//
du liest...
Ausland, Europa

Griechenland als zweitklassige Tourismus-Kolonie

von Giorgos Charvalias – http://www.griechenland-blog.gr

Beachbars und Liegestühle können nicht die Schwerindustrie Griechenlands darstellen.

Ich hatte schon in der Vergangenheit betont, eins der „abstrafenden“ Ziele der memorandischen … (fiskalischen) Angleichung sei die Umwandlung Griechenlands in eine Art spottbilliger touristischer Kolonie für die Mitteleuropäer mit mittleren und niedrigen Einkommen, die ihre Füße in den blitzsauberen, aber auch sicheren griechischen Gewässern baumeln lassen und dabei von neu-armen eingeborenen Kellnern bedient werden möchten.

Die Erfahrung des diesjährigen Sommers (2017) überzeugte mich hinsichtlich der Genauigkeit der Prognose. Griechenlands Inseln versanken unter touristischen Horden, mit ersten und besten die Deutschen, die nichts mit Gefühlen einer Sympathie oder Antipathie für die einheimische Bevölkerung am Hut haben, da sie unerschütterlich glauben, es gehe nicht an, dass ein dermaßen privilegiertes Urlaubsziel … „Undankbaren und Faulpelzen“ niedrigeren rassistischer Wesens geschenkt wird.

Besucher bringen Griechenland keine entsprechenden Umsätze

Die Häuser der Einheimischen kommen jedoch für eine erschwingliche sommerliche Besiedlung sehr gelegen. Die Vermietung von Ferienwohnungen mittels der Internet-Plattform „Airbnb“ brach jeden Rekord, und einen Rekord brach natürlich auch die Zählung von „Köpfen“ an den Zugangspforten des Landes. Am Ende des Tages sind wir aber natürlich (abgesehen von minimalen Ausnahmen) wieder nicht reicher, da sich bald zeigen wird, dass die Verdoppelung der Besucherzahlen innerhalb von fünf Jahren keine größeren Umsätze bedeutet, weil die Zunahme der Besucher nicht mit einem entsprechenden Anstieg der touristischen Pro-Kopf-Aufwendungen einhergeht. Es trifft sogar das extreme Gegenteil zu … .

Ich will Sie nicht mit Zahlen ermüden. Ich habe sie schon einmal geschrieben und man kann sie in offiziellen Angaben finden, die über den geringsten Zweifel erhaben sind. Zusammenfassend sage ich einfach nur, dass sich in Griechenland seit 2009 die Anzahl der ausländischen Besucher mehr als verdoppelte und bald 30 Millionen erreichen wird … und die durchschnittliche Pro-Kopf-Aufwendung auf irgendwo bei 500 Euro abstürzte – und zwar zu einer Stunde, wo sie in Spanien (dessen Einwohner sich zu Recht über die touristische Sättigung beschweren) 1.100 Euro und in „unserem“ Zypern 850 Euro übersteigt!

Griechenland erwies sich als unfähig, sein Vermögen zu nutzen

Sie werden mich also fragen, warum die Regierungsfaktoren und diversen gut versorgten Prahlhänse der inländischen Touristik-Verbände jubilieren. Viele einfach nur, weil die jeweiligen Minister sich angewöhnt haben, die Größe des „Erfolgs“ in „Köpfen“ zu messen, unabhängig von deren Herkunft, Qualität und Kaufkraft. Sie setzen sich nicht hin um nachzurechnen, ob die überbelegten (aber auch … bei den Banken überverschuldeten) Massentourismus-Hotelanlagen die Zimmer seit Februar an ausländische Agenten wie die deutschen Interessen unterliegende TUI verramscht haben. Und sie beschäftigt auch nicht die Tatsache, dass die unkontrollierte und häufig „schwarze“ Vermietung von Wohnungen die mit Schweiß und Blut erbauten kleineren Hotelanlagen der Inseln und die Fremdenzimmer vernichtet.

Irgendein Blödmann entdeckte einmal, „der Massentourismus ist Griechenlands Schwerindustrie„. Ein größeres Eingeständnis kollektiver Resignation gibt es nicht. Es ist als ob man eingesteht, das Filet-Grundstück von seinem Onkel geerbt zu haben, und weil man völlig unfähig ist, dieses zu verwerten, überlässt man es dem Nachbarn, damit der seinen Wohnwagen darauf abstellt, in der Sonne badet und einem etwas Taschengeld gibt.

Die Griechen wendeten sich immer mehr dieser Art von „Empfangs-Services“ zu, die nicht den Grundpfeiler einer produktiven Maschinerie darstellen können, die das Land aus dem Sumpf zu bringen, zum autonomen Wachstum zu führen und den Abfluss von Intelligenz ((Braindrain) ins Ausland einzudämmen vermag.

Ekel des Schrott-Tourismus wird auch in Griechenland spürbar

Natürlich stellt auch der Tourismus einen vitalen wirtschaftlichen Faktor dar. Jedoch können … die Beach-Bars und die Strand-Liegestühle nicht die … Schwerindustrie eines Landes darstellen. Und erst recht nicht auf dem Niveau, wo dieses Verhältnisse einer (Über-) Sättigung schafft und zu kannibalischen Zuständen führt, die das Lebensniveau der einheimischen Bevölkerung untergraben.

Die Spanier sahen das früh und protestieren heute zu Recht und drohen, die … Invasoren ins Meer zu werfen. In Venedig gibt es ebenfalls eine Welle des Aufstands gegen die touristische Herbheit, welche die Einzigartigkeit der monumentalen Stadt zu zerstören droht. In Griechenland wird der Ekel des Hungerleider-Tourismus in Lagana, Malia, Faliraki und etlichen anderen Insellokalitäten spürbar. Auf Mykonos wurde endlich die … „Ibizaisierung“ erzielt, mit Preis die extrem unästhetische Invasion dunkelhäutiger Petrodollar-Bonzen.

Nur sehr wenige erleuchtete Stimmen wie der Oberbürgermeister von Santorin, Nikolaos Zorzos, richten einen Appell an den Staat, die Erteilung von Genehmigungen für touristische Unterkünfte zu stoppen und der Überlassung landwirtschaftlichen Bodens zur Nutzung für Urlaubszwecke einen Riegel vorzuschieben. „Santorin ist mittlerweile ein gesättigtes touristisches Ziel“ sagt der Bürgermeister und die Zahlen geben ihm absolut Recht: Die Santorin ist aufgerufen, täglich 85.000 Besucher zu bedienen, also eine Dichte von 1.118 Personen je Quadratkilometer, die nur mit jener in Attika vergleichbar ist! (Siehe auch Griechenland: Tourismus gefährdet sozialen Zusammenhalt)

Und im übrigen jubeln wir …

(Quelle: mignatiou.com

http://www.griechenland-blog.gr/2017/09/griechenland-als-zweitklassige-tourismus-kolonie/2140547/

Advertisements

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Archive

%d Bloggern gefällt das: