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Ausland, Naher Osten

Umsturz in Aden

von https://nocheinparteibuch.wordpress.com

Saudische und andere Medien meldeten am heutigen Sonntag, dass Separatisten in der vom in Riyad exilierten Ex-Präsidenten Hadi zur temporären Hauptstadt erklärten südjemenitischen Hafenstadt Aden nach blutigen Auseinandersetzungen das Hauptquartier der von Hadi einsetzten „Regierung“ und andere Regierungsgebäude eingenommen haben.

Während der von Ex-Präsident Hadi als saudischer Statthalter in Aden eingesetzte „Regierungschef“ Ahmed bin Dagher einen Putsch beklagte und dazu weiter ausführte, die Entscheidung, wie es weitergehe, liege bei den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die nun die wahre Macht in Aden ausüben würden, gab Ex-Präsident Hadi aus dem saudischen Exil seinen Kräften in Aden zwischenzeitlich den Befehl, das Feuer einzustellen und sich in ihre Basen zurückzuziehen.

AP berichtet, dass die Kräfte, die die Macht in Aden übernommen haben, vom von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützten und bewaffneten separatistischen „Südlichen Übergangsrat“ – auf Englisch Southern Transitional Council, kurz STC – seien. Außerdem seien dabei Kräfte des von Hadi Ende 2015 zum Gourverneur von Aden ernannten STC-Präsidenten Aidarus al-Zoubaidi, der den STC nach seiner Absetzung als Gouverneur im April 2017 gegründet hat, sowie Kräfte von Shallal al-Shayae, der unter al-Zoubaidi Polizeichef von Aden war. Der iranische TV-Sender PressTV meldete heute morgen, dass in Aden mit Saudi Arabien liierte Söldner gegen von den VAE unterstützte Separatisten kämpfen würden, und sich damit ein Riss in der saudisch geführten Kriegskoalition gegen den Jemen vertiefen würde.

Der jemenitische Journalist Nasser Arrabyee sieht die Auseinandersetzungen allerdings etwas anders, nämlich als Fortsetzung eines am 13. Januar 1986 im damaligen „sozialistischen“ Südjemen mit einem Massaker im Politbüro begonnenen Bürgerkrieges zwischen als „Tughma“ und „Zumra“ bekannten Stammesverbänden. Den auf das Massaker des zu den Zumra gehörenden damaligen Präsidenten Ali Nasir Muhammad an den Tughma-Führern im Politbüro folgenden südjemenitischen Bürgerkrieg hatten die Tughma zwar gewonnen, aber nach der jemenitischen Wiedervereinigung gewannen die Zumra, deren bekanntestes Gesicht heute der in Saudi Arabien exilierte Ex-Präsident Hadi ist, mithilfe der Kräfte des Nordjemens im jemenitischen Bürgerkrieg 1994 wieder die Oberhand, was unter den Tughma eine breite Basis für eine erneute Sezession des Südjemen vom Nordjemen geschaffen hat. Schon seit dem südjemenitischen Bürgerkrieg 1986 stehen die Tughma den VAE und dem Libanon nahe, während die Zumra Ägypten und Saudi Arabien nahestehen. Der Anführer der „Rebellen“, die heute die Macht in Aden übernommen haben, ist Nasser Arrabyee zufolge der zu den Tughma gehörende Shallal al-Shayae, dessen Vater Ali Shayae zu den prominenten Opfern des Massakers im Politbüro am 13. Januar 1986 gehörte. Folgt man dieser Auffassung, so verfolgt die von Stammesverbänden der Tughma dominierte Unabhängkeitsbewegung für den Südjemen also weniger das Ziel des Separatismus als Ziel, sondern sieht die separatistische Bewegung eher als Mittel zum Zweck, um sich in der Stammesfehde gegen die Stammesverbände der Zumra durchsetzen zu können.

Die Probleme der saudisch-geführten Kriegskoalition gegen den Jemen macht das alles nicht geringer. Zunächst mal stellt sich die Frage, ob die im Kern aus Saudi Arabien und den VAE bestehende Kriegskoalition gegen den Jemen sich bezüglich des Konfliktes in Aden überhaupt zusammenraufen kann. Und wenn die Saudis sich mit den Emiratis einigen, stellt sich weiterhin die Frage, ob sie ihre Schützlinge der Tughma und Zumra dazu bringen können, wieder Krieg gegen die Kräfte der Regierung in Sanaa zu führen anstatt ihre Energie in Kämpfen gegeneinander aufzubrauchen. Und des Weiteren stellt sich die Frage, wie die Saudis und Emiratis mit dem heutigen Sturz der Zumra-Regierung in Aden durch die Tughma-Kräfte umgehen. Versuchen sie die Tughma von der Macht in Aden wieder zu vertreiben, müssen sie damit rechnen, im Südjemen einen langen Krieg gegen die Stammeskräfte der Tughma führen zu müssen, was gewaltige Kräfte bindet, die dann nicht mehr für den Krieg gegen Sanaa zur Verfügung stehen. Lassen sie die Tughma hingegen an der Macht in Aden, so verliert ihr Exilpräsident Hadi jeden Anschein einer Herrschaft über den Jemen, die Tughma können ihr Projekt der Wiederabspaltung des Südjemen vorantreiben und sich für den Krieg gegen den Nordjemen unzuständig erklären und die Zumra könnten lieber einen Krieg um Aden als Krieg gegen Sanaa führen wollen. Einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden, könnte für die Saudis und die Emiratis schwer werden, selbst wenn sie sich zusammenraufen können.

Für die Regierung in Sanaa, die jüngst einige Probleme damit hatte, die Fronten gegen die saudisch geführte Koalition zu halten, sind dies ausgesprochen erfreuliche Nachrichten, und möglicherweise gelingt es ihr, ein anti-saudisches Bündnis mit den Tughma zu schmieden, falls es das nicht schon geben sollte.

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2018/01/28/umsturz-in-aden/

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