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Ausland, Naher Osten

Über die Besetzung Syriens und das neue Gesicht des Imperialismus

von Caitlin Johnstonehttp://www.theblogcat.de

US-Streitkräfte haben das syrische Militär angegriffen, es kam nach Berichten zu über 100 Toten. Das syrische Außenministerium nennt den Luftangriff ein Massaker, ein Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschheit.

Die USA sind eine Invasions- und Besatzungsmacht, die sich in Syrien ohne die Erlaubnis seiner Regierung aufhalten. Dennoch behaupten sie, der Luftschlag war ein Akt der „Selbstverteidigung“ gegen einen „nicht provozierten Angriff“ gegen die US-gestützte SDF, eine hauptsächlich kurdische Miliz, die einen Teil des syrischen Landes besetzt hält. Bei dem Angriff kam kein Amerikaner zu Schaden oder ums Leben. Die SDF berichtet von einem Verletzten. Das ist in etwa so wie wenn jemand sagt, er sei in ein Haus eingebrochen und habe dann den Hausbesitzer in Notwehr erdrosselt.

Ob ihr’s glaubt oder nicht: Es scheint fast so als drehe es sich bei dem letzten Gemetzel des US-Militärs gegen Araber in ihrem eigenen Land gar nicht um Selbstverteidigung, sondern ums Erdöl. Das immer lesenswerte Moon of Alabama legt überzeugend dar, dass die amerikanische Version de Geschichte voller Lücken ist, sondern dass die ganze Sache sehr wohl eine „Falle“ sein könnte, um einen örtlichen Deal zu sabotieren, der gemacht wurde damit die SDF in der näheren Zukunft ein Öl- und Gasfeld an die syrische Regierung zurückgibt.

Das würde perfekt zu dem Kommentar passen, den Professor Joshua Landis zu dem Angriff gemacht hat. Darin sagt er, dass es Amerikas Plan ist, Syrien schwach, arm und gespalten zu halten, damit die US/Israel/Saudi-Rivalen Iran und Russland geschwächt werden. Es würde auch die Stellungnahme des US-Außenministers Rex Tillerson vor ein paar Wochen erklären, dass Tausende amerikanische Truppen in Syrien verbleiben, damit Assad daran gehindert wird, über die von ISIS befreiten Gebiete die Kontrolle zu erlangen.

So sieht er aus, der neue Imperialismus.

Tweet von Joshua Landis @joshua_landis:

„Dieser Plan wird nicht damit enden, dass Russland Assad von der Macht entfernt. Das festigt nur eine Politik, die Damaskus den Zugriff auf Syriens Erdöl, Wasser und Landwirtschaft verweigert um das Land arm, schwach und gespalten zu halten. Das wird Israel und den Saudis helfen und den Iran und Russland schwächen. Es verschafft ihnen Feigenblätter aus Menschenrechten“ – 9 Feb 2018

Als die Russische Föderation 2014 die Krim annektierte, da haben alle ihren Verstand verloren. (Anm.d.Ü.: hier fügt Johnstone den absurden Wikipedia-Artikel dazu ein):

https://en.wikipedia.org/wiki/Annexation_of_Crimea_by_the_Russian_Federation

Man annektiert nicht mehr einfach so andere Länder! Das ist so barbarisch! Das ist so…20.Jahrhundert!

So machen wir das nicht mehr in der modernen Welt. Wir erweitern unsere geopolitische Macht nicht durch offene Landnahme, wir erweitern sie mit Verträgen, Allianzen, Geheimdienst- und Überwachungsdeals, Handelsabkommen, Konzernverträgen, Geheim-Pakten und der Besetzung strategischer Schlüsselpositionen unter dem Vorwand der Bekämpfung des Terrorismus. So machen das zivilisierte Leute.

In der alten Zeit hätte ein Imperium sich vergrößert, indem man in ein schwächeres Territorium einmarschiert ist, dessen Menschen getötet hat bis sie aufgaben und dann hätte man die Flagge gehisst. Man hat die Landkarten so verändert, dass jeder sehen konnte, dass dieses Gebiet jetzt unter der Kontrolle Roms, oder der britischen Krone oder von Napoleon oder wem auch immer stand. Und die Machtstrukturen veränderten sich entsprechend. Das war alles relativ einfach und transparent.

Der neue Imperialismus tut so etwas nicht mehr. Man wird nicht erleben, dass Syrien zu einen 51. Staat gemacht wird.

Seit dem Ende des 2. Weltkriegs ist es für eine Regierung zunehmend zu einem Tabu geworden, offen in ein Land einzumarschieren, und viele internationale Gesetze wurden beschlossen, die das widerspiegeln. Und dennoch ist Weltmacht offensichtlich noch nie so stabil gewesen wie heute. Die USA, Großbritannien, die EU, Saudi Arabien, Israel, Kanada, Australien und viele andere Nationen marschieren zu einer Vielzahl von Dingen mehr oder weniger im Gleichschritt, vom Neoliberalismus über die Überwachung bis zu jenen „Regimen“, die gerade mit noch mehr Sanktion geprügelt werden sollen. Die Ausrichtung ist nicht perfekt, aber perfekt genug um sie nicht leugnen zu können.

(Der ehemalige Premier Australiens Malcolm Fraser in einem 7 Minuten-Clip über sein Buch „Gefährliche Verbündete“):

(Anm.d.Ü.: Fraser beschreibt hier das Selbstverständnis der USA: „Wir sind eine Nation, die besser ist als jede andere. Praktisch von Gott erwählt. Wir sind das Licht auf dem Hügel. Was wir tun ist richtig, denn wir, die Amerikaner, haben Recht. Regeln sind für Schwächere, für Sterbliche, für andere Länder. Aber wenn wir Regeln brechen, dann sind wir im Recht. Denn wir sind Amerika. Die Menschen fragen sich nicht, ob die Allianz mit Amerika eine gute Sache war oder nicht. Und jetzt halten sie es für selbstverständlich. Wir sind kein weiterer Bundesstaat der amerikanischen Union…“)

Wir hier in Australien scherzen darüber, der 51. Bundesstaat Amerikas zu sein, aber im Gegensatz zu Syrien werden wir das nie sein. Das müssen wir gar nicht. Wir unterliegen bereits den selben Konzernmächten die die USA kontrollieren, daher traben wir in jeden US-Krieg, jeden US-Handelsdeal und handeln wie ein US-Geheimdienst, so als ob sie schon die US-Flagge über unserem Parlament gehisst hätten und uns Wisconsota nennen. Durch militärische Allianzen, Geheimdienst-Allianzen, Konzernabkommen und einen guten alten Umsturz durch die CIA und den MI6 haben wir uns reibungslos von der Unterwürfigkeit in der alten Form des Imperialismus zu einer Unterwürfigkeit im neuen Imperialismus verändert. Ein ganzer Kontinent voller McDonalds-fressender Schafe.

Im neuen Imperialismus behalten die Länder ihre Grenzen, behalten ihre Namen und auf dem Papier haben sie auch souveräne Regierungen. Australien bleibt Australien, Syrien bleibt Syrien. Aber die Machtdynamiken sind alle darauf ausgerichtet, sich zugunsten desselben gewaltigen Macht-Konglomerats zu konzentrieren.

Das neue Imperium findet man auf keiner Landkarte, daher denken die Menschen, dass es das gar nicht gäbe. Aber der einzige Grund warum man es auf den Landkarten nicht findet, die man uns in der Schule erklärt hat, ist der, dass das neue Imperium sich in keinster Weise auf Geographie beschränkt. Es schert sich nicht um die dünnen Linien zwischen den einzelnen Ländern, wie sie auf dem Schulglobus aufgezeichnet sind, oder um die verschiedenen Farben, mit denen man die verschiedenen Länder bemalt hat. Der Nationen-lose Klub aus Plutokraten, die Regierungen als Werkzeuge und Waffen benutzen, er hält sich nicht mit solchen Dingen auf. Sie denken nicht in solchen Kategorien. Sie scheren sich nicht um Land und Regierung, sie kümmern sich um Geld, Macht und Einfluss. Und keines dieser Dinge ist geografisch beschränkt.

Daher genügt es ihnen, ein paar strategische Orte in Syrien zu besetzen um eine Stör-Kampagne gegen die Rivalen des Imperiums zu fahren. Dazu müssen sie nicht Syrien besetzen oder gar Assad stürzen. Das Land selbst interessiert sie nicht, sie interessieren sich für das lokal unbegrenzte neue Imperium. Sie werden ein paar Ölfelder kontrollieren, ein paar zwielichtige Allianzen schmieden, ein paar Terrorarmeen loslassen, das alles, um immer mehr Macht in das neue Imperium zu lenken, ein Vertrag nach dem anderen. Konzerne und Banken sind nicht durch nationale Grenzen beschränkt, und auch nicht die Oligarchen die sie besitzen.

(Ein kurzes Video über die legale Korruption in Amerika):

Nationen und Regierungen existieren nicht mehr. Auf alle Fälle nicht mehr in dem Sinn wie wir es kannten.

Die Vorstellung von deutlich getrennten, souveränen Regierungen ist derzeit ein Märchen, das den Massen erzählt wird, um uns davon abzuhalten zu erkennen, dass wir alle in das Getriebe einer ausbeuterischen Dreschmaschine geworfen werden, die nur existiert, um die habgierigen Pläne von ein paar herrschenden Eliten zu füttern.

All das wurde durch einen fortwährenden Krieg gegen das gesellschaftliche Konzept der Souveränität ermöglicht. Unser Konzept der Souveränität ist dermaßen geschwächt, dass eine mächtige Regierung damit davonkommt, in andere Länder einzumarschieren und von „Selbstverteidigung“ zu schwafeln, wenn sie dort Menschen töten. So geschwächt, dass die permanente inländische Überwachung durch geheime und nicht rechenschaftspflichtige Dienste jetzt als normal angesehen wird. So geschwächt, dass die Öffentlichkeit einen Polizisten wütend verteidigt, wenn der einen Zivilisten erschossen hat, der zu schnell nah seiner Geldbörse gegriffen hat.

Wenn die Gesellschaft einen Weg finden würde, die Souveränität der Nationen, der Regierungen und vor allem der Menschen wieder herzustellen, dann könnte das das neue Imperium, das die Umwelt zerstört, das alles zerstört, das von verwischten Linien und ignorierten Grenzen abhängig ist, nicht überleben. Und das wäre meiner Meinung nach großartig.

https://steemit.com/syria/@caitlinjohnstone/on-the-syrian-occupation-and-the-new-face-of-imperialism

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/caitlin-johnstone-09-02-2018/

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Über die Besetzung Syriens und das neue Gesicht des Imperialismus

  1. den INDIREKTEN Imperialismus gibt es aber schon über 150 Jahre, z.B. im Britischen Empore des 19.Jh , gut am Beispiel seiner Kolonialpolitik in Indien zu beobachten…also nichts neues, wohl nur für den Autor

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    Verfasst von andre | 11. Februar 2018, 16:06

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