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Ausland, Welt

Auf den Kalten Krieg lässt die Nato die Eiszeit folgen

von Bernhard Trautvetter – https://kenfm.de

Gabriele Krone-Schmalz’ neuestes Buch über die brandgefährliche Dämonisierung Russlands durch die Mainstream-Medien und führende westliche Politiker/innen kam vor Kurzem heraus. Den Titel Eiszeit stellt sie im Klappentext in den Zusammenhang mit den fast täglich „neuen Horrornachrichten aus dem Reich Putins“. Zugleich ist Eiszeit schon durch die warnenden Schlussfolgerungen, die ihre Informationen nahe legen, merklich von der Hoffnung getragen, dass die von diesen Kräften riskierte Möglichkeit eines heiß, also als Krieg ausgetragenen Konfliktes von Menschen, für die sie Aufklärungsarbeit betreibt, durchkreuzt werden kann. Der Skandal, dass die Strategen selbst die größtanzunehmende Gefahr fahrlässig oder gar wissentlich in Kauf nehmen, wird schon durch den Untertitel ihres Buches deutlich: „Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist“.

Die einstige ARD-Korrespondentin und ehemalige Kulturweltspiegel-Moderatorin und Professorin für Journalistik, Gabriele Krone-Schmalz, hat in ihrem neuen Buch begründet, warum es immer dringender notwendig ist, das eigene Denken der Propaganda entgegen zu setzen. Sie stellt ihrem Vorwort ein Huxley-Zitat voran: „Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.“

Die aktuelle Bedrohung des Lebens drückt sie auf Seite 224 aus: „In jedem Fall steuert die Welt im Jahr 2018 auf einen hochgefährlichen Konflikt zu, der sehr schnell außer Kontrolle geraten kann.“ Mit der Angabe dieser Jahreszahl macht sie deutlich, dass das Vorhersehbare uns schneller ereilen kann, als es einige Kritiker der westlichen Militär- und Sanktionspolitik fürchten.

Aber der Reihe nach.

Gabriele Krone-Schmalz erinnert zunächst daran, dass der Westen in der Zeit des Kalten Krieges die Interessenpolitik gegen die sich realsozialistisch nennenden osteuropäischen Staaten, die mit der Sowjetunion verbündet waren, mit dem Narrativ legitimierte, wir sind die „Guten“ und auf der anderen Seite stehen die „Bösen“. Dabei kam es zu zynischer Machtpolitik. Neben in Kauf genommenen ungezählten Toten, die in den Augen der Strategen als Kollateralschaden verschmerzbar waren und sind, fielen ihr gezielt antiimperialistische Staasmänner wie Lumumba im Kongo, Allende in Chile, Sukarno in Indonesien und Mossadegh im Iran zum Opfer (S.7).

Das Buch hat grundsätzlich erst einmal zwei Ebenen mit einer Vielzahl an Details und Zusammenhängen, die hier nicht alle darstellbar sind. Da ist zunächst die Aufklärung über die durch die westliche Mainstream-Propaganda verursachte Verwirrung der Öffentlichkeit über die realen Fakten und Zusammenhänge, und daraus ergibt sich zum anderen die Warnung vor den Gefahren, die sich aus der auf Eskalation ausgerichteten Interessenpolitik des Westens im Allgemeinen und der Nato und der Militärmacht USA im Besonderen ergeben können.

Zu den Propagandalügen

Vielen auch in den alternativen Spektren bekannte Propaganda-Inhalte der Nato und der westlichen Führungskräfte stellt die Ost-West-Expertin Gabriele Krone-Schmalz detaillierte Fakten entgegen. Diese Informationen sind geeignet, der unverantwortlichen westlichen Eskalationspolitik jegliche Legitimation zu nehmen. Diese Aufklärung erster Güte steht entsprechend auch gegen das schleichende Gift militärischen Denkens, das tagtäglich in die Gehirne der Öffentlichkeit geträufelt wird, wie das auch in früheren Zeiten geschah, ehe es dann wirklich zu Kriegen kam.

Bis zum Ende der Regentschaft Jelzins, der als russischer Präsident die Existenz der Sowjetunion mit dem Handstrich einer Unterschrift unter das Verbot der Partei des Präsidenten Gorbatschow kurz nach dessen Entführung vor den Kameras der Weltpresse beendete, galt er, Boris Jelzin im Westen als Garant demokratischer Freiheit. Dies war so, obwohl er die Pressefreiheit mit vielen Zeitungsverboten strangulierte, obwohl er den ersten Tschetschenienkrieg, der zu zehntausenden Toten führte, losgetreten hatte. Er hatte auch das Parlamentsgebäude mit Panzern zusammenschießen lassen, als dort Abgeordnete seine Absetzung betrieben. In der Krise 2008 veranlassten die USA(S. 19) den Währungsfond, Russland einen 10 Mrd.-Kredit  zu gewähren, um Jelzin zu befähigen, überfällige Löhne zu zahlen. Hintergrund (S.19): Seine Popularität war vor einer damals anstehenden Wahl eingebrochen. 1998 war zugleich die erste Aufnahmewelle von Staaten aus dem ehemaligen Bereich des sog. real existierenden Sozialismus in die Nato.

„Wäre Russland … ernst genommen worden, dann hätte es zum Beispiel keine Bombardierung Serbiens durch die Nato geben dürfen.“(S. 21) Damals wurde der UN-Sicherheitsrat übergangen „worüber sich in der westlichen Welt kaum jemand aufregte“.  Zeitgleich (1999) folgten weitere drei Staaten Osteuropas in die Nato (Polen, Tschechien, Ungarn). Aller westlichen Verwirrungspropaganda ist es zu verdanken, dass Russland auch im Kontext der Afghanistan-Kriege als Opponent des Westens wahrgenommen, obwohl Russland US-Militärbasen in den ehemaligen Sowjetrepubliken Usbekistan und Kirgistan akzeptierte (S. 25).

Die sogenannte „Rosenrevolution“ in Georgien, die „Orangene Revolution“ in der Ukraine und die „Tulpenrevolution“ in Kirgistan wurden von einer vom Spiegel (14.11.2005) so genannten „Revolutions-GmbH“ mit zig Milliarden aus dem Westen, darunter der Finanzier Soros unterstützt (S. 29). Von Brzezinski wissen wir, dass diese Regionen von herausragendem Interesse für die USA sind, um die eurasische Platte strategisch zu kontrollieren und Russland von Europa weiter abzutrennen (Buch: Die einzige Weltmacht).

Einfluss-Ströme milliardenschwererer Art waren nötig, um die Stimmung in den Zielländern pro-westlich zu kippen: 2005 wollten nur 16% der Ukrainer in die Nato (S. 81).

Im Kapitel „Putsch in Kiew“ berichtet Gabriele Krone-Schmalz von der verfassungswidrigen Absetzung der ukrainischen Janukowitsch-Regierung, woraufhin pro-westliche Kräfte die Regierung in Kiew übernahmen. Erst in der Folge kam es zum Referendum auf der Krim, das zur Aufnahme dieser Halbinsel ins russische Staatsgebiet führte (S. 103). Die westliche Eskalationspolitik gegen Russland, die zentral mit der Krim begründet wird, stellt also die Abläufe auf den Kopf.

In der Folge dokumentiert Gabriele Krone-Schmalz, wie westliche Einflussnahme Syrien destabilisiert hat. Sie erwähnt auch, dass Obama, Sarkozy, Cameron und Frau Merkel schon 2011 die Beendigung der Macht Assads forderten (S. 109). Die Begründung dieser Forderung zeigt das zweierlei Maß des Westens, der Diktaturen wie der in Saudi Arabien, die Aufstände brutal niedergeschlagen hat (Bahrain) und Kriegsexport gegen Jemen betreibt.

Es geht bei alledem ganz offensichtlich nicht um die Wertegemeinschaft, die die Nato immer als Legigimationsnarrativ in die öffentliche Meinungsmache bringt, sondern um ganz harte Interessen.

Gabriele Krone-Schmalz macht in diesem Zusammenhang mit einem Bericht über die nichtöffentliche Weltsicherheitsrats-Sitzung vom 6. April 2017 zum Thema Syrien deutlich,  dass der Westen eine humanistische Motivation nur vortäuscht:

Die USA hatten geplant, dass eine westlicherseits eingebrachte Syrienresolution und ein russischer Entwurf gegeneinander stehen würden. Das hätte zu einem russischen Veto gegen Ihren Text geführt, und damit verband man die Erwartung, eine gewisse Legitimation für einen Raketenangriff auf Syrien zu haben, nachdem ein Giftgaseinsatz stattgefunden hatte, für den die USA die Regierung Syriens verantwortlich erklärten. Doch plötzlich gab es einen Kompromisstext nicht-ständiger Mitgliedsstaaten des Weltsicherheitsrates, bei dem es gut hätte passieren können, dass Russland dem zustimmt. Dann hätte der völkerrechtswidrige US-Raketenangriff sich noch schwerer in der Öffentlichkeit als humanitärer Akt verkaufen lassen. Unmittelbar nach Eröffnung der Weltsicherheitsrats-Sitzung erklärte die US-Vertreterin, „es werde keine Abstimmung über eine Resolution geben“ (S. 136).

Gefährlichkeit der Dämonisierung Russlands

Gabriele Krone Schmalz fragt: „Warum ist Russland derart einseitig ins Visier geraten? Es gibt sicherlich viel zu kritisieren an russischer Innen- und Außenpolitik…“ (S. 145). Doch dies einseitig zu nutzen und daraus Eskalationsschritte wie die Nato-Truppen an der westlichen Grenze Russlands abzuleiten wird den Fakten nicht gerecht.

„Wenn es darum geht, Ängste vor russischer Aggression zu schüren, ist die Bild-Zeitung unübertroffen … Und 2016 wurde gewarnt: ‚Putin verlagert Atom-Raketen an die EU-Grenze. So heiß wird der neue kalte Krieg.‘ “ (S. 171)

„Als der Stern im April 2017 die zentralen Konflikte zwischen Russland und den USA beschrieb, nannte er Syrien, die Ukraine, Nordkorea sowie nukleare Rüstung und die angebliche russische Einmischung in den US-Wahlkampf … Die tiefer liegenden Konflikttreiber aus russischer Sicht – die prinzipiell unbegrenzte Nato-Osterweiterung … – wurden mit keinem Wort erwähnt. Einseitiger geht es nicht.“ (S. 173)

Gabriele Krone-Schmalz plädiert für eine Rückkehr der Entspannungspolitik, sie benutzt dafür auch das Motto Willy Brandts „Wandel durch Annäherung“.

Und sie endet mit dem Appell, dass sich „die mündigen Bürger ihre Skepsis bewahren … Selber denken eben. Dabei darf man sich von Begriffen wie Verschwörungstheorie, Populismus und Propaganda nicht ins Boxhorn jagen lassen.“ (S. 259)

Sie zitiert Bettina von Arnim: „Selbstdenken ist der höchste Mut. Wer wagt, selbst zu denken, der wird auch selbst handeln.“

Die Eiszeit kann verdammt schnell ins heiße Inferno übergehen. Das abzuwenden ist offensichtlich das Interesse der Autorin, wie ihr Zitat von Seite 224 zeigt.

https://kenfm.de/auf-den-kalten-krieg-laesst-die-nato-die-eiszeit-folgen/

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