

https://ballotpedia.org/Statewide_public_education_strikes,_2018

Wenn wir nicht aufbegehren, dann werden wir vor einem neuen finsteren Zeitalter stehen.

Die Demokratische Partei, die dabei mitgeholfen hat, unser System des umgedrehten Totalitarismus aufzubauen, wir wieder von vielen als die Retterin der Linken hochgehalten.

https://www.truthdig.com/articles/sheldon-wolin-and-inverted-totalitarianism/

Aber diese Partei hat sich hartnäckig geweigert, die soziale Ungerechtigkeit anzusprechen, die zur Wahl von Donald Trump und dem Aufstand von Bernie Sanders geführt hat. Sie ist gegenüber dem echten ökonomischen Leid, unter dem das halbe Land leidet, vollkommen blind, taub und stumm. Sie wird nicht dafür kämpfen, dass die Arbeiter einen anständigen Lohn bekommen. Sie wird sich nicht gegen die Pharmaindustrie und die Versicherungsindustrie wenden, damit alle eine Krankenversicherung erhalten. Sie wird den unersättlichen Appetit des Militärs nicht bändigen, der das Land entkernt und für weitere sinnlose und kostspielige Krieg im Ausland wirbt. Sie wird unsere verlorenen Bürgerrechte nicht zurückbringen, das Recht auf Privatsphäre, den Schutz vor Überwachung durch den Staat und ein geordnetes Rechtsverfahren. Sie wird das Geld der Konzerne und das Schwarzgeld (https://www.opensecrets.org/outsidespending/nonprof_summ.php) nicht aus der Politik heraushalten. Sie wird unsere Polizei nicht demilitarisieren und das Gefängnissystem nicht reformieren, das 25% aller weltweit Gefangenen beherbergt, obwohl die USA nur 5% der Weltbevölkerung repräsentieren. Sie beschäftigt sich mit Randthemen, insbesondere in der Wahlsaison und sie weigert sich, inhaltliche politische und soziale Themen anzugehen und konzentriert sich stattdessen in unserer absonderlichen anti-politischen Gattung auf enge kulturelle Themen wie Schwulenrechte, Abtreibung und Waffenkontrolle.

Das ist eine zum Scheitern verurteilte Taktik, aber sie ist verständlich. Die Parteiführung, die Clintons, Nancy Pelosi, Chuck Schumer, Tom Perez sie sind Geschöpfe der Amerikas der Konzerne. In einem offenen und demokratischen politischen System, einem ohne Dominanz durch Parteieliten und Konzerngeld, wären diese Leute nicht an der politischen Macht. Und das wissen sie. Lieber würden sie das gesamte System zum Einsturz bringen als ihre privilegierten Positionen aufgeben. Und ich befürchte, dass da geschehen wird. Der Gedanke, die Demokratische Partei sei ein Bollwerk gegen die Despotie, widerspricht den letzten drei Jahrzehnten ihrer politischen Aktivität. Sie ist ein Garant für die Diktatur.

Trump hat den Hass angezapft, den große Teile der amerikanischen Öffentlichkeit für das politische und wirtschaftliche System hegen, das sie betrogen hat. Er mag unfähig sein, degeneriert, unehrlich und selbstverliebt, aber er hat geschickt das System lächerlich gemacht, das sie verachten. Seine kruden und herabsetzenden Angriffe gegen Regierungsbehörden, gegen die Gesetze und die etablierten Eliten finden bei jenen Menschen Widerhall, für die diese Behörden, Gesetze und Eliten zu feindlichen Mächten geworden sind. Und für viele Menschen, die in der politischen Landschaft keine Verbesserung für ihr Leid sehen, sind Trumps Grausamkeiten und Schmähungen zumindest reinigend.

Trump hat wie alle Despoten keinen moralischen Kern. Er wählt seine Verbündeten und Ernennungen nach deren persönlicher Loyalität und ihrer Unterwürfigkeit ihm gegenüber. Er wird an jedem Verrat begehen. Er ist korrupt und scheffelt für sich selbst Geld – allein mit seinem Hotel in Washington D.C. hat er letztes Jahr $40 Millionen gemacht – und für seine Verbündeten in den Konzernen. Er zerlegt Regierungsinstitutionen, die einst etwas Regulierung und Aufsicht ausgeübt haben. Er ist ein Feind der offenen Gesellschaft. Das macht ihn gefährlich. Sein Rundumschlag gegen die letzten Bastionen demokratischer Institutionen und Normen wird dazu führen, dass es in Kürze keinen Schutz mehr gegen den Totalitarismus der Konzerne geben wird, nicht einmal dem Namen nach.

Aber die Warnungen der Architekten unserer gescheiterten Demokratie gegen den schleichenden Faschismus, darunter Madeleine Albright, sie sind lachhaft. Sie zeigen, wie abgehoben die Eliten mittlerweile vom Zeitgeist sind. Keine dieser Eliten besitzt Glaubwürdigkeit. Sie haben das Gebäude der Lügen, der Täuschung und Konzernplünderung errichtet, das Trump möglich gemacht hat. Und je mehr Trump über diese Eliten herzieht, und je mehr sie wie Kassandras rumschreien, desto mehr rettet er seine katastrophale Präsidentschaft und desto mehr erlaubt er den Kleptokraten die Plünderung des Landes, das sich allmählich zerlegt.

Die Presse ist einer der Hauptpfeiler von Trumps Despotismus. Sie plappern ständig wie Hofleute des 18 Jahrhunderts am Hof von Versailles über die Schwächen des Monarchen, während den Bauern das Brot fehlt. Sie brummen in einer Tour ständig über so belanglose Themen wie russische Einmischung oder die Schweigegelder für eine Pornodarstellerin, die überhaupt nichts mit der tagtäglichen Hölle zu tun haben, die für viele Amerikaner das Leben ausmacht. Sie weigern sich, den Missbrauch der Konzernmacht zu kritisieren oder zu untersuchen, der unsere Demokratie und Wirtschaft zerstört und den größten Transfer an Reichtum nach oben in der Geschichte Amerikas ermöglicht hat. Die Konzernpresse ist ein verkommenes Relikt, die im Austausch für Geld und Zugang kulturellen Selbstmord begangen hat. Und wenn Trump sie wegen „Fake News“ angreift, dann drückt er damit den tiefen Hass all jener aus, die von der Presse ignoriert werden. Die Presse verehrt den Götzen Mammon genauso sklavisch wie Trump. Sie liebt die Reality Show Präsidentschaft. Die Presse, vor allem die Kabel-Nachrichtensender, halten die Scheinwerfer drauf und lassen die Kameras an, damit das Publikum sich an die neuzeitliche Version des „Das Kabinett des Dr. Caligari“ heftet. (Anm.d.Ü.: Seehofer und Merkel lassen grüßen!) Das ist gut für die Einschaltquoten. Das ist gut für die Gewinne. Aber es beschleunigt den Niedergang.

Und das Ganze wird sich bald mit einem finanziellen Kollaps vermischen. Die Wall Street Banken haben seit der Finanzkrise 2008 von der Federal Reserve und vom Kongress einen Rettungsschirm in Höhe von $16 Billionen erhalten, mit nahezu Null Prozent Zinsen. Sie haben dieses Geld – und das gesparte Geld durch die Steuererleichterungen letztes Jahr – dazu verwendet, Aktienrückkäufe zu tätigen, die Gehälter und Boni ihrer Manager zu erhöhen und die Gesellschaft noch tiefer in eine unhaltbare Verschuldung zu treiben. Allein Sheldon Adelsons Casino-Geschäft hat durch die Steuergesetze 2017 $670 Millionen gespart. Das Verhältnis eines Vorstandsgehalts zu einem durchschnittlichen Arbeiter beträgt jetzt 339:1, und der höchste Unterschied liegt bei 5.000:1. Diesen Geldkreislauf zum Machen und Horten von Geld nannte Karl Marx „fiktives Kapital“. Die ständige Zunahme der Staatsschulden, der Konzernschulden, der Kreditkartenschulden und der Studienkredite wird laut Nomi Prins letztendlich „zu einer entscheidenden Wende führen – wenn das Geld, das zur Verfügung steht oder geborgt wird, ganz einfach die Zinszahlungen nicht mehr deckt. Dann werden Schuldenblasen platzen, beginnend bei den Anleihen mit den höchsten Renditen.“

Eine Wirtschaft die sich bei ihrem Wachstum auf Schulden verlässt, führt dazu, dass unsere Zinsen auf 28 Prozent hochschnellen, wenn wir bei unseren Kreditkartenzahlungen in Verzug geraten. Es führt dazu, dass unsere Löhne der Kaufkraft nach stagnieren oder schrumpfen – wenn wir ein ausreichendes Einkommen hätten, dann müssten wir uns zum Überleben kein Geld leihen. Aus diesem Grund sind die Universitätsausbildung, die Mieten, die Arztrechnungen und die Nebenkosten so teuer. Das System ist so angelegt, dass wir uns nie aus unseren Schulden befreien können.

Der nächste finanzielle Crash wird jedoch nicht wie der letzte sein, so beschreibt Prins in ihrem Buch „Verschwörung: Wie Zentralbanker die Welt manipuliert haben“. Und zwar deshalb, weil es, wie sie sagt, „keinen Plan B gibt“. Die Zinsen können nicht tiefer sinken. In der Realwirtschaft gab es kein Wachstum. Das nächste Mal gibt es keinen Fluchtweg. Sobald die Wirtschaft zusammenbricht und die Wut im ganzen Land in einem Feuersturm explodiert, werden die politischen Freaks auftauchen und sie werden Trump klug und freundlich aussehen lassen.

Also, was muss getan werden? – um Wladimir Lenin zu zitieren.

Wir müssen unsere Energie in den Aufbau paralleler, populärer Institutionen stecken, um uns zu schützen und der Macht eine Gegenmacht entgegensetzen. Diese parallelen Institutionen, einschließlich Gewerkschaften, kommunalen Entwicklungsorganisationen, örtlichen Währungen, alternativen politischen Parteien und Lebensmittelkooperativen, sie müssen Stadt für Stadt aufgebaut werden. Die Eliten werden sich in stürmischen Zeiten in ihre bewachten Anwesen zurückziehen und wir müssen uns selbst um uns kümmern. Basisdienstleistungen von der Müllabfuhr bis zum öffentlichen Verkehr, Lebensmittelverteilung und Gesundheitswesen werden zusammenbrechen. Massive Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, die zu sozialen Unruhen führen, werden nicht mit staatlichen Beschäftigungsprogrammen angegangen werden, sondern mit der Brutalität einer militarisierten Polizei und einem völligen Aufheben der Bürgerrechte. Kritiker des Systems, die eh schon an den Rand gedrängt wurden, sie werden zum Schweigen gebracht und als Staatsfeinde angegriffen werden. Die letzten Spuren von Gewerkschaften werden gezielt ausgelöscht werden, ein Vorgang, der sich bald beschleunigen wird, wenn man die bevorstehende Entscheidung vor dem Obersten Gericht bedenkt, die die Fähigkeit der Gewerkschaften des öffentlichen Sektors, Arbeitnehmer zu vertreten, lähmen wird. Der Dollar wird nicht länger die Weltleitwährung sein, was zu einer heftigen Abwertung führen wird. Banken werden schließen. Die globale Erwärmung wird immer kostspieliger werden, insbesondere für die Bewohner an den Küsten, für die Farmer und die Infrastruktur. Kosten, die die ausgelaugten Bundesstaaten nicht mehr aufbringen werden. Die Konzernpresse wird, so wie die herrschenden Eliten, von einer Parodie ins Absurde abgleiten, die Rhetorik wird so offensichtlich fiktiv werden, dass sie, so wie in allen totalitären Staaten, von jeder Realität befreit ist. Die Medienfabrikate werden so albern klingen wie Trump. Und „auf den Straßen werden die kleinen Kinder sterben“, um W.H. Auden zu zitieren.

Ich habe als Auslandskorrespondent über einstürzende Gesellschaften berichtet, unter anderem aus dem früheren Jugoslawien. Jede dem Untergang geweihte Bevölkerung kann unmöglich abschätzen, wie zerbrechlich ein heruntergekommenes finanzielles, soziales und politisches System kurz vor der Implosion ist. Alle Boten des Zusammenbruchs sind sichtbar: zerbröselnde Infrastruktur; chronische Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit; der hemmungslose Einsatz tödlicher Gewalt durch die Polizei, politische Lähmung und Stagnation; eine Wirtschaft, die auf einem Gerüst aus Schulden aufgebaut ist; nihilistische Massenschießereien in Schulen, Universitäten, Arbeitsplätzen, Einkaufszentren, Konzerten und Kinos; ein Opiatmissbrauch, der jährlich etwa 64.000 Menschenleben kostet; eine Selbstmord-Epidemie; eine nicht aufrecht zu haltende militärische Expansion; Spielsucht als verzweifeltes Mittel zum wirtschaftlichen Vorankommen und als Regierungseinnahmen; die Machtübernahme durch eine winzige und korrupte Clique; Zensur; die physische Verwahrlosung öffentlicher Einrichtungen wie Schulen und Büchereien bis zu Gerichten und medizinischen Einrichtungen; das unablässige Bombardement durch elektronische Halluzinationen, um uns vom deprimierenden Anblick ablenkt, was aus Amerika geworden ist und uns in einer Illusion gefangen hält. Wir leiden unter dem üblichen Krankheitsbild eines bevorstehenden Todes. Ich wäre froh wenn ich falsch liege. Aber ich habe es schon erlebt. Ich kenne die Warnzeichen. Ich kann nur sagen: Bereitet euch vor.

https://www.truthdig.com/articles/the-coming-collapse/

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/der-kommende-zusammenbruch/

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Der kommende Zusammenbruch

  1. Eine großartige, wirkungsvolle Sprache. Warum kenne ich keinen Deutschen, der so schreiben kann?

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    Verfasst von Frittfratt | 5. Juli 2018, 13:24

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