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Asien, Ausland

Der politische Islam gegen China

von Thierry Meyssanhttp://www.voltairenet.org

Bild: Laut dem US-Generalstab ist Myanmar Teil des Bereichs, der zu zerstören ist (hier die 2003 veröffentlichte Karte von Thomas P. M. Barnett).

Sie sind sich wahrscheinlich bewusst, unvollständig informiert zu sein über das, was sich in Myanmar abspielt, und Sie haben wahrscheinlich nicht von der militärischen Koalition gehört, die sich vorbereitet dieses Land anzugreifen. Doch werden die aktuellen Ereignisse, so wie Thierry Meyssan es hier darlegt, von Riad und Washington seit 2013 organisiert. Machen Sie sich kein Bild von den Vorgängen, bevor Sie diesen Artikel gelesen und die Nachrichten zur Kenntnis genommen haben.

Das Pentagon verfolgt seine große Strategie der Ausdehnung von Kriegshandlungen, [1], indem es zur gleichen Zeit die Instrumentalisierung der Kurden im Erweiterten Nahen Osten, einen Bürgerkrieg in Venezuela und einen Abnutzungskrieg auf den Philippinen vorbereitet. Jedoch müssen diese Konflikte auf den vierten Kriegsschauplatz warten: und zwar in Burma, in unmittelbarer Nähe von China.

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Am 28. September nimmt Jeffrey Feltman, die Nummer 2 der Vereinten Nationen, im Sicherheitsrat an den Debatten neben dem Generalsekretär António Guterres teil. Nachdem er persönlich die Aggression gegen Syrien überwacht hat, will er nun die gegen Burma organisieren. Als ehemaliger amerikanischer Beamter, war Feltman der Assistent von Hillary Clinton.

Während der Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen am 28. September haben die US-Botschafterin und einige ihrer Verbündeten der Koalitionsregierung von Myanmar einen „Genozid“ vorgeworfen [2]. Dieses Schimpfwort – das im Europäischen Gesetz einen Massenmord bedeutet, aber im US-Recht für eine Mordmethode verwendet wird, selbst dann, wenn das Verbrechen nur ein einziges Opfer zu verantworten hat – genügt Washington, um, mit oder ohne Zustimmung des Sicherheitsrats, einen Krieg zu rechtfertigen, so wie wir es in Jugoslawien gesehen haben [3]. Die Sitzung des Sicherheitsrates hat auf Antrag der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) stattgefunden.

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Seit 2013 bemühen sich die westlichen Medien, den Buddhismus in einer sektiererischen Form zu präsentieren. Hier, der Mönch Ashin Wirathu. In 2003 zu 25 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, wegen seiner anti-muslimischen Predigten, hat er von der allgemeinen Amnestie im Jahr 2012 profitiert. Es ist nicht schwer, in jeder Religion Fanatiker zu finden.

Damit der Sachverhalt mit ihrer Erzählung übereinstimmt, stellen die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich die burmesische Armee, die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi [4] und die Buddhisten des Landes [5] zusammen als die Bösen dar, obwohl sie anlässlich der „Safran-Revolution“ (2007) Aung San Suu Kyi und die buddhistischen Mönche für ihren gewaltlosen Widerstand gegen die Diktatur des SLORC noch feierten [6].

Burma hat seit der britischen und japanischen Fremdherrschaft nie Frieden gekannt. [7]. Burma ist einfacher zu destabilisieren, seitdem die Junta des SLORC akzeptiert hat, die Macht mit der Nationalliga für Demokratie (NLD) zu teilen und seitdem sie nun beide gemeinsam versuchen, die zahlreichen internen Konflikte des Landes friedlich zu lösen.

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Die für die chinesische Wirtschaft wesentlichen Pipelines von Yunnan enden in der Provinz an der chinesischen Pazifikküste.

Aufgrund der geographischen Gegebenheiten geht eine Pipeline durch das Birmanische Hoheitsgebiet, die das chinesische Yunnan mit dem Golf von Bengalen verbindet und wo chinesische elektronische Überwachungsgeräte für die Kontrolle der See-Routen weit vor der Küste installiert wurden. Krieg in Burma führen ist also für das Pentagon wichtiger, als die beiden „Seidenstraßen“ im Mittleren Osten und in der Ukraine abzuschneiden.

Als Vermächtnis der britischen Kolonisation befinden sich unter den diskriminierten Burmesen 1,1 Millionen Nachkommen der bengalischen Arbeiter, die Rohingyas, die London innerhalb des indischen Empire nach Burma verlagerte [8]. Zufälligerweise ist diese nationale – und nicht ethnische – Minderheit moslemisch, während die meisten Burmesen Buddhisten sind. Schließlich muss man wissen, dass während des zweiten Weltkrieges die Rohingyas mit dem indischen Reich gegen die Birmanischen Nationalisten kollaboriert haben.

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Die „Bewegung für den Glauben“ oder die „Heilsarmee von Rohingya Araka“ ist perfekt ausgestattet und wird von den Briten in Saudi Arabien und in Bangladesch trainiert. Vor den aktuellen Ereignissen hatte sie mindestens 5000 Soldaten.

Im Jahr 2013, als das Pentagon und die CIA Dschihadisten-Horden in Syrien einsetzten und dort für einen Stellungskrieg sorgten, hat Saudi Arabien eine weitere Terrororganisation in Mekka geschaffen, die „Bewegung des Glaubens“ (Harakah al-Yaqin). Diese Gruppe, die vorgibt, die Rohingyas zu vereinen, wird in Wirklichkeit durch den Pakistaner Ata Ullah, der die Sowjets in Afghanistan bekämpfte, kommandiert [9]. Das saudische Königreich beherbergte mit 300.000 männlichen Arbeitern ohne ihre Familien die größte männliche Gemeinschaft von Rohingyas, nach Birma aber noch vor Bangladesch.

Laut einem Bericht des bengalischen Nachrichtendienstes, aus der Zeit vor der aktuellen Krise, arbeitet die „Glaubens-Bewegung“ seit einem Jahr mit einer Spaltung der bengalischen Jamaat-Ul-Mudschaheddin unter dem Motto „Der Dschihad von Bengalen bis Bagdad“. Diese kleine Gruppe hat dem Daesch-Kalifen, Abu Bakr al-Baghdadi, Treue geschworen und hat in der gleichen Koalition indische Mudschaheddin, Al-Jihad, Al-Umma, die Bewegung der islamischen Studenten aus Indien (SIMI), den Lashkar-e-Toiba (LeT) und die pakistanische Harkat-Ul-Jihad-al Islami (HuJI) vereint. Diese Vereinigung wurde durch die Stiftung Revival of Islamic Heritage Society (RIHS) von Kuwait finanziert.

Als im März 2016, vor weniger als eineinhalb Jahren, der SLORC die Machtteilung mit der Partei von Aung San Suu Kyi akzeptierte, versuchten die Vereinigten Staaten, die Friedens-Nobelpreisträgerin gegen die chinesischen Interessen zu instrumentalisieren. Da sie wohl wussten, dass es schwer sein würde, die Tochter des Vaters der birmanischen Unabhängigkeit, des kommunistischen Aung San, zu manipulieren, ermutigten sie stattdessen die „Glaubens-Bewegung“, – man weiß ja nie…“-.

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Im September 2016 bestieg Aung San Suu Kyi die Tribüne der Generalversammlung der Vereinten Nationen, um ihre Bemühungen für die Rohingya zu erklären. So wie ihr Vater Aung San, der damals dachte, mit den Japanern sein Land von der britischen Kolonisierung befreien zu können, hat auch die Friedensnobelpreisträgerin die Sympathie der Angelsachsen naiv interpretiert, um die internen Probleme von Myanmar zu lösen.

Im September 2016 vertrat Aung San Suu Kyi ihr Land bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen [10]. In sehr naiver Weise erklärte sie die Probleme ihres Volkes und die Mittel, die sie einsetzte, um diese Probleme nach und nach zu lösen, beginnend mit den Rohingyas. Als sie wieder zu Hause war, erkannte sie, dass ihre ehemaligen amerikanischen Anhänger in Wirklichkeit Feinde ihres Landes waren. Die „Glaubens-Bewegung“ startete eine Reihe von Terroranschlägen, darunter denjenigen vom Posten der Grenzpolizei in Maungdaw, wo 400 Terroristen das Arsenal plünderten und 13 Zolloffiziere und Soldaten töteten.

Die sehr ausdauernde Aung San Suu Kyi setzte eine beratende Kommission für die Rohingya-Frage ein und schlug einen konkreten Plan vor, um der Diskriminierung, mit der sie konfrontiert sind, ein Ende zu setzen. Diese Kommission bestand aus sechs Burmesen und drei Ausländern: der niederländischen Botschafterin Laetitia van den Assum, dem ehemaligen libanesischen Minister (eigentlich der Vertreter von Frankreich) Ghassan Salame und dem ehemaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, als Präsident der Kommission.

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Die neun Kommissare begannen ihre Arbeit mit ungewöhnlicher Qualität trotz der birmanischen Hindernisse. Politische Parteien scheiterten, als sie die Kommission durch die Nationalversammlung auflösen wollten, aber es gelang Ihnen, einen Misstrauensantrag der Kommission in der lokalen Versammlung von Arakan (der Staat, wo die Rohingyas leben) durchzubringen. Wie auch immer, die Kommissare überreichten ihren Bericht am 25. August mit durchführbaren Empfehlungen und ohne Hintergedanken, um das eigentliche Ziel der Verbesserung der Lebensbedingungen der Personen durchzusetzen [11].

Noch am selben Tag gaben die Saudi- und US-amerikanischen Geheimdienste das Signal für den Gegenschlag: die von der britischen Armee auf „Heilsarmee der Rohingya in Arakan“ umbenannte Glaubens-Bewegung, griff in 24 Kommandos aufgeteilt, Kasernen und Polizeiposten an und tötete 71 Menschen. Eine Woche lang kämpften die birmanischen Truppen in einer Anti-Terror-Operation gegen die Dschihadisten. 400 Mitglieder ihrer Familien flohen nach Bangladesch.

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Der Präsident der Organisation für Islamische Zusammenarbeit, Recep Tayyip Erdoğan, eröffnet die weltweite Medienkampagne, um die Rohingya zu retten (Istanbul, 1. September 2017).

Drei Tage später begann der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit allen Staatschefs der muslimischen Länder zu telefonieren, um sie vor „dem Völkermord an den Rohingyas“ zu warnen. Am 1. September, d. h. am Tag der wichtigsten muslimischen Feier, dem Eid al-Adha, hilt er eine aufrüttelnde Rede in Istanbul, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Organisation für Islamische Zusammenarbeit, um die Rohingyas zu retten und ihre „Heilsarmee“ zu unterstützen [12].

Aber diese Dschihadisten haben die Rohingyas in keiner Weise verteidigt, sondern intervenierten systematisch, um die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und die Beendigung ihrer Diskriminierung zu vereiteln.

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General Mohsen Rezaei war der Kommandeur der Revolutionsgarden, die an Seiten der NATO und Saudi Arabiens während des Krieges in Bosnien und Herzegowina gegen Serbien kämpften.

Am 5. September schlug der Vorsitzende des iranischen Beratungsstabes, Mohsen Rezaei, vor, gemeinsam mit allen muslimischen Staaten eine islamische Armee zu erstellen, um die „Brüder Rohingya“ zu retten. [13]. Es war eine sehr wichtige Stellungnahme, weil General Rezaei ein ehemaliger Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden ist.

Obwohl die birmanische Armee jegliche Aktivität gegen die Terroristen eingestellt hatte, wurden die Rohingya Dörfer in Brand gesteckt, während die Rakhine Bevölkerung von Arakan Muslime lynchte, die in ihren Augen alle Terroristen sind. Laut der Rohingyas ist es die burmesische Armee, die die Dörfer in Brand steckte, während laut der birmanischen Armee es die Dschihadisten waren. Nach und nach suchen alle im nördlichen Arakan lebenden Rohingyas Zuflucht in Bangladesch, aber seltsamerweise nicht die Rohingyas, die im südlichen Teil des Staates leben.

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Am 6. September ging eine offizielle türkische Delegation nach Bangladesch, um dort Nahrung für die Flüchtlinge zu verteilen. Sie wurde von dem Minister für auswärtige Angelegenheiten, Mevlüt Çavuşoğlu und der Frau und dem Sohn von Präsident Erdoğan, Bilal und Ermine, geführt.

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Die Kampagne zur allgemeinen Mobilisation in den muslimischen Ländern stützt sich auf eine besonders drastische Bildsprache, so wie bei diesem Foto, das von der türkischen Regierung ausgestrahlt wird. Es soll die muslimischen Opfer der buddhistischen Mönche in Burma darstellen. Es ist in Wirklichkeit ein altes Foto von einer Trauerfeier für die Opfer eines Erdbebens in China.

In den muslimischen Ländern soll eine groß angelegte Desinformationskampagne mittels Fotos belegen, dass die Buddhisten massiv Muslime abschlachten. Natürlich war kein einziges dieser Fotos in Burma aufgenommen worden, und diese Falschmeldungen wurden nacheinander aufgedeckt. Aber in jenen Ländern, in denen die Bevölkerung unkritischer ist, haben diese Fotos überzeugt, sodass die Dementis nicht an die große Öffentlichkeit gelangten. Nur Bangladesch zeigte Bedenken im Hinblick auf die Rolle der Dschihadisten und versicherte Myanmar seiner Zusammenarbeit gegen die Terroristen [14].

Am 11. September intervenierte der Präsident der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), Recep Tayyip Erdoğan, vor der wissenschaftlichen Kommission der in Astana (Kasachstan) versammelten Organisation, obwohl sie keine Kompetenzen hat, „um die Rohingyas zu retten.“

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Für den Ajatollah Ali Khamenei wäre das militärische Engagement seines Landes an Seiten der NATO und Saudi-Arabien in Burma eine Katastrophe. Umso mehr, als der Iran eine tausendjährige Geschichte der Zusammenarbeit mit China hat.

Am nächsten Tag, am 12. September, nahm der Führer der Revolution, Ajatollah Ali Khamenei Stellung. Sehr besorgt über den Vorschlag von General Rezaei, achtete er darauf den in Vorbereitung stehenden Religionskrieg, den „Kampf der Kulturen“, zu entschärfen, auch wenn es bedeutete, die Gegenwart einer Frau an der Spitze eines Staates in Frage zu stellen. Er ließ somit die Passage zu einem militärischen Engagement der Revolutionsgarden entfernen. Er sagte: „Es ist durchaus möglich, dass der religiöse Fanatismus in diesen Ereignissen eine Rolle gespielt hat, aber es vielmehr eine politische Frage, weil die Regierung von Myanmar dafür verantwortlich ist. Und an der Spitze dieser Regierung steht eine grausame Frau, Nobelpreisträgerin für den Frieden. In Wirklichkeit haben diese Ereignisse den Tod des Friedensnobelpreises besiegelt“. [15].

Sofort appellierte Präsident Scheich Hassan Rohani in Teheran an die Bereitschaft der reguläre Armee, an dem kommenden Konflikt teilzunehmen. Am 17. September traten die Generalstäbe der iranischen und pakistanischen Armee in Verbindung, um ihre Kräfte in der Krise zu vereinen [16]. Es ist die erste militärische Initiative, aber sie betrifft die iranische Armee (die bereits mit ihren türkischen und pakistanischen Amtskollegen arbeitet, um Katar zu verteidigen) und nicht die Revolutionsgarden (die an Seiten der Syrer gegen die Dschihadisten kämpfen). Der Iran sendet auf jeden Fall massive Hilfe für die Flüchtlinge.

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Aung San Suu Kyi ruft die internationale Gemeinschaft zur Würdigung der Bemühungen von Myanmar auf, die Probleme der Rohingya zu regeln und den Dschihad-Terrorismus zu verurteilen. Sie wird nicht besser verstanden werden als Muammar Gaddafi, als er den Al-Qaida Angriff gegen sein Land verurteilte (Naypyidaw, 19. September 2017).

Am 19. September versammelte Recep Tayyip Erdoğan – die Erklärungen von Aung San Suu Kyi ignorierend [17] und die Zusammenkunft der Generalversammlung der Vereinten Nationen ausnutztend – die OIC-Kontaktgruppe, um alle Mitgliedstaaten zu bitten, jeglichen Handel mit Myanmar auszusetzen und eine Entscheidung des UN-Sicherheitsrates herbeizuführen. [18].

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Saudi Arabien schützt und bindet seit 2013 die „Heilsarmee“ der Rohingya von Arakan ein. König Salman schenkt den Rohingya-Flüchtlingen in Bangladesch, wo die Dschihadisten Gruppe ihr Trainingslager hat, $ 15 Millionen.

Damit räumt Saudi Arabien endlich ein, die Rohingya diskret seit 70 Jahren zu unterstützen und ihnen bereits 50 Millionen Dollar an Hilfe in diesem Zeitraum gegeben zu haben. König Salman fügte dem noch ein Geschenk von $ 15 Millionen hinzu [19]. Der Saudi-Botschafter bei den Vereinten Nationen in Genf, Abdulaziz ben Mohammed Al-Wassil, mobilisiert dort den UN-Menschenrechtsrat.

Die drei wichtigsten muslimischen Militärmächte, d.h. die Türkei, Iran und Saudi-Arabien ignorieren nun die Kriege, die sie sich im Irak, Syrien und im Jemen liefern, und sind nun in einem gemeinschaftlichen Reflex auf Seiten der Rohingyas vereint [20]. Alle haben nun den gemeinsamen Feind ausgemacht: die Koalitionsregierung der burmesischen Armee und von Frau Aung San Suu Kyi.

Diese völlige Umkehrung der Situation im Nahen Osten hat schon einen Präzedenzfall gehabt: die Kriege in Jugoslawien. In Bosnien und Herzegowina (1992-95) und im Kosovo (1998-99) kämpften die muslimischen Länder und die NATO im Schulterschluss gegen die mit Russland verbundenen Orthodoxen Christen.

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Im Jahr 1995 lässt Osama Ben Laden die arabische Legion in Zenica, vor Präsident Alija Izetbegović, paradieren. Diese Kämpfer sind ehemalige Mudschaheddin, die gegen die Sowjets in Afghanistan gekämpft haben. Sie werden schließlich den Namen von Al-Qaida annehmen. Während des Krieges infiltrieren die russischen Geheimdienste die Kasernen der arabischen Legion und stellen fest, dass alle ihre Dokumente in Englisch und nicht in Arabisch verfasst sind.

In Bosnien und Herzegowina umgab sich Präsident Alija Izetbegović mit dem US-amerikanischen Richard Perle, der ihn diplomatisch beriet und die bosnische Delegation während der Dayton-Abkommen leitete. Präsident Alija Izetbegović wurde auf der medialen Ebene von dem Franzosen Bernard-Henri Lévy beraten, jedenfalls laut dessen eigenen Aussagen, die nie dementiert wurden. Schließlich stützte er sich auf militärischer Ebene auf die Ratschläge des Saudischen Osama ben Laden, der für ihn die arabische Legion organisierte und einen bosnischen Diplomatenpass erhielt. Während des Konflikts erhielt Izetbegović Unterstützung – heimlich von der NATO und öffentlich von der Türkei, vom Iran und von Saudi Arabien [21].

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Die westliche öffentliche Meinung hat ohne Debatte akzeptiert, die Charta der Vereinten Nationen im Kosovo zu verletzen, nachdem sie der Abwanderung von Tausenden von Zivilisten machtlos zugesehen hatte.

Der Kosovo-Konflikt begann mit einer terroristischen Kampagne der Befreiungsarmee des Kosovo (UCK) gegen Belgrad. Die Kämpfer wurden von deutschen Spezialeinheiten auf einer NATO-Basis in der Türkei ausgebildet [22]. Der heutige Chef des türkischen Geheimdienstes, Hakan Fidan, war die Verbindungsperson mit den Terroristen innerhalb des NATO-Generalstabes. Er leitet nun den MIT, den türkischen Geheimdienst und ist Nummer zwei des Regimes. Zu Beginn des Krieges flohen 290 000 Kosovaren in drei Tagen aus Serbien, um in Mazedonien Zuflucht zu finden. Westliche Fernsehsender zeigten in aller Ruhe diese lange Schlange von marschierenden Flüchtlingen entlang einer Eisenbahnstrecke. Jedoch gab es laut einigen Millionen Mazedoniern, die sie empfingen, keinen sachlichen Grund für diese weitgehend von der NATO begleitete Migration. Diese Bevölkerungsverschiebung selber nicht ernst nehmend wurde sie nur dazu verwendet, Präsident Slobodan Milošević der unangemessenen Unterdrückung der sein Land heimsuchenden Terrorkampagne zu beschuldigen, und die NATO erklärte ihm den Krieg ohne Ermächtigung des Sicherheitsrats.

Die bevorstehende dreckige Arbeit erweitert das Operations-Theater nach Osten. Das Pentagon hat nicht die Möglichkeit, ein türkisch-iranisch-Saudi-Bündnis zu verhängen, aber es braucht es auch nicht. In Jugoslawien waren diese drei Staaten durch die NATO koordiniert, als sie keinen direkten Kontakt hatten. Jedoch wird sie die Tatsache, dass sie im Schulterschluss in Burma kämpfen, zwingen, im Irak, in Syrien und Jemen eine Regelung zu finden; vielleicht auch in Libyen. In Anbetracht der Verwüstung des Nahen Ostens und der Widerstands-Ausdauer der Bevölkerungen, kann das Pentagon diese Region ein Jahrzehnt lang ihre Wunden heilen lassen, ohne befürchten zu müssen, dass sich dort auch nur die geringste Widerstands-Fähigkeit gegen seine Politik entwickelt.

Im Anschluss an die Sitzung des Sicherheitsrats, die die Grundlagen für den künftigen Krieg gegen Burma festlegte, informierte das US-Außenministerium Präsident Barzani, dass die Vereinigten Staaten die Unabhängigkeit eines Kurdistans im Irak nicht unterstützen würden. In der Tat kann das Pentagon nicht die Türkei und den Iran in Südostasien mobilisieren, und ihnen zugleich einen bösen Streich an ihren Grenzen spielen. Massoud Barzani, der sich unwiderruflich für das Unabhängigkeitsreferendum eingesetzt hat, dürfte sich daher bald aus dem politischen Leben zurückziehen. Umso mehr, als die intensive Zurschaustellung von israelischen Fahnen in Erbil, die von arabischen, persischen und türkischen TV-Kanälen massiv aufgegriffen wurde, ihn allen seinen Nachbarn entfremdet hat.

Wenn das Szenario des Pentagons so weitergeht, wie man es erwarten kann, sollte der Krieg gegen Syrien aus Mangel an Kombattanten beendet werden, weil sie in der Ferne auf einem neuen Einsatzgebiet des „American Empire“ zu dienen.

Übersetzung
Horst Frohlich
Korrekturlesen : Werner Leuthäusser

[1] Quelle: The Pentagon’s New Map, Thomas P. M. Barnett, Putnam Publishing Group, 2004. Analyse : „Das militärische Projekt der Vereinigten Staaten für die Welt“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 22. August 2017.

[2] « Myanmar : le Secrétaire général demande „une action rapide“ pour mettre fin au „cauchemar“ des Rohingya dans l’État de Rakhine », Compte-rendu du Conseil de sécurité, Onu, 28 septembre 2017. Référence : CS/13012.

[3] Das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten haben schon die Anklageschrift von Myanmar schreiben lassen, noch vor den aktuellen Ereignissen: Countdown to Annihilation : Genocide in Myanmar, Penny Green, Thomas MacManus & Alicia de La Cour Venning, Queen Mary University of London, 2016. Persecution of the Rohingya Muslims ; Is Genocide Occurring in Myanmar’s Rakhine State ; a Legal Analysis, Allard Lowenstein, Yale University, 2016.

[4] The Burma Spring: Aung San Suu Kyi and the New Struggle for the Soul of a Nation, Rena Pederson, Foreword by Laura Bush, Pegasus, 2015.

[5] Neither Saffron Nor Revolution: A Commentated and Documented Chronology of the Monks’ Demonstrations in Myanmar in 2007 and Their Background, Hans-Bernd Zöllner, Humboldt-University, 2009.

[6] « Birmanie : la sollicitude intéressée des États-Unis », par Thierry Meyssan, Abiad & Aswad (Syrie), Réseau Voltaire, 5 novembre 2007.

[7] Burma/Myanmar: What Everyone Needs to Know, David Steinberg, Oxford University Press, 2013.

[8] Um genauer zu sein, gab es in Burma Bengali-Immigranten vor der britischen Herrschaft, aber die überwiegende Mehrheit der Rohingya kommt von vertriebenen Arbeitern, die von den Siedlern verdrängt wurden. Anm.d.Autors.

[9] “Myanmar’s Rohingya insurgency has links to Saudi, Pakistan”, Simon Lewis, Reuters, December 16, 2016.

[10] “Speech by Aung San Suu Kyi at 71st UN General Assembly”, by Aung San Suu Kyi, Voltaire Network, 21 September 2016.

[11] Towards a peaceful, fair and prosperous future for the people of Rakhine, Advisory Commission on Rakhine State, August 2017.

[12] “We won’t Leave Rohingya Muslims Alone”, Presidency of the Republic of Turkey, September 1, 2017.

[13] “Rezaei urges Muslim states to defend Rohingya Muslims”, Mehr Agency, September 6, 2017.

[14] “Bangladesh offers Myanmar army aid against Rohingya rebels”, AFP, August 29, 2017.

[15] « Myanmar : le Guide critique les défenseurs des droits de l’homme », Leader.ir, 12 septembre 2017.

[16] “Iranian, Pakistani Top Military Commanders Stress Need for Ending Myanmar Muslims’ Plights”, Fars News, September 17, 2017.

[17] “Aung San Suu Kyi speech on National Reconciliation and Peace”, by Aung San Suu Kyi, Voltaire Network, 19 September 2017.

[18] «OIC Contact Group on Rohingya calls for UN Resolution on Myanmar», Organisation of Islamic Cooperation, September 19, 2017.

[19] « Le Serviteur des Deux Saintes Mosquées accorde un don de 15 millions de dollars aux réfugiés Rohingyas », Saudi Press Agency, September 19, 2017.

[20] The Rohingyas : Inside Myanmar’s Hidden Genocide, Azeem Ibrahim, Hurst, 2016.

[21] Comment le Djihad est arrivé en Europe, Jürgen Elsässer, préface de Jean-Pierre Chevènement, éditions Xenia, 2006.

[22] « L’UÇK, une armée kosovare sous encadrement allemand », par Thierry Meyssan, Notes d’information du Réseau Voltaire, 15 avril 1999.

http://www.voltairenet.org/article198139.html

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