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Ausland, Medien

Propaganda! Verzeihung, aber ist meine wirklich größer als eure?

von Andre Vltchekhttp://www.theblogcat.de

Sie reden von Propaganda! Im Westen schreien sowohl die Massenmedien als auch einige der sogenannten progressiven Seiten: „Schon wieder diese Russen und Chinesen! Ihre bösartige Propaganda infiltriert unsere Demokratie, die freiheitsliebenden Länder und sie verbreiten Verwirrung und Chaos!“

Ja, verbannt RT oder schränkt sie zumindest ein, isoliert TeleSur und werft PressTV den Hunden zum Fraß vor, wenn ihr könnt. Und setzt die Autoren von NEO, Sputnik, Global Times und andere ausländische Medien auf die sprichwörtliche „No Fly Liste“ der westlichen Massenmedien.

Wie überaus demokratisch: Wie weltoffen, wie „objektiv“!

Das funktioniert so:

„Wir haben den gesamten Planeten für Jahrhunderte indoktriniert, zumeist ohne Widerstand, aber wenn es jemand wagt zurückzubeißen, dann werden wir unser Bestes tun um sie umgehend zu diskreditieren, ja zum Schweigen zu bringen.“

Und wenn man dann protestiert und wagt zu behaupten, dass die Vertreibung und Schikane alternativer Medienquellen verdammt nach Zensur riecht und sie eine Art Monopol auf Propaganda aufziehen wollen, dann bekommt man zu hören: „Was wisst ihr schon von Propaganda? Wenn ihr mal echte Hardcore-Propaganda sehen wollt, dann schaut euch diese farbenprächtigen Militärparaden und politischen Reden aus Pyongyang an!“ Natürlich werden diese aus dem Zusammenhang gerissen und auf eine bestimmte Art präsentiert (oder eingerahmt) und erst danach sind sie bei BBC oder anderen, sollen wir sagen „seriösen“ und „objektiven“ europäischen und nordamerikanischen TV-Kanälen verfügbar.

Was sie einem nicht sagen: Wenn man etwa in New York oder London, Paris oder Sydney, München oder Madrid lebt, dann ist man sehr wahrscheinlich dem höchsten Propaganda-Konsum auf der ganzen Welt ausgesetzt. Da kann man tatsächlich zu einem echten Propaganda-Junkie werden – süchtig, vollkommen abhängig, ständig auf der Suche und sogar regelmäßig darauf angewiesen, zumindest unbewusst.

 

Propaganda, was ist das wirklich?

Wir alle „verbreiten“ oder „propagieren“ etwas. Zumindest geben wir in unseren Emails öffentlich bekannt was wir denken und glauben, wir verbreiten es in der Gaststätte oder wenn wir uns mit Freunden und Liebsten treffen.

Manche von uns tun das beruflich. Wir schreiben Aufsätze, Bücher, halten Reden oder machen Filme. Wir beschäftigen uns mit Politik. Wir treten revolutionären Bewegungen bei. Wir wollen die Welt verändern. Wir reden und schreiben über das was wir glauben.

Das ist alles Propaganda – das Verbreiten von Gedanken, der Versuch andere zu beeinflussen. Was in der Kirche oder der Moschee geschieht ist ebenfalls eindeutig Propaganda, auch wenn es öffentlich selten so genannt wird.

Jeder von uns hat irgendeine Meinung, irgendeine Sicht auf die Welt. Zumindest eine einfache… Und was zum Beispiel die Massenmedien anbelangt, so haben deren Bosse und Besitzer definitiv ziemlich klare Absichten, Meinungen und Ziele (Die Angestellten, jene Journalisten, die in ihren Bürozellen aus Plastik sitzen, tun einfach ihre gut bezahlte Arbeit und geben die Gedanken ihrer Meister wieder, mit einer Standard-Prosa, elegant und grammatikalisch korrekt).

Kurzum: jedes Mal wenn wir die Welt beeinflussen wollen, dann wollen wir unsere Gedanken hübsch „verpacken“ und die wirkungsvollsten und attraktivsten Teile und Passagen unserer Ideale und Prinzipien extrahieren.

Daran ist nichts Falsches. Wir kommunizieren, wir propagieren unsere Gedanken und Träume und wir versuchen die Welt zu verbessern. Eine solche Propaganda ist gesund, glaube ich.

Das wird zu einem echten Problem, wenn die selben Taktiken und Techniken für etwas absolut Zerstörerisches und objektiv Böses verwendet werden. Etwa für Kolonialismus, Rassismus, Imperialismus oder den Versuch ganze Nationen und Kontinente zu kontrollieren und zu plündern. Zu einem noch größeren Problem wird es, wenn das mit nahezu unendlichen Geldmitteln geschieht und in Folge dessen einige der fähigsten Köpfe involviert werden, einschließlich Kommunikationsexperten, Lehrer und sogar Psychologen.

Wenn sich ein solches Szenario entwickelt, dann hat es plötzlich nichts mehr mit „Diskussion“ zu tun oder der „Suche nach dem besten Weg für unsere Menschheit“. Dann geht es um die totale, vollständige Kontrolle über die Gedanken der Menschen, um die Ausschaltung aller Alternativen.

Das ist brutale, verhängnisvolle Propaganda. Und das ist genau jene Propaganda wie sie im Westen adoptiert wurde, und sie breitet sich wie Metastasen auf der gesamten Welt aus.

Wenn solche Entwicklungen nicht kontrolliert und angefochten werden, dann kann das zur völligen Zerstörung der Fähigkeit der Menschen führen, frei zu denken, zu vergleichen und zu analysieren. Aber es kann auch die Fähigkeit zerstören, zu fühlen, zu träumen und etwas zu wagen.

Das ist sehr wahrscheinlich das Ziel des westlichen Neokolonialismus. Sein „Erfolg“ hängt von einem totalen, dogmatisch kulturellen und „intellektuellen“ Monopol ab, das von Europa und den USA dem Rest der Welt übergestülpt wird. Ein solches Monopol kann nur durch eine einseitige Interpretation des gegenwärtigen Geschehens und auch der Weltgeschichte erreicht werden.

Das Hauptziel ist die absolute und bedingungslose Kontrolle über den Planeten.

Nach der Zerstörung der Sowjetunion und während der gleichzeitigen atemberaubenden Marktreformen in China (und der Infiltrierung des chinesischen Erziehungssystems) kam der Westen diesem Ziel extrem nahe.

Die Welt hat sich ganz dem westlichen Imperialismus und Marktfundamentalismus verschrieben und begann unter einer monströsen Welle an Privatisierung, Diebstahl natürlicher und anderer Ressourcen und einem daraus resultierenden Kollaps ganzer Nationen zu leiden, von Russland bis Indonesien.

Dann „ist etwas passiert“. Die Auswirkungen für große Teile des Planeten so verheerend, dass viele Teile der Welt abrupt damit aufhörten, dem westlichen Diktat zu folgen. Russland ist wieder aufgestanden, China hat sich unter der Führung der Kommunistischen Partei und insbesondere von Präsident Xi wieder einem „Sozialismus mit chinesischer Ausprägung“ zugewandt und eine viel größere Betonung auf die Lebensqualität, die Kultur und die Umwelt gelegt als auf die Finanzmärkte. Lateinamerika begann mit einer neuen Welle im Kampf um Unabhängigkeit von den USA und von seinen eigenen europäischen Eliten. Viele andere Länder, vom Iran bis Südafrika, Eritrea, Syrien und die DPRK, weigerten sich zu kapitulieren.

Und sie werden von der westlichen Propaganda Tag und Nacht verteufelt, systematisch und unaufhörlich.

Wer auch immer für die Interessen seines oder ihres Landes eintritt, sei es Kommunist, Sozialist, Patriot oder gar Populist, wird unablässig verunglimpft, lächerlich gemacht und erniedrigt. Präsident Assad oder Ahmadinedschad, Putin, Xi, Duterte, Zuma, Maduro,Castro, egal wie populär sie zuhause waren, das spielt keine Rolle! Es ist ganz einfach: Wer auch immer sich erhebt und für sein Volk kämpft, er bekommt es mit Rufmord in den westlichen Medien zu tun, und die kontrollieren indirekt wiederum die meisten Medien auf der Welt!

Die patriotischen und progressiven Führer aus dem Weg zu schaffen, das dient offen den Interessen des westlichen Imperiums und dessen Geschäftszweigen.

Daran zweifelt niemand mehr. Da braucht es schon verdammt viel Disziplin um das nicht zu sehen.

Aber im westlichen Fernsehen, den Zeitungen, Magazinen und sogar in den Universitäten wird konstant das Gegenteil wiederholt.

Fakten werden ignoriert, Verschwörungstheorien ausgeheckt, weiß ist nicht mehr weiß, schwarz nicht mehr schwarz, das menschliche Blut ist nicht mehr rot, unsere Herzen nicht mehr links und vor allem: die Menschen ersehnen nicht mehr ihre eigene Identität, Kultur, Justiz und Sicherheit. Ist das nicht die höchste Form der Propaganda, der Indoktrination oder der totalen Hirnwäsche?

Jene die sich über die „staatlichen“ und „staatlich finanzierten“ Medien in nichtwestlichen Ländern hermachen, sollten sich einige sehr wichtige Fragen stellen: „Gibt es im Westen irgendeinen Unterschied zwischen jenen „privaten“ oder „staatlichen“ Medien? Gibt es irgendeinen substantiellen ideologischen Unterschied zwischen CNN, BBC, dem Independent, der New York Times, France 24 oder Deutsche Welle?“

In Europa und in Nordamerika, und auch in ihren „Klienten“-Staaten, werden die Regierungen von den Geschäftsinteressen kontrolliert. Sie sind eigentlich diejenigen, die die Regierungen wählen, oder besser gesagt „auswählen“. Privat oder staatlich finanziert – die Massenmedien des Westens vertreten dieselbe Linie. Sie sind Teil des Apparats.

In nicht-westlichen Ländern beginnen die staatlich unterstützten Medien, verschiedene neue Linien zu propagieren, zumeist verteidigen und betonen sie die Interessen ihrer eigenen Länder, und das ist irgendwie eine revolutionäre Entwicklung.

Somit gibt es endlich etwas globalen Wettstreit, nicht wahr, ihr imperialistischen und kapitalistischen Kameraden? Aber was erleben wir… plötzlich gefällt euch das nicht? Ihr wollt euer globales Monopol? Ist das eure Vorstellung von Freiheit und „freiem Wettbewerb“? Ihr wollt, dass eure Propaganda die einzige auf der Welt ist!

Vor einigen Jahren, als ich mit Noam Chomsky einen Film machte und ein Buch schrieb, da haben wir uns viel über westliche Propaganda unterhalten („Über den westlichen Terrorismus – von Hiroshima bis zum Drohnenkrieg“, Pluto Press:

https://vimeo.com/ondemand/chomskyvltchek (7 Minuten-Trailer!)

Noam machte mich darauf aufmerksam, dass Nazi-Deutschland extrem von der US-Werbeindustrie beeindruckt war.

Dann wurde die westliche Propaganda irgendwie schamlos durch die Werbe-Produktion geformt, durch hirnlose und unverschämt betrügerische Werbung. Der ständige Strom an Pseudo-Realität hat seither jeden menschlichen Anstand und Vernunft fortgespült.

Über diese Thema habe ich auch viel geschrieben, insbesondere in meinem Buch „Exposing the Lies of the Empire“. https://www.amazon.com/Exposing-Lies-Empire-Andre-Vltchek/dp/6027005866

Das Fernsehen, Hollywood, aber auch die Indoktrination, die intellektuelle Sterilisierung und die groteske Art der „Wissensvermittlung“ an den nordamerikanischen und zunehmend auch den europäischen Universitäten – das hat alles sehr wenig mit jener Realität zu tun in der die Welt lebt. Und mit den wahren Sorgen der Menschen; mit ihren Hoffnungen, Ängsten, Wünschen und Sehnsüchten.

Westliche Werbung, Unterhaltung und Bildungsinstitutionen – das sind sehr mächtige Werkzeuge der Propaganda. Sie vermitteln, erzwingen und infiltrieren dem menschlichen Unterbewusstsein extrem primitive und falsche, jedoch sehr mächtige Botschaften: „Auf jeden Fall ist unsere gegenwärtige Weltordnung richtig und gerecht. Unsere Wirtschaft und das soziale System ist das natürlichste auf der Welt. Unser politisches System ist nicht perfekt, aber es ist trotzdem das beste.“

Noam Chomsky schien von meiner Vergangenheit fasziniert zu sein, und das aus guten Gründen: Auch ich war als Kind und dann als junger Mann völlig indoktriniert und von der westlichen Propaganda gehirngewaschen.

Ich wurde in der wunderschönen Stadt Leningrad geboren, in der Sowjetunion. Meine Mutter ist russisch-chinesische Architektin, mein Vater tschechischer Wissenschaftler. Ich wuchs in Pilsen auf, damals Tschechoslowakei. Pilsen liegt nur 60 km von Bayern entfernt. Im Alter von 15 Jahren dort „Dissident“ zu sein, das war absolut unerlässlich, sonst wäre man als totaler Loser, ja Freak angesehen worden. Das wurde uns natürlich durch BBC, Radio Free Europe, Voice of America, westdeutsches Fernsehen wie ARD und ZDF in die Köpfe gehämmert. Wir hörten alle Radio Luxemburg, Bayern 3, wir lasen „verbotene“ Literatur.

Pilsen ist eine Kleinstadt mit 180.000 Einwohnern, bekannt für seine Schwerindustrie und das Bier. Aber als ich ein Kind war, da hatte es ein Opernhaus, zahllose Büchereien, darunter eine wissenschaftliche, mehrere kleine Avantgarde-Theater (die natürlich alle versucht haben, etwas auf die Bühne zu bringen wo man „zwischen den Zeilen lesen“ konnte). Es gab großartige Buchläden, 6 Kinos, darunter einen ausgezeichneten Kino-Klub, in dem wir fast alle großen existentialistischen und experimentellen Filme aus Europa, Japan, den USA und Lateinamerika sahen.

Die kommunistische Tschechoslowakei war zu einem gewissen Grad grau, aber extrem gut gebildet, kulturell und eigentlich sehr spaßig.

Als ich das erste Mal Italien besuchte, da war ich über die Slums rund um Neapel schockiert, von der traurigen Menge an afrikanischen Einwanderern. Ich habe gegen die „Besatzung Afghanistans durch die Sowjetunion“ protestiert, denn darauf hat mich der World Service der BBC vorbereitet. Obwohl ich mit großer Literatur, Lyrik und Musik aufwuchs, sah ich Rambo als Freiheitskämpfer und Maggie Thatcher als Befreierin der „freien Welt“.

Irgendwie glaubte ich noch an die Ideale der Sowjetunion, an den Internationalismus. Aber mein Hirn war gebraten – es war wie ein Gulasch, das aus Pseudo-Bildern bestand, die wie eine Lawine aus dem Westen anrollte und aus der soliden, nicht allzu bunten Realität der sozialistischen CSSR.

Meine beiden tschechischen Onkel waren echte Internationalisten und sie bauten Zuckerraffinerien, Stahlwerke, Pharmafabriken und andere große Sachen in Syrien, Libanon, Ägypten und China. Sie taten das mit ehrlichem Eifer und aus Liebe zur Menschheit. Ich betrachtete sie als zwei Loser, Idioten, „Fanatiker“. In Wahrheit waren sie großartige Menschen und ich war damals einfach übel, gehirngewaschen und blind!

Damals wie heute spuckt die westliche Propaganda auf alles reine, altruistische und ehrliche. Die westlichen Medien haben Schiss vor echten Helden, vor Menschen die anderen helfen um unabhängig zu werden, vor starken und wirklich freien Männern und Frauen.

Ich emigrierte. Ich schrieb totalen Mist, meinen ersten Lyrik-Band und ich engagierte mich in der Solidarnosz-Bewegung in Polen. Ich begann zu trinken und qualmte 50 Zigaretten am Tag und emigrierte wieder. Besser gesagt, ich wurde rausgeworfen, oder so… Ihr wisst schon, ein sowjetischer Junge in der CSSR, der Dissidenten-Zeug schreibt… Es war peinlich, also schlug man mir vor in den Westen zu gehen, den ich so sehr liebte.

Ich ging. Um die Geschichte abzukürzen, nachdem ich in den USA politisches Asyl bekam, war ich an der Filmhochschule der Columbia Universität in NYC, als die USA ihre ersten Luftschläge gegen Libyen ausführten.

Das war eine bedeutende Woche. Studenten der Film-Fakultät erklärten mir rasch was in Libyen vor sich ging. Und im Pub fragten sie mich dann nach den „Warteschlangen“ vor den Bäckereien in der Tschechoslowakei. Ich erzählte ihnen freundlich über die vielen köstlichen Brotsorten, die man in Pilsen bekam, aber sie glaubten mir nicht. Sie fragten weiter nach der Zensur… Ich war besser belesen als sie und abgesehen von den Hollywood-Produktionen hatte ich mehr großartige Filme gesehen, und auch das war für meine neuen Freunde schockierend.

Aus den Fenstern des East Campus betrachteten wir die unzähligen Feuer in Harlem. Das war das Harlem vor Clinton, echt starkes Zeug.

In New York sah ich überall Armut, Verzweiflung und Unzufriedenheit, aber auch totale Gehorsamkeit und Resignation. Aber es gab kein „Zurück“.

Ich begann Harlem zu besuchen, mit Mietwagen, denn kein Taxi wollte mich da hinbringen. Ich entdeckte eine wunderbare kleine Jazzkneipe, das Baby Grand. Dort trank ich und hörte die Jazzmusik und in der Nacht heulte ich mich bei der Besitzerin aus, einer großen afroamerikanischen Mama. Ich kann mich noch an einen Abend erinnern, ich habe auf den Fußboden gekotzt und mein Bier verschüttet. „Ich war so dumm!“ heulte ich. „Ich bin so ein Trottel!“ Sie streichelte mein Haar und sagte immer wieder: „Pst… Es könnte viel schlimmer sein. Mein Volk hat viel viel mehr durchgemacht … Sei stark, junger Mann!“ Ich war 19 oder 20, ich hab’s vergessen. In Harlem hat man mir deutlich gezeigt was Amerika ist.

Später heiratete ich in eine Multimillionärs-Familie in Texas ein und ich sah was „innen“ ablief. Das Erdöl, der Hass auf „Big Government“. Als Simultandolmetscher (mit der Schwarzarbeit finanzierte ich meine Schriftstellerei), war ich bei den absolut schrecklichsten Verhandlungen zwischen dem westlichen „Privatsektor“ und dem was von der Sowjetunion übrig war, und später Russland, zugegen. Was der Westen meinem Land, der Sowjetunion, und dann Jelzins Russland antat, war Diebstahl, einfach schamlose Plünderei. Damals machte ich 1.000 Dollar pro Tag. Ich verstand schnell was Kapitalismus ist, und Imperialismus. Ich wollte sterben. Ich habe mich fast umgebracht. Ich floh vor dem Ganzen. Ich floh nach Peru, um über den damals brutalsten Völkermord zu schreiben. Ich ging auf Reisen. Ich vergaß wer ich bin. Ich wurde zu einem Internationalisten. Und habe nie mehr aufgehört einer zu sein.

Und ich ging nie wieder nach Europa oder in die Vereinigten Staaten zurück um dort zu leben. Ich komme nur um meine Filme zu zeigen, meine Bücher vorzustellen oder die eine oder andere beleidigende Rede zu halten, so wie vor zwei Jahren im Italienischen Parlament in Rom.

Ich brauchte einige Zeit um zu verstehen. Ich verstand. Nachdem ich in mehr als 160 Ländern gelebt und gearbeitet habe, nachdem ich Zehntausende Stunden wahrer Geschichten gehört hatte und bei mehr als zehn Gelegenheiten fast mein Leben verloren hätte, da verstand ich.

Ich verstehe ganz genau, und verachte aus ganzem Herzen, was die westliche Propaganda der Welt angetan hat. Und ich bekämpfe das mit aller Macht, Tag und Nacht, für die Millionen, für die Milliarden Jungs und Mädchen, die jetzt von brutalen Profis in London, New York und Los Angeles so gründlich indoktriniert, lobotomiert und gehirngewaschen werden wie ich damals.

Ich sage und schreibe das was ich sagen und schreiben will.

Ich sage und schreibe auch das, was mir Tausende in Asien, Ozeanien, Afrika, Lateinamerika und dem Nahen Osten aufgetragen haben zu übermitteln. Sie können es nicht selbst tun, sie sind zu verloren, zu geschwächt, zu verwirrt. Sie erzählen mir ihre Storys und hoffen nicht einmal mehr, dass sich etwas ändert oder verbessert. Sie glauben, dass ihr Unglück permanent und unausweichlich ist.

Und dann schreibe ich meine „Propaganda“-Artikel! Ich ergreife Partei. Ich erzähle über den Schrecken, den das neo-kolonialistische Regime des Westens anrichtet. Bin ich „subjektiv“? Und ob! Und ich gebe offen zu dass ich es bin.

Ich bin ein Internationalist, auf kubanische Art. Ich verberge nicht was ich bin. Es steht alles in meinen Aufsätzen, meinen Profilen und in meinen Büchern.

Ich „propagiere“ was ich denke und was ich glaube. Ja, eigentlich will ich lieber „Propagandist“ als Journalist genannt werden, denn das ist jetzt nur noch ein anderer Name für „das älteste Gewerbe der Welt“.

Menschen wie ich sind frei und sie schreiben, reden und machen Filme genau so wie sie wollen.

Wenn wir uns den Russen, Chinesen, Kubanern, Venezolanern anschließen – dann tun wir das weil wir es wollen, weil wir denken dass das, was sie gerade tun, weitgehend richtig ist. Das ist kein Beruf, es ist ein Kampf, eine Schlacht, ein wahres Leben!

Schwierig, nicht einfach, aber ein Leben, das ich für nichts eintauschen würde.

Aber sie, unsere Gegner im Westen, diese Journalisten, sie sind einfach Feiglinge, Heuchler und viel viel Schlimmeres!

Sie tun so als wären sie „objektiv“, dabei kann es in dieser Zeit keine „Objektivität“ geben, vor allem nicht im Westen. Sie verbergen ihr wahrlich schändliches Geschäft hinter ihrem tadellosen Oxford-Akzent. Sie profitieren immer noch sehr davon dass sie weiß sind.

Sie lügen ganz einfach, offen und schamlos, schon weil sie sich weigern offen zuzugeben wer sie bezahlt, was von ihnen erwartet wird und was mit ihren Karrieren passieren würde wenn sie es wagen würden, die Wahrheit zu sagen oder zu schreiben.

Meine Propaganda gehört mir. Oder sie dient dazu, meinen Genossen, den Ländern und Regierungen zu helfen, die ich bewundere und unterstütze.

Bin ich ganz objektiv? Last das bitte genau: „NEIN! Definitiv nicht. Und ich ziele auf keine falsche Objektivität ab! Ich bestimme wo ich hingehe und ich wähle die Storys aus über die ich berichten will. So bewege ich mich politisch. Aber wenn ich einmal dort bin, an der Front, dann sage ich die Wahrheit und ich produziere Bilder die einfach nicht lügen können!“

Meine Gegner in den Massenmedien des Westens, ihre Regierungen, die multinationalen Konzerne und Werbefirmen, sie lügen Tag und Nacht. Und sie geben niemals zu, welches Spiel sie spielen.

Und darum ist ihre Propaganda „größer“ als meine.

Ich schreibe frei über das was ich für richtig halte, und meine Leser lesen meine Sachen frei (oder manchmal trotz großer Hindernisse).

Meine Gegner im Westen benutzen die niederträchtigsten Staats- und Geschäftsapparate, sogar Furcht, um die Menschen mit ihren Lügen zu durchdringen. Sie haben Psychologen, Demagogen und Geschäftsgurus zu ihrer Verfügung: damit sie ihre Märchen auf der ganzen Welt verbreiten können.

Aus technischer Sicht sind sie sehr gut in dem was sie tun. Dass sogar die Ärmsten der Armen, sogar jene, denen man schon alles geraubt hat, bereitwillig ihre „Weltsicht“ abkaufen. Geht mal nach Kenia oder Indonesien, besucht dort die Slums und ihr werdet es sehen.

Für viele der Opfer ist es die größte Ehre, so indoktriniert (und wortgewandt) zu werden wie jene, die der Welt bereits das meiste geraubt haben.

Das, meine lieben Genossen, ist das Ergebnis einer perfekt erfolgreichen Propaganda!

Tut mir schrecklich leid, aber ich halte mich an meine eigene Propaganda. Die meine ist vielleicht transparent, mangelhaft und roh, aber sie ist ehrlich.

Und nachts habe ich keine Angst in den Spiegel zu schauen!

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/propaganda/

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