//
du liest...
Ausland, Nordamerika

Raketen über Damaskus – mit freundlicher Genehmigung der Monster in Washington – Eine Analyse

von Lawrence Davidsonhttp://www.theblogcat.de

Teil 1

Am 13. April 2018 befahl Präsident Donald Trump die Bombardierung ausgewählter Ziele in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Er tat das, weil er durch den angeblichen Einsatz von Chemiewaffen durch den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad in der Stadt Duma – der letzten Rebellenhochburg (ISIS-Verwandtschaft) in der Nähe der Hauptstadt – emotional erregt war.

Nur kurz bevor Trump seinen Emotionen mit dem Abwerfen von Raketen auf Damaskus Taten folgen ließ, hatte er seine Meinung kundgetan (und denkt daran, dass es für Mr. Trump keinen Unterschied zwischen Fakten und Meinung gibt), dass Präsident Assad ein „Monster“ und auch ein „Tier“ ist. Zumindest zum Teil deswegen, weil sich der syrische Präsident dazu herablässt, „sein eigenes Volk zu töten“. Das Problem an dem Ganzen: (1) Trump hat keine klaren Beweise, dass Assad hinter dem angeblichen Gasangriff steckt und (2) sein eigenes Volk töten, das ist nun leider einmal das, worum es in Bürgerkriegen geht.

Ach ja, die Welt war schon immer und ist noch immer voller „Monster“ und „Tiere“. Und wenn wir schon mit solchen Schimpfwörtern um uns werfen, dann können wir ja auch ein paar Beispiele für so qualifiziertes Verhalten in unserer Nähe ansehen.

  • Wie steht es mit der Invasion in ein Land, einschließlich der Tötung von mindestens einer halben Million Menschen, alles basierend auf „falscher oder überbewerteter Geheimdienst-Aufklärung“? Das hat das „Monster“ und „Tier“ Präsident George W. Bush 2003 im Irak getan.
  • Wie steht es mit der Aufstellung von 100 „Scharfschützen“ an einer Grenze, was wie der nahezu schadenfrohe Akt eines wiederholten Abknallens von unbewaffneten Demonstranten aussieht? Denn das hat das „Monster“ und „Tier“, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, an Israels Grenze zum Gazastreifen im April 2018 getan.

Wir könnten noch mehrere solche Beispiele bringen – alle über die „Monster“ und „Tiere“ an der Macht in Ägypten, Saudi Arabien, Myanmar und zu der einen oder anderen Zeit, in nahezu jeder anderen Nation. Selbst Donald Trump ist mit seinen rassistischen Tendenzen und seinem impulsiven Verhalten ein sehr guter Kandidat für das Tragen jener Schimpfwörter, die er anderen verleiht.

Eine Lektion dieser endlosen Liste ist, dass es anscheinend für den Führer eines Staats, vor allem für einen starken und/oder ideologisch angetriebenen Führer, sehr schwierig ist, nicht als „Monster“ zu enden. Nicht nur die Macht liegt in de Händen des Führers, sondern auch der korrumpierende organisatorische Druck und die Erwartungen, diese Macht auszuüben, was die heikle Gefahr des Missbrauchs erzeugt. Selbst jene, die mit einer relativ ordentlichen Reputation ins Amt kamen, etwa im Fall der USA bei Jimmy Carter und Barack Obama, hatten am Ende Blut an ihren Händen.

Teil 2

Jedoch endet hier das Problem nicht. Schließlich braucht ein „Monster“ seine oder ihre Helfer. Albert Einstein sagte einmal, dass „die Pioniere einer Welt ohne Krieg jene Jugendlichen sind, die den Militärdienst verweigern.“ Und vor kurzem hat die israelische Menschenrechtsorganisation B`tselem israelische Soldaten dazu aufgerufen, „den Schießbefehl auf palästinensische Demonstranten im Gazastreifen zu verweigern“. Solche öffentlichen Positionen haben keine erkennbare Wirkung. Die massive Gewalt geht weiter.

Menschliche Gewalt könnte etwas mit unserer Entwicklungsgeschichte zu tun haben, aber warum sollte man dieser Neigung so leicht nachgeben? Nur weil wir evolutionär zu einem gewissen Verhalten neigen, bedeutet schließlich nicht, dass wir nicht ein gewisses Maß an Selbstkontrolle ausüben können. Und ja, ein guter Teil der Menschen geht in der Tat relativ gewaltlos durchs Leben. Aber stecke jemanden von uns in ein faules Fass und er wird zu einem schlechten Menschen.

Teil des Problems könnte sein, dass unsere Kultur und die Institutionen zu viele von uns bevormunden. Soll heißen, dass wir von der Kindheit bis ins hohe Alter beigebracht bekommen, Befehle zu befolgen und mit der Gruppe zu laufen. Als Kinder lernen wir, den Eltern zu gehorchen, dann den Lehrern. Wenn wir als Teens (zumindest im Westen) aus der elterlichen Kontrolle ausbrechen, dann ersetzen wir allzu oft die elterliche Führung durch die einer Gleichaltrigengruppe. Dann kommt die Karriere, und dort werden einem neue Regeln und Erwartungen auferlegt. Natürlich steckt hinter all dem eine soziologische Logik. Ohne ein gewisses Maß an Regeln und Folgsamkeit könnten wir keine soziale Struktur und Stabilität haben. Das Ganze hat jedoch seinen Preis. Auf staatlicher Ebene zeigt sich der Preis allzu oft in nicht hinterfragter Loyalität, Patriotismus und einer Solidarität, die den Durchschnittsbürger einfach hinter dem Führer herlaufen lässt. Und damit nimmt an der Gewalt teil, die der Staat als notwendig erklärt hat.

„Monster“ wie George W. Bush, Benjamin Netanjahu und jetzt Donald Trump sind eigentlich nicht die Auslöser. Das erledigt jemand anderes – jemand der zur Folgsamkeit trainiert ist. Und eigentlich ist „jemand“ irreführend. Es ist nicht jemand. Es sind Millionen. Militärische Einrichtungen sind das offensichtlichste Umfeld, in dem dieses „Folge dem Führer plus Bevormundung“ stattfindet. Steckt man ihn in einem militärische Organisation, dann ist der Bürger zurück in der Kindheitsumgebung, in der von ihm oder ihr nur Gehorsam erwartet wird. Es gibt vielleicht spezielle Situationen, wo einer nicht gehorchen muss, aber die sind so selten und so stark durch Gruppendruck neutralisiert, dass sie praktisch nie eine Rolle spielen. Daher werden im Militär alle Soldaten jeden Ranges im Vergleich zu ihren Vorgesetzten bevormundet: Sagt man ihnen, sie sollen schießen, dann schießen sie. Sagt man ihnen, sie sollen eine Rakete abfeuern, dann feuern sie eine Rakete ab. Sagt man ihnen, sie sollen eine Bombe abwerfen, dann werfen sie eine Bombe ab. Und sagt man ihnen, sie sollen eine bewaffnete Drohne auf ein Ziel (Hoppla! – war doch nur eine Hochzeitsfeier) auf der anderen Seite der Welt lenken, dann lenken sie sie.

Teil 3 – Fazit

Für all das gibt es keine Patentlösungen. Die Anzahl jener Menschen, die sich militärischen Befehlen widersetzen, wie von Einstein vorgeschlagen, oder sich weigern Demonstranten zu erschießen, wie von B`tselem gefordert, ist viel zu gering, um das Chaos aufzuhalten. Unsere Neigung zu Gewalt wurde institutionalisiert, und unser grundlegendes Bedürfnis, den Gruppenzusammenhalt aufrechtzuerhalten, wurde von denjenigen, die behaupten, unsere Führer zu sein, pervertiert. Es hat etwas von einem Teufelskreis – oder von einer ewigen Zwickmühle (Catch 22

Lawrence Davidson ist Professor für Geschichte an der West Chester Universität in Pennsylvania. Er ist Autor von „Foreign Policy Inc.: Privatizing America’s National Interest“, „America’s Palestine: Popular and Official Perceptions from Balfour to Israeli Statehood“ und „Islamic Fundamentalism“.

Er bloggt auf http://www.tothepointanalyses.com

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/raketen-%C3%BCber-damaskus/

Advertisements

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archive

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: