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Ausland, Medien

Facebook – Cambrigde Analytica und die Erstellung von Psychogrammen

von Elke Schenk – globalcrisis/globalchange NEWS

Derzeit schlägt der Missbrauch von Facebook-Daten durch die Firma Cambridge Analytica zur Beeinflussung der US-Wähler zugunsten Trumps hohe Wellen. Der ergiebigste Artikel zum Thema findet sich auf dem Blog Police IT *): „Der Skandal ist nicht das ‚Datenleck‘, sondern die Erstellung von Psychogrammen über Millionen von Nutzern“. Es wird nachvollziehbar erklärt und durch Belege abgesichert, wie das Ganze abgelaufen ist, man erfährt Hintergründe und Personalien zu den beteiligten Firmen. Die Programme zur personalisierten Werbung (Mikrotargeting) an Kunden und Wähler/innen hatten ihre Vorbilder in entsprechenden militärischen Strategien „Information Operations“ oder „Influence Operations“. Nutzerprofile aus allen möglichen verfügbaren Daten erstellen zu können, interessiert nicht nur Werbeleute und Wahlkampfstrategen, sondern auch Geheimdienste und Polizei, die Zugriff auf alle online angefallenen Daten erhalten sollen, wie der Artikel am Beispiel des geplanten bayrischen Polizeigesetzes zeigt.

Schon kurz nach der Wahl Trumps geriet Cambrigde Analytica in den Fokus der Aufmerksamkeit, worüber Stephan Best am 5.12.2016 über diesen Verteiler informierte: https://steven25.com/2016/12/05/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt-das-magazin-das-magazin/

Alle Zitate aus dem police-it-Artikel sind im Anhang verfügbar und abrufbar unter: https://police-it.org/millionen-von-facebook-nutzern-unfreiwillig-psychologisch-vermessen

Der russisch-amerikanische Psychologe namens Aleksandr Kogan, tätig an der Universität in Cambridge, entwickelte ein Modell, das es erlaubt, psychologische Persönlichkeitsprofile von Menschen zu erstellen, Psychografie genannt.

„Sie „vermisst“ das Wesen bzw. Verhalten eines Menschen, indem sie das Individuum vergleicht mit einem Modell der Persönlichkeit, das aus verschiedenen Dimensionen besteht. […] Kogan gründete eine Firma Global Science Research und begeisterte die Firma in der Nachbarschaft – eben Cambridge Analytica – von seiner Idee: Die Persönlichkeitsprofile von Nutzern im Internet zu messen und zu bestimmen. Und damit in der Lage zu sein, deren Verhalten besser einschätzen zu können. Oder, noch besser, um deren Verhalten durch Belieferung mit zielgerichteten Inhalten, die sich am Persönlichkeitsmuster des einzelnen ausrichten, beeinflussen zu können. Die Interessenten am Test mussten sich mit ihrem Facebook-Login anmelden. Die Nutzer hatten eingewilligt, dass ihre Daten zu Forschungszwecken gespeichert werden. […] Die meisten waren sich nicht darüber im Klaren, dass die App von Mr. Kogan (,wie übrigens viele andere Apps auch, achten Sie mal drauf!) u.a. auch die Facebook-Kontaktliste ihrer Freunde und Bekannten auslas. Diese neuen Facebook-Nutzernamen ermöglichten den Zugriff auf weitere Nutzerprofile, quasi im Schnellballsystem. Insgesamt sollen davon 50 Millionen Facebook-Profile amerikanischer Nutzer betroffen sein. […] Diese Daten soll Kogan weitergegeben haben an die Firma SCL/Cambridge Analytica [c]. So steht es in den länglichen Artikeln des Wochenendes bei Observer/Guardian und New York Times [1] [2]. […]“

Cambrdge Analytica habe daraus personalisierte Wahlwerbung zugunsten der Wahl Trumps generiert.

„Der Ansatz ist deshalb so perfide, weil der individuelle Nutzer zum Objekt einer ‚psychografischen‘ Auswertung gemacht wird, ohne dass er davon weiß, geschweige denn zugestimmt hat. Und dass zur Grundlage dieser Auswertung Texte, Kontakte und Interessen des Nutzers gemacht werden, von denen der Nutzer nicht wusste, dass sie zur psychografischen Vermessung herangezogen werden.“

Polit IT verweist insbesondere auf den damit einher gehenden Angriff auf Grundrechte:

„Was wäre eigentlich geschehen, wenn Kogan bzw. Cambridge Analytica die Daten bei Facebook einfach GEKAUFT hätten? Alle Artikel zum Aufreger dieses Wochenendes wären dann nicht geschrieben worden. Denn bisher hat man sich lediglich darüber aufgeregt, dass „Facebook angezapft“ wurde, dass es ein angeblich „riesengroßes Datenleck“ gegeben hätte usw. Dass Millionen von Nutzern ohne ihr Wissen psychografiert werden, regt dagegen niemanden auf.

Es regt auch niemanden auf, dass Facebok und Google (und andere) persönliche Mitteilungen aus Messenger-Diensten oder Emails ganz selbstverständlich mitlesen und auswerten. Dass viele Apps ganz selbstverständlich die Standortdaten nutzen wollen (wichtig für das Einkaufen in den

Geschäften!), auf die Kontaktliste oder auf Fotos und Videos zugreifen wollen. […] Wozu, bitteschön?!?!

Steckt hinter dieser Nonchalance und Duldsamkeit gegenüber permanent stattfindenden Eingriffen in die Privatsphäre ein im Kapitalismus generierter Fehlglaube, dass wer dafür bezahlt auch ein Recht darauf hat?! […]

Und bei den Polizeibehörden und Nachrichtendiensten träumt man natürlich auch davon, was – wie uns Edward Snowden berichtet hat – die Amerikaner mit XKEYSTROKE, PRISM & Co längst können. Profile anlegen über nahezu jeden Menschen – weltweit, solange er nur irgendwo im Telefonverkehr, Email oder beim Chatten, auf Blogs, Foren oder sonstigen Plattformen seine Spuren hinterlassen hat. Palantir (hervorgegangen aus Ebay und Paypal) sagt, sie hätten dafür eine Lösung. […]

Und nun kommen wieder Facebook, Google & Co ins Spiel. Denn den totalen Rundum-Blick auf Bürger, Gefährder und Straftäter erreicht Polizei doch erst dann, wenn sie auch umfassend die Daten „aus dem Internet“ nutzen darf, also Nutzungsdaten von Google, Facebook & Co. Das halten

Sie für weit hergeholt?! Nicht so weit, wie Sie denken: Denn im Entwurf zum neuen bayerischen Polizeiaufgabengesetz [7] ist vorgesehen, dass die Polizei von Telemedienanbietern (= Gesetztext-Lingo für Google, Facebook & Co) „Auskunft über dort gespeicherte Nutzungsdaten verlangen kann und dass sich dieses Auskunftsverlangen auch auf künftige Nutzungsdaten erstrecken kann.“

Der bayerische Landesvater, unter dessen Regentschaft dieses Polizeiaufgabengesetz im Bayerischen Landtag eingebracht wurde, wurde soeben Bundesinnen-, Bau- und Heimatminister.“

 

*) Aus der Selbstdarstellung des Blogs: „Nachrichten, Hintergründe und Analysen über Polizei, ihre Informationen und Informationssysteme“

https://police-it.org/ueber-police-it

Mein Name ist Annette Brückner und ich bin der verantwortliche Herausgeber dieser Seite. Mein Berufsfeld seit 1993 waren polizeiliche Informations-systeme. Ich war mitverantwortlich für die Konzeption und Entwicklung von Polygon, das als informationstechnische Plattform für die Sachbearbeitung, Analyse und Auswertung von komplexen Verfahren seit 1993 bei großen Polizeibehörden im Ausland (Ungarn, Slowakei, u.a. im Auftrag des Bundesministerium des Innern) und in Brandenburg eingesetzt wurde bzw. wird. Als Designer der Anwendungen war ich sehr „dicht und direkt“ dran an der Bedarfslage der Polizeibeamten – und manchmal auch an deren Gemütslage. Und als Projektleiter kenne ich die vertrieblichen bzw. administrativen Seiten, wie Beschaffung, Vertragsgestaltung und – vor allem – das laufende Projektmanagement.

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