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Ausland, Nordamerika

Das Ende des Imperiums

von Chris Hedges – https://einarschlereth.blogspot.de

Chris Hedges ist zweifellos ein kluger Mann. Er ist whistleblower und hat viele bedeutende Artikel geschrieben. Es betrübt mich immer, wenn solche Leute ganz üble und grobe Fehler begehen. So hat er den üblichen Fehler amerikanischer Journalisten, Literaten, Politiker und Wissenschaftler, die Sowjetunion und den Kommunismus zu verteufeln, unkommentiert von McCoy übernommen, der die SU in die Reihe räuberischer Imperien einordnete und von der Ausbeutung Osteuropas spricht. Die „Ausbeutung“ war so schlimm, dass heute die Mehrheit der ehemaligen Sowjet-Republiken gerne in die SU zurückkehren würden. Ein zweiter Fehler geht allein auf das Konto von Chris, weil er nicht in einem Zitat sondern in der Wiedergabe von einem McCoy Absatz den römischen Kaiser Nero als monströse Figur bezeichnet. Dies ist eine infame Lüge, die von der katholischen Kirche in die Welt gesetzt wurde, wie Karl-Heinz Deschner überzeugend nachgewiesen hat. Was Christentum und Kommunismus anght, sind  die Amerikaner einfach komplett vernagelt.

Das amerikanische Imperium geht zu Ende. Die US-Wirtschaft wird durch Kriege im Nahen Osten und die gewaltige militärische Expansion rund um den Globus geschwächt. Sie wird durch wachsende Defizite und die verheerenden Auswirkungen der Deindustrialisierung und der globalen Handelsabkommen belastet. Unsere Demokratie ist von den Korporationen gekidnapped und zerstört worden, die ständig mehr Steuersenkungen, mehr Deregulierung und Straffreiheit vor Verfolgung für massive Finanzbetrügereien fordern, während sie gleichzeitig Billionen aus dem US-Finanzministerium in Form von Rettungsaktionen plünderten. Die Nation hat die Macht und den Respekt verloren, die nötig sind, um Verbündete in Europa, Lateinamerika, Asien und Afrika dazu zu bewegen, ihre Gebote zu erfüllen. Dazu kommt die zunehmende Zerstörung durch den Klimawandel und so hat man ein Rezept für eine aufkommende Dystopie. Dieser Niedergang wird auf höchster Ebene von Bund und Ländern von einer bunt gemischten Sammlung von Schwachköpfen, Betrügern, Dieben, Opportunisten und kriegerischen Generälen überwacht. Und um klar zu sein – ich spreche auch von den Demokraten.

Das Imperium wird dahinhumpeln und ständig an Einfluss verlieren, bis der Dollar als Reservewährung von der Welt fallen gelassen wird und die Vereinigten Staaten in eine lähmende Depression stürzen, was augenblicklich eine massive Reduzierung seiner Militärmaschine forciert.

Da eine breite Revolte des Volkes wenig wahrscheinlich ist, scheint die Todesspirale unaufhaltsam zu sein, was bedeutet, dass die Vereinigten Staaten, wie wir sie kennen, innerhalb eines oder höchstens zwei Jahrzehnten nicht mehr existieren werden. Das globale Vakuum, das wir hinterlassen, wird durch China ersetzt, das sich bereits als wirtschaftliche und militärische Zugmaschine etabliert hat, oder vielleicht wird es eine multipolare Welt geben, die sich auf Russland, China, Indien, Brasilien, die Türkei, Südafrika und einige andere Staaten verteilt. Oder vielleicht wird die Leere gefüllt, wie der Historiker Alfred W. McCoy in seinem Buch „In the Shadows of the American Century: The Rise and Decline of US Global Power“ schreibt, durch „eine Koalition aus transnationalen Konzernen, multilateralen Streitkräften wie der NATO und einer selbsternannten internationalen Finanzführung in Davos und Bilderberg“, die „eine supranationale Verflechtungg formen wird, die jede Nation oder jedes Imperium ersetzen kann „.

In jedem Bereich, von Investitionen in finanzielles Wachstum und Infrastruktur bis hin zu fortschrittlichen Technologien, einschließlich Supercomputern, Weltraumwaffen und Cyberwarfare, werden wir von den Chinesen rasch überholt. Im April 2015 ging das US-Landwirtschaftsministerium von der Annahme aus, dass die amerikanische Wirtschaft in den nächsten 15 Jahren um fast 50 Prozent wachsen würde, während sich Chinas Wirtschaft verdreifachen wird und Amerikas im Jahr 2030 fast übertreffen würde „, sagte McCoy. China wurde 2010 zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, im selben Jahr wurde es zur weltweit führenden Fertigungsnation und verdrängte die Vereinigten Staaten, die das verarbeitende Gewerbe seit einem Jahrhundert dominiert hatten. Das Verteidigungsministerium

veröffentlichte einen nüchternen Bericht mit dem Titel „At Our Own Peril: DoD Risk Assessment in a Post-Primacy World“ (Auf eigene Gefahr: DoD Risk Assessment in a Post-Primacy World), in dem festgestellt wurde, dass das US-Militär „keine unangreifbare Position mehr gegenüber staatlichen Konkurrenten genießt“ und „dass es nicht mehr in der Lage ist,… automatisch eine konsistente und nachhaltige lokale militärische Überlegenheit in Reichweite zu erzeugen“, prognostiziert McCoy den Zusammenbruch bis 2030.
Zerfallende Imperien begehen beinahe absichtlich Selbstmord. Durch ihre Anmaßung geblendet und unfähig, sich der Realität ihrer abnehmenden Macht zu stellen, ziehen sie sich in eine Fantasiewelt zurück, in der harte und unangenehme Tatsachen nicht mehr auftauchen. Sie ersetzen Diplomatie, Multilateralismus und Politik durch einseitige Drohungen und das stumpfe Instrument des Krieges.

Diese kollektive Selbsttäuschung führte dazu, dass die Vereinigten Staaten den größten strategischen Fehler in ihrer Geschichte machten, der die Totenglocke des Imperiums läutete – die Invasion Afghanistans und Iraks. Die Architekten des Krieges im Weißen Haus von George W. Bush und die vielen nützlichen Idioten in der Presse und Wissenschaft, die dazu Beifall klatschten, wussten nur sehr wenig über die Länder, die invadiert wurden, und sie waren erstaunlich naiv über die Auswirkungen der industriellen Kriegsführung und waren blind von dem heftigen Rückschlag. Sie behaupteten und glaubten vermutlich daran, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitze, obwohl sie nicht den geringsten Beweis für diese Behauptung hatten. Sie beharrten darauf, dass die Demokratie in Bagdad implantiert würde und sich dann über den Nahen Osten ausbreiten würde. Sie versicherten der Öffentlichkeit, dass US-Truppen von dankbaren Irakern und Afghanen als Befreier begrüßt würden. Sie versprachen, dass die Erdöleinnahmen die Kosten des Wiederaufbaus decken würden. Sie beharrten darauf, dass der mutige und schnelle militärische Schlag – „Schock und Staunen“ – die amerikanische Hegemonie in der Region und Dominanz in der Welt wiederherstellen würde. Das Gegenteil war der Fall. Wie Zbigniew Brzezinski bemerkte, hat dieser „unilaterale willkürliche Krieg gegen den Irak eine weit verbreitete Delegitimation der US-Außenpolitik“ ausgelöst hat.“

Geschichtsforscher von Imperien nennen diese militärischen Debakel, ein Merkmal aller vergangenen Imperien, Beispiele des „Mikromilitarismus“: Die Athener bedienten sich des Mikromilitarismus, als sie während des Peloponnesischen Krieges (431-404 v. Chr.) in Sizilien einmarschierten, dabei 200 Schiffe und Tausende von Soldaten verloren und Revolten im gesamten Imperium auslösten. Großbritannien tat dies 1956, als es Ägypten in einem Streit über die Verstaatlichung des Suezkanals angriff und sich dann schnell erniedrigt zurückziehen musste, was eine Reihe arabischer nationalistischer Führer wie Ägyptens Gamal Abdel Nasser stärkte und obendrein die Herrschaft über die wenigen verbliebenen Kolonien verlor. Keines dieser Reiche erholte sich.

Während aufsteigende Imperien häufig klug, sogar rational in der Anwendung ihre Streitkräfte für die Eroberung und Lenkung fremder Länder sind, neigen absterbende Imperien zu unüberlegter Zurschaustellung ihrer Macht und träumen von kühnen militärischen Meisterleistungen, womit irgendwie verlorenes Prestige und Macht zurückgewonnen würde „, schreibt McCoy. „Oft irrational, auch aus imperialer Sicht, können diese mikromilitärischen Operationen bodenlose Ausgaben oder erniedrigende Niederlagen nach sich ziehen, die den bereits eingetretenen Prozess nur beschleunigen.“

Imperien brauchen mehr als Gewalt, um andere Nationen zu beherrschen. Sie brauchen die Mystik. Diese Mystik – eine Maske für imperiale Plünderung, Unterdrückung und Ausbeutung – verführt einheimische Eliten, die bereit sind, die Gebote der imperialen Macht zu erfüllen oder zumindest passiv zu bleiben. Und sie liefert eine Patina der Höflichkeit und der Vornehmheit den Untertanen, um die Kosten an Blut und Geld zu rechtfertigen, die benötigt werden, um das Imperium aufrechtzuerhalten. Das parlamentarische Regierungssystem, das Großbritannien in den Kolonien äußerlich nachgebildet hat, und die Einführung britischer Sportarten wie Polo, Cricket und Pferderennen sowie kunstvoll uniformierte Vizekönige und der Prunk des Königshauses untermauerten das, was die Kolonialherren die Unbesiegbarkeit ihrer Marine und Armee nannten. England konnte sein Reich von 1815 bis 1914 zusammenhalten, bevor es zu einem stetigen Rückzug gezwungen wurde. Amerikas aufgeblasene Rhetorik über Demokratie, Freiheit und Gleichheit, zusammen mit Basketball, Baseball und Hollywood, sowie unsere eigene Vergötterung des Militärs, haben nach dem Zweiten Weltkrieg einen Großteil des Globus verzaubert und eingeschüchtert. Hinter den Kulissen hat die CIA natürlich mit ihren schmutzigen Tricks Putschversuche organisiert, Wahlen gefälscht und Morde ausgeführt, schwarze Propagandakampagnen, Bestechung, Erpressung, Einschüchterung und Folter verübt. Aber nichts davon funktioniert mehr.

Der Verlust der Mystik ist lähmend. Es macht es schwierig, biegsamen Ersatz für die Verwaltung des Imperiums zu finden, wie wir es im Irak und in Afghanistan gesehen haben. Die Fotographien des körperlichen Missbrauchs und der sexuellen Erniedrigung, die arabischen Gefangenen in Abu Ghraib auferlegt wurden, erzürnten die muslimische Welt und speisten al-Qaida und den späteren islamischen Staat mit neuen Rekruten.

Die Brutalität im Ausland geht einher mit einer wachsenden Brutalität im Inland. Militarisierte Polizei Gewehr mähen meistens unbewaffnet, arme farbige Leute nieder und füllen ein System von Gefängnissen, in denen unglaubliche 25 Prozent der Gefangenen der ganzen Welt einsitzen, obgleich Amerikaner nur 5 Prozent der globalen Bevölkerung ausmachen. Viele unserer Städte liegen in Trümmern. Unser öffentliches Verkehrssystem ist ein Chaos. Unser Bildungssystem ist in einem steilen Niedergang und wird privatisiert. Drogensucht, Selbstmord, Massenerschießungen, Depressionen und krankhafte Fettleibigkeit plagen eine Bevölkerung, die in tiefe Verzweiflung geraten ist. Die tiefe Ernüchterung und Wut, die zur Wahl von Donald Trump geführt haben – eine Reaktion auf den Staatsstreich der Mammuth-Unternehmen und die Armut, die mindestens die Hälfte des Landes heimsuchte – haben den Mythos einer funktionierenden Demokratie zerstört. Präsidentale Tweets und Rhetorik zelebrieren Hass, Rassismus und Fanatismus und verhöhnen die Schwachen und Wehrlosen. Der Präsident drohte in einer Rede vor den Vereinten Nationen damit, eine andere Nation in einem Völkermord zu vernichten. Wir sind weltweit Gegenstand von Spott und Hass. Die Vorahnung für die Zukunft drückt sich in der Menge scheußlicher Filme aus, in Filmen, die nicht mehr amerikanische Tugend und Außergewöhnlichkeit oder den Mythos des menschlichen Fortschritts vermitteln.

Der Untergang der Vereinigten Staaten als die herausragende globale Macht könnte viel schneller eintreten, als sich irgendjemand das vorstellt „, schreibt McCoy. Trotz der Aura der Allmacht, die Imperien oft vermitteln, sind die meisten von ihnen überraschend zerbrechlich, und es mangelt ihnen an der inhärenten Stärke eines bescheidenen Nationalstaates. Ein Blick auf ihre Geschichte sollte uns in der Tat daran erinnern, dass die größten von ihnen anfällig für den Zusammenbruch aus verschiedenen Gründen sind, wobei der fiskalische Druck in der Regel ein Hauptfaktor ist. Für den größten Teil zweier Jahrhunderte war die Sicherheit und der Wohlstand des Heimatlandes das Hauptziel für die meisten stabilen Staaten, was ausländische oder imperiale Abenteuer zu einer entbehrlichen Option machte. Hingegen sind Imperien berühmt für ihre räuberische und pausenlose Jagd nach Plünderung und Profit – wovon der atlantische Sklavenhandel zeugt, die belgische Gier nach Gummi im Kongo, der Opiumhandel Britisch-Indiens, die Vergewaltigung Europas durch das Dritte Reich oder die sowjetische Ausbeutung Osteuropas durch die Sowjetunion.“

Wenn die Einnahmen sinken oder kollabieren, so betont McCoy, „beginnen Imperien zu bröckeln.

So empfindlich ist ihrer Ökologie der Macht, wenn alles anfängt, falsch zu laufen, dass Imperien sich gewöhnlich mit ungewöhnlichem Tempo auflösen: nur ein Jahr für Portugal, zwei Jahre für die Sowjetunion, acht Jahre für Frankreich, 11 Jahre für das Ottomanische Reich siebzehn Jahre für Großbritannien und aller Wahscheinlichkeit nach siebeundzwanzig Jahre für die Vereinigten Staaten, gerechnet von dem entscheidenden Jahr 2003 [als sie Irak invadierten],“ schreibt er.

Vielen der geschätzten 69 Imperien, die in der Geschichte existierten, fehlte eine kompetente Führung bei ihrem Niedergang, weil sie Macht an monströse Figuren abgaben wie die römischen Kaiser Caligula und Nero. In den USA sind die Zügel der Macht im Griff des ersten in einer Reihe von verkommenen Demagogen.

„Für die Mehrheit der Amerikaner werden die 2020er Jahre wahrscheinlich als demoralisierendes Jahrzehnt steigender Preise, stagnierender Löhne und schwindender internationaler Wettbewerbsfähigkeit in Erinnerung bleiben „, schreibt McCoy. Durch den Verlust des Dollars als globale Reservewährung werden die USA nicht in der Lage sein, ihre riesigen Defizite durch den Verkauf von Staatsanleihen zu begleichen, die dann drastisch abgewertet werden. Die Importpreise werden massiv ansteigen. Die Arbeitslosigkeit wird explodieren. Innerstaatliche Zusammenstöße über das, was McCoy als „unerhebliche Probleme“ bezeichnet, werden einen gefährlichen Hypernationalismus entfachen, der sich in einen amerikanischen Faschismus verwandeln könnte.

*Eine diskreditierte Elite, misstrauisch und sogar paranoid in einer Zeit des Verfalls, wird überall Feinde sehen. Das Instrumentarium, das für die globale Vorherrschaft geschaffen wurde – totale Überwachung, die Beseitigung der bürgerlichen Freiheiten, raffinierte Foltertechniken, die militarisierte Polizei, das massive Gefängnissystem, die tausenden militarisierten Drohnen und Satelliten – wird im Heimatland zum Einsatz kommen. Das Reich wird zusammenbrechen und die Nation wird sich zu Lebzeiten verzehren, wenn wir denen, die den Staat der Einprozenter regieren, nicht die Macht entziehen.

Quelle – källa – source
Aus dem Englischen: Einar Schlereth
https://einarschlereth.blogspot.de/2017/10/das-ende-des-imperiums.html#more
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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Das Ende des Imperiums

  1. Und mit dem Zusammenbrechen was schon überfällig ist, geht halt die gesamte Welt den Bach runter. das einzig gute daran ist, dass man die verschissenen Eliten, und die verlogenen Politiker nimmer sehen muß, gell?

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    Verfasst von reiner tiroch | 17. Oktober 2017, 10:55

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