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Inland, Militärpolitik

Der US-Raketenabwehrschild in Europa, seine Kommandozentralen bei Ramstein und Kaiserslautern und die verdrängte Kriegsgefahr

von http://www.luftpost-kl.de

Zum Antikriegstag untersuchen wir die Funktionsfähigkeit des US-Raketenabwehrschildes. in Europa und die akute Kriegsgefahr, die davon ausgeht.

Zur Vorgeschichte des US-Raketenabwehrschildes

Die Planungen für einen US-Raketenabwehrschild haben bereits unter dem US-Präsidenten Ronald Reagan begonnen. Mit der Strategic Defense Initiative / SDI (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Strategic_Defense_Initiative     ), die er 1983 anordnete, sollte ein im Weltraum stationiertes Waffensystem zum Abfangen russischer Interkontinentalraketen entwickelt und den USA ein entwaffnender atomarer Erstschlag gegen die Sowjetunion und damit ein Sieg in einem Atomkrieg ermöglicht werden. Diese Planungen verstießen natürlich gegen den 1972 zwischen den USA und der Sowjetunion geschlossen ABM-Vertrag (s. https://de.wikipedia.org/wiki/ABM-Vertrag ), mit dem die Anzahl der beiden Seiten gestatteten Raketenabwehrsysteme begrenzt worden war. In einem 1985 an Bundeskanzler Helmut Kohl gerichteten offenen Brief und auf der 51. Tagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft   im   Jahr   1987   (s.           https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Physikalische_Gesellschaft   ) warnten deutsche Wissenschaftler vor der SDI, weil sie vermutlich nicht zu realisieren sei, aber die Abrüstung erschweren und das Risiko eines irrtümlich ausgelösten Atomkrieges erhöhen werde.

Wegen zahlreicher Fehlschläge wurde die SDI nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Ende 1991 vorübergehend ausgesetzt. Aber US-Präsident Bill Clinton ließ das Projekt
unter dem neuen Namen National Missile Defense / NMD (s. dazu auch  https://de.wikipedia.org/wiki/National_Missile_Defense ) bereits 1994 wieder aufleben.

Nachdem US-Präsident George W. Bush 2002 den ABM-Vertrag einseitig gekündigt hatte (s. dazu auch http://www.spiegel.de/politik/ausland/raketenabwehr-usa-kuendigen-abm-
vertrag-a-172585.html ), beauftragte er die Missile Defense Agency / MDA des US-Verteidigungsministeriums (s. dazu auch    https://de.wikipedia.org/wiki/Missile_Defense_Agen-
cy ) mit der umgehenden Realisierung eines Raketenabwehrschildes zur Vorneverteidigung der USA in Europa. Weil sich die Europäer an den horrenden Kosten dieses Abwehrschildes beteiligen sollen, wurde er ihnen von Anfang an als Instrument der NATO verkauft, was er aber aber keineswegs ist. Die von der Bush-Regierung entwickelten Pläne sahen spezielle Radarstationen in Großbritannien und Tschechien und eine verbunkerte Raketenbatterie in Polen vor. Wegen der von der russischen Regierung erhobenen Einwände stießen sie aber in Großbritannien und Tschechien auf Widerstand. (s. dazu auch http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP05708_310308.pdf     , http://www.luftpost-
kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP22208_151108.pdf   und http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP23408_281108.pdf .)

US-Präsident Barack Obama erweckte nach seinem Amtsantritt zunächst den Eindruck, das Verhältnis zu Russland verbessern und auf den Raketenabwehrschild verzichten zu
wollen. Bei Treffen mit dem damaligen russischen Präsidenten Medwedew zeichnete sich jedoch schnell ab, dass er das keineswegs beabsichtigte, sondern den unter Bush geplanten   Abwehrschild   sogar noch ausbauen wollte (s.  http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP18609_310809.pdf   und http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-praesident-obama-will-atomwaffen-weiter-reduzieren-a-823901.html ).

Die Obama-Regierung ließ das neue in vier Phasen gegliederte Konzept European Phased Adaptive Approach / EPAA entwickeln (weiterführende Infos unter https://www.arms-
control.org/factsheets/Phasedadaptiveapproach, http://www.strategie-technik.de/09_11/sipo.pdf  und http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_12/LP03512_040212.pdf ) und wies alle von Russland vorgebrachten Beteiligungswünsche und Bedenken (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP22511_011211.pdf   ) mit der gebetsmühlenartig vorge-
brachten, aber unzutreffenden Behauptung zurück, der US-Raketenabwehrschild werde nicht   gegen   russische,   sondern   nur   gegen   iranische   Raketen   errichtet   (s.   dazu   auch
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_12/LP08212_%20230412.pdf ).

Die vier Phasen des EPAA unterscheiden sich durch die Reichweite der abzufangenden Raketen und die dafür vorgesehenen Ortungs- und Waffensysteme.

In Phase 1 (bis 2011) sollten Kurzstreckenraketen bis 1.000 km Reichweite mit land- und seegestützten Spezialradargeräten erfasst und mit auf US-Lenkwaffenzerstörern stati-
onierten SM-3-Raketen (s.        https://de.wikipedia.org/wiki/Standard_Missile ) des Abwehrsystems Aegis (s.         https://de.wikipedia.org/wiki/Aegis-Kampfsystem ) abgefangen werden.

In Phase 2 (bis 2015) sollten Mittelstreckenraketen bis 3.000 km Reichweite mit verbesserten   Ortungssystemen   erfasst   und   mit mobilen   seegestützten   und   stationären landgestützten Raketen des Systems Aegis abgefangen werden.

In Phase 3 (bis 2018) sollten Mittelstreckenraketen bis 5.000 km Reichweite außer mit. Raketen des Sytems Aegis auch mit Raketen des mobilen landgestützten THAAD-Sytems (s.       https://de.wikipedia.org/wiki/Terminal_High_Altitude_Area_Defense ) abgefangen werden, die auch über spezielle Satelliten und mit Infrarotsensoren ausgerüstete Drohnen gesteuert werden sollten.

Das in Phase 4 (bis 2020) vorgesehene Abfangen von Interkontinentalraketen mit einer Reichweite über 5.000 km soll angeblich nicht mehr realisiert werden. Der US-Raketenabwehrschild soll aber vor allem russische Interkontinentalraketen über Europa abfangen. Da er seine eigentlichen Aufgabe dann nicht mehr erfüllen könnte, dürfte dieses von der Obama-Regierung angedeutete Angebot an die zu Recht besorgte russische Regierung höchstwahrscheinlich nur ein Täuschungsmanöver gewesen sein (s.       https://www.oemz-on-line.at/pages/viewpage.action?pageId=8421387            ).

Wie soll der US-Raketenabwehrschild funktionieren?

Die offizielle Kommandozentrale des US-Raketenabwehrschildes befindet sich – das. ist auch aus obiger Grafik zu ersehen – im Air Component Command / AIRCOM, dem Hauptquartier aller NATO-Luftwaffen, auf der von der U.S. Air Force betriebenen Air Base Ramstein   (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_12/LP03512_040212.pdf ).   Im Ernstfall dürfte die eigentliche Kommandofunktion aber von dem speziell dafür aufgestellten 10   th Army Air and Missile Defense Command / AAMDC der U.S. Army in den Rhine Ordnance Barracks auf der Vogelweh im Westen der Stadt Kaiserslautern übernommen werden, weil das ohne jede NATO-Einmischung auch mobil agieren kann (s.     http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_12/LP16212_120912.pdf      ).

Dort und/oder im AIRCOM auf der Air Base Ramstein laufen die von Überwachungssatelliten und speziellen Frühwarnradargeräten – die z. B. in der Türkei platziert sind (s.         htt-
ps://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rbasis_Pirin%C3%A7lik )   –   erfassten   Daten   vom Start feindlicher Raketen ein. Das 10. AAMCD oder das AIRCOM erteilt dann den vier im spanischen Hafen Rota stationierten US-Lenkwaffenzerstörern (s.          http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP19211_271011.pdf          und http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP03414_240214.pdf          ),   die   mit   dem Abwehrsystem Aegis   ausgerüstet   sind und nur auf der Grafik alle im Mittelmeer schwimmen, über Kommunikationssatelliten den Befehl, mit ihren SM-3-Raketen die aufgestiegenen feindlichen – sprich russischen – Raketen abzuschießen. Diese Lenkwaffenzerstörer können natürlich auch in der Ostsee oder im Schwarzen Meer, also noch näher an Russland operieren (s.     http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP07414_200414.pdf          ). Der Abfangbefehl kann auch an die bereits einsatzbereite landgestützte Aegis-Raketenbatterie in Rumänien (s.            http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP06216_170516.pdf   )   und   demnächst   an   die   noch   im Bau befindliche Aegis-Raketenbatterie in Polen (weitere Infos dazu unter           http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP06416_230516.pdf   ) gehen.

Im Oktober 2012 wurde im Warrior Preparation Center im Kaiserslauterer Stadtteil Einsiedlerhof   (s.             http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP07508_290408.pdf und http://www.globalsecurity.org/military/facility/einsiedlerhof.htm  ) das European Integrated Air and Missile Defense Center / EIAMDC eröffnet. Das EIAMDC ist zuständig für die aufwendige Ausbildung und das Training von Soldaten, die den US-Raketenabwehrschild in Europa bedienen sollen. (Weitere Informationen dazu sind aufzurufen unter   http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_12/LP18712_141012.pdf      ).

Da die Phase 2 der US-Raketenabwehr in Europa bereits realisiert ist, sind wir dem von Anfang an beabsichtigten atomaren Erstschlag der USA gegen Russland schon sehr nahe
gekommen   (s.           http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP15916_211116.pdf und http://www.nato.int/nato_static_fl2014/assets/pdf/pdf_2016_07/20160630_1607-factsheet-bmd-en.pdf      ).

In dem Manöver CAMDEX (weitere Infos dazu s. unter           http://www.luftpost-kl.de/luftpostarchiv/LP_16/LP16116_231116.pdf        )   und   anderen   Übungen   wurde   der   US-Raketenabwehrschild   auch   schon   mehrfach   erprobt   (s.       https://www.youtube.com/watch?v=eicn-p8Wkffw          und https://www.youtube.com/watch?v=Or_sZ99QyWU ).

Das   eigentlich   schon   ab   Phase   2   vorgesehene   mobile Raketensystem   THAAD (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Terminal_High_Altitude_Area_Defense       )   kann   –   wie   die   zu Zeiten des so genannten NATO-Doppelbeschlusses (s.             https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Doppelbeschluss         ) in Europa stationierte Mittelstreckenrakete Pershing II – auch mit atomaren Sprengköpfen ausgerüstet und als Angriffswaffe eingesetzt werden. Da die Stationierung dieses Systems in Südkorea schon begonnen hat (s. dazu auch          http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP07217_080517.pdf   ), dürften die ersten THAAD-Raketen in absehbarer Zeit auch in Europa eintreffen. Von Präsident Donald Trump sind kaum Einwände dagegen zu erwarten, denn beim Abwurf der Superbombe MOAB in Afghanistan hat er ja bereits erklärt, dass militärische Entscheidungen vor Ort künftig von den zuständigen   Militärs   getroffen   werden   sollen   (s.   dazu   auch     http://www.luftpost-kl.de/luftpostarchiv/LP_16/LP06417_240417.pdf        ).

Welche Gefahren gehen von dem US-Raketenabwehrschild für die Bundesrepublik Deutschland und besonders für die Westpfalz aus?

Mit der Weigerung, das russische Angebot zur Zusammenarbeit bei der Errichtung eines Raketenabwehrschildes   gegen   iranische   Raketen   anzunehmen,   hat   die   US-Regierung
selbst zugegeben, dass sie vorrangig russische Raketen abfangen will, die einen entwaffnenden atomaren Erstschlag der USA „überlebt“ haben (s. dazu auch    http://www.luftpost-
kl.de/luftpost-archiv/LP_12/LP08212_%20230412.pdf    und http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP03213_100313.pdf            ).

Russische Politiker und Militärs haben immer wieder vor dem Aufbau eines US-Raketenabwehrschildes gewarnt (weitere Informationen dazu sind aufzurufen unter         http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP22511_011211.pdf   und http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP01416_010216.pdf            ) und Gegenmaßnahmen wie die Aufstellung von Mittelstreckenraketen   in   Kaliningrad   angekündigt   (s.         http://www.luftpost-kl.de/luftpostarchiv/LP_16/LP06316_200516.pdf          ). Nikolai Makarow, der Chef des Generalstabes der russischen Streitkräfte,      hat sogar mit einem präventiven Erstschlag auf Einrichtungen des US-Raketenabwehrschildes   gedroht.   (Weitere   Infos   dazu   s.   unter         http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_12/LP09212_070512.pdf          .)

Die aufgezählten Fakten (s. dazu auch             https://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/aktuell/2016A17_dkw_kuk_mro_paul.pdf  )   müssten   eigentlich   alle   Zweifler   davon überzeugen, dass von der US Air Base Ramstein und den US-Militäranlagen in ihrer Umgebung nicht nur Bedrohungen für die Menschen der Länder ausgehen, über denen US-Killerdrohnen kreisen. Von der Air Base und den anderen im Kreis und in der Stadt Kaiserslautern konzentrierten militärischen Einrichtungen (s.      http://www.luftpost-kl.de/luft-post-archiv/LP_13/LP20714_291214.pdf            ) gehen auch direkte Gefahren für die Bewohner der Region Kaiserslautern, des Landes Rheinland-Pfalz, ganz Süddeutschlands und der angrenzenden Gebiete in Luxemburg, Frankreich, der Schweiz und Österreich aus. Auch dem russischen Generalstab dürfte bekannt sein, dass bei Ramstein und bei Kaiserslau-
tern die Kommandozentralen für den US-Raketenabwehrschild liegen. Weil Russland bei einem US-Angriff mit Atomraketen nur eine Vorwarnzeit von höchstens 15 Minuten bleibt
(s.        http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP08017_210517.pdf ), wurden ganz sicher bereits russische Atomraketen mit so großer Sprengkraft auf die Primärziele in der
Westpfalz ausgerichtet, dass die gesamte Region schon bei einem nur irrtümlich gemeldeten Anflug einer US-Atomrakete auf Russland sofort komplett ausgelöscht und das Umland in einem Radius von mehreren Hundert Kilometern mit radioaktivem Fallout verseucht würde.

Die Kampagne Stopp Air Base Ramstein, die vom 3. bis 9. September 2017 wieder eine Aktionswoche in der Stadt und im Landkreis Kaiserslautern durchführt (s. http://www.ram-
stein-kampagne.eu/ ), wäre gut beraten, nicht nur „Keinen Drohnenkrieg!“, sondern auch „Weg mit dem US-Raketenabwehrschild!“ zu fordern.

Dieser Artikel, dessen Brisanz sich nur erschließt, wenn auch die verlinkten Zusatzinfos mitgelesen werden, wurde am 31.08.17 zuerst von Rubikon (s. unter            https://www.rubikon.news/artikel/planungen-fur-den-krieg           ) veröffentlicht.

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP14117_010917.pdf

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