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Ausland, Welt

Vorsatz für das neue Jahr: Amerikas Schlamasselkriege beenden

von William J. Astorehttp://www.antikrieg.com

Hier ist ein Vorsatz für das neue Jahr: Wie wäre es, wenn wir Amerikas Schlamasselkriege beenden?

Es gibt viele Gründe, warum Afghanistan, der Irak und ähnliche Länder immer ein Morast für das US-Militär sein werden. US-Truppen haben Schwierigkeiten, Freund und Feind zu identifizieren, und tatsächlich wenden sich „freundliche“ Truppen und Polizei manchmal gegen ihre amerikanischen Kollegen. US-Truppen werden immer eine ausländische Präsenz sein, schwer bewaffnet und invasiv, oft (miss-)geführt von unvollständiger oder irreführender Intelligenz. Fast zwangsläufig werden sie als Rückendeckung für korrupte und kleptokratische Regierungen angesehen, sei es in Kabul oder Bagdad. Gleichzeitig töten US-Bombardierungen, Such- und Zerstörungsmissionen Unschuldige, während sie Flüchtlinge – und neue Feinde – hervorbringen. Unter solch gewalttätigen und turbulenten Bedingungen können Sie vergessen, Herzen und Köpfe zu gewinnen oder dauerhafte politische Stabilität zu schaffen.

Angesichts dieses no-win-Szenarios würden clevere US-Führer sofort dieTruppen abziehen, aber natürlich ist ein Abzug nie eine Option. Ob Bush oder Obama oder Trump, die bevorzugte „Lösung“ für nicht zu gewinnende Schlamassel ist es, „aufzustocken“ (mehr Truppen, mehr Luftmacht, mehr „Berater“, mehr Waffen) oder mit Taktiken herumzuzaubern. Alte Theorien werden ausgegraben, wie Befriedung und Aufstandsbekämpfung und Nation-Building, aufgemotzt mit neuen Begriffen und Akronymen wie asymmetrische Kriegsführung, Grauzone, MOOTW (Military Operations Other Than WAR – nicht kriegsmäßige Militäroperationen) und VEOs (Violent Extremist Organizations) – gewalttätige extremistische Organisationen, die den meisten Menschen unter der Bezeichnung Terroristen bekannt sind.

Die Mentalität unter Amerikas Generälen ist, dass der Krieg weitergehen muss. Es muss eine Möglichkeit geben, VEOs in der Grauzone mit asymmetrischer Kriegsführung zu besiegen, während MOOTW eingesetzt werden. So werden B-52, diese ehrwürdigen strategischen Bomber aus der Ära des frühen Kalten Krieges, jetzt in Afghanistan eingesetzt, um „asymmetrisch“ Drogenlabors zu zerstören, die mit der Taliban-Finanzierung in Verbindung gebracht werden, ein weiteres Beispiel dafür, dass das US-Militär einen Vorschlaghammer schwingt, um eine Mücke zu töten.

Wenn Sie nach 16 Jahren B-52s anfordern, um kleine Drogenlabors zu plätten, so ist das kein Zeichen für einen bevorstehenden Sieg. Es ist ein Zeichen der Verzweiflung – ein Zeichen für eine völlig bankrotte Strategie.

Dasselbe gilt für den Einsatz von MOAB („Mutter aller Bomben“) im Jahr 2017. Es ist kein Zeichen der Stärke, solche Blockbuster-Bomben gegen ein unentwickeltes Land wie Afghanistan einzusetzen. Das ist ein Zeichen der Verzweiflung, ein Zeichen dafür, dass keine kohärente Strategie vorhanden ist. Munition an die Wand werfen und schauen, welche den größten Krach macht.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist natürlich die Innenpolitik. Das Ziel von B-52s und MOABs sind nicht immer die Taliban und ähnliche VEOs. Das ist die amerikanische Volksmeinung. Für Trump sieht das so aus: „Seht ihr? Wir haben MOAB benutzt. Wir setzen B-52s ein. Obama hat das nicht getan. Wir sind härter, besser, stärker. Wir ziehen die Samthandschuhe aus.“

Wenn das amerikanische Militär nicht die metaphorischen Samthandschuhe auszieht, lernt es, Suppe mit einem Messer zu essen. Das ist der Titel des Buches von Oberstleutnant John Nagl über Aufstandsbekämpfung, in Militärkreisen abgekürzt als COIN. Vor einem Jahrzehnt arbeitete Nagl mit General David Petraeus zusammen, um das Buch über COIN neu zu schreiben, das im Lauf der Aufstockungen im Irak und in Afghanistan eine kurze Renaissance erlebte. Aber die COIN-Methoden (die Idee, Guerillas/Terroristen/VEOs zu töten oder anderweitig zu neutralisieren und dabei die Herzen und Köpfe der Menschen zu gewinnen) haben nicht geholfen, die von den Amerikanern verursachte Unordnung in diesen Ländern zu beseitigen, was laut dieser Metapher der Fall sein sollte. Denn wenn Sie wirklich Suppe essen wollen, legen Sie am besten die Militärmesser weg, nehmen die Suppenschüssel und schlürfen diese aus.

Aber Amerikas Kriegskämpfer, mit ihrer Affinität zu Messern, versuchen weiterhin, neue und „bessere“ zu entwickeln (Löffel sind für Schwächlinge!), mit denen sie in verschiedenen Suppenschüsseln (oder, wenn Sie es vorziehen, in Petrischalen, was für General John Nicholson, den US-Kommandant in Afghanistan, „Schüssel“ der Wahl war, um 2017 die Region Af-Pak in seinem Zeugnis vor dem Kongress zu beschreiben) herumfuchteln.

Um eine andere Suppenmetapher zu verwenden, verderben zu viele Köche die Brühe. Die Interventionen des US-Militärs – seine vielfältigen und variierenden Erfolgsrezepte, deren Zutaten fast ausschließlich gewalttätig sind – ergeben nie ein schmackhaftes Produkt.

William S. Smith hat es in einem kürzlich erschienenen Artikel für The American Conservative gut formuliert. Amerikanische Militärinterventionen, stellt Smith fest, die größtenteils von der COIN-Theorie angetrieben werden, ignorieren meist lokale Geschichte, Religion und Kultur. Das resultierende Schlamassel, so Smith, ist vorhersehbar.

Tatsache ist, dass die gesamte politische Ordnung zu jeder Zeit und überall aus einer äußerst komplexen Gesamtheit einzigartiger Symbole, Praktiken und Überzeugungen hervorgeht, die in Geschichte, Kultur und Religion verwurzelt sind. Politische Ordnung fließt nicht nur aus der Sicherheit und dem Schutz des Eigentums, sondern aus einem kulturellen Erbe, das den Bürgern das Gefühl vermittelt, dass ihre Gesellschaft etwas Größeres als sich selbst verkörpert. Für sie widerspiegeln die Symbole und Traditionen ihrer Gesellschaft eine bestimmte göttliche Ordnung. Eine eindringende Armee aus einer fremden Zivilisation wird immer als Bedrohung für diese Ordnung angesehen werden, unabhängig davon, ob die Bürger zu Gewalt greifen oder nicht. Ohne eine große Kulturrevolution wird eine Besatzungsarmee nicht in der Lage sein, mehr als eine oberflächliche und vorübergehende politische Versöhnung zu erzeugen. (Hervorhebung durch den Autor)

Nennen Sie es COINfusion, gefolgt von einer Niederlage. Das US-Militär versuchte die Rolle der „Besatzungsarmee“ mit verschiedenen Aufstockungen im Irak und in Afghanistan, und die politischen Ergebnisse waren, wie Smith sagt: hauttief und vergänglich. Der „neue“ amerikanische Ansatz scheint eine Abwandlung von Richard Nixons Vietnamisierungspolitik zu sein, den Kampf den „indigenen“ Völkern, Afghanen, Irakern usw. zu überlassen, während wir sie weiterhin bombardieren, Waffen liefern und Ausbildung und „Beratung“ mit US-Stiefeln vor Ort anbieten. Ein solcher Ansatz wird dem amerikanischen Volk verkauft als Beibehaltung des Kurses zum Sieg, wobei die genauen Bedingungen des „Sieges“ undefiniert bleiben.

Aber welchen Preis hat der „Sieg“, wenn auch nur ein illusorischer? Einen atemberaubenden. Bis zum Ende des Fiskaljahres 2018 werden Amerikas Kriege nach dem 9/11 die Steuerzahler fast 5,6 Billionen Dollar gekostet haben, stellt das Projekt „Cost of Wars“ an der Brown University fest. Wenn US-Generäle von „Generationenkriegen“ sprechen, wird diese enorme Belastung in Zukunft nur noch weiter zunehmen – es sei denn, wir werden gescheiter.

Also ist mein Neujahrsvorsatz für 2018 einfach: Die Schlamasselkriege beenden. Die Soldaten nach Hause bringen.

Was ist falsch daran, wenn man Blut und Vermögen spart?

erschienen am 2. Januar 2018 auf > Bracing Views und Antiwar.com > Artikel

http://www.antikrieg.com/aktuell/2018_01_03_vorsatz.htm

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