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Afrika, Ausland

Es geht nicht nur um Niger – Die US-Militäreinsätze in Westafrika verschaffen den Terrorgruppen nur neue Rekruten

von Nick Turse – http://luftpost-kl.de

Der bekannte US-Journalist Nick Turse berichtet über bisher geheim gehaltene US-Militäreinsätze in Westafrika, die alle vom AFRICOM in Stuttgart organisiert werden.

Der Einsatz hat es nie auf die Titelseite der New York Times  oder der Washington Post geschafft. Auch CNN oder Fox News haben nicht darüber berichtet. Weder der Stabschef des Weißen Hauses, der Chef des US-Generalstabes noch der US-Präsident haben ihn jemals in einer Pressekonferenz erwähnt. Dennoch hielten sich von Mitte Januar bis Ende März   2013   Soldaten   der   Green   Berets   (weitere     Infos   dazu   s.   unter       https://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Army_Special_Forces_Command_(Airborne     )   von der 10th Special Forces Group (s. unter https://en.wikipedia.org/wiki/10th_Special_Forces_Group_(United_States)     in dem verarmten westafrikanischen Staat Niger auf. Sie bildeten einheimische Truppen im Wüstenkampf, an schweren Waffen und in Angriffstaktiken aus.

Am 15. Mai 2013 traf eine weitere Gruppe von Soldaten der Special Forces in Niger ein. Fast zwei Monate lang bildeten auch sie einheimische Truppen in ähnlichen Kampftechniken aus, wobei der Schwerpunkt auf Einsätzen in abgelegenen Gebieten lag. Von Anfang August bis Mitte September hielt sich eine dritte Gruppe von Green Berets in diesem heißen und sehr trockenen afrikanischen Land auf; auch sie bildeten einheimische Soldaten für Wüstenoperationen und in der Handhabung schwerer Waffen aus; außerdem wurden die Auswertung von geheimdienstlichen Erkenntnissen und andere militärische Fähigkeiten vermittelt. Das geht aus Pentagon-Dokumenten hervor, deren Freigabe unter Berufung auf den Freedom of Information Act / FOIA (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Freedom_of_In-
formation_Act      ) durchgesetzt wurde.

Bei all diesen Einsätzen wurden Soldaten Nigers von Ausbildern der U.S. Special Forces in der Bekämpfung des Terrorismus geschult – vor allem im Aufspüren von Terroristen. Bis vor Kurzem fand diese Ausbildung unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien statt. Dass US-Soldaten auch an Feuergefechten beteiligt waren, wurde geheim gehalten [s.  https://www.stripes.com/news/former-special-ops-commander-us-troops-engaged-in-niger-firefights-for-years-1.494444     #   ].   US-Gefallene   [s.   dazu   auch  http://www.tomdis-patch.com/blog/175984/tomgram%3A_nick_turse,_africom_behaving_badly/%5D   wurden  als nicht am Kampf beteiligte Ausbilder [weitere Informationen dazu s. unter      https://www.nytimes.com/2017/05/09/world/africa/somalia-navy-seal-kyle-milliken.html?_r=0%5D oder als Opfer von Unfällen [s.     http://taskandpurpose.com/special-forces-soldier-killed-niger-non-combat-accident/   ] und Alkoholexzessen ausgegeben [weitere Infos dazu s.  https://www.washingtonpost.com/world/national-security/mysterious-fatal-crash-provides-rare-glimpse-of-us-commandos-in-mali/2012/07/08/gJQAGO71WW_story.html       ].

Nach Angaben des US-Generalstabschefs Joseph Dunford [s. unter         https://www.defense.gov/News/Transcripts/Transcript-View/Article/1351411/department-of-defense-press-briefing-by-general-dunford-in-the-pentagon-briefin/    ] führten vier Jahre später, am 3. Oktober 2017, 12 Soldaten der Green Berets mit 30 Soldaten aus Niger einen Aufklärungseinsatz in der Nähe des Dorfes Tongo Tongo rund 85 Kilometer nördlich der Hauptstadt Niamey durch. In einigen Berichten wird behauptet, es habe sich dabei um eine „Kill-or Capture-Mission“ (einen Auftrag, jemand zu töten oder festzunehmen) gehandelt, die gegen eine hochrangige Zielperson mit Kontakten zu Al-Qaida und dem Islamischen Staat
gerichtet war [s.  http://abcnews.go.com/Politics/died-fighting-brothers-niger-ambush-survivor-fallen-us/story?id=50670787     ].

Als sich die Patrouille am 4. Oktober nach Süden zu ihrer Operationsbasis in Bewegung setzte, geriet sie in einen Hinterhalt und wurde von 50 feindlichen Kämpfern angegriffen, die nach Dunfords Angaben (s.  S. 1) mit  Pick  Ups,  Handfeuerwaffen und   Granatwerfern   ausgerüstet   waren“.   Dabei   wurden   vier
Green Berets und fünf einheimische Soldaten getötet und zwei Green Berets verwundet.

In Wirklichkeit werden in ganz Afrika bereits Tausende von US-Soldaten eingesetzt. Von Kamerun über Somalia bis nach Dschibuti und Libyen führen rund 6.000 US-Soldaten etwa 3.500 „Ausbildungseinsätze“ pro Jahr durch, fast 10 pro Tag. Mehr als 800 davon befinden sich nach Angaben des Pentagon-Sprechers Maj. (Major) Audricia Harris in Niger; das ist die größte Anzahl von US-Soldaten in einem afrikanischen Staat. 2013 waren es nur 100 US-Soldaten [s.     https://www.reuters.com/article/us-usa-niger-forces/u-s-military-personnel-arrive-in-niger-obama-in-letter-to-congress-idUSBRE91L0NN20130222 ], die in dem von sieben Staaten – u.a. von Mali, Libyen, Nigeria und dem Tschad – umgebenen
Land einen Stützpunkt für Aufklärungsdrohnen betrieben (s. dazu auch        http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP14016_171016.pdf   und  http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP03716_160316.pdf    ).

„Die kaum bekannte schnelle Erhöhung der Anzahl der in Niger stationierten US-Soldaten vollzieht sich im Rahmen der allgemeinen Vergrößerung des militärischen Fußabdrucks (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP20815_131115.pdf ) der USA in Afrika,“ sagte William Hartung, der Direktor des Arms and Security Project’s (s.   https://www.cipon-line.org/programs/arms-security-project ) des Center’s for Internatioal Policy (s. https://ww-w.ciponline.org/     ). „Und diese Ausweitung (des militärischen US-Engagements in Afrika) hätte längst vom Kongress überprüft und öffentlich diskutiert werden müssen.“ Die Versuche der USA, die Streitkräfte und Milizen von Verbündeten (für die Terrorbekämpfung) auszubilden, haben nach Meinung von Experten wenig gebracht, waren meistens ineffektiv und hatten einen destabilisierenden Effekt auf die Länder, die sie eigentlich stabilisieren sollten. Auch wenn sie als unterstützende Ausbildungsmaßnahmen angelegt sind, können sie ungeahnte Folgen haben und gefährliche Entwicklungen in Gang setzen „Das Pentagon versucht zwar die militärischen Aspekte dieser Einsätze herunterzuspielen, durch die dadurch ausgelösten Kampfhandlungen könnten die USA aber in größere Konflikte hinein-
gezogen werden – ohne die Ausbreitung des Terrorismus verhindern zu können,“ ergänzte Hartung.

Nicht nur in Niger befinden sich jetzt mehr als 800 US-Soldaten, nach Dunfords Aussage ist deren Anzahl in den letzten 20 Jahren auch in anderen afrikanischen Staaten ständig angestiegen.

2002 haben die USA ihr Anti-Terrorprogramm unter dem Namen Pan Sahel Initiative (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Pan-Sahel-Initiative    ) gestartet; später wurde es in Trans-Sahara Counterterrorism Partnership / TSCTP (s. unter        https://www.globalsecurity.org/military/ops/tscti.htm    ) umbenannt. Zunächst waren nur die Staaten Tschad, Mali, Mauretanien und Niger einbezogen, dann kamen noch sechs weitere angrenzende Staaten dazu. Nach einem Bericht des Government Accountability Office (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Go-
vernment_Accountability_Office  und   [http://www.gao.gov/assets/670/664337.pdf  ])   aus dem Jahr 2014 haben die USA allein zwischen 2009 und 2013 rund 288 Millionen Dollar für die TSCTP ausgegeben. Niger erhielt 30 Millionen Dollar, das Nachbarland Mali den Höchstbetrag von 40,6 Millionen Dollar.

Nach einer aus dem Jahr 2014 stammenden Analyse des US-Außenministeriums zur Effizienz der TSCTP, deren Freigabe  The Intercept  unter Berufung auf den FOIA durchgesetzt hat, hatten die US-Ausbilder immer den Auftrag, „einheimische Truppen zu beraten, zu trainieren und auszurüsten“, sie zur Bekämpfung von Terroristen zu befähigen und die einheimische Bevölkerung zur Zusammenarbeit mit den einheimischen Soldaten zu ermuntern; diese sollten in die Lage versetzt werden, terroristische Kämpfer „aufzuspüren, anzugreifen und auszuschalten“.

Seit 2011 arbeiten im Rahmen der Trainingsprogramme des U.S. AFRICOM (in Stuttgart, s.    https://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Africa_Command  ) für Niger und Mali auch zivil-militärische   Unterstützungseinheiten   (s.         https://www.africom.mil/Tags/civil-military-support-element    ), gemeinsame Planungs- und Unterstützungsteams, Ausbilder für Führungspersonal und mobile Trainingsteams; dabei werden einheimische Truppen von US-Soldaten auch im Gebrauch und in der Instandhaltung von Waffen und anderer Ausrüstung instruiert.

Zusätzlich führten die USA im Wechsel eine ganze Reihe weiterer Ausbildungsprogramme durch   [s. https://calhoun.nps.edu/bitstream/handle/10945/38996/13Dec_Powelson_Simon.pdf?sequence=1 ] zum Beispiel die African Crisis Response Initiative, (s. https://www.globalsecurity.org/military/ops/acri.htm  ), das Programm African Contingency Operations Training and Assistance (s.      http://www.africom.mil/what-we-do/security-cooperation/acotaafrica-contingency-operations-training-and-assistance   ), das Programm International Military Education and Training (s. https://www.dsca.mil/programs/international-military-education-training-imet  ), das Counterterrorism Fellowship Program (s. https://www.dsca.mil/programs/combating-terrorism-fellowship-program    ), die Global Peace Operations Initiative (s. https://www.state.gov/t/pm/gpi/gpoi/c20197.htm  ) und das Joint Combined Exchange Training   (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Joint_Combined_Exchange_Training  ).   Der   grösste Teil des militärischen Trainings wurde von Soldaten der Green Berets durchgeführt. Maj. (Major) Simon Powelson von der Naval Postgraduate School in Monterey, Kalifornien, der an   Ausbildungsprogrammen   der   10   th  Special   Operations   Group   beteiligt   war   (s.https://www.rand.org/content/dam/rand/pubs/research_reports/RR1200/RR1241/RAND_RR1241.pdf     ), schrieb darüber (nachzulesen unter   https://calhoun.nps.edu/bitstream/handle/10945/38996/13Dec_Powelson_Simon.pdf?sequence=1      ): „Die Ausbildungsprogramme
bewirkten keine messbare Zunahme der Wirksamkeit der gesamten Armee Malis oder einzelner Einheiten. Das periodische Training hatte keinerlei nachhaltige Wirkung.“

Ähnliche Programme gab es auch in Niger, wo das US-Verteidigungsministerium seit 2006 rund 165 Millionen Dollar in Waffen und Ausbildungsmaßnahmen zur Terrorbekämpfung investiert hat; nach Feststellungen des Congressional Research Service (s.    https://de.wikipedia.org/wiki/Congressional_Research_Service ) ist das die zweithöchste Summe, die jemals zur Terrorbekämpfung in einen afrikanischen Staat geflossen ist. Nach Meinung Michael Shurkins [s.         https://www.rand.org/about/people/s/shurkin_michael.html  ], eines führenden   Politikwissenschaftlers   der   RAND   Corporation   (s.   dazu   auch      https://de.wikipedia.org/wiki/RAND_Corporation ), der viel über beide Länder geschrieben hat, waren die Erfolge in Niger genau so gering wie in Mali. „Die US-Truppen haben in Niger nicht mehr erreicht als bei ihren Einsätzen in anderen Staaten in der Region, die seit 2003 stattfinden,“ stellte er fest. „Was wir dort getan haben, hat überhaupt nichts Positives bewirkt; alles ist nur noch viel schlimmer geworden.“ [s. dazu auch         https://www.rand.org/pubs/research_reports/RR892.html      ]

Rebecca Zimmerman, eine Mitarbeiterin der RAND Corporation, die sich mit Sicherheitsund Außenpolitik beschäftigt, warnt vor den schlimmen Folgen, die eintreten können, wenn die Streitkräfte labiler Staaten mit Waffen zur Terrorbekämpfung beliefert und daran ausgebildet werden. Dadurch könnten Abhängigkeitsverhältnisse entstehen und die Korruption gefördert werden. Außerdem erhielten die Streitkräfte dadurch häufig mehr Macht als die schwachen zivilen Regierungen. „In Staaten, in denen das Militär der zivilen Kontrolle
entgleitet, entwickeln sich dann gefährliche Risiken,“ warnte sie.

In dem ebenfalls in die Trans-Sahara Counterterrorism Partnership / TSCTP einbezogenen Staat Tschad gab es 2006 und 2013 versuchte Staatsstreiche. Das Militär Mauretaniens hat 2005 und 2008 die Regierung gestürzt. 2010 hat eine Militärjunta den Präsidenten Nigers abgesetzt [s.  http://www.nytimes.com/2010/02/20/world/africa/20niger.html?_r=0  ]. Amadou Sanogo, ein in den USA ausgebildeter Offizier, hat 2012 den demokratisch gewählten Präsidenten Malis seines Amtes enthoben. „Die Rolle eines im Auftrag der US-Regierung ausgebildeten Offiziers beim Sturz der Regierung Malis belegt nur ein weiteres Mal, dass mit US-Ausbildungsprogrammen und Waffenlieferungen nur mehr Chaos angerichtet und der Boden für die Entstehung von Terrororganisationen bereitet wir,“ erklärte
Hartung gegenüber The Intercept.

Der   in   den   USA   ausgebildete   Offizier   Sanogo   und   seine   Clique   [s.    http://www.nytimes.com/2012/03/24/world/africa/in-mali-coup-leaders-seem-to-have-uncertain-grasp-on-power.html?_r=0  ] waren unzufrieden mit der unzulänglichen Reaktion der Regierung auf einen Aufstand im Norden Malis. Als Muammar Gadhafi in dem von den USA unterstützten Krieg in Libyen getötet wurde, plünderten in seinem Dienst stehende nomadisierende Tuareg-Kämpfer geheime Waffenlager seines Regimes, kehrten in ihr Heimatland Mali zu-
rück und wollten dort sesshaft werden.

Marodierende Islamisten vertrieben die Tuaregs zu Hunderttausenden wieder aus dem Land und riefen damit eine humanitäre Krise hervor. Die Islamisten errichteten auf der Basis der Scharia ein Schreckensregime. Sanogos Militärjunta ging militärisch gegen sie vor, war aber nicht erfolgreicher als die Regierung, die er gestürzt hatte. „Der Staatsstreich machte alles nur noch schlimmer, denn er schuf nur ein Machtvakuum,“ stellte Shurkin. 2013 fest. Als ein Sieg der islamistischen Kämpfer über Sanogos Soldaten drohte [s.     https://theintercept.com/2015/12/21/u-s-officials-warned-of-mali-terror-strike-prior-to-novem-ber-attack/      ], konnte die Übernahme Malis durch die Islamisten nur durch eine von den
USA   unterstützte, von Frankreich angeführte multinationale Militärintervention   (an   der auch die Bundeswehr beteiligt ist) verhindert werden. In dem seither in Mali herrschenden Chaos bilden sich ständig neue militante Gruppierungen.

Während es 2001 in ganz Westafrika noch keine international vernetzten Terroristen gab, tummeln sich dort jetzt eine Vielzahl terroristischer Splittergruppen [s. dazu auch     http://www.tomdispatch.com/blog/175818/tomgram%3A_nick_turse,_american_proxy_wars_in_africa   ]. Nach Angaben des Africa Center’s for Strategic Studies (s. https://africacenter.org/ ) des US-Verteidigungsministeriums gehören dazu ein Ableger der Al-Qaida im islamischen
Magreb und die Gruppierungen Al Mourabitoun (s. https://en.wikipedia.org/wiki/Al-Mourabitoun_(militant_group)  ), Ansar Dine (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Ansar_Dine ), die Macina Liberation Front (s.https://en.wikipedia.org/wiki/Macina_Liberation_Front ), die der Jama’at   Nusrat   al-Islam   waluslimin   (s.   unter  https://de.wikipedia.org/wiki/Dscham%C4%81%CA%BFat_Nusrat_al-Isl%C4%81m_wa-l-Muslim%C4%ABn ) zuzurechnen ist, sowie die Boko Haram (s.    https://de.wikipedia.org/wiki/Boko_Haram  ), die Movement for Unity and Jihad in West Africa (s. https://www.trackingterrorism.org/group/movement-uni-
ty-and-jihad-west-africa-mujao ), Ansaroul Islam (s. dazu auch https://www.longwarjournal.org/tags/ansaroul-islam ) und der Islamic State in West Africa (s. https://www.longwarjournal.org/tags/islamic-state-west-africa      ). Nach Berichten sollen Mitglieder der neuen, in Mali operierenden Gruppe Islamic State in Greater Sahara (s. https://www.longwarjournal.org/tags/islamic-state-in-the-greater-sahara ) über die Grenze nach Niger gewechselt sein und den Angriff durchgeführt haben, bei dem die vier Green Berets getötet wurden..

„Die Wurzeln des Terrorismus sind zwar komplex,“ konstatierte Hartung, „es trifft aber zu, dass die wachsende US-Militärpräsenz in Westafrika den dort operierenden Terrorgruppen ständig neue Rekruten zutreibt.“

Während sich das französische Militär (und seine deutschen Unterstützer) immer mehr in einen endlos erscheinenden Kampf mit islamistischen Terroristen in Mali verstricken, erhöhen die USA ihre Militärpräsenz im benachbarten Niger immer noch – trotz der jüngsten Verluste. „Die US-Truppen setzen ihre Operationen in Niger fort und beraten und unterstützen die einheimische Armee auch weiterhin,“ hat Lt. Col. (Oberstleutnant) Michelle Baldanza, eine Sprecherin des Pentagons erklärt. [Weitere Infos dazu s.    https://www.washingtonpost.com/world/national-security/pentagon-deployed-elite-commandos-to-niger-fearing-that-militants-were-hunting-missing-soldier/2017/10/25/fd9345ea-b97d-11e7-be94-fabb0f1e9ffb_story.html     .]

Das AFRICOM (in Stuttgart) behauptet, die US-Soldaten seien nur in Niger, um die US-Botschaft in Niamey, der Hauptstadt des Landes, zu „schützen“ [s. dazu auch     http://www.africom.mil/media-room/article/30023/why-the-u-s-military-is-in-niger         ].   US-Soldaten   sind aber auch auf der Base Aerienne 201 (dem Militärflugplatz 201) außerhalb der Stadt Agadez stationiert, die eine wichtige Rolle für den Transit durch die Sahara spielt. Dieser Flugplatz werde nur vorübergehend für „geheimdienstliche Aufklärungs- und Erkundungsmaßnahmen“ genutzt. The Intercept hat allerdings schon früher enthüllt, dass dort für 100 Millionen Dollar ein Stützpunkt für US-Drohnen gebaut wird [s.  http://www.luftpost-kl.de/luft-
post-archiv/LP_16/LP14016_171016.pdf ].

Aus geheimen Dokumenten aus dem Jahr 2015, deren Freigabe unter Berufung auf den Freedom of Information Act / FOIA durchgesetzt wurde, geht hervor, dass Niger der einzige Staat im Nordwesten Afrikas war, der die Stationierung von Drohnen des Typs MQ-9 Reaper   (Sensenmann,   s.  https://de.wikipedia.org wiki/General_Atomics_MQ-9  ),   einer Weiterentwicklung der Drohne Predator (Raubtier, s.          https://de.wikipedia.org/wiki/General_Atomics_MQ-1     ) erlaubt hat. Die Dokumente belegen, dass der Präsident dieses Staates sogar mit der „Stationierung bewaffneter Drohnen“ einverstanden war [s.   https://www.
documentcloud.org/documents/3115722-Niger-Drone-Base-Page-3.html      ].   Nach   neueren Berichten wird Niger gerade von der US-Regierung unter Druck gesetzt, die mit bewaffneten Drohnen Terroristen jagen will [s.         https://www.nbcnews.com/news/africa/u-s-now-moving-toward-armed-drones-lethal-force-niger-n814341 ].

„Die Drohnen in Nordwestafrika sollen Terroristen von sieben Terrororganisationen aufspüren, die das US-Außenministerium benannt hat. Von Agadez aus sollen nicht nur Niger und der Tschad, sondern auch Libyen und Nigeria überwacht werden,“ steht in einem Dokument aus dem Jahr 2015, in der Agadez als „wichtigstes militärisches Bauprojekt“ des AFRICOM bezeichnet wird [s.        https://www.documentcloud.org/documents/3115684-Niger-Drone-Base-Page-2.html   ]. Die Bauarbeiten dauern auch heute noch an.

Das Pentagon hat sich aus „Sicherheitsgründen“ geweigert, Angaben zur genauen Anzahl der US-Soldaten in Niger zu machen. Aus einem von der Air Force im letzten Monat abgeschlossen Vertrag über die Lieferung von 80 mit Wellblech verstärkten Wohnzelten für die Base Aerienne 201 lassen sich aber Schlüsse ziehen. In den auch in Afghanistan und im Irak verwendeten Wohnzelten gibt es insgesamt 800 separate Schlafkabinen.

Nach Angaben des AFRICOM werden US-Amerikaner auch für andere, nicht näher bezeichnete „zeitlich begrenzte Aufgaben und Operationen“ in Niger gebraucht.  Aus neueren Vertragsdokumenten der Defense Logistic Agency / DLA (s. dazu auch      http://www.dla.mil/AboutDLA/  ) geht hervor, dass für eine Joint Special Operations Air Component (s. https://www.globalsecurity.org/military/agency/dod/jsoac-e.htm )   auf   der   Base   Aerienne 101 ständig Diesel und JP-8 (ein Treibstoff für Militärflugzeuge) benötigt werden. Dieser Militärflugplatz wird als weiterer Vorposten für ISR-Einsätze (ISR ist ein Kürzel für Intelligence, Surveillance and Reconnaissance, also für Spionage, Überwachung und Aufklärung)   von   US-Drohnen   genutzt   und   ist   dem   Diori   Hamani   International   Airport   in   der
Hauptstadt Niamey zugeordnet. Die US-Streitkräfte wollen die Base Aerienne 101 so ausbauen, dass sie auch verteidigt werden kann – mit befestigten Wachtürmen und Schießscharten, aus denen zurückgeschossen werden kann. Das geht aus einer Ausschreibung der Air Force vom Sommer letzten Jahres hervor.

Aus Vertragsunterlagen ist zu ersehen, dass   auch   auf   anderen   Flugplätzen   in
Niger Treibstoffvorräte angelegt werden sollen – u. a. in Tahoua und Ouallam;
auf einer „Militärbasis“ bei Dirkou werden monatlich   4.400 Gallonen Benzin
(1 Gallone = 3,8 l) und 1.100 Gallonen Diesel und alle 90 Tage 6.000 Gallonen
JP-8 gebraucht. Ein DLA-Dokument aus diesem Sommer lässt darauf schließen,
dass   auch   beim   Ort   Tillia   unverbleites Benzin   und   Diesel   deponiert   werden
sollen.

Die Vergrößerung und Befestigung von Einrichtungen   in   Agadez   und   Niamey,
und das durch Verträge belegte Anlegen von Treibstoffdepots an anderen abgelegenen Standorten lassen vermuten, dass die US-Militärpräsenz in Niger noch ausgeweitet werden soll. Diese Vermutung wird bestätigt durch Aussagen, die US-Verteidigungsminister James Mattis letzte Woche vor zwei führenden Mitgliedern des Verteidigungsausschusses des Senats gemacht hat: „Wir werden in Afrika mehr und nicht weniger als bisher tun,“ sagte Senator Lindsey Graham nach seinem Gespräch mit Mattis. „Wir werden noch aggressiver als bisher gegen unsere Feinde vorgehen.“

Shurkin ist sehr besorgt über Grahams Äußerungen: „Wenn ich Lindsey Graham höre, beunruhigt mich das sehr, weil er ein Falke ist. Seine Aussage bedeutet, dass noch mehr Geld nach Afrika fließt – für noch mehr Soldaten und Green Berets, noch mehr Ausbildungsprogramme und mehr Hubschrauber, also für einen noch größeren US-Fußabdruck in Afrika.“ (s.       http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP15013_071013.pdf )

„Wenn noch mehr Geld für die gleichen wertlosen Programme verschleudert werden soll, halte ich das für eine schlechte Idee,“ meinte Shurkin. „Das ist reine Geldverschwendung und macht alles nur noch schlimmer.“

(Wir haben den sehr faktenreichen Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in runden Klammern versehen. Die Links in eckigen Klammern hat der Autor selbst Karte entnommen aus Google eingefügt. Infos über ihn finden sich unter        http://www.tomdispatch.com/authors/nickturse .)

https://theintercept.com/2017/10/26/its-not-just-niger-u-s-military-activity-is-a-recruiting-tool-for-terror-groups-across-west-africa/

http://luftpost-kl.de/lp-16.html

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