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Debatte, Gesellschaft

Warum gab es nach 1917 noch keine erfolgreiche Revolution, muss der Mensch untergehen?

von Norbert Nelte

Der Kapitalismus steht vor dem Aus, das ist jedem aufmerksamen Beobachter inzwischen klar. Seit 1995 wachsen weltweit die Schulden in jedem Staat dreimal so schnell wie das Welt-BIP

(siehe Der Gipfel der Realitätsverweigerung: Wie wir blauäugig auf den Crash zusteuern, Chart S. 4)

Warum sind wir uns trotzdem sicher, dass ein Übergang zu einem sozialistischen System im marxistischen Sinne kommen wird.

Die Revolution von 1917 in Russland gab es nur deshalb am Anfang des Kapitalismus, weil die russische einflussreichste Bourgeoisie, die Großgrundbesitzer noch zu sehr mit dem Adel verflechtet waren, also ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.

Am Anfang des Kapitalismus geht eine normale Revolution gar nicht, weil die Produktionskräfte noch gar nicht genug entwickelt sind. So war eigentlich der Weg zu Stalin nicht überraschend.

Friedrich Engels schreibt in dem Buch „Der deutsche Bauernkrieg“

»Es ist das Schlimmste, was dem Führer einer extremen Partei widerfahren kann, wenn er gezwungen wird, in einer Epoche die Regierung zu übernehmen, wo die Bewegung noch nicht reif ist für die Herrschaft dieser Klasse, die er vertritt, und für die Durchführung der Maßregeln, die die Herrschaft dieser Klasse erfordert … Er findet sich notwendigerweise in einem unlösbaren Dilemma: was er tun kann, widerspricht seinem ganzen bisherigen Auftreten, seinen Prinzipien und den unmittelbaren Interessen seiner Partei, und was er tun soll, ist nicht durchzuführen. Er ist, mit einem Wort, gezwungen, nicht seine Partei, seine Klasse, sondern die Klasse zu vertreten, für deren Herrschaft die Bewegung gerade reif ist. Er muss im Interesse der Bewegung selbst die Interessen einer ihm fremden Klasse durchführen und seine eigene Klasse mit Phrasen und Versprechungen, mit der Beteuerung abfertigen, dass die Interessen jener fremden Klasse ihre eigenen sind. Wer in diese schiefe Stellung gerät, ist unrettbar verloren.«
F. Engels: „Der deutsche Bauernkrieg“, MEW 7, Berlin 1960, S. 400

Lenin selber kannte den Unterschied vom Anfang und Ende, deshalb forderte er ja vor 1917 eine Arbeiter und Bauerndiktatur. Die Arbeiterbewegung von 1917 riss ihn aber mit, weshalb er dann wie Trotzki auch für die Arbeiterräte (Sowjets) war und die Aprilthesen dann vortrug. „Aufklärung der Massen darüber, dass die Sowjets der Arbeiterdeputierten die einzig mögliche Form der revolutionären Regierung sind…von den Sowjets der Arbeiterdeputierten zu dieser [dem bürgerlichen Parlament] zurückzukehren wäre ein Schritt rückwärts.“

So war bei Lenin die einmalige Wahlaussetzung eine Not, bei Stalin aber wurde die Diktatur eine Tugend.

Kein einziger seiner alten Parteigänger hat dies aber verstanden, weshalb sie alle Stalin in die Diktatur folgten und Trotzki ausgewiesen wurde. Die Arbeiterklasse mit 2% Anteil der Bevölkerung war noch zu schwach, um dem was entgegensetzen zu können und gegen die Abschaffung 1928 der Arbeiterräte vorzugehen.

Und wir sehen ja. Auch Moskau konnte sich unter dem Kapitalismus noch enorm weiter entwickeln.

Genauso war das mit allen nachfolgenden Revolutionsversuchen von Spanien 1936 bis Iran 1979, Der Kapitalismus konnte insgesamt noch auch für die Arbeiterklasse entwickelt werden, nur die jeweiligen lokalen Bourgeoisien machten ihre Hausaufgaben nicht. Nach der Niederschlagung der Nelkenrevolution 1974 konnte der Lebensstandard in der EU dann immerhin noch vervielfacht hat. Ich habe in Spanien 1968 zur Franco Ära noch Frauen fotografiert, die ihre Wäsche im Bach gewaschen haben.

Rosa Luxemburg sagt ganz klar in ihrer Schrift „Sozialreform oder Revolution?“
„Ohne Zusammenbruch des Kapitalismus ist die Expropriation der Kapitalistenklasse unmöglich(Rosa Luxemburg, Sozialreform oder Revolution, S. 42)

Seit 1982 wird nun der Warenkorb für die Arbeiterklasse nicht mehr voller, in den USA schon ab 1970. Ab hier nun wäre eine Revolution möglich gewesen. Spätestens ab 2008, seitdem der Kapitalismus zusammengebrochen ist und nur durch Statistiklügen, fiktiven Gewinnen und Shareholder Wetten aufrechterhalten wird und der Reallohn im Durchschnitt sinkt hätte ein Aufstand oder eine Revolution erfolgen können und müssen.

Aber das Werk Stalins mit der Diktatur und 60 Millionen Tote war so niederschlagend, dass man noch in hunderten Jahren nicht vom Kommunismus reden kann. Auch wenn man den Menschen lang und breit erklärt, dass marxistischer Sozialismus in Wirklichkeit erst richtige Demokratie, Basisräte von unten bedeutet, bei denen der Wähler entscheidet und der –Abgeordnete den Wählerwillen ausführen muss, kommen sie immer wieder auf Stalin und Ulbricht zurück. Das liegt Meilen tief im Gehirn. Auch wenn es Stalin nicht gegeben hätte, wäre er vom CIA erfunden worden. Es stellt sich sowieso die Frage, ob die Vereinigten Staaten an der Konterevolution mitgearbeitet haben. Schon 1922 hatten sie scheinbar schon unter Lenin ihre Wühlarbeit begonnen. Lenin schickt eine Kurznotiz an Trotzki:

»Ich habe soeben zwei Briefe von Tschitscherin [Außenminister der SU, Nachfolger Trotzkis] erhalten (vom 20. und 22. 1922). Er stellt darin die Frage, ob man nicht gegen eine anständige Kompensation kleinen Änderungen unserer Verfassung zustimmen sollte, nämlich der Vertretung der parasitären Elemente in den Sowjets, den Amerikanern zu Gefallen. Dieser Vorschlag Tschitscherins zeigt, meiner Meinung nach, dass man ihn unverzüglich in ein Sanatorium schicken sollte, jegliches Gewährenlassen,  jede Verzögerung und so  weiter  bedeutet  meiner  Meinung nach die größte Gefahr für alle Verhandlungen.« (Trotzki, Mein Leben mit  Bildern, S. 248)

Dazu muss man noch Sagen, dass Tschitscherin zwar kein Marxist war, aber ein absoluter Kriegsgegner, weshalb er treu zur Sowjetregierung stand.

Man muss sich fragen, warum die Couponschneider in die Räte nur zum Gefallen der Amerikaner sollen, warum nicht auch zum Gefallen der Deutschen, mit denen Tschetscherin ja in Rapallo die gegenseitige Anerkennung und weiteres Interesse der Zusammenarbeit ausarbeitete, oder zum Gefallen der Engländer.

Da haben bestimmt die US-Amerikaner schon solche dämlichen Deals vorgeschlagen. Schon Trotzki berichtet ja von dümmlichen Fragen der Amis, obwohl der Seperatsfriedensplan mit den Deutschen in allen ihrer Zeitungen stand

„Am 18. November (1917) besuchte mich im Smolny unerwartet der General Jodsen, der Chef der amerikanischen Mission. Er schickte voraus, dass er noch keine Möglichkeit habe, im   Namen der amerikanischen Regierung zu sprechen, aber er hoffe, dass alles allright sein werde, ob die Sowjetregierung die Liquidierung des Krieges gemeinsam mit den Alliierten anstrebe? (Trotzki, Mein Leben mit  Bildern, S. 70)

So werden die Amerikaner ihre dümmlichen Fragen und Deals sicher nach 1924 bei Stalin weiter gemacht haben. Und ich weiß nicht, ob Stalin, bei solchen Fragen wie Lenin immer ein klares Nein gesagt hätte. Jedenfalls hat Stalins Diktatur alle Menschen vom Kommunismus gehörig abgeschreckt haben.

Die 68 Studentenbewegung der Stalinisten kam ja auch aus Amerika, da könnte der CIA auch seine Finger mit im Spiel gehabt haben. Erst alle östlichen Regierungen trichtern den Menschen ein, das Kommunismus Diktatur und Blut ist, dann die Studentenbewegung und alle westlichen Regierungen. Das ist scheinbar für alle zuviel, so, dass sogar so aufgeklärte, offene und tolerante Menschen wie Ken Jebsen und Ernt Wolff (ab 1:10) auf die Hetze reingefallen sind.

„Mit ein paar hundert Leuten den Putsch gemacht, die Geheimpolizei hat das größte Terrorregime aufgebaut“ sagt Ernst Wolff. Dabei ist es klar, dass die Politiker, nachdem ihnen die Macht genommen wurde, wüste Geschichten über die Revolutionäre geschrieben haben.

Zu den paar hundert Leuten ist zu sagen, dass 95% der Armee und 80% aller Zivilpersonen  da mitgemacht haben, sonst hätten sie gar nicht gegen die 16 imperialistische Staaten gewinnen können. Es waren Hunderttausende, in jeder Stadt.

Lenin meinte mit dem „gib mir hunderte Menschen“  hundert Kader, und er kann die Weilt aus den Angeln heben. Zum Terrorregime ist zu sagen, dass die Arbeiterklasse 1921 nur 3% betrug und man deshalb in den Arbeiterrräten vorübergehend die Wahlen aussetzte, vielleicht 1, 2 Legilaturen, kalkulierten sie. Bis zu Lenins Tod 1924 bestand aber das Recht auf Kritik weiter Es gab immer noch lebendige Diskussionen, in denen auch von Gruppen die Führung kritisiert wurde. »Selbst nach 1921 wurde das Programm der ‚Arbeiteropposition‘ in einer Auflage von einviertel Million von der Partei selbst gedruckt; zwei  Mitglieder der ‚Arbeiteropposition wurden ins Zentralkomitee gewählt. Als sich 1923 die ‚Linke Opposition‘ bildete,  konnte sie immerhin noch ihre Ansichten  in der ‚Prawda‘ veröffentlichen.« (Chris Harman, „Russland, wid die Revolution scheiterte.“, Seite 17)

1923 schon beschloss das ZK der KP einstimmig »Die negativen Erscheinungen der letzten Monate sowohl im Leben der gesamten Arbeiterklasse wie auch innerhalb der Partei führen notwendigerweise zu der Schlussfolgerung, dass sowohl im Interesse des erfolgreichen Kampfes der Partei gegen die Einflüsse der neuen Wirtschaftspolitik wie auch im Interesse der Steigerung   ihrer  Kampffähigkeit   auf allen  Arbeitsgebieten  ein ernster Wechsel des Parteikurses erforderlich ist, und zwar in der Richtung der wirklichen und systematischen Durchführung der Prinzipien der Arbeiterdemokratie.« („Die Linke Opposition“, Westberlin 1976, Resolution  des ZK und der Zentralen Kontrollkommission der KP Russland, Über den Parteiaufbau, S. 2.258) Also noch nicht mal zwei Legislaturperioden, denn 1917 wurde ja gewählt, von Diktatur kann man da wirklich nicht reden.

Wir empfehlen den Kritikern der russischen Revolution doch auch mal neutrale Beobachter zu lesen wie Viktor Serge „10 Tage, die die Welt erschütterten“ (mit Bildern). Ernst sieht auch, dass es jetzt mit dem kapitalistischen System zu Ende geht, was glaubt er, wie die Alternative aussehen wird. Also, da wären wir bei der wichtigsten Frage aller Fragen. Obwohl bis jetzt keine Revolution möglich war, wie soll das dann gerade jetzt noch auf den letzten Metern passieren?

In meinem Buch „Geschichte und Logik der Arbeiterräte“ (E-Book 1 €) habe ich nachgewiesen, dass bei jeder Revolution betriebliche und überregionale basisdemokratische Arbeiterräte automatisch entstanden, einfach, weil das sich aus dem betrieblichen Kampf ergibt. Wenn der Inhaber eines Betriebes ihn ins Ausland verlagern will und es gibt absolut keine anderen Arbeitsplätze mehr wie 2001 in Argentinien, dann besetzen oft die Kollegen den Betrieb und wählen einen Streikrat.

Auf Betriebsversammlungen stimmen sie über die Betriebspolitik dann ab, die der Streikrat umsetzen muss.

Betriebsversammlung auf dem Hof von Fasinpat (Fabrique sine Patron)

Also gibt es die Demokratie bei Arbeiterübernahmen in den Betrieben schon automatisch, wenn der Chef weg ist. Lenin sagt »Die Arbeiterklasse ist instinktiv und spontan sozialdemokratisch, und die mehr als zehnjährige Arbeit der Sozialdemokratie hat schon sehr, sehr viel dazu beigetragen, diese spontane in eine bewusste Einstellung zu verwandeln.“ (Lenin, Über die Reorganisation der Partei, Werke Bd. 10, S. 16)

Wie selbstverständlich wird das gleiche dann auch bei dem höher liegenden Gremium  gemacht bis hoch zum nationalen Arbeiterrat und übernationalen Parlament bzw, dem Rat der Volkskommissare. Die Wähler entscheiden immer und die Delegierten müssen das ausführen. Das ist wirkliche Demokratie, nicht wie bei uns, wo immer nur die Reichen entscheiden und der Wähler ist immer der Verarschte.

Vor einer Entscheidung hört man lädt man sich Abgeordnete mit gegenläufigen Haltungen ein, vielleicht haben die ja bessere Argumente. Demokratie kostet mehr Zeit, aber wir haben ja auch keinen Zwang zum Wachstum wie der Kapitalismus, der seinen eigenen Zwang nicht mehr einlösen, nie mehr.

Wir brauchen niemandem ein Ohr abkauen, die Betriebsbesetzungen laufen automatisch ab. Es gibt schon in 16 Ländern mehrere Tausend selbstverwaltete Betriebe mit weit über 100.000 Arbeiterinnen und Arbeiter. Sie alle haben schon einen Rat, der nach den 3 Prinzipien der Commune 1872 funktioniert, wie sie sie Karl Marx in „Der Bürgerkrieg in Frankreich“ beschrieben hat. (siehe Norbert Nelte: Was ist marxistischer Sozialismus?)

  1. Jederzeitige Abwählbarkeit.
  2. Durchschnittlicher Facharbeiterlohn (Ingenieur)
  3. Die Abgeordneten sind an den Wählerbeschluss gebunden.

Natürlich wäre es besser, in Deutschland gäbe es auch eine starke Arbeiterbewegung, denn in der Finanzkrise wird es noch viele Selbstmorde und andere Tote geben und eine starke Arbeiterklasse könnte dem entgegenarbeiten.

Die größte Selbstverwaltungsbewegung gibt es mit 372 Betrieben und 61.000 Arbeitern in Argentinien. Die PTS ist schon eine Massenpartei, die diese Bewegung unterstützt. In Frankreich, Brasilien und Griechenland gibt es noch starke Bewegungen. Wenn jetzt der Supercrash kommt, werden sie sich alle verhundertfachen. Die Schwesterorganistion der PTS ist „Klasse gegen Klasse“. Je stärker sie ist, umso schneller wird sich die Bewegung nach Deutschland übertragen.

Wir müssen nur die Arbeiterklasse als Weltarbeiterklasse verstehen und dann haben wir schon gut 2 Schritte in die Revolution hinein unternommen. Für mich ist das gar nichts, mit meiner Kopfmaus zur PTS im Internet zu gehen, da brauch ich noch nicht mal einen Finger krumm machen, aber für die Menschheit ist das ein Riesenschritt in ihre eigene Geschichte hinein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Diskussionen

9 Gedanken zu “Warum gab es nach 1917 noch keine erfolgreiche Revolution, muss der Mensch untergehen?

  1. Man mag der Meinung sein, dass der Stalinismus auf Grund der sozioökonomischen Unterentwicklung Russlands und des Ausbleibens von den Bolschewiki zur Revolutionszeit – nicht ganz ohne Veranlassung – erwarteter Revolutionen im höher entwickelten Westen und folglich des Ausbleibens entsprechender Hilfe für das rückständige Russland unvermeidbar war. Daraus aber zu schließen, dass das Ergebnis Sozialismus im marxistischen Sinn war, ist mehr als mutig. Die Oktoberrevolution hat als Voraussetzung für eine sozialistische Entwicklung die „Diktatur (Herrschaft) des Proletariats“ geschaffen. Aber deren Voraussetzungen wurden – und so sah es auch Lenin – schon während des Bürgerkriegs größtenteils zerstört. Die Diktatur des Proletariats und mehr noch deren Weiterentwicklung zum Sozialismus setzt die reale Herrschaft der im politischen Sinn klassenbewussten Arbeiterklasse voraus. Schließlich hat Marx darauf hingewiesen, dass die Befreiung der Arbeiterklasse das Werk der Arbeiter selbst sein müsse – und nicht etwa wohlmeinender Angehöriger anderer Klassen und Schichten. Schon zu Lenins Zeiten geriet die reale Herrschaft immer mehr in die Hände der großenteils aus dem Zarismus ererbten Bürokratie, nicht zuletzt, weil ein Großteil der proletarischen Kader der Oktoberrevolution den Bürgerkrieg nicht überlebte oder aber geographisch über dass ganze riesige Land verteilt wurde. Die Verstaatlichung der Produktionsmittel ist eine unbedingte Voraussetzung für die Möglichkeit des Proletariats reale politische Macht auszuüben, denn eine Klasse, deren Lebensressourcen sich in der Hand anderer befindet, kann unmöglich frei sein. Die Verstaatlichung ist aber noch nicht identisch mit dem Sozialismus. Sie kann durchaus auch der Herrschaft einer bürokratischen Kaste und gar Klasse zugrundeliegen. Wie groß die Zahl der Opfer der stalinistischen Bürokratie wirklich war (darunter bekanntermaßen die gesamte Führung der Bolschewiki aus der Zeit der Oktoberrevolution bis auf Stalin und Lenin, der zeitig genug starb!) ist nicht wirklich wichtig. Die Zahl war riesig. Es ist deshalb kein Wunder, dass die UdSSR nicht als Ergebnis einer äußeren Intervention oder eines Bürgerkriegs zusammenbrach, sondern einfach, weil der größte Teil der unter dem Namen KPdSU herrschenden Bürokratie sein Heil eher darin sah vom „Staatskapitalismus“ zum üblichen „Privatkapitalismus“ überzugehen und sich so auch das formale Volkseigentum privat unter den Nagel zu reißen.

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    Verfasst von Anton Holberg | 6. Februar 2018, 19:56
    • Tut mir Leid Herr Holberg, aber das ist genau die revisionistische Argumentation die nach dem 20. Parteitag in den kommunistischen Parteien Einzug gehalten hat und erst heute so nach und nach verschwindet, verschwinden muss, denn dieser Opportunismus/ Revisionismus ist die wahre Verfälschung des Marxismus-Leninismus und nicht der „Stalinismus“.

      Zitat: „Daraus aber zu schließen, dass das Ergebnis Sozialismus im marxistischen Sinn war, ist mehr als mutig.“

      Diesen „Mut“ hat hier auch noch niemand aufgebracht, noch nicht einmal ich.
      Der „Stalinismus“ war ein Versuch, IN EINEM LAND, in einer bestimmten historischen Situation, den Aufbau des Sozialismus zu beginnen. Und das dieser Sozialismus nicht ein „marxschen Sozialismus“ war, dieses Bewusstsein traue ich sogar den „Stalinisten“ zu.
      Aber – es war ein Versuch aus den gegebenen Möglichkeit eine neue Gesellschaftsordnung zu formen – Neuland zu betreten. Und ja, hinterher ist man immer schlauer.
      Und ich bin der Meinung (und nicht nur ich), ES GELANG, trotz aller Widrigkeiten von Außen und den Verrat in den eigenen Reihen (von Trotzki (Brest-Litowsk) über die „gesamte Führung der Bolschewiki aus der Zeit der Oktoberrevolution“ bis hin zu Tuchatschewski) – denn, wenn es nicht so gewesen wäre, hätte die Sowjetunion nicht Nazi-Deutschland besiegt, für das fast ganz Europa arbeitete. Außerdem gibt es genügend Beweisen für den Verrat in den eigenen Reihen. Erst mit dem einsetzenden Chruschtschowschen Opportunismus und Revisionismus ging es mit der Entwicklung der Sowjetunion steil bergab.
      Ich möchte an dieser Stelle an die Auseinandersetzung zwischen der KP Chinas und Albanien, nach dem 20. PT erinnern, den beginnenden Niedergang alle kommunistischen (auch der westlichen) Parteien, nach der Zerstörung des Ansehens Stalins.

      Bruno Mahlow schreibt in seinem Artikel: Die Oktoberevolution – Aufbruch in gesellschaftliche Neuland, über die Historischen Leistungen (der Sowjetunion):
      (Quelle: Freidenker, Nr. 4-17, Extra Dezember 2017: 100 Jahre Oktoberrevolution – 100 Jahre Dekret über den Frieden, S. 4 u.5)

      „… Auf historische Leistungen in der sozialistischen Entwicklung der Sowjetunion wenigstens in Kürze einzugehen, scheint erforderlich, um Einseitigkeiten bei der Bewertung und Würdigung dieser Leistungen als Selbstverständlichkeiten sowie der heute weit verbreiteten Betonung der Probleme, Fehler und Deformationen auf diesem komplizierten Weg des Beschreitens gesellschaftlichen Neulands entgegenzutreten.
      Am Ende des ersten Fünfjahrplanes (1922-1929) entstanden über 1.500 große Industriebetriebe, zum Teil mit ausländischen Investitionen und Spezialisten und der Tatsache, dass der Fünfjahrplan aufgrund der Weltwirtschaftskrise wesentlich korrigiert werden musste. […]
      So entstand eine eigene Automobilindustrie, wurde alles Notwendige für die Metallurgie und Energieproduktion hergestellt. Der Schwerindustrie musste Vorrang eingeräumt werden, allein um die erforderlichen Voraussetzungen für die Verteidigung des Landes zu schaffen. […]
      Nur so ist zu verstehen, warum 1931 Stalin erklärte, dass während entwickelte kapitalistische Staaten für die Industrialisierung Jahrhunderte benötigten, die Sowjetunion dies in zehn Jahren schaffen müsse. Sonst würde das Land nicht bestehen können. […]
      Bereits 1921/23 wuchs der Umfang der Produktion um das zweifache. 1926 erreichte die Industrie nicht nur das Vorkriegsniveau sondern wuchs um acht Prozent an. Die Elektroenergieproduktion wuchs um 80 Prozent. Damit wurde das Fundament für die Industrialisierung geschaffen.
      (Lenin: Sowjetmacht plus Elektrifizierung … – glänzend umgesetzt vom ZK der KPdSU)
      In den 30er Jahren betrug die durchschnittliche Wachstumsrate in der Industrieproduktion 16,5 Prozent. In elf Jahren vermochte die UdSSR einen gigantischen Schritt nach vorn zu machen. Wenn 1913 das zaristische Russland etwa 44 Prozent des Bedarfs an Maschinen und Ausrüstungen importieren musste, waren es 1937 lediglich 0,9 Prozent. Das Produktionsniveau des alten Russland lag bei 6,9 Prozent im Vergleich mit dem Niveau der USA. 1937 erreichte die SU bereits 32 Prozent des Niveaus der USA-Industrieproduktion. Von den heroischen Aufbauleistungen zeugen solche Objekte wie das Ural-Masch-Kombinat, die Stahlwerke von Kuznezk und Magnitogorsk, das Autowerk in Stalingrad und andere.[…]
      Die opferreiche Arbeit in den ersten Fünfjahrplänen, bei der Industrialisierung und Kollektivierung, in der Kulturrevolution bildete die Voraussetzung für den Sieg über den Faschismus und für die aktive Rolle der UdSSR bei der Verteidigung des Friedens.
      LENIN trat entschieden gegen allerlei Behauptungen über fertige Vorstellungen und Rezepte des Sozialismus auf. Er forderte schöpferisches Herangehen an die Errichtung der neuen Gesellschaft unter Beachtung der Spezifik Russlands.
      (Was die heutigen „Kritiker“ nicht mehr nötig haben, heute wird alles, ohne Kenntnisse „über einen Kamm gebürstet“. In alten Denkmustern gefangen sind sie nicht mehr fähig Neues zu lernen und zu denken.)
      In seinen Bänden 31, 34 bis 37 finden sich auch für heute recht aktuelle Überlegungen.
      Dazu einige Beispiele:
      – „Dem Sozialismus eine Charakteristik zu geben, sind wir nicht in der Lage.“ (Bd. 36, Seite 66)
      – „Wie der aufgebaute Sozialismus aussehen wird – dies wissen wir nicht.“ Und: „Es sind noch nicht die Bausteine geschaffen, aus denen sich der Sozialismus gestalten wird.“ Und: „Man muss möglichst vorsichtig und präzise sein.“ (Bd. 36, Seite 65)
      – „Wir beanspruchten nicht, dass wir den genauen Weg kennen.“ (Bd. 37, Seite 223 f)
      – „Wie viele Übergangsetappen zum Sozialismus es geben wird, wissen wir nicht und können es nicht wissen.“ (Bd. 36, Seite 48)
      Bezeichnend ist auch das Verhältnis Lenins zur werktätigen Bauernschaft:
      „Jeder bewusste Sozialist sagt, dass man den Sozialismus den Bauern nicht gewaltsam aufzwingen darf und dass man nur auf die Kraft des Beispiels und auf das Erlernen (die Aneignung) der Alltagspraxis durch die Bauernmassen setzen kann.“
      Industrialisierung, Kollektivierung und Kulturrevolution markierten auch mit ihren Opfern nicht nur große Leistungen des Sowjetstaates, sondern entscheidende Voraussetzungen für sein Überleben. Selbst westliche Stimmen wie der amerikanische Historiker und Sowjetologe Robert Vincent Daniels (1926-2010) meinten, das Sowjetrussland eine Alternative zum Kapitalismus (und das bei einem Übergang von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft), eine parallele Form der Industrialisierung, der Modernisierung, mit völlig anderen Methoden umgesetzt habe. („Red October: The Bolshevik Revolution of 1917““, Boston 1967, BeaconPress)
      Man muss sagen, dass die Leninschen Aussagen leider nicht immer die gebührende Aufmerksamkeit in der Praxis fanden. Besonders in den letzten Jahrzehnten fehlte es zunehmend an einer schöpferischen Anwendung und Weiterentwicklung der Lehren von Marx, Engels und Lenin, wie auch der notwendigen Berücksichtigung vielfältiger Erfahrungen sozialistischer Staaten.
      Die sozialistische Idee hätte im Laufe der Zeit, insbesondere in der praktischen Politik der KPdSU einer Erneuerung bedurft. Das betraf auch das Problem der Freiheit, der Unterordnung individueller unter die gesellschaftlichen Interessen im Sozialismus. Die Missachtung von Bürgerrechten und Freiheiten säte Enttäuschung, führte in den 1980er Jahren zur Zuspitzung ökonomischer Missstände und politischer Probleme, zum Verlust jeglicher Motivation und schließlich zu einem Teufelskreis mit absolutem Vertrauensverlust.“

      Wie das alles, „hatte doch Lenin gesehen“, das „die Voraussetzung“ für eine erfolgreiche Entwicklung des Sozialismus „im Bürgerkrieg größtenteils zerstört“ wurden.“
      Hier werden Lenin wieder Worte in den Mund gelegt, die er nie gesagt hat, wie die Ausführungen von Bruno Mahler beweisen.
      Es besteht also keine direkte Kontinuität in der Entwicklung der Sowjetunion, sondern es kam mit den 20. Parteitag zu einem Bruch der erfolgreichen Entwicklung.
      Erst nach dem 20. Parteitag begann die rasante Abwärtsentwicklung und nicht weil angeblich „die Voraussetzung zerstört wurden“ und „die Bürokratie als Überbleibsel der Zarismus“ den Stalinismus prägte.

      An dieser Stelle möchte ich noch einmal an die Arbeiten von Kurt Gossweiler, Michael Sayers, Albert E. Kahn, W. B. Bland, Ulrich Huar, Cameron, Kenneth Neill, Ludo Martens, Mario Sousa, Andrej Fursow und den vielen anderen, erinnern.

      Wider den Anti-Stalinismus.

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      Verfasst von Sascha Iwanow | 7. Februar 2018, 14:12
    • Guten Abend Herr Holberg,

      Man mag der Meinung sein, dass der Stalinismus auf Grund der sozioökonomischen Unterentwicklung Russlands und des Ausbleibens von den Bolschewiki zur Revolutionszeit – nicht ganz ohne Veranlassung – erwarteter Revolutionen im höher entwickelten Westen und folglich des Ausbleibens entsprechender Hilfe für das rückständige Russland unvermeidbar war.

      Nach der erfolgreichen Oktoberrevolution “erwarteten“ weder Lenin oder Stalin noch die Bolschewiki “im höher entwickelten Westen Revolutionen“. Lenin hatte ja durch seine verschiedenen Analysen zur Sozialdemokratie im ‚Westen‘ bereits herausgearbeitet, dass es keine Revolutionen im Westen geben wird, da die “eigentlich dazu ‚bestimmte‘ Kraft – die Sozialdemokratie – in den Nationalismus zurück gefallen war und dadurch den Ersten Weltkrieg ermöglichte“: Es fehlte also zu jedweder Revolution im Westen überhaupt eine sie antreibende Kraft.

      Bis auf den kurzsichtigen Traumtänzer Trotzki, der aus damaliger — und erst recht aus heute möglichem Rückblick — “leninistischer“ Sicht, die Kräfteverhältnisse entweder nicht wahrhaben wollte oder ignorierte oder wie der Spieler Dostojewski in seinem “Roman“ *DER SPIELER* “Russisch Roulette“ mit der Oktoberrevolution meinte spielen zu können: nämlich „Revolutionen in Europa stiften und unterstützen, also exportieren zu können“, und dies,

      OBWOHL der Widerstand der militärischen Kräfte des ehemaligen Zarentums, welches fleißig von allen kapitalistischen Ländern mit Geld und Waffen und dann sogar mit 15 ‚Interventionsarmeen‘ unterstützt wurde, wodurch es — bis zur Bewaffnung der Arbeiter und Bauern durch die Bolschewiki — möglich war, dass die Kapitalisten bereits 14/15 des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hatten.

      Sie irren sich!

      Kein Bolschewist hatte nach der erfolgreichen Oktoberrevolution Anlaß dazu, zu erwarten, zu hoffen – ja nicht einmal mehr zu wünschen – daß die Sozialdemokratie, irgendwo in Europa dazu fähig wäre, eine Revolution zu machen, geschweige denn zum Erfolg zu führen,

      denn am 9. November 1918 wurde von der SPD und anderen kapitalistisch BEZAHLTEN Parteien der eigentliche Feind — nämlich das Militärbündnis “deutscher“ Fürsten, die seit mehr als einem Jahrtausend die Vasallen des Papstes sind, und sich seit 1870 “Deutsches Reich“ nennt — “legal“ unter der Benennung Republik BIS HEUTE fortgesetzt!

      Insofern hat Trump sogar recht, wenn er in vielen seiner Reden seit mehr als 40 Jahren – wie in einer Litanei der Kirche wiederholt:
      “Deutschland“
      damit ‚meint‘ er – und ‚greift damit auch gleichzeitig‘ das Militärbündnis ***mit dem NAMEN*** ‚Deutsches Reich‘ an: “ist die größte Bedrohung in der Welt“

      Versuchen wir einmal “logisch“ zu denken!

      Trump IST NICHT der Präsident der USA! … !!!

      ER ist — wie jeder andere Mensch vor ihm — rechtlich!!! — hallo! (?) => (Recht = IUS, eine Philosophie!) bloß Besitzer des gesetzlichen =lex AMTES, welches auf Zeit vergeben wird — nö! nicht von den Wählern — und durch die komplexe Philosophie RECHT=IUS … sprich deren “Statthaltern“ … JEDERZEIT aberkannt werden kann!

      #

      Daraus aber zu schließen, dass das Ergebnis Sozialismus im marxistischen Sinn war, ist mehr als mutig.

      Auch hier bist du einem Irrtum gefangen!

      Sozialismus im Sinne von Marx bedeutet nämlich gar nichts anderes als Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse!!!

      Du — wie alle anderen an die WIRKLICHKEIT ‚denkenden‘ Menschen oder sich “die Welt vorstellenden“ Menschen —
      [zu denen ich ja auch immer noch gehöre], müssen aufgrund der SCHULD-Kultur — in der wir uns abgerichtet, dressiert und konditioniert befinden!, die die Kirche in 1.800 Jahren entwickelte, und die sie intellektuell vom Imperium Romanum übernahm UND mit physischer Gewalt verbreitet „!!

      MARX bezeichnet den “Sozialismus“ als PROZESS der Veränderung !!!

      Der Sozialismus — wie er sich auch *irgendwo* IN der Welt der Menschen entwickelt(e), IST bloßer ÜBERGANG zum Kommunismus — IST und WAR niemals ZIEL: Sozialismus ist MITTEL und gleichzeitig WEG !!!

      “Die Oktoberrevolution hat als Voraussetzung für eine sozialistische Entwicklung die „Diktatur (Herrschaft) des Proletariats“ geschaffen.

      Wie kann ein Mensch nur derart verwirrt sein?

      Die Oktoberrevolution WAR das ERGEBNIS der sozialistischen Entwicklung INNERHALB des Proletariats !

      Voraussetzung IST das Proletariat SELBST : Mann, oh Mann! : DAS LEBEN kommt bevor ein Mensch überhaupt denken ERLERNT!!!

      Vielleicht beschäftige ich mich mit deinem — aus der Psychiatrie geschriebenen — Rest-Beitrag … oder handel es als soziopatisch — um nicht zu sage ‚dumm“ und geometrisch – mathematisch FALSCH zu bdezeichen“!!

      Denn dies ist ja das “schöne“ und “schlechte“ zugleich:

      WIRRE, gar IRRE Gedanken, KÖNNEN wahrgenommen und entschlüsselt werden:

      Bei einem “irren“ Menschen hat dies aber keine Wirkung!

      Er wird — ja er muß !!! — weiter Buddhisten, Christen, Demokraten, Jenische, Juden, Hindi, Muslime, Roma und Sinti … und ALLEN anderen MENSCHEN auch … NACH dem LEBEN trachten

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      Verfasst von jauhuchanam राम अवत कृष्ण יוחנן אליהו | 1. März 2018, 0:22
  2. “Aber das Werk Stalins mit der Diktatur und 60 Millionen Tote war so niederschlagend, dass man noch in hunderten Jahren nicht vom Kommunismus reden kann.“ – Norbert Nelte

    Ein solcher Satz passt zu einem Goebbels, mitnichten zu einem Kommunisten!

    Das kommt dabei heraus, wenn verkannt wird, wer für die 60 Millionen Tote verantwortlich war!

    Wenn ich mich richtig erinnere (Ironie off), hat das DR die Sowjetunion überfallen. Allein dadurch kamen 40 Millionen Sowjetbürger um. Und wer hat denn den “Bürgerkrieg“ begonnen? Und hatten die Weißen nicht gemeinsame Sache mit den “Interventionsarmeen“ gemacht, die bereits 93% des Gebietes der späteren Sowjetunion besetzt hatten: Vor allem an der ländlich-bäuerlichen Bevölkerung wurden geradezu Blutorgien begangen.

    Die kapitalistischen Länder haben die 60 Millionen Toten verursacht. Und ohne Stalin hätte es vermutlich statt 40 Millionen Toter im Krieg 120 Millionen und mehr gegeben, denn es handelte sich ja von Nazi Seite um einen Ausrottungskrieg!

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    Verfasst von jauhuchanam राम अवत कृष्ण יוחנן אליהו | 6. Februar 2018, 13:02
    • Lieber Herr Jauhuchanam, da verwechseln Sie etwas. Der Herr Nelte meint “60 Millionen Tote während der Diktatur Stalins“, ohne den Interventionskrieg, ohne die, durch die Kulaken, verursachten Hungernöte, dem Winterkrieg und ohne den 2. Weltkrieg. Das diese Aussage einem Goebbels ebenbürtig ist, steht außer Frage.

      Andrea Schön schreibt in ihrer bemerkenswerten Arbeit: Geschichtslügen – Fundamente des Anti-„Stalinismus“ (https://saschasweltsicht.wordpress.com/2017/12/28/582/) darüber.

      Nach der Rechnung von Conquest, dem Haupt“kultivierer aller Nazi-Lügen nach dem Krieg, wurden insgesamt 12 Millionen politische Gefangene zwischen 1930 und 1953 getötet, zusammen mit den Hungertoten der dreißiger Jahre ergibt das rund 30 Millionen Todesopfer auf das Konto der Bolschewiken (Stalin).

      Solschenizyn dagegen warnte im spanischen Fernsehen 1976: „vor demokratischen Liberalisierungen u.a. mittels Verweis auf die 110 Millionen Opfer des russischen Sozialismus.

      Die Zahlen von Conquest, Solschenizyn, Roy Medwedew und den vielen anderen „Opferzähler“ schwanken zwischen 30 Millionen und 200! Millionen.

      Welche Quellen Herr Nelte zu Rate gezogen hat, (60 Mill.) – keine Ahnung.

      Zum Schluss möchte ich noch auf zwei Interviews mit Prof. Dr. A. Fursow aufmerksam machen:

      1. Die Welt von morgen: https://saschasweltsicht.wordpress.com/2017/12/26/die-welt-von-morgen/)

      Frage: Kann man den Fortschritt zum Wohle aller Menschen arbeiten lassen (oder wenigstens für die Mehrheit)?

      Fursow: Die UdSSR versuchte es. Und dreißig Jahre klappte es bei uns. Das heißt – es ist möglich. Man muss allerdings aufmerksam sein und sich an die stalin’sche Warnung erinnern, dass mit dem Maß der Entwicklung des Sozialismus sich auch der Klassenkampf zuspitzt, das heißt, man sieht sich auch mit der Bedrohung der Wiedergeburt (des Kapitalismus) konfrontiert.

      (Anm.: Ab 1956 völlig vergessen!)

      „Zweitens entfaltet sich ein Kampf innerhalb der globalen, herrschenden Elite (sie ist schließlich nicht geeint) um die Zukunft. Mit diesen Widersprüchen müssen wir spielen, wie es Stalin in den 1930er Jahren tat.“

      Frage: Hat die Gemeinheit (Gemeinschaft?) die Manövrierfähigkeit, um aus ihrem schweren Zustand zu entkommen?

      Fursow: Der soziale Triumph der Gemeinheit ist eine Seltenheit in der Geschichte. Die UdSSR war im Laufe mehrerer Jahrzehnte ein Triumph des gemeinen Volkes, allerdings begann Mitte der 1950-er Jahre der Volkssozialismus der Stalin-Epoche sich in einen „Nomenklatursozialismus“ der Tischvorsitzenden zu verwandeln, bei welchen schon Ende der 1960er der Wunsch aufkam, sich in das globale Kapitalismussystem zu integrieren; dass sie die Herren des globalen Sozialismussystems waren, inspirierte sie nicht.

      2. Die Entstalinisierung Russlands: (https://saschasweltsicht.wordpress.com/2017/12/26/293/)

      „… die Stalin-Epoche verbinden die Leute mit sozialer Gerechtigkeit, mit einer sicheren Zukunft, mit dem großen Sieg im Krieg, mit einer starken Außenpolitik – mit der Macht Russlands. Und in dieser Hinsicht wird Stalin das Symbol für die Errungenschaften der Sowjetunion, für die Errungenschaften Russlands im 20. Jahrhundert. Es ist klar, indem sie es auf Stalin abgesehen hat, richtet sich die Entstalinisierungskampagne in Wirklichkeit gegen Russland, gegen seine Erfolge im 20. Jahrhundert, gegen seinen Sieg im Krieg und schließlich auch gegen das russische Volk, denn es wird vorausgesetzt, wenn das Volk einen solchen Tyrann, ein solches Ungetüm, wie ihn die Antistalinisten oft nennen, geduldet habe, so sei es ein Volk von Sklaven. Kurz gesagt, die „Entstalinisierung 2011“ ist eine ideologische Informations- und Propagandakampagne, deren Ziel nicht mehr Stalin und auch nicht mehr der Sozialismus ist, denn der Sozialismus wurde in den 1980-er Jahren unter Rufen „Weg mit dem Stalinismus!“ demontiert, sondern bereits Russland.“

      Dem ist nicht hinzu zu fügen.

      Noch einmal der Verweis auf: Kurt Gossweiler: Die Überwindung des Anti-Stalinismus – Eine wichtige Voraussetzung für die Wiederherstellung der kommunistischen Bewegung als einer einheitlichen marxistisch-leninistischen Bewegung
      (https://saschasweltsicht.wordpress.com/2017/12/25/die-ueberwindung-des-anti-stalinismus/)

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      Verfasst von Sascha Iwanow | 6. Februar 2018, 18:08
      • Die 60 Millionen Toten unter “der mörderischen Diktatur von Stalin hat es es jedoch niemals gegeben!!!

        Dass es in der Sowjetunion – als Stalin lebte und bis zu seiner Ermordung 1953 – für Kriegsverbrecher — wie in Nürnberg — Todesstrafen gab, ist bekannt!

        Dass 150.000 Kulaken aus der SSR Ukraine verbannt wurden, weil sie das Getreide ins Ausland verkauften oder horteten, während ein bis drei Millionen Menschen 1931-1933 verhungerten, ist auch bekannt.

        Sollte “Stalin“ diesem Treiben weiterhin zuschauen?

        Auf Erden gibt und gab es noch niemals eine Gesellschaft, die derartige Verbrechen an der Menschheit geduldet hat:

        Aber gerade von Stalin „wird verlangt“, dass er einen solchen Völkermord hätte hinnehmen müssen!

        Dass Verbrecher in den Straflagern endeten auch — und leider JA! … auch unschuldige Menschen sind dort geendet, was aber doch keineswegs dem Sozialismus oder Stalin angelastet werden kann!!!

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        Verfasst von jauhuchanam राम अवत कृष्ण יוחנן אליהו | 6. Februar 2018, 21:03
  3. Von Pseudo-Linken gerne verschwiegen:

    Ernst Busch – Lied von Stalin (Lied vom Adler)

    Schwur an Stalin – Ernst Busch

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    Verfasst von Willi | 5. Februar 2018, 21:11
  4. „Aber das Werk Stalins mit der Diktatur und 60 Millionen Tote war so niederschlagend, dass man noch in hunderten Jahren nicht vom Kommunismus reden kann.“

    Der Chruschtschowsche Revisionismus hat Verheerendes in den Köpfen angerichtet und scheint noch lange nicht überwunden zu sein, vor allen Dingen bei denen, die sich heute großspurig Marxisten nennen.
    Und wenn sich Trotzkisten, rechte und linke Revisionisten einig sind, (und das sind sie sich ja schon, so gar bei den Opferzahlen des „Stalinismus“) hat der Kommunismus überhaupt keine Chance mehr – wird er zur Demagogie, genauso, wie es die herrschende Klasse haben will.
    Wie schrieb Marx: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert,es kommt aber darauf an sie zu verändern“. Doch dazu sind sie nicht in der Lage.
    Ich empfehle folgende Schriften zu lesen:

    1. Geschichtslügen: Fundamente des Anti-„Stalinismus“
    https://saschasweltsicht.wordpress.com/2017/12/28/582/

    2. Die Überwindung des Anti-Stalinismus – Eine wichtige Voraussetzung für die Wiederherstellung der kommunistischen Bewegung als einer einheitlichen marxistisch-leninistischen Bewegung, und
    https://saschasweltsicht.wordpress.com/2017/12/25/die-ueberwindung-des-anti-stalinismus/

    bzw. die Schriftreihe offen-siv
    http://www.offen-siv.net/

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    Verfasst von Sascha Iwanow | 5. Februar 2018, 16:42
  5. wieso?, erfolgreiche Rev. gabs doch auch in China 49, Vietnam, Korea, Cuba u.a.

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    Verfasst von andre | 5. Februar 2018, 13:08

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