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Aktionen, Inland

Ab 8. Oktober: Welt-Psychiater*innen-Treffen in Berlin – und Proteste dagegen

von http://www.projektwerkstatt.de

Am 8. Oktober beginnt in Berlin (CityCube und südliches Messegelände – Eingang durch Messeeingang Süd) das Weltpsychiater*innentreffen. Mehrere Gruppen rufen zu Demonstrationen ab Sonntag, den 8.10. bis mindestens Montagnachmittag auf. Neben der Kritik an den heutigen Bedingungen hinter Mauern und Stacheldraht, bei Fixierungen und Zwangsmedikation sowie an der Willkür von Diagnosen sollen die Finger in die Wunde der Vergangenheit gelegt werden. Psychiatrien erwiesen sich im Dritten Reich als willfährige Mörder, die auf Befehl und aus eigenem Antrieb handelten. Das Morden ging in versteckterer Form auch lange nach 1945 noch weiter.

Im Aufruf des Bundesverbandes der Psychiatrie-Erfahrenen, mehrerer Landesverbände, des Berliner Werner-Fuß-Zentrums und anderer Gruppen heißt es: „Wir halten die Wahl von Berlin als Ort für den 17. Weltkongress der Psychiatrie für eine Provokation. In Berlin wurde seit 1939 der systematische Massenmord in Psychiatrien und Heimen geplant und organisiert („Aktion T4″). Das war das Modell für das anschließende Morden in den Gaskammern der Vernichtungslager im besetzen Polen ab 1941.
Die Ärzte benutzten das Nazi-Regime, um ihre schon lange in Fachkreisen diskutierten Pläne zur Vernichtung derer umzusetzen, die sie für nicht therapierbar erklärten. Die ärztliche Diagnose wurde zum Todesurteil. Das Morden überdauerte das Ende des Nazi-Regimes und ging bis 1949 weiter.
Anschließend erlebten Lobotomie (Hirnverstümmlung) und Elektroschock ihre Blüte. Regelmäßig gegen den Willen der Betroffenen. Bis heute sind Zwang und Gewalt untrennbarer Teil psychiatrischen Handelns. Zwangseinweisungen, Fixierungen, Isolierungen, Zwangsmedikationen und erzwungene Elektroschocks gibt es bis heute. Diese Tatsachen wurden auch bei der Prüfung des deutschen Staatenberichts in Genf entsprechend kritisiert.
Ein Weltkongress in Deutschland und insbesondere in Berlin ist eine Solidarisierung mit der Deutschen Psychiatrie und deren Verbrechen, um sie rein zu waschen. Daher rufen wir zum Protest gegen den WPA-Kongress 2017 auf.“ (Quelle und Link zur Infozeitung: http://die-bpe.de/fiktive_wissenschaft)

Vorab einige Mobilisierungsveranstaltungen

In den Tagen vorher finden in Berlin und Potsdam Infoabende zur Zwangspsychiatrie – und die haben es in sich. Es sind die Premieren einer neuen Ton-Bilder-Schau im Stile von „Fiese Tricks von Polizei und Justiz“, aber diesmal zur Zwangspsychiatrie. Hier die Einladung mit Terminen:

  • Do, 5.10. um 19 Uhr in Berlin-Kreuzberg (Mehringhof, Gneisenaustr. 2): Wo Pippi eingesperrt, gedemütigt, fixiert und vollgepumpt mit Psychopharmaka 20 Jahre früher sterben würde … die Ton-Bilder-Schau zu Anspruch und Wirklichkeit hinter psychiatrischen Mauern und Zäune
    Premiere: Die Schau wird erstmals gezeigt – aus Anlass des am 8.10. in Berlin beginnenden Weltpsychiaterkongresses!!!
    240.000 Menschen werden jedes Jahr in Deutschland gegen ihren Willen psychiatrisch zwangsbehandelt. Solche „Behandlungen“ haben es in sich. Es sind qualvolle Unterwerfungsrituale, bei denen die eine Seite alle Macht hat und die andere keine. Das geben die Chefs deutscher Kliniken selbst zu. Der Wille des Patienten würde gar nichts zählen, schrieb der Leiter einer forensischen Psychiatrie in einem Brief an die Vorsorgebevollmächtigte eines Gefangenen – und erteilte ihr Hausverbot. Auch andere Verbrechen geben die Täter*innen in Weiß offen zu: Wenn passende Medikamente fehlen, würden halt andere genommen. Die seien dann zwar nicht zugelassen, aber das mache nichts. Disziplinarmaßnahmen würden als Therapie verschleiert. 18 bis 25 Jahre kürzer würden Menschen leben, die über lange Zeit Psychopharmaka nehmen – in der Regel: nehmen müssen. Der Staat hat mit den geschlossenen Psychiatrien Räume geschaffen, in denen die Untergebrachten Freiwild sind. 359 Euro erhalten die Kliniken dafür pro Tag und Person. Die Klinikärzt*innen sitzen selbst vor Gericht und schreiben die Gutachten, die ihnen die Betten füllen. Über Fördervereine organisieren sie ein zusätzliches, undurchsichtiges Umfeld. Die Ton-Bilder-Schau des investigativen Journalisten Jörg Bergstedt gibt einen tiefen Blick hinter die Kulissen der Zwangspsychiatrie, dargestellt vor allem an Unterlagen, die aus den Psychiatrien selbst stammen. Den Abschluss bildet die Frage, wie eine Welt ohne Zwangsbehandlungen aussehen könnte – und was das alles mit Pippi Langstrumpf zu tun hat.
  • Sa, 7.10. um 16 Uhr in Potsdam (Madia, Lindenstr. 47): Wo Pippi eingesperrt, gedemütigt, fixiert und vollgepumpt mit Psychopharmaka 20 Jahre früher sterben würde … die Ton-Bilder-Schau zu Anspruch und Wirklichkeit hinter psychiatrischen Mauern und Zäune

Die weiteren Termine:

Pressekontakte im Vorfeld und während der Proteste:

Gruppen und Einzelpersonen, die die Proteste unterstützen wollen, werden um Rückmeldung gebeten. Mitmachen, Schlafplätze bieten usw. sind sehr erwünscht.

P.S. Der Referent der Ton-Bilder-Schau ist auch am 4.10. schon in Berlin – mit einem anderen Thema:
Mittwoch, den 4.10 um 20h in Berlin (Systemfehler/Schenkladen, Jessnerstr. 41, 10247 Berlin, Nähe S/U-Frankfurter Allee bzw. M13 Station Scharnweberstr.): Vortrag und Diskussion „Konsumkritik-Kritik … warum sich die Welt am Ladenregal nicht besser kaufen lässt?“
Überall dröhnt die Werbung: Ändere Dein Leben und Du änderst die Welt! Nachfrage regelt das Angebot! Ethische Geldanlagen, Kaufen mit gutem Gewissen usw. Warum aber wird die Welt nicht besser, sondern nur der Bio-, Fahrrad- und Solarladen zu einem Kommerztempel? Der Vortrag widerlegt die These von der großen Verbraucher_innenmacht und zeigt, dass die Selbstreduzierung auf’s Dasein als Konsument_in vor allem denen dient, die nichts als Profit im Sinn haben. Für Mensch und Umwelt aber geht es um mehr als sich mit der Rolle des Bezahlenden im Kapitalismus zufrieden zu geben. Der Referent, Jörg Bergstedt, ist Autor zahlreicher Ökologiebücher (z.B. „Monsanto auf Deutsch“) und des Büchleins „Konsumkritik-Kritik“. Infoseite: www.konsumkritik-kritik.tk

http://www.projektwerkstatt.de/pwerk/saasen.html

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Ab 8. Oktober: Welt-Psychiater*innen-Treffen in Berlin – und Proteste dagegen

  1. Gegen Terror gibt es nur Gewalt!

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    Verfasst von biersauer | 13. September 2017, 22:12
  2. Der kapitalistische Staat kann in der Psychiatrie missliebige Menschen viel effektiver töten und foltern als in Justizvollzugsanstalten. Zudem landeten doch fast ( ausser reiche) alle mir bekannten alten Menschen zum Schluss in einer Psychiatrie mit Fixierungen, Schlägen und Medikamentenzwang.. Wer keine Verwandten, Freunde oder stabilen nahen Bekanntenkreis hat sowieso. Dass die meist zwangsweise verabreichte Neuroleptika zu Selbstmord, Erstickungs-, Herzgefahr, Krebs, Impotenz führen, hat Peter Lehmann vor zig Jahren ausführlich beschrieben.
    In der DDR gab es diesen faschistischen Psychiatrie Apparat interessanterweise gar nicht. Mal von der Behandlung in Lebensgefahr schwebender Schwerstalkoholikern mal abgesehen.

    Gefällt mir

    Verfasst von Rheinlaender | 13. September 2017, 19:25

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