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Inland, Veranstaltungen

Wunschdenken über Commons bzw. „Commonismus“, Basisdemokratie und „Vernetzung“

von Meinhard Creydt

„Es ist wie beim Polaroidfoto. Je mehr es sich entwickelt, umso schärfer werden die anfangs verschwommenen Umrisse. Je klarer das Bild, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen nicht gefällt, was Sie sehen“ (Judith Sills).

Der Vortrag „Der Kommunismus ist tot, es lebe der Commonismus“ am 8.4.2018, veranstaltet von einer Berliner Jour-Fixe-Initiative, fand vor gut 50 Teilnehmern statt, war klar gegliedert und gut verständlich. Der Referent, Jochen Klingner, ist seit 1970 in Berlin politisch engagiert. Er kultivierte nicht den Habitus des einschüchternden Meisterdenkers, sondern stellte Nähe zum Publikum her. Dieser Artikel vergegenwärtigt sowohl die Schwierigkeiten, die beim wishful thinking über Commons, Basisdemokratie und „Vernetzung“ unter den Tisch fallen, als auch  Herangehensweisen, die auf der Veranstaltung e x e m p l a r i s c h deutlich wurden. Es geht im Folgenden um die Veranstaltung insofern, als sie Probleme vergegenwärtigt, die in der Debatte zu diesen Themen häufig anzutreffen sind.

Der Referent teilte nicht die Vorstellung von einer substanziellen Veränderung der kapitalistischen Gesellschaft durch die Zunahme und Ausbreitung von Commons und betonte zu Recht, eine grundlegende gesellschaftliche Transformation (Überwindung des Kapitalismus) sei Bedingung der gesellschaftlichen Verallgemeinerung von Commons. Bei den Kontexten, die J. Klingner aufrief, um die Commons-Debatte in ihnen zu verorten, wurde allerhand von dem ungewichtet aufgezählt und beziehungslos nebeneinander gestellt, was in einem bestimmen linken Spektrums angesagt ist: Feministische Kritik, „Buen Vivir“, „Imperiale Lebensweise“, Unterschied zwischen Künstler- und Sozialkritik (Boltanski) und vieles anderes mehr. Auch nur ein Hinweis auf Probleme der jeweiligen Konzepte unterblieb auf der Veranstaltung– vgl. z. B. die Kritik (u. a. von Dieter Boris) am Konzept der „imperialen Lebensweise“.[1]

  1. Klingner zählte in einem weiteren Schritt von ihm für positiv befundene soziale Bewegungen auf und schlug vor, sie jeweils als Beispiel für Commons bzw. das Erkämpfen, das Entwickeln und die Pflege von Commons („Commoning“) aufzufassen. Die implizite These war: Commons sind der Nenner, auf den sich, wenn vielleicht nicht alle, aber doch die relevantesten begrüßenswerten Kämpfe bzw. sozialen Bewegungen bringen lassen. Genannt wurden die Berliner Hausbesetzer 1980/81, der Betrieb VioMe in Thessaloniki, der 2011 besetzt wurde, Chiapas, Rojava, Cecosesola in Venezuela und die selbstverwalteten Kooperativen in Argentinien. Hingewiesen wurde auch auf „buurtzorg“, eine selbstverwaltete Organisation für mobile Pflege in Holland. Vgl. http://www.buurtzorg-in-deutschland.org/buurtzorg/

Solche Beispiele und ihre positive Darstellung sind angesichts deprimierender politischer Stimmung erforderlich und hilfreich. Klingner wies zu Recht auf die – vorsichtig gesagt – begrenzte politische Wirkung von Projekten hin, wenn es ihnen vorrangig z. B. um das Interesse geht, durch eine Hausbesetzung in billigen und vergleichsweise großen Wohnungen leben zu können. Auf dieses – für sich genommen legitime – Interesse (an „schöner Wohnen“) begrenzten sich bspw. diejenigen Berliner Hausbesetzer, die bald auf eine „Verhandlungslösung“ für das einzelne Haus mit dem jeweiligen Vermieter einschwenkten. Andere inhaltliche Fragwürdigkeiten der positiv herangezogenen Beispiele wurden in der Veranstaltung nicht angesprochen. Vgl. z. B. die kritischen Fragen zum „Experiment Rojava“, die den rationalen Kern von Artikeln bilden, deren sonstige Positionen uns hier nicht interessieren müssen.[2] Die Schwierigkeiten der Zusammenarbeit von Kooperativen unter kapitalistischen Bedingungen lassen sich am Beispiel des Kooperativenverbunds Mondragon vergegenwärtigen. Bspw. sind 2008 zwei Kooperativen, die besonders hohen Gewinn erzielten, aus diesem Verbund ausgetreten und haben sich damit den Abgaben für andere, minder am Markt erfolgreiche Kooperativen (Querfinanzierung) entzogen. Auch davon war auf der Veranstaltung keine Rede.

  1. O. Wright (Reale Utopien. Frankf. M. 2017) beschreibt richtig die hier „akute“ Problematik: „Eine wesentliche Gefahr besteht … darin, dass das Studium solcher Beispiele in propandistisches Beifallklatschen abgleitet. Wenn radikale Kritiker des Kapitalismus verzweifelt nach empirischen Modellen zu suchen beginnen, die ihre Bestrebungen verkörpern, kann Wunschdenken über nüchterne Abschätzung triumphieren. Die entgegengesetzte Gefahr ist natürlich die des Zynismus. Durch die Widerlegung von Äußerungen eines naiven Enthusiasmus lässt sich unter Intellektuellen beträchtliche Anerkennung gewinnen: Wir brauchen also Darstellungen empirischer Fälle, die weder naiv noch zynisch sind“. Das Referat bildete die einfache Gegenposition zu bekannten zynischen Mentalitäten. Diese werden im linken Spektrum nicht zu knapp kultiviert in der bei weitem auflagenstärksten linken Monatszeitschrift „Konkret“, in der sog. „antideutschen“ Szene und beim (von anderen Linken notorisch unterschätzten) „Gegenstandpunkt“-Netzwerk. (Vgl. zu dessen Kritik M. Creydt: Der bürgerliche Materialismus und seine Gegenspieler. Interessenpolitik, Autonomie und linke Denkfallen. Hamburg 2015 VSA-Vlg.).[3]

An Commons begrüßte der Referent die „Basisdemokratie“ und beließ es bei einem vagen Positivbild von ihr, als ob es eine Antwort auf die Frage sei, wie es möglich werde, mit den bekannten Problemen der Basisdemokratie umzugehen.[4] J. Klingner redete von ihr, als sei sie der eben entdeckte ganz neue und zweifellose Schlüssel zur anstrebenswerten Zukunft. Skepsis gegenüber Commons existiert in der Bevölkerung auch infolge der Frage, mit welchen konkreten Regelungen tatsächlich erreicht werden kann, dass Gemeingüter nicht übernutzt werden oder sich Trittbrettfahrer an ihnen erfreuen, ohne selbst einen Beitrag für sie (zu ihrer Errichtung, Erhaltung, Reproduktion und Regeneration) zu leisten. Dieses Thema wurde auf der Veranstaltung nicht des Nachdenkens für wert befunden.

Auf die Frage, wie denn der bestimmte Zusammenhang zwischen den Commons im „Commonismus“ zu denken sei, brachte J. Klingner nach Basisdemokratie die zweite Leerformel ins Spiel: „Vernetzung“. Sie bildet keine Antwort auf die Frage, wie umgegangen werden kann mit Konflikten zwischen verschiedenen Commons (z. B. einem landwirtschaftlichen Projekt auf gutem Boden und einem landwirtschaftlichen Projekt auf schlechtem Boden). Was passiert, wenn bestimmte Handlungsweisen für ein Kollektiv wünschenswert sind, aber für andere negative externe Wirkungen zeitigen? Dem Referent zufolge dürften auch die Betriebe im sog. jugoslawischen Selbstverwaltungssozialismus als Commons gelten. Faktisch orientierten sie sich massiv an partikularen Vorteilen zulasten anderer Betriebe. Vgl. bereits die innerjugoslawische Debatte um den „Anarcholiberalismus selbst verwalteter Gruppen“ (Stojanovic).[5]

Aus dem Horizont einzelner Projekte oder Commons lassen sich nicht diejenigen Fragen klären, die sich auf gesamtgesellschaftlicher Ebene stellen. Sie betreffen die (hier nicht mit Anspruch auf Vollständigkeit notierten) Aufgaben einer nachkapitalistischen Wirtschaft:

  • wie können verschiedene Vorgänge, Güter, Arbeiten gemessen und zueinander ins Verhältnis gesetzt werden (K o m m e n s u r i e r u n g s p r o b l e m), ohne dass entsprechende Abstraktionen (z. B. durch Bepreisung) sich zum Nachteil der Qualität von Gütern und Arbeiten auswirken? (Vgl. die Debatte um Preise als unterkomplexe Informationskonzentrate.)
  • Wie wird das I n f o r m a t i o n s p r o b l e m gelöst? Entsprechende Fragen lauten: Wie lassen sich Informationen über Bedürfnisse, technische Neuerungen, Lagerbestände, Produktionspapazitäten u. ä. erlangen? Wie kommen diese Informationen dort an, wo sie gebraucht werden? Wie wird eine interkollektive Diffusion von Neuerungen und Erfahrungen (zwischen den verschiedenen Gruppen bzw. Belegschaften) möglich – im Unterschied zu Zurück- oder Geheimhaltung von Weitergabe von Informationen vor dem Hintergrund von Ressortdenken, Abteilungs- und Betriebsegoismus? Wie wird der strategische Umgang mit Informationen und Kompetenzen vermieden (Manipulation des Auftraggebers durch die Beauftragten. Letztere haben oft einen Informations- und Kompetenzvorsprung.)?
  • wie werden Ressourcen verschiedenen Bereichen, „Leistungsträgern“ und Aufgaben so zugeteilt, dass sowohl die gesellschaftlich effizientesten Effekte entstehen als auch Lösungen, die den gesellschaftlichen Wertvorstellungen möglichst weit entsprechen? (A l l o k a t i o n s p r o b l e m)
  • wie werden S t e u e r u n g s p r o b l e m e gelöst? Wie ist zu gewährleisten, dass Steuerungsimpulse dort ankommen, wo sie wirken sollen? Wie lassen sich bei Vorgaben nichtbeabsichtigte Effekte und sinnverkehrende Verfremdungen vermeiden? (Vgl. z. B. die im früheren „Ostblock“ notorische Verwendung des subventionierten Brotes als Viehfutter)
  • wie werden I n t e g r a t i o n s p r o b l e m e gelöst? Wie ist zu erreichen, dass die verschiedenen gesellschaftlichen Betriebe und Organisationen einander zuarbeiten, also gute Leistungen füreinander erbringen? Wie lässt sich die Kompatibilität der verschiedenen Wirtschaftsaktivitäten ermöglichen?

Auf einer anderen Ebene formuliert: Welchen Stellenwert werden Märkte in der nachkapitalistischen Gesellschaft haben? Wie geht sie mit dem Spannungsverhältnis zwischen dem Kommensurierungsproblem und der Orientierung an qualitativen Indikatoren um? Machen moderne Informations- und Kommunikationstechnologien Märkte tatsächlich unnötig? Wie verändern sich die Bilanzierung (vgl. z. B. Debatte um die „Gemeinwohlbilanz“) und welche Bedeutung hat das für die gesellschaftliche Steuerung der Wirtschaft? Was heißt ‚Treuhänderverhältnis’ bzw. ‚gegenseitige Repräsentation’? Was sind die Aufgaben der öffentlichen Beratung, Erwägung und Auseinandersetzung unter Bedingungen divergierender Interessen und Perspektiven? Vgl. zu diesen Fragen Überlegungen in: M. Creydt: 46 Fragen zur nachkapitalistischen Gesellschaft: Erfahrungen, Analysen, Vorschläge. Münster 2016. Verlag Westfälisches Dampfboot.[6]

Die Überschrift des Vortrags enthielt die Worte Kommunismus und Commonismus. Das deutet darauf hin, dass es sich bei Commonismus um eine nachkapitalistische Gesellschaftsordnung handelt. Mit ihr stellen sich andere Aufgaben als für Assoziationen von Kooperativen innerhalb des Kapitalismus. Linke haben schon immer gern die Koordination und Planung in kapitalistischen Konzernen zwischen verschiedenen Betrieben des selben Konzerns als Beleg bemüht für folgende These: Was im Konzern bereits funktioniere (Koordination und Planung), sei auch in der gesamten Gesellschaft möglich. Dieser Schluss übergeht den Unterschied zwischen der Planung und Koordination eines einzelnen Akteurs (und sei er noch so groß) in Bezug auf sein Auftreten auf dem Markt und der gesamtgesellschaftlichen Koordination und Planung.

Dem Vortrag über „Commonismus“ lag die richtige Einschätzung zugrunde, es reiche nicht aus, „nur“ Kritik zu üben, erforderlich sei auch, über die nachkapitalistische Gesellschaft, also das anzustrebende Ziel, etwas aussagen zu können. Einerseits bemerkt der Referent, dass die Abwesenheit von entsprechenden Konzepten zur Skepsis gegenüber radikaler linker Politik beiträgt.[7] Andererseits nimmt er diese Skepsis nicht materialiter ernst, setzt sich nicht mit den Vorbehalten inhaltlich auseinander. Dafür müsste er die „Konstruktionsprobleme“, die einer nachkapitalistischen Gesellschaft immanent sind, bzw. Fragen von der Art in den Blick nehmen, wie sie in den letzten vier Absätzen skizziert wurden. Seine Rede von Basisdemokratie, Vernetzung und Commons bezieht sich auf sie als Lösungen, ohne wahrzunehmen, dass es sich um Formeln handelt, die Anstrebenswertes verheißen, hinter denen sich aber zugleich jeweils Komplexe von ungelösten Fragen und Problemen verstecken.

Die Herangehensweise, die Vorstellung von „Commonismus“ dadurch stark zu machen, dass gezeigt wird, wie er sich gerade erst dadurch ver-wirklicht[8] oder bewahrheitet, dass mit ihm Probleme und Widersprüche „produktiv“ bearbeitet, vermindert oder gar aufgelöst werden können, blieb dem Referenten und den Veranstaltern fremd. Der Referent machte einen entspannten und gelassenen Eindruck – um den Preis, sich und den Zuhörern wenig abzuverlangen. Was immer der Zweck der Veranstaltung war, um eines schien es kaum zu gehen: Sich darum zu bemühen, ungeklärte Fragen und Probleme genauer zu formulieren und an ihnen gemeinsam zu arbeiten. Es kam noch nicht einmal zu einer Situation wie in Andersens Märchen, in der es heißt: „Sag uns Deine Meinung – wir behalten trotzdem unsere eigene“. Denn nennenswerte Kontroversen bleiben aus, wenn – wie im vorliegenden Falle – alle einig darin sind, es bei dreierlei zu belassen: Wir haben aufbauende Ansätze uns in Erinnerung gerufen, ein bisschen name-dropping von Theorie-Ansätzen Revue passieren lassen und uns an einigen Leerformeln des linken Poesiealbums („Basisdemokratie“, „Vernetzung“) erfreut. „Commonismus“ als Nachfolger von Kommunismus – warum eigentlich nicht? So bleibt es bei einem „interessanten“ Einfall netter Leute, die für manches aufgeschlossen sind. Man nimmt advokatorisch probeweise einen Standpunkt ein und ruft allerhand auf, was dafür spricht. Eine vage Vorstellung reicht völlig, genauer wissen will es kaum jemand. Gegenargumente und Probleme – darauf angesprochen hieß es vom Referenten: „Wenn ich eine neue Idee habe, will ich sie mir nicht gleich runtermachen.“ Vermeintliche Meisterdenker immunisieren sich durch Autoritätseffekte. Im Unterschied dazu kultivierte der Referent Vereinnahmung durch Nähe. Viel zu häufig kam die „Antwort“, der Referent sei genauso ratlos wie der Fragende. Bevor es hätte richtig losgehen können damit, das Thema zu durchdenken, war nach 1¾ Stunden Schluss mit der Veranstaltung. Um dem Thema gewachsen zu sein, ist es erforderlich, nicht bei Leerformeln stehen zu bleiben und in die inhaltliche Arbeit an den mit dem Thema verbundenen Fragen und Problemen einzusteigen. (Vgl. a. Anm. 8).

[1]   https://www.sozialismus.de/fileadmin/users/sozialismus/Leseproben/2017/Sozialismus_Heft_07-08_2017_L1_Radke_Troost.pdf Vgl. a. Meinhard Creydt: Die Armut des kapitalistischen Reichtums und das gute Leben. München 2017, S. 51f., 183. Das Konzept der „imperialen Lebenswelt“ steht in Kontinuität zum alten Theorem „Unser Reichtum stammt aus der Ausbeutung der 3. Welt“. Unklar bleibt bei dieser Auffassung, in welchem Verhältnis sie zur Analyse des Weltmarkts steht. Vgl. kurz und bündig dazu Norbert Trenkle: Die Entwertung des Werts. Über die krisenhafte Durchsetzung des Wertgesetzes auf dem Weltmarkt. In: Weg und Ziel, H. 3 1996. Wien http://www.krisis.org/1996/die-entwertung-des-werts/
Unklar bleibt zudem bei der Position „Unser Reichtum stammt aus der Ausbeutung der 3. Welt“ schon, wie sie sich verträgt

  1. a) mit dem geringen Anteil des Exports/Imports z. B. nach Afrika oder Südamerika an der deutschen Handelsbilanz.
  2. b) mit der Tatsache, dass bereits 1986 2/3 der Rohstoff- und Nahrungsmittelexporte aus den westlichen Industrieländern stammten. Der diesbezügliche Preisverfall betrifft also nicht exklusiv die sog. Entwicklungsländer. Vgl. Siegfried Kohlhammer: „Auf Kosten der Dritten Welt?“, Nachwort von Rupert Neudeck. Steidl-Verlag Göttingen 1993
  3. c) mit der These: „Die mit Abstand größte Quelle von Reichtum ist die Wertschöpfung innerhalb der metropolitanen Volkswirtschaften. Oder, wenn man es marxistisch mag: es ist primär der Mehrwert, der sich aus der Dialektik von Lohnarbeit und Kapital ergibt, der den gesellschaftlichen Reichtum generiert. Dabei gilt: je höher die technologische Entwicklung und damit die Produktivität ist, umso geringer der Anteil an Extraprofiten aus anderen Quellen. Daher ist die Bedeutung der Dritten Welt für die High Tech Gesellschaften heute geringer als im 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ausdruck dessen ist u.a., dass ganze Regionen, wie das subsaharische Afrika, von der Weltwirtschaft fast abgekoppelt sind. Der Anteil Afrikas am Welthandel ist in den letzten 20 Jahren um die Hälfte gesunken“ (Peter Wahl).)

Anmerkungen

[1]   https://www.sozialismus.de/fileadmin/users/sozialismus/Leseproben/2017/Sozialismus_Heft_07-08_2017_L1_Radke_Troost.pdf Vgl. a. Meinhard Creydt: Die Armut des kapitalistischen Reichtums und das gute Leben. München 2017, S. 51f., 183. Das Konzept der „imperialen Lebenswelt“ steht in Kontinuität zum alten Theorem „Unser Reichtum stammt aus der Ausbeutung der 3. Welt“. Unklar bleibt bei dieser Auffassung, in welchem Verhältnis sie zur Analyse des Weltmarkts steht. Vgl. kurz und bündig dazu Norbert Trenkle: Die Entwertung des Werts. Über die krisenhafte Durchsetzung des Wertgesetzes auf dem Weltmarkt. In: Weg und Ziel, H. 3 1996. Wien http://www.krisis.org/1996/die-entwertung-des-werts/
Unklar bleibt zudem bei der Position „Unser Reichtum stammt aus der Ausbeutung der 3. Welt“ schon, wie sie sich verträgt

  1. a) mit dem geringen Anteil des Exports/Imports z. B. nach Afrika oder Südamerika an der deutschen Handelsbilanz.
  2. b) mit der Tatsache, dass bereits 1986 2/3 der Rohstoff- und Nahrungsmittelexporte aus den westlichen Industrieländern stammten. Der diesbezügliche Preisverfall betrifft also nicht exklusiv die sog. Entwicklungsländer. Vgl. Siegfried Kohlhammer: „Auf Kosten der Dritten Welt?“, Nachwort von Rupert Neudeck. Steidl-Verlag Göttingen 1993
  3. c) mit der These: „Die mit Abstand größte Quelle von Reichtum ist die Wertschöpfung innerhalb der metropolitanen Volkswirtschaften. Oder, wenn man es marxistisch mag: es ist primär der Mehrwert, der sich aus der Dialektik von Lohnarbeit und Kapital ergibt, der den gesellschaftlichen Reichtum generiert. Dabei gilt: je höher die technologische Entwicklung und damit die Produktivität ist, umso geringer der Anteil an Extraprofiten aus anderen Quellen. Daher ist die Bedeutung der Dritten Welt für die High Tech Gesellschaften heute geringer als im 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ausdruck dessen ist u.a., dass ganze Regionen, wie das subsaharische Afrika, von der Weltwirtschaft fast abgekoppelt sind. Der Anteil Afrikas am Welthandel ist in den letzten 20 Jahren um die Hälfte gesunken“ (Peter Wahl).)

 

[2]     http://gis.blogsport.de/2015/05/21/shades-of-grey-rojava-der-spirit-of-36-und-das-wolkenkuckucksheim-der-linken/

https://linkezeitung.de/2016/11/09/zum-text-a-letter-to-rojavist-friends/

[3]   Das Inhaltsverzeichnis findet sich unter http://www.meinhard-creydt.de/docs/Creydt2015.pdf  Eine Rezension findet sich unter: https://www.kritisch-lesen.de/rezension/interessen-und-ideale

[4]   Zum Beispiel: 1) Zeitaufwand, 2) „Partizipationseliten“ und informelle Hierarchien, 3) mehrstufiges System der Delegierung bei Sozialgebilden mit höherer Menge von Beteiligten, 4) Verhältnis zwischen demokratischen Verfahren und der infolge der Leistungsimperative nötigen Organisationsstruktur. Wood nennt letztere „Technostruktur“ und schreibt: „Einige Kritiker Mondragons vertreten den Standpunkt, die Technostruktur beherrsche in vielen Kooperativen faktisch die Verwaltungsverfahren und werde in ihrem Handeln nur sehr geringfügig durch eine demokratische Rechenschaftspflicht begrenzt“.

[5]   „Aufgrund der extremen Dezentralisierung, wie sie in der jugoslawischen Verfassung festgelegt war, kam es immer wieder zu Situationen, die für einen souveränen Staat äußerst befremd­lich anmuten. Ungewöhnlich ist z.B. die Tatsache, daß die Verbindungsstraße zwischen den beiden zentralen Städten Belgrad und Zagreb nie fertiggestellt wurde, wäh­rend die Straßen zwischen den zwei wichtigsten serbischen, zwei kroatischen und zwei slowenischen Städten gebaut werden konnten“ (Vejvoda 1993).

[6]   Das Inhaltsverzeichnis findet sich unter: http://www.meinhard-creydt.de/cms/wp-content/uploads/2016/10/leseprobe_creydt-46.pdf Eine Rezension findet sich unter: http://www.meinhard-creydt.de/cms/wp-content/uploads/2017/06/rezension46fragen.pdf

[7]   Der „Gegenstandpunkt“ bestreitet dies vehement und setzt die Tradition des Bilderverbots in Bezug auf die nachkapitalistische Gesellschaft fort. Seine Argumentation (z. B. in Gegenstandpunkt 1/2004, S. 63-71) umfasst drei Thesen: 1) Alle Probleme, die gegenwärtig den Leuten das Leben schwer machen, haben ihre Ursachen in der kapitalistischen Ökonomie. 2) Wird sie abgeschafft, so entfallen die Probleme. 3) Es gibt weder vom Kapitalismus unabhängige Probleme noch – eine gründlichen Überwindung des Kapitalismus unterstellt – Probleme in einer nachkapitalistischen Gesellschaft. Deshalb bedarf es auch keines Nachdenkens über sie. Die ersten beiden Thesen werden explizit genannt, die dritte bleibt implizit. Zur Auseinandersetzung mit dem faktisch vorhandenen Wunschbild des „Gegenstandpunkts“ von der nachkapitalistischen Gesellschaft vgl. M. Creydt: Der bürgerliche Materialismus und seine Gegenspieler. Hamburg 2015, S. 155-159, 167-175.

[8]   Eine Idee ver-wirklicht sich erst, indem sie sich ihren Hindernisse, Widrigkeiten und Problemen gewachsen zeigt. Allererst dadurch gewinnt eine Vorstellung an konkreter Kontur. Vor diesem Prozess scheuen Romantiker, die es auf die Anfänge und die Unschärfe absehen, zurück wie der Teufel vor dem Weihwasser.

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