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Ausland, Naher Osten

Die hebräischen Neonazis

von Gideon Levyhttp://www.tlaxcala-int.org

Bild: Anhänger der Lehava-Gruppe

Warum sagen Israelis nichts zu US-Präsident Donald Trumps Kommentaren über „manche feine Leute“, die  an der Versammlung der weißen Supremazisten in Charlottesville teilgenommen haben?

Israel hat kein moralisches Recht, den US-Präsidenten Donald Trump wegen seiner  verzeihenden Bemerkungen über die Neonazis in seinem Land zu beurteilen.  Zunächst war Israel nicht wirklich geschockt von dem, was er sagte. Schließlich ist es bereit alles von jedem zu akzeptieren, der die israelische Besatzung unterstützt. Das ist hier  axiomatisch. Ob das  ein ungarischer  Faschist ist oder ein US-amerikanischer Neonazi, solange sie die Besatzung unterstützen – selbst wenn sie im Geheimen Juden hassen -,  werden sie als Freunde  Israels und  moralische Leute angesehen.

Die besten „Freunde Israels“ sind heute  Faschisten und Evangelikale, Fremdenhasser und Islamfeinde. Was am wichtigsten ist: sie unterstützen die Besatzung. Nur die  Gegner der Besatzung sind Antisemiten, und wir werden  uns besonders darum  bemühen, sie zu bekämpfen. Wir werden  jedem andern vergeben.

Doch da gibt es noch einen anderen Grund für das Schweigen  der Israelis. Es erinnert  an das jiddische Sprichwort über den Betrug der eigenen Schuld – dass der Dieb denkt, sein eigener Hut  brennt. Neonazis? Wir haben eine Menge eigenen „Made in Israel“, hebräische  Äquivalente von Neonazis und die Opposition gegen sie in Israel ist weniger als gegen Neonazis in den USA Eine entschlossene Gegendemonstration wurde von Progressisten angesichts dieses Marsches  in Charlottesville gemacht.  Und hier?

Die heilige Symmetrie, die  Trump versuchte zu schaffen zwischen Angreifer und Angegriffenem, zwischen  Aggressor und Verteidiger, zwischen  Anstachlung und Protest, zwischen  Gerechtigkeit und Bösem, das wurde in Israel erfunden. Hier habe wir den Besatzer und die Besetzten, einen brutalen und zuweilen sogar mörderischen rechten Flügel und einen linken Flügel, der nie gemordet hat, aber  sie werden als gleichwertig angesehen.

Jeder Angriff von Siedler-Rowdys auf palästinensische  Bauern auf deren eigenem Land wird als  „Zusammenstoß“ angesehen. Jeder palästinensische Protest gegen die Gewalt der Besatzer wird als  „Friedensstörung“ betrachtet. Es ist eine symmetrische  Schlägerei  zwischen den Hirten der beiden Völker.  Schließlich  gibt es unter den Siedlern gute und  schlechte Leute   – genau  wie Trump im Hinblick auf  seine „alternative Rechte“ sagte.

Die israelische alternative Rechte ist nicht neonazistisch. Aber tausend  neonazistische Blumen blühen an ihren Rändern, und keiner denkt daran,

Das Straßenschild bei  Halamish. Foto Amira Hass

  sie auszureißen. Faschismus  wird in Israel seit langem  akzeptiert, Neonazis doch nicht, aber der Unterschied zwischen den beiden ist vage. Wenn die extremistische Lehava-Organisation  nicht neonazistische, was ist sie dann? Wenn Beitar  Jerusalems La-Familia-Fangruppe keine Neo-Nazis sind, was sind sie dann? Wenn der Brandanschlag auf die Dawabsheh-Familie iM Westbank-Dorf Duma und das Kidnappen und der Mord an Mohammad Abu Khdeir keine neonazistische Taten waren, was sind sie dann? Und  was ist mit dem Straßenschild auf Arabisch in der Nähe der Siedlung Halamish:  „Dieses Gebiet ist unter Kontrolle der Juden.  Das Betreten durch Araber ist verboten und  stellt ein Risiko für euer Leben dar!“

Die Flaggenparade von Juden am Jerusalemtag ist eine  vom Staat gesponserte neonazistische Provokation, genau  wie die Purim-Krawalle  in Hebron. Die  jüdische Gemeinde in Hebron  ist im Wesentlichen neonazistische. Geht und seht und urteilt selbst. Und die Swimmingpools und jüdische  Gemeinden, die für Araber verboten sind? Was würden sie gegenüber einem Araber tun, der die Regel bricht und in einen jüdischen Swimmingpool in Kochar Yair, einer israelischen Gemeinde rechtschaffener Mitte-Links-Leute schleicht, deren  Mehrheit die aufgeklärte Jesch Atid und die zionistische Unionspartei wählt? Und was werden sie in der galiläischen Gemeinde von Nofit tun, wenn Araber nach dem Erweiterungsplan  dort Häuser bauen? Es ist nicht schwierig für uns sich vorzustellen, wie diese Leute auf der zionistischen Linke dagegen sind, ja auch unfreundliche Mittel gegenüber Arabern anwenden, wenn sie in ihre Gemeinden kommen.

Der Kapitulationsplan von MK Bezalel Smotrich (HaBajit haJehudi)  ist trotz all seiner  Proteste neonazistisch.  Unter den drei  Möglichkeiten, die er den  Palästinensern bietet, ist nicht eine, die human wäre – und die  dritte  ruft zu  ihrer Vertreibung und  Zerstörung auf. Brauchen wir noch etwas?  Und seine Frau  weigert sich, im selben Raum mit einer Frau  von minderwertiger Rasse ein Kind zu gebären. Das ist auch neonazistisch.

Die sozialen Medien  sin voll  von  entsetzlichen neonazistische Erklärungen –  Wünsche  des Todes für jedes palästinensische Kind  und ähnliche  Wünsche  für die, die die Geschichten der Kinder erzählen. Man kann nicht sagen, es seien nur „eine Handvoll Abweichler“. Auch dies ist der Geist der Zeit.

Wir können die Gefühle in diesem Land nicht ignorieren, in dem es eine Politik  des organisierten und institutionalisierten Rassismus gegen afrikanische  Asylsuchende gibt. Vorfaschistische Gefühle beginnen, sich hier durchzusetzen – mit vom Staat gesponserten neonazistischen Manifestationen – mehr als in jedem anderen westlichen Land.

Im Westen richten sich die meisten Ausdrücke der Verachtung  gegen Ausländer. In Israel  richten sie sich  meistens direkt gegen die Menschen, die in diesem Land einheimisch sind.  Sich über Trump beklagen?  Das wäre schon der Gipfel der Heuchelei.

 

Übersetzt von  Ellen Brown



Danke Tlaxcala
Quelle: http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.807833
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 20/08/2017
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=21366

 

 


 

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