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Ausland, Nordamerika

Der Wahnsinn lässt einen ermüden

von Michael Kriegerhttp://www.theblogcat.de

Obwohl sie immer davon reden, dass sie den autoritären Staat abbauen wollen, erhöhen die Oligarchen in Wahrheit die Defizite und die Größe und Macht der Gesetzeshüter und des Militärs, um ihre globalen Geschäftsinteressen zu schützen und die soziale Kontrolle im Inland sicherzustellen. Jene Teile des Staats, die der Allgemeinheit dienen, verwittern im Namen der Deregulierung und Austerität. Jene Teile, die die Macht der Oligarchen stützen, erweitern sich im Namen der nationalen Sicherheit, des Wirtschaftswachstums und von Recht und Ordnung.Chris Hedges, The Deadly Rule of the Oligarchs

https://www.truthdig.com/articles/deadly-rule-oligarchs/

Wenn ihr in den letzten Tage meine Seite besucht habt, dann habt ihr euch vielleicht gefragt ob ich in Urlaub bin. Bin ich nicht. Stattdessen hatte ich einen Durchhänger und eine Schreibblockade und erst als ich heute Morgen längere Zeit darüber nachgedacht habe, warum das so ist, konnte ich die Ursache für mein Leiden bestimmen. Am besten lässt sich das, was ich in den letzten Tagen durchgemacht habe, als eine Müdigkeit wegen des Wahnsinns beschreiben.

Es ist nicht so, dass es nichts Neues zu besprechen gegeben hätte. Es gab davon genug. Das Problem war mal wieder, dass ich von der oberflächlichen Dummheit und der Selbstverliebtheit unseres nationalen politischen Dialogs überwältigt wurde. Ich habe diesem Gefühl schon vor einem Jahr in meinem Artikel „Lost in the Political Wilderness“ Ausdruck verliehen. Und dieses Gefühl kam in den vergangenen Tagen haufenweise zurück.

Es ist ein Jahr her seit ich das geschrieben habe und es hat sich nicht viel verändert. Der politische Dialog, wenn man es überhaupt so nennen kann, ist nach wie vor zwischen zwei Gruppen extrem polarisiert und dreht sich hauptsächlich darum ob man Trump unterstützt oder darauf schwört dass er Putins teuflische Puppe ist. Die eine Seite pocht darauf, dass er Amerika wieder groß macht, während die anderen denken, dass vor der Wahl alles in bester Ordnung war und alles gut wird wenn wir ihn uns vom Hals schaffen können. In der Zwischenzeit plündert und raubt die Oligarchen-Klasse ungehindert weiter.

Es ist eigentlich ziemlich erstaunlich, dass ein Volk, das dermaßen systematisch und offensichtlich ausgeraubt wird, nicht erkennen kann was sich vor seiner Nase abspielt. Es ist verblüffend, dass zig Millionen sich so leicht in fabrizierte Fraktionen spalten und beherrschen lassen und bis aufs Äußerste das Ausblenden was im Land wirklich geschieht. Etwa mit dem betrügerischen Finanzsystem, den endlosen imperialen Kriegen und dem immer näher rückenden Überwachungsstaat. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir als Volk weigern uns zu akzeptieren, was wirklich die Fäulnis in diesem Land verursacht und lassen uns von Brot, Spielen und opportunistischen Experten hypnotisieren, was uns geradewegs in die Besinnungslosigkeit führt.

Ich vermute, dass das am Ende eines versagenden und bankrotten Imperiums immer so ist. Es ist nur außergewöhnlich, das in Echtzeit erleben zu müssen. Der totale Wahnsinn der politischen Debatte in den USA (Anm.d.Ü.: In der Bundesrodelrepublik ist es nicht anders) und das Fehlen einer jeden Bereitschaft, unsere realen systemischen Probleme zuzugeben – geschweige denn sie anzugehen – lässt mich zweifelsfrei zu dem Schluss kommen, dass dieser Zug direkt auf eine Backsteinmauer zusteuert. (Anm.d.Ü.: Volker Pispers würde sagen: „Wir dürfen alle vier Jahre den Zugführer bestimmen“)

Das soll nicht heißen, dass andere Länder in guter Verfassung sind. Sind sie nicht. Der ganze Planet verheddert sich in Amerikas zunehmend korruptem, militaristischem und betrügerisch imperialem Finanzsystem. Eine Ausweg wird für niemanden sauber oder leicht sein. Aber die USA werden am tiefsten fallen, denn sie sind die dominante Macht, bewaffnet mit der globalen Leitwährung. Ein Imperium mit so einem überwältigenden strukturellen Vorteil kann viel länger aushalten als es angesichts einer monumentalen Inkompetenz sollte. Aber der Tag der Abrechnung wird kommen.

In der Zwischenzeit geht Trump keine der großen strukturellen Fragen an, vor denen wir stehen, etwa unser betrügerisches und korruptes Finanzsystem, die endlosen und sinnlosen imperialen Kriege oder das sich ständig ausweitende Überwachungs-Panoptikum, das vom nicht gewählten „Tiefen Staat“ gemanagt und kontrolliert wird. Sicher, manchmal treibt er ein schönes Spielchen, aber die zentralen Elemente des US-Imperiums wachsen in ihrer Macht und Überheblichkeit weiter, mit praktisch Null Widerstand. Hillarys Clinton hätte es kaum anders gemacht, sie hätte jede Kritik als „sexistisch“ abgetan. Wenn sich die allgemeine Öffentlichkeit weigert, die echten Fragen anzugehen – die Politiker und Bürokraten tun es gewiss nicht. Daher scheint eine imperiale Implosion derzeit unvermeidlich.

Chris Hedges schrieb jüngst in einem Stück über Oligarchie und dessen Rolle beim imperialen Zusammenbruch (s.o.). Der folgende Auszug ist besonders ergreifend:

Oligarchen beschleunigen den sozialen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Kollaps. Die haltlose Plünderung führt zu einem systemischen Zusammenbruch. Die Weigerung, natürliche Ressourcen oder die wirtschaftlichen Triebfedern zu schützen, die den Staat aufrechterhalten, bedeutet, dass Armut zur Normalität und die natürliche Umwelt zu einer giftigen Müllkippe wird. Grundlegende Institutionen funktionieren nicht mehr. Die Infrastruktur ist nicht mehr zuverlässig. Wasser, Luft und Boden sind vergiftet. Die Bevölkerung ist ungebildet, nicht ausgebildet, verarmt, von den Organen der inneren Sicherheit unterdrückt und verzweifelt. Der Staat wird schließlich in die Pleite schlittern. Die Oligarchen antworten auf diese stete Verschlechterung, indem sie Arbeiter zwingen, mehr für weniger zu arbeiten und sie starten selbstzerstörerische Kriege, in dem vergeblichen Versuch, ein verlorenes Goldenes Zeitalter wiederherzustellen. Ebenso bestehen sie darauf, egal wie schlimm die Dinge werden, ihren opulenten und hedonistischen Lebensstil zu erhalten. Sie treiben die Steuern für die Ressourcen des Staates, für das Ökosystem und die Bevölkerung, mit selbstmörderischen Folgen. Sie fliehen vor dem drohenden Chaos in ihre bewachten Wohnanlagen, moderne Versionen von Versailles oder der Verbotenen Stadt. Sie verlieren den Bezug zur Realität. Am Ende werden sie gestürzt oder zerstören selbst den Staat. In Amerika gibt es keine Institution mehr, die man demokratisch nennen kann. Und daher gibt es keine internen Mechanismus, um den Abstieg in die Barbarei zu verhindern.

Da stehen wir jetzt. Das System bricht auf eine sehr ernste und gefährliche Weise zusammen, das Resultat von Jahrzehnten unverantwortlicher Plünderung durch Oligarchen. Ein historischer Diebstahl, ermöglicht und unterstützt von Politikern, Geheimdiensten und Konzernmedien, die das nötige Rückgrat liefern, damit die Oligarchie weitermachen kann und die Öffentlichkeit verwirrt bleibt und sich über unzählige Oberflächlichkeiten streitet. Wenn es eine nachdenkliche öffentliche Reaktion auf diese einschneidenden Analysen und eine Energie geben würde, die diese imperiale Oligarchie reformieren könnte, dann wäre sie inzwischen erschienen. Sie kommt nicht, und daher ist der imperiale Kollaps so gut wie sicher. Ich schätze, dass das Ganze bis spätestens 2025 vorüber ist.

Auch wenn es so aussehen mag: Meine Botschaft ist keine Schwarzmalerei. Schließlich ist mir klar, dass das US-Imperium dem typischen Amerikaner eh nicht hilft. Eher ist unser System aus imperialen, oligarchischen Raubtieren mehr wie ein parasitärer Albatros, der um unseren gemeinsamen Hals hängt, unsere Seele, den Reichtum und die Freiheit aussaugt, um eine Handvoll bedeutungsloser und gefräßiger Soziopathen zu bereichern und zu stärken.

Ich behaupte nicht, dass die Übergangsphase ruhig und schmerzlos verlaufen wird, aber ich bin sehr optimistisch, wie eine Zukunft auf der anderen Seite aussehen kann und wird. Die jüngeren Generationen verstehen genauso gut, wie korrupt, betrügerisch und unhaltbar dieses System und seine Institutionen sind. Währenddessen arbeiten weltweit umsichtige und brillante Leute Tag und Nacht daran, die notwendigen Linien für eine dezentralisierte Zukunft zu errichten, in der wir die Notwendigkeit reduzieren können, Institutionen und Individuen zu vertrauen und was hoffentlich eine neue Denkweise hervorbringt, die durch größere Transparenz, Ethik, Freiheit und eine Chance für eine erheblich verbesserte Erfahrung für die Menschheit gekennzeichnet ist.

Die gegenwärtige Denkweise wird zu einem Ende kommen, da bin ich mir völlig sicher. Die wirkliche Frage ist, was wir danach aufbauen werden. Bezüglich dessen bleibe ich ermutigt und aufgeregt, aber wir alle müssen unseren Teil dazu beitragen, jene Welt zu erschaffen, die wir sehen wollen.

Es ist unerlässlich, dass wir Liebe und Wissen verbreiten. Dass wir durch unser Handeln und unsere Arbeit zeigen, was es bedeutet, ein mutiger, moralischer und ehrenhafter Mensch zu sein, der von unendlichem Geist und Bewusstsein erfüllt ist. Wenn wir diese Herausforderungen annehmen, dann werden wir nicht nur überleben, sondern wir werden gedeihen und unseren Kindern und Enkeln eine Welt hinterlassen, auf die sie stolz sein können. Nichts ist wichtiger und bedeutsamer als das.

https://libertyblitzkrieg.com/2018/02/15/insanity-fatigue/#more-50755

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/der-wahnsinn-l%C3%A4sst-einen-erm%C3%BCden/

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