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Theorie, Wirtschaft

Rosa Luxemburgs „Die Schlussperiode des Kapitalismus“

von Norbert Nelte

Rosa Luxemburg beschreibt am ausdruckreichsten, präziser und intensiver das Ende des Kapitalismus aller Marxisten.

Bei Karl Marx ist es ein sanftes Einschlummern. Er schreibt im 3. Band »Die Profitrate, d.h. der verhältnismäßige Kapitalzuwachs ist vor allem wichtig für alle neuen, sich selbständig gruppierenden Kapitalableger. Und sobald die Kapitalbildung ausschließlich in die Hände einiger wenigen, fertigen Großkapitale fiele, für die die Masse des Profits die Rate aufwiegt, wäre überhaupt das belebende Feuer der Produktion erloschen. Sie würde einschlummern.«
Karl Marx, „Das Kapital,“ Bd. 3, Seite 269

Oder er erwähnt es im Manifest mit Friedrich Engels, aber nur mit den Notwendigkeiten für das Kapitalismus, den Rast, da muss man selber die Schlussfolgerung ziehen. Wir haben erschrocken festgestellt, dass fast alle Marxisten, auch viele Erfahrenen diese Schlussfolgerung nicht gezogen haben und daher eigentlich auch den ganzen Marxismus gar nicht verstehen können. Ohne das Gesetz des Falls der Profitrate verstanden zu haben, kann man den ganzen Marxismus gar nicht verstehen. Die Formel m/v+c zu verstehen, ist bei Marx eine unbedingte Vorraussetzung und genau so wichtig, wie bei Albert Einstein die Formel E=mc2. zu verstehen..

Marx und Engels fragen:

Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; anderseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte. Wodurch also? Dadurch, dass sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.“

(Karl Marx und Friedrich Engels, Kommunistischen Manifest, MEW , Band 4, S.468)

Nachdem die marxistische Theorie ausgearbeitet war, konnte Rosa Luxemburg 1913 dann natürlich in die Details gehen. Sie beschreibt in den Absätzen des Kapitels Der Kampf gegen die Bauernwirtschaft das Endresultat des Verhältnisses von Kapitalismus und Naturalwirtschaft.

„Wenn der Kapitalismus also von nichtkapitalistischen Formationen lebt, so lebt er, genauer gesprochen, von dem Ruin dieser Formationen, und wenn er des nichtkapitalistischen Milieus zur Akkumulation unbedingt bedarf, so braucht er es als Nährboden, auf dessen Kosten, durch dessen Aufsaugung die Akkumulation sich vollzieht.“

„Wenn der Kapitalismus also von nichtkapitalistischen Formationen lebt, so lebt er, genauer gesprochen, von dem Ruin dieser Formationen, und wenn er des nichtkapitalistischen Milieus zur Akkumulation unbedingt bedarf, so braucht er es als Nährboden, auf dessen Kosten, durch dessen Aufsaugung die Akkumulation sich vollzieht.“

Wegen der Konkurrenz muss der Kapitalist jährlich um mehr als 3% rationalisieren, sonst geht er unter. Wenn er die Arbeiter nicht auf die Straße setzen soll, muss er jährlich um 3% wachsen. Das macht er, indem er die nichtkapitalistischen Sphären erobert. Wenn alle erobert sind, beginnt der Endkampf. Nun ist die Erde rund, also mit Ende und alles, kapitalisiert. Luxemburg schreibt:

„Die Realisierung und Kapitalisierung des Mehrwerts verwandelt sich in eine unlösbare Aufgabe. In dem Moment, wo das Marxsche Schema der erweiterten Reproduktion der Wirklichkeit entspricht, zeigt es den Ausgang, die historische Schranke der Akkumulationsbewegung an, also das Ende der kapitalistischen Produktion.

Die Unmöglichkeit der Akkumulation bedeutet kapitalistisch die Unmöglichkeit der weiteren Entfaltung der Produktivkräfte und damit die objektive geschichtliche Notwendigkeit des Untergangs des Kapitalismus. Daraus ergibt sich die widerspruchsvolle Bewegung der letzten, imperialistischen Phase als der Schlussperiode in der geschichtlichen Laufbahn des Kapitals.“

Sie ist davon überzeugt, dass dieser Endpunkt nur eine theoretische Überlegung sei, deshalb fiktiv bleiben wird. In ihrer Zeit hat eben noch Jederman und Jedefrau gewusst, dass die Alternative zum Kapitalismus Räterepublik heißt und basisdemokratisch ist.

„Das Marxsche Schema der Akkumulation ist nur der theoretische Ausdruck für denjenigen Moment, wo die Kapitalsherrschaft ihre letzte Schranke erreicht haben wird, und insofern ist es ebenso wissenschaftliche Fiktion wie sein Schema der einfachen Reproduktion, das den Ausgangspunkt der kapitalistischen Produktion theoretisch formuliert. Aber zwischen diesen beiden Fiktionen allein ist die exakte Erkenntnis der Kapitalakkumulation und ihrer Gesetze eingeschlossen.“

Sie konnte sich überhaupt Zurecht nicht vorstellen. Dass die Arbeiterklasse trotz all dem Elend und pausenloser Kriege die basisdmokratische Räterepublik nicht will. Zu ihrer Zeit gab es überall Arbeiterräte. Da war der Marxismus in allen Köpfen drin.

Nach der gründlichen Arbeit höchstwahrscheinlich des CIAs und seiner unbewussten Helfer bei den Stalinisten überall ist die Hoffnung auf eine Räterepublik tot. Alle Arbeiter sagen, nee. Diktatur wollen wir nicht mehr. Mausetot.

Aber, glücklicherweise funktioniert Marxismus für den Endfall auch anders. Wenn die Kapitalisten aus dem Betrieb keine Profite mehr rausziehen können, setzen sie sich wie in Argentinien 2001 oft in das Ausland ab. Nun sind die Kollegen selber gezwungen, auch gegen iure Überzeung, wenn es keinerlei Arbeitsalternativen mehr gibt, ihren Betrieb zu besetzen, wollen sie ihre Arbeit behalten. Das ist dann der erste Schritt zum Sozialismus.

Besser wäre es natürlich, vorher eine Revolution durchzuführen, will man all die Opfer eines Supercrashs vermeiden. Und der wird kommen, hier nur die letzten Meldungen:

ESM-Chef Regling: Nächste Finanzkrise wird kommen 9.5.18 Insider

Riskante Dollar-Stärke, Bond-Markt nervös: Globale Schuldenkrise kehrt zurück15.5.18

Weltwirtschaft: Wachstum in exportstarken Ländern geht zurück 16.11.18

Vorbild Asienkrise, US-Zinswende könnte globale Schuldenkrise auslösen 19.5.18

Der endgültige „Point of no Return“ in der Produktion ist im Anmarsch 19-5.18 Video

Eggon von Greyerz; 3 Milliarden Menschen weniger durch Armut, Krankheit und Krieg? 31.5.18 Insider

Die Finanzkrise ist zurück 2,.7.18

Düstere Warnung: Panik an den Finanzmärkten 4.6.18

James Rickards: Eine Rezession steht bevor – und die Fed kann sie nicht aufhalten 15.6.18 Insider

Die Weltschulden werden immer größer, die Derivate immer umfangreicher,  die Börsenkurse immer höher gegenüber dem realen Wert des Konzerns. Seit 2008 ist die Weltwirtschaft nur noch Bergab. Alle Staaten versuchen das mit der A bgabe einer zu niedrigen Inflation zu verbergen. Über den BIP-Deflator errechnen sie dann auch das BIP schön ins Plus. (Siehe: Börsenguru Prof. Max Otte bestätigt indirekt, die Wirtschaft geht bei uns im Rückwärtsgang.)

In den US-Staat schwindet auch das Vertrauen zusehends. Die Differenz zwischen der 5jährigen und der 2jährigen beträgt hur noch 0,24%. Bei 0 ist Schluss.

Wir sind schon weit drin in der fiktiven Welt. Alarmstufe Gelb:. Zu allem Unglück kommt jetzt noch, dass die EZB ihre Anleihkäufe einstellen will.  EZB will Anleihen-Käufe im Dezember beenden Deutsche Wirtschafts Nachrichten 14.06.18 Wenn das umgesetzt wird, ohje.

Der kommende Supercrash wird nicht zum Lachen sein. Am 1. Tag, ab  dem er feststeht, werden die Supermärkte leer geräumt sein. Nun ziehen die Vandalenheere über das Land. Bürgerkriege zwischen den rechten Deutschen und der CIA-Geheimarmee ISIS und ihrer Anhänger entflammen, eine Hyperinflation entsteht. Ich hoffe, dass die Großstädte dann mit Notgeld und Lebensmittelmarken dann einigermaßen die Ordnung aufrechterhalten werden. Sie, denke ich, werden am sichersten sein. Natürlich, noch sicherer sind die Gegenden, wo man überhaupt nicht mit dem Auto hinkommt.

Nach Karl Marx „Einschlummern“ hört sich das alles nicht an. Eher nach Rosa Luxemburgs „Katastrophen und Todeszuckungen“. Diese Differenz resultiert letztlich aus Marx falscher Einschätzung im 2. Band des Kapitals bei der erweiterten Reproduktion, dass der Überschuss immer im Produktionsmittelsektor auftaucht.

Er abstrahierte sogar so bei der erweiterten Reproduktion, dass die Profitrate immer fest bei 20% und das Verhältnis von c – v und m immer gleich blieb. Diese Fehleinschätzung ist natürlich nur dem Notizcharakter geschuldet und er keine Zeit mehr fand. Dieses Buch auch auszuarbeiten, dann wären ihm die Differenzen zu dem 3. Band aufgefallen

Sein früher Tod mit jugendlichen 65 Jahren war das Problem. Er hat eben zu viel geraucht. Aber irgendeine Art der Entspannung braucht jeder Mensch.

Rosa Luxemburg dagegen betonte richtig in ihrem Buch „Die Akkumulation des Kapitals“, dass der Überschuss immer im Konsumsektor auftritt. Dieser Überschuss ist natürlich immer auf den Produktionsmittelsektor zu übertragen.

Nun gab Tony Cliff in seiner Biografie „Studie über Rosa Luxemburg“, Kapitel VIII. Die Akkumulation des Kapitals“ nur den Fehler von Marx, dass dieser die Verhältnisse von c-v-m immer gleich ließ, korrigiert und einen Übertrag einrechnete. Er ließ aber die Sektoren zueinander und kommt daher auf den gleichen Fehler wie Marx. Nun hat John Peter Nettl in seiner Biographie über Rosa Luxemburg sich auf Tony Cliff bezogen und diesen Fehler weiter verbreitet. So glaubt die ganze Linke in der ganzen Welt, Marx hatte recht und Luxemburg lag falsch.

Wenn man aber c und m immer weiter auseinander gehen und die Sektoren auch, dann tritt der Überschuss immer im Konsumsektor auf, immer. (Exel-Tabelle anklicken und zu Tabelle 3  gehen.

Also hatte Rosa Luxemburg Recht und Marx lag da falsch. Dann sinkt auch die Profitrate gegen Null, wie er das im 3. Band richtig analysierte.

Wenn aber die Investitionen weltweit stärker sinken als die Löhne, also die Entwicklung rückwärts verläuft, dann tritt der Überschuss im Produktionsmittelsektor auf und kann nicht mehr zu übertragen werden, bei jedem verlorenen Arbeitsplatz im Produktionsmittelsektor gehen 5 weitere verloren. Die Volkwirtschaften weltweit brechen ein.

Und dass kommt jetzt wie das Amen in der Kirche. Die Investitionen in Deutschland und Japan werden schon zurück gefahren. Da kommt der Rest Ende nächsten Jahres. Dann wird es dunkel. Die radikale Linke glaubt eben immer noch an das sanfte Einschlummern und ist vielleicht schon von den sanften Sirenengesänge der Frau Dr. Merkel eingeschlummert

Rosa Luxemburg zeichnet der Katastrophen

»Je gewalttätiger das Kapital vermittelst des Militarismus draußen in der Welt wie bei sich daheim mit der Existenz nichtkapitalistischer Schichten aufräumt und die Existenzbedingungen aller arbeitenden Schichten herabdrückt, um so mehr verwandelt sich die Tagesgeschichte der Kapitalakkumulation auf der Weltbühne in eine fortlaufende Kette politischer und sozialer Katastrophen und Konvulsionen, die zusammen mit den periodischen wirtschaftlichen Katastrophen in Gestalt der Krisen die Fortsetzung der Akkumulation zur Unmöglichkeit, die Rebellion der internationalen Arbeiterklasse gegen die Kapitalsherrschaft zur Notwendigkeit machen werden, selbst ehe sie noch ökonomisch auf ihre natürliche selbstgeschaffene Schranke gestoßen ist.«

Rosa Luxemburg: „Die Akkumulation des Kapitals”, S. 410

Sie zeigt aber auch in der Antikritik, dass dieser Reifungsgrad schon in der Schlussphase des Kapitalismus, dem Imperialismus, nach der Verengung der Märkte ganz schnell kommen werde: „Schon die Tendenz zu diesem Endziel der kapitalistischen  Entwicklung äußert  sich  in  Formen,  die  die Schlussphase des  Kapitalismus  zu  einer Periode  der  Katastrophen  gestalten.“

Rosa Luxemburg: Antikritik, S. 361, PDF 219 (Demnächst in Marxismus Bilderbuch)

Sie sagt also, dass dieser Zusammenbuch schon vor dem rechnerischen Ende mit Katastrophen kommt. Und dieses rechnerische Ende ist jetzt, da die durchschnittliche Profitrate in der Produktion schon weit unter dem Finanzmarktzins gefallen ist.

Ihr Biograph Paul Fröhlich zitiert aus dem Gedächtnis ihre immer „wiederholte Betonung der Schlussphase“:

»Verschiedene der Kritiker, und besonders Bucharin, glaubten, einen wirksamen Trumpf gegen Rosa Luxemburg auszuspielen, indem sie auf die gewaltigen Möglichkeiten der kapitalistischen Ausbreitung in den nichtkapitalistischen Raum hinwies. Die Schöpferin der Akkumulationstheorie hat diesem Argument bereits die Spitze abgebrochen durch die wiederholte Betonung, der Kapitalismus müsse in Todeszuckungen geraten, längst bevor die ihm immanente Tendenz auf Erweiterung des Marktes auf die objektive Schranke gestoßen sei,«

Paul Frölich: „Rosa Luxemburg, Gedanke und Tat“, Frankfurt 1967, S. 198

 

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Diskussionen

4 Gedanken zu “Rosa Luxemburgs „Die Schlussperiode des Kapitalismus“

  1. 1.der Übergang zu einer neuen Gesellschaft kommt vermutlich dann , wenn nur noch 5% der menschen zur Produktion aller Güter nötig sind und noch ca. 15 % für sonstige Aufgaben wie Lehre, Altenbetreuung, Soziales u. somit 80 % der Bevölkerung nicht mehr gebraucht werden (entwickl.der Produktivkräfte treffen auf schranken des systems )-dann hilft nur noch radikale arbeitszeitverkürzung oder Grundeinkommen für die 80 %(=entspricht auch Marx, der vorhersagte, die neue Gesellschaft kommt nach der Logik zuerst dort, wo die Produktivkräfte am weitesten entwickelt sind

    2.Mit dem argentinischen Modell wäre ich vorsichtig, denn die Kapitalisten können ja jederzeit wiederkommen u. sich die Fabriken aneignen , die gehören wohl doch noch ihnen ?Bei Bedarf wird der kapital. staat die arbeiter wieder enteignen

    3. Solange es noch Aldi +Harz gibt, gibts wohl keine Revolution

    4,ein grosser Nachteil bzw Versäumnis von Marx/engels : jahrzehnte haben sie den Kapitalismus in allen Facetten analysiert, aber a.) so gut wie nichts über den sozialismus geschrieben- wie soll das soz. Wirtschaftsmodell genau aussehen? Wie die demokrat. Entscheidungen ?-1917 mussten die Bolschewiki praktisch mit try- and- error- Prinzip eine neue Gesellschaft basteln. auch konnten die Klassiker selbst nich sagen, wann der Kapitalismus endet….(Lenin : imperialismus als höchstes Stadium des Kap.- nicht als letztes, Ist vieleicht in Wahrheit das letzte Stadium der Faschismus?

    5. seit Lenin und Trotzki entsand eine riesen theoretische Lücke , vor allem was den sozialismus und die Planwirtschaft betrifft, das untaugliche und ineffiziente DDR-Sowjetunion-Model wurde nicht weiterentwickelt(theoretisch)…in zukunft kann durch die rasante Technik-entwicklung (internet, software und Roboter ) eine neue Planwirtschaft möglich sein , aber es gibt keine Theoretiker, die sich damit befassen

    6. Linke beobachten zu 95 % nur die Degenerationsprozesse des Kap. , wofür sie nicht so viel Zeit verschwenden sollten, da er sich ja laut Theorie sowieso selbst zerstört.sie sollten sich viel mehr mit der Zukunft danach befassen und den Übergangsprozessen

    7. auch mit dem Thema Arbeitsproduktivität sollte man sich mal befassen- die war ja nach Marx in jeder neuen Gesellschaft höher als in der alten, -Trifft das auch auf den Sozialismus zu ?, beim 70-Jahre Realsozialismus hat es jedenfalls nicht geklappt, was eine Hauptursache seines Untergangs war.Nur in absoluten Krisenzeiten des Kapitalismus war wohl die produktivität im Soz. höher (30er Jahre , 70er ? )

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    Verfasst von tom | 20. Juni 2018, 11:00
    • Nur zu Punkt 7.: fragt es sich nicht auch, ob angesichts der unvermeidlich begrenzten natürlichen Ressourcen der Erde eine permanent erhöhte Arbeitsproduktivität als Basis von absoluter Produktionssteigerung überhaupt ein sinnvolles Ziel ist. Wenn z.B. schon heute zumindest in den Industrieländern ein Großteil der produzierten Nahrungsmittel fortgeworfen statt verzehrt werden, heißt das dann nicht, dass zu viel produziert wird, ein Ausbau der industriellen Landwirtschaft also gar keinen Sinn (außer für den Profit von Agrarkonzernen) macht? Oder dient z.B. die Produktion permanent neuer Smartphones wirklich der umfassenden Emanzipation des Menschen? Der „Realsozialismus“ ist zweifellos nicht zuletzt auch am Produktivitätsrückstand gegenüber dem Privatkapitalismus eingegangen; aber wurde dieser nicht primär als Mangel empfunden, weil ein Großteil der Bürger dieser Länder eben kein sozialistisches Bewusstsein hatte (sie haben schließlich weder gehungert noch auf der Straße gelebt oder in ihren Wohnungen gefroren, durchaus aber oft mehr Kulturangebote und Gemeinschaftlichkeit gehabt). Dass diese Bürger „so drauf waren“ kann kaum verwundern, wenn man bedenkt, dass sie, d.h. im Wesentlich die Arbeiterklasse, sich bis auf die kurze Zeit der Oktoberrevolution nirgendwo selbst befreit hat, sondern von der Armee des seit langem degenerierten ex-Arbeiterstaates UdSSR zwar vom deutschen Faschismus sonst aber von fast nichts befreit wurde.

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      Verfasst von A.Holberg | 24. Juni 2018, 19:14
  2. Es sollte immer die erste Frage eines Kommentators sein, ob sich eine Antwort zu dem Gelesenen lohnt. Denn vermutlich werden nicht allzu viele den Beitrag von Nelte lesen. Aber es gibt darin einige grundsätzliche Fragen, die mir für die Bewusstseinsbildung wichtig erscheinen.
    Nelte schöpft seine Prognosen aus Werken, die schon über hundert Jahre alt sind. Das ist gewagt, bedenkt man, wie sehr sich die Welt in dieser Zeit verändert hat. Viele Ereignisse und Entwicklungen waren zudem damals noch gar nicht vorhersehbar wie beispielsweise der Faschismus, der einen enormen Einschnitt in der Menschheitsentwicklung bedeutete. Er erschütterte nicht nur das von der Aufklärung geprägte Menschenbild sondern auch die Vorstellungen von Marxisten über die gesellschaftliche Entwicklung. Bis zum Faschismus schien das Ende des Kapitalismus unausweichlich und der Sieg des Sozialismus als selbstverständlich. Auch bei Nelte klingt dieser Automatismus immer wieder an, obwohl er, anders als die Klassiker des Marxismus, vom Faschismus als einer historische Tatsache wissen müsste. Der Sieg des Sozialismus ist keine Selbstverständlichkeit, was auch schon Marx andeutete, wenn der von der Alternative von Sozialismus oder Barbarei sprach. Und der Faschismus war der erste Blick in den Abgrund der Barbarei. Es ist deshalb fahrlässig, auch wenn es vielleicht den Eindruck von Optimismus erweckt, so zu tun, als wäre der Untergang des Kapitalismus eine Unausweichlichkeit.

    Es ist auch ein Denkfehler zu glauben, dass der Untergang des Kapitalismus in seiner derzeit herrschenden Form die Voraussetzung ist für das Entstehen einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft.
    Zumal die apokalyptischen Prognosen, die Nelte hier entwirft, mehr dem Reich der Phantasie entstammen, als dass sie sich auf materialistische Analyse stützen:
    „Der kommende Supercrash wird nicht zum Lachen sein. Am 1. Tag, ab dem er feststeht, werden die Supermärkte leer geräumt sein. Nun ziehen die Vandalenheere über das Land. Bürgerkriege zwischen den rechten Deutschen und der CIA-Geheimarmee ISIS und ihrer Anhänger entflammen, eine Hyperinflation entsteht. Ich hoffe, dass die Großstädte dann mit Notgeld und Lebensmittelmarken dann einigermaßen die Ordnung aufrechterhalten werden. Sie, denke ich, werden am sichersten sein. Natürlich, noch sicherer sind die Gegenden, wo man überhaupt nicht mit dem Auto hinkommt“.
    Und weiter:
    „Aber, glücklicherweise funktioniert Marxismus für den Endfall auch anders. Wenn die Kapitalisten aus dem Betrieb keine Profite mehr rausziehen können, setzen sie sich wie in Argentinien 2001 oft in das Ausland ab. Nun sind die Kollegen selber gezwungen, auch gegen iure Überzeung, wenn es keinerlei Arbeitsalternativen mehr gibt, ihren Betrieb zu besetzen, wollen sie ihre Arbeit behalten. Das ist dann der erste Schritt zum Sozialismus.“

    Da ist jeder Satz fragwürdig und könnte Thema für weitere Auseinandersetzungen sein. Da sich all das aber im Bereich der Spekulation bewegt, soll hier darauf verzichtet werden.
    Der Untergang des Kapitalismus, den Nelte oben glaubt vorauszeichnen zu können, bedeutet, wenn er denn so stattfände, nicht das Ende des Kapitalismus. Es wäre zuerst einmal nur des Ende des Kapitalismus in der bisher gekannten Form. Auch danach würde wieder Kapitalismus entstehen, so wie nach dem Ende der Weimarer Republik der Kapitalismus weiterlebte in der Form des Faschismus und nach dem Faschismus in der Form der sozialen Marktwirschaft. Denn kein Gesellschaftssystem bricht alleine dadurch zusammen, dass es in seiner bisherigen Form nicht mehr weiter funktioniert. Es bricht nur dann zusammen, wenn die Menschen oder die Menschheit allgemein, dieses Gesellschaftssystem als überholt ablehnen und ersetzen durch ein neues. Das ist aber dann nicht alleine Ergebnis von Rechenoperationen, wie Nelte in Bezug auf die Marx’schen Gleichungen und den Fall der Profitrate glauben machen will. Das ist dann auch nicht Ergebnis apokalyptischer Horrorvisionen, sondern letztlich Ergebnis eines veränderten Bewusstseins eines überwiegenden Teils der Menschheit oder des Teils der Menschheit, der von seiner gesellschaftlichen Entwicklung bereits am weitesten vorangeschritten ist. Das wäre auf dem aktuellen Stand der Menschheitsentwicklung die Bevölkerung der entwickelten kapitalistischen Länder. Aber ohne diesen Schritt der Bewusstmachung wird es nicht vorangehen. Und OHNE die Erkenntnis der Menschheit, dass der Kapitalismus ihren Bedürfnissen nicht mehr gerecht wird, wird sie sich weiterhin im Hamsterrad der Gesellschaftsformen abstrampeln, dessen Achse, um die sich alles dreht, weiterhin der Kapitalismus ist.

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    Verfasst von Rüdiger Rauls | 19. Juni 2018, 23:17
    • @Rüdiger -genau, volle Zustimmung … und das menschliche Bewusstsein entwickelt sich ja auch meist nach dem Inhalt der Geldbörse…erst wenn da nichts mehr drin ist, setzen Denkprozesse ein …
      siehe Punkt1 meines kommentars- dies könnte den von dir beschriebenen Bewusstseins-Wandel bringen, falls der Kapitalismus darauf keinerlei progressive Antwort hat (die reaktionäre Antwort wäre, die 80 % des Volkes sich selbst zu überlassen , verhungern zu lassen u. dikatorisch niederzuhalten oder in Kriege schicken)

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      Verfasst von tom | 20. Juni 2018, 11:10

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