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Ausland, Nordamerika

Nichts geht über Überfluss

von Jeff Thomashttp://www.theblogcat.de

Das erste Heilmittel für eine schlecht verwaltete Nation ist die Währungsinflation; das zweite ist der Krieg. Beide bringen zeitweilig Wohlstand; beide bringen dauerhaftes Verderben. Aber beide sind die Zuflucht für politische und wirtschaftliche Opportunisten.“Ernest Hemingway

Nach den Sozialausgaben sind die Militärausgaben der zweitgrößten Posten im US-Bundeshaushalt. Es ist üblich, dass sie jedes Jahr beträchtlich zunehmen, und der Vorschlag für den Verteidigungshaushalt 2019 beläuft sich auf $886 Milliarden (etwa das Doppelte des Jahres 2003).

Die US Militärausgaben sind höher als die der zehn nächst größte Länder zusammen. Die US-Regierung bestätigt zwar nur 682 Militärstützpunkte in 63 Ländern, aber diese Zahl könnte über 1.000 in 156 Ländern liegen (wenn man alle militärischen Einrichtungen dazu zählt). Das Militärpersonal wird insgesamt auf über 1,4 Millionen geschätzt.

Man könnte dem Leser verzeihen, wenn er eine US Militärbasis in, sagen wir Djibouti oder auf den Bahamas, für unnötig hält, aber der US Kongress wird die Schließung nicht einer Militärbasis erlauben. (Das überparteiliche Budget-Gesetz von 2013 blockiert die zukünftige Schließung von Militärbasen mit dem Argument, sie seien für die „nationale Sicherheit“ alle unerlässlich.)

Und der Kongress hat ein eigennütziges Interesse daran, alle Stützpunkte offen zu halten und so viele Steuer-Dollars wie möglich zu verbrauchen (dazu später mehr).

Natürlich müssen diese Basen gut mit Kleinwaffen, Panzern, Raketen und Flugzeugen bestückt bleiben. Aber trotz der eingestandenen, unglaublichen Anzahl von US-Basen rund um den Globus ist der zusätzliche Vorrat an Waffen so groß, dass die Regierung Schwierigkeiten hat, Lagerorte zu finden.

Ein Lagerort seht ihr in dem Foto oben – Davis-Monthan Air Force Base in Tucson, Arizona. Trotz der Größe des Fotos zeigt es nur einen Teil der dortigen Flugzeuge. (Und denkt daran, solche Flugzeuge kosten oft über $100 Mio. pro Stück.)

Wenn man danach fragt, dann sagt das US Militär, dass man diese Flugzeuge womöglich noch in Dienst stellt, „falls man sie braucht“, obwohl sie dort tot rumliegen und viele überhaupt noch nicht in Gebrauch waren. Wenn sie gebraucht werden, dann sind sie natürlich dort in Arizona kaum von Nutzen. Und darüber hinaus könnten sie zur Kriegsführung gar nicht nützlich sein, denn die Kriegstechnologie hat sich weiterentwickelt seit diese Flugzeuge entworfen wurden.

Es wurde gesagt, dass Generäle immer den letzten Krieg führen, und das stimmt sicherlich. Sogar ein Laie kann erkennen, dass diese konventionellen Flugzeuge nie in Gebrauch gehen werden, denn sie haben in der modernen Kriegsführung keinen Zweck.

Aber dennoch werden diese Lager jedes Jahr dramatisch aufgestockt.

Dieses Jahr wird die Produktion für die F-35 und die F/A-18 Flugzeuge hochgefahren. Um eine Vorstellung über die Kosten eines solchen Erweiterungsprogramms zu bekommen: Die 2.457 Flugzeuge vom Typ F-35 Joint Strike alleine kosten $400 Milliarden. Natürlich ist ein Großteil dieser Kosten für Entwicklung und Erprobung, nicht für die Flugzeuge selbst.

Damit ihr nicht rechnen müsst, das bedeutet $162 Millionen pro Flugzeug. (Ich vermute, dass Henry Ford sie etwas günstiger hätte produzieren können. Es ist schwierig sich vorzustellen, woraus sie vielleicht hergestellt werden um ihr außerordentliches Preisschild zu rechtfertigen.) (Anm.d.Ü.: Allein das Preisschild eines Pilotenhelms für die F-35 entspricht schon einem Ferrari)

Aber wenn schon so eine Riesensumme für solche Flugzeuge ausgegeben wird, nur um sie irgendwann in ein Lager zu schicken, warum verkauft man dann die Überzähligen nicht kostengünstig oder verschrottet sie und schließt die teuren Stützpunkte, wo sie auf Halde liegen?

Nun, da ist ein kleiner Haken an der Sache. Würde man sie verschrotten, dann müste man zugeben, dass sie eigentlich gar nicht notwendig waren. Und wenn sie nicht notwendig waren, warum wurden sie dann angeschafft?

Kann gut sein, dass die Antwort in der Tatsache liegt, dass der militärisch/industrielle Komplex ein großer politischer Beitragszahler ist, der riesige Summen für die Wahlkämpfe der politischen Parteien zahlt.

Man kann vermutlich mit Sicherheit sagen, dass sie dafür auch etwas als Gegenleistung erwarten und genau das bekommen sie. Wie schon oben erwähnt, liegt das „Verteidigungs“-Budget weit über den Kosten zur Verteidigung der USA, und zwar irre weit.

Für die USA wäre es jedoch, was den militärisch/industriellen Komplex angeht, eine ideale Situation, wenn man eine Politik aus ewiger Kriegsführung mit vage definierten militärischen Ziele hätte, und das an vielen Fronten weltweit. Wenn der Kongress ein Budget genehmigen würde, das so etwas erlaubt, dann würden sich die Provisionen für den militärisch/industriellen Komplex nicht nur maximieren, sie wären fortwährend, von einem Jahr zum nächsten.

Und, ist das bereits eingetreten?

Nun, wenn wir zum Beispiel auf den 2. Weltkrieg zurückschauen, den teuersten Krieg aller Zeiten, dann sehen wir einen Krieg, der auf drei Kontinenten gefochten wurde und zwischen 50 und 80 Millionen Menschen das Leben kostete, aber er wurde nur vier Jahre nach dem Kriegseintritt der USA beendet.

Im Vergleich dazu ist der unerklärte Krieg in Afghanistan ein kleiner Krieg, der etwa 150.000 Opfer forderte. Rein rechnerisch hätte dieser Krieg theoretisch im Vergleich zum 2. Weltkrieg in etwas über zwei Monaten beendet sein müssen, aber er dauert bisher schon 17 Jahre und seine täglichen Kosten übersteigen bei weitem die eines Weltkriegs.

Sollen wir daraus schlussfolgern, dass das US-Militär so unfähig geworden ist, dass es keinen Krieg mehr kämpfen und gewinnen kann? Egal wie viel Feuerkraft es hat und egal wie lange es dauert?

Wenn das der Fall ist, dann kann man daraus nur eine Schlussfolgerung ziehen. (Wie Sherlock Holmes oft sagte: „Wenn man erst mal das Unmögliche eliminiert hat, dann muss das Übrige, egal wie unwahrscheinlich, die Wahrheit sein.“)

Und in diesem Fall bleibt nur übrig, dass das Gewinnen des Kriegs gar nicht das Ziel ist und tatsächlich nie das Ziel war. Das Ziel wäre, absichtlich ewigen Krieg zu produzieren; jedes Jahr von den Wählern Milliarden an Steuergeldern abzupressen, damit man die Einkünfte in Form von Rüstungsaufträgen an den militärisch/industriellen Komplex weitergeben kann. Ob diese Waffen gebraucht werden oder gar sinnvoll sind, das hat wenig Bedeutung.

In den vergangenen Jahren ist das US-Militär weit über seinen ursprünglichen Auftrag der „Verteidigung“ hinausgegangen. Man hat mehr Länder als je zuvor in der Geschichte erobert, oft ohne irgendeine direkte Provokation, mit der Begründung „die Welt für die Demokratie sicherer zu machen“. (Man sollte nicht vergessen, dass der Einmarsch in ein Land, das man größtenteils zerstört und dann eine Marionettenregierung installiert, nicht wirklich „Demokratie“ ist.) Und darüber hinaus waren es eigentlich keine „Kriege“, denn nach den US-Gesetzen kann nur der Kongress den Krieg erklären und das hat er seit 1942 nicht mehr getan.

Und der „Feind“ war jedes Mal wirklich sehr verschwommen. Die USA sind nicht speziell mit irgendeinem Land im Krieg, sondern mit dem „Terrorismus“, ein unbestimmter Feind, einer der noch verschwommener ist als der, den Orwell in 1984 beschrieben hat.

Wenn nichts erfolgreicher ist als der Erfolg, dann ist auch richtig, dass nichts über den Überfluss geht. Wenn dieser Gedanke bereits besorgniserregend ist, dann wird er er noch besorgniserregender, wenn die USA ihre Drohung wahrmachen, Nordkorea anzugreifen, ein kleines Land gleich neben China, oder in den Iran einzumarschieren, einen Verbündeten von China und Russland.

Wenn erstmal richtig die Fetzen fliegen, dann wird höchst zweifelhaft sein, ob der amerikanische Steuerzahler die erweiterten Kosten eines richtigen Weltkriegs stemmen kann, denn das wäre weitaus mehr als sie jetzt bereits schultern müssen.

Und da der Verlierer in einem Krieg fast immer jenes Land ist, dem zuerst das Geld ausgeht – und die USA sind im Grunde pleite – dann wird das Ergebnis eines solchen Kriegs nicht zugunsten der USA ausgehen.

http://www.internationalman.com//articles/nothing-exceeds-like-excess

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/nichts-geht-%C3%BCber-%C3%BCberfluss/

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