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Ausland, Naher Osten

Ein Hoffnungsschimmer für den Jemen?

von https://nocheinparteibuch.wordpress.com

Papst Franziskus beklagte in seiner Ansprache vor dem heutigen Weihnachtssegen unter anderem „Kriegsstürme“, die über die Welt hinwegfegen, sowie und ein „inzwischen überholtes Entwicklungskonzept,“ dass „zum Niedergang des Menschen, des Sozialgefüges und der Umwelt führt,“ forderte Frieden und Mitgefühl für die Flüchtlinge der Kriege und betete für „eine geschwisterlichere und solidarischere Zukunft.

Papst Franziskus sprach dabei direkt Jerusalem und das ganze Heilige Land, Syrien, Irak, Südsudan, Somalia, Burundi, die Demokratische Republik Kongo, die Zentralafrikanische Republik, Nigeria und den Jemen an, wo, wie er es ausdrückt, „ein großenteils vergessener Konflikt mit tiefgreifenden humanitären Folgen für die Bevölkerung im Gange ist, die an Hunger leidet und mit der Ausbreitung von Krankheiten konfrontiert wird.“ Angesichts eines Papstes, von dem so deutliche Worte gegen die Kriegstreiber kommen, ist es vermutlich kein Wunder, dass die zionistisch geprägte deutsche Tagesschau am Heiligabend mit Papstkritik als Topnachricht aufmachte.

Im Jemen selbst warfen hingegen heute praktisch zur selben Zeit, wo Papst Franziskus den Weihnachtssegen sprach, Kampfflugzeuge der saudisch geführten Koalition US-amerikanische oder britische Bomben auf das Gebäude der Zollbehörde in der rund 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa gelegenen Stadt Dhammar ab, was der Tagesschau nicht einmal eine Randnotiz wert war.

Der österreichische Standard meldet hingegen: Viele Tote bei Luftangriffen im Jemen – Opfer waren offenbar ausschließlich Zivilisten. Bis zum Nachmittag wurden aus dem Jemen dann 27 Tote und 60 Verletzte durch Luftangriffe der saudisch geführten Koalition in Dhammar, Sanaa, Zabaid und Saada gemeldet. Das wurde in westlichen Medien zwar unter den Tisch fallen gelassen, aber immerhin, es wird in westlichen Medien inzwischen, wenn auch spärlich und oft nur knapp, ab und an über den nunmehr mehr als 1000 Tage andauernden saudischen Krieg gegen den Jemen berichtet.

Und es gibt inzwischen auch deutliche westliche Aufrufe an die Saudis, den Krieg gegen den Jemen zu beenden. Selbst im führenden zionistischen Hasbara-Outlet „Washington Post“ erschien letzte Woche ein Meinungsartikel des ehemaligen britischen Außenministers David Miliband, wo dieser die Saudis dazu aufforderte, die Blockade der Häfen und die Kriegshandlungen zu beenden und eine Verhandlungslösung unter Beteiligung der Houthis zu akzeptieren, was er damit begründete, dass der Krieg dem Image der USA, Britanniens und Saudi Arabiens schade und die Bevölkerung des Jemen in die Arme des Iran treibe. Und am Heiligabend legte die Redaktion der Washington Post noch eine Schippe gegen Saudi Arabien drauf: in einem Leitartikel nannte sie den mächtigen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, dessen Werk der Krieg gegen den Jemen ist, schon im Titel einen Prinz der Scheinheiligkeit. Die saudisch-zionistische Achse scheint also zu bröckeln.

Und der dem saudischen Regime nahestehende einflussreiche saudische Kolumnist Abdulrahman Al-Rashed ging heute in einem Artikel bei Arab News auf die Vorschläge von David Miliband zur sieglosen Beendigung des Krieges gegen den Jemen ein und wies sie nicht durchweg zurück. Zwar steht der Artikel unter dem Titel „Warum diese Jemen-‚Lösung‘ unmöglich ist,“ doch im Artikel schreibt er dann trotzdem, „die (saudisch geführte) Koalition mag die Vorschläge von Miliband akzeptieren müssen, um Anschuldigungen zu entgehen…“ Das bedeutet zwar noch nicht, dass Mohammed Bin Salman bereit ist, die Bombardierung des Jemen zu beenden, aber es ist immerhin schon mal ein ganz neuer Ton aus Saudi Arabien.

Wichtig ist es nun, ganz wie es Papst Franziskus heute vorgemacht hat, nicht zum saudischen Verbrechen gegen die Bevölkerung des Jemen zu schweigen, und damit Druck auf das saudische Regime zu machen, damit es diesen desaströsen Krieg nun auch hoffentlich wirklich bald abbricht. Die erwähnten Artikel in der Washington Post und bei Arab News legen nahe, dass es einen tiefen Riss in der Kriegsfront gegen Jemen gibt, und es gilt zu versuchen, den möglichst schnell für die Herstellung von Frieden im Jemen zu nutzen.

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2017/12/25/ein-hoffnungsschimmer-fuer-den-jemen/

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