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Ausland, Naher Osten

Israel, die Streubomben-Nation

von Gideon Levy – http://www.tlaxcala-int.org

Bild: Im Südlibanon gefundene israelische Streubombe 

Streubomben werden hauptsächlich in dicht bevölkerten Gebieten eingesetzt. Denn dort können sie am wirksamsten töten.

Israel wünscht sich den Tod der höchstmöglichen Anzahl unschuldiger Menschen. Unter keinen Umständen möchte es zur Gemeinschaft der aufgeklärten Nationen gehören.  Es gibt keinen anderen Weg, um Gili Cohens äußerst unerquicklichen Bericht (Montag in Haaretz) zu verstehen, in dem der Verteidigungsminister sich für eine in Israel gebaute Kanone entschied, die noch nicht an eine deutsche Bombe angeglichen wurde, um das internationale Streubombenverbot zu umgehen. Mehr als 100 Staaten unterzeichneten den internationalen Vertrag, der die Anwendung von Streubomben verbietet – Israel ist wie gewöhnlich nicht unter ihnen. Was hat Israel mit internationalen Verträgen, internationalen Gesetzen, internationalen Organisationen zu tun? Das alles ist nur eine große, unnötige Belästigung. Israel ist in guter Gesellschaft: Russland, Pakistan, China, Indien und natürlich die USA, seit dem 2. Weltkrieg der größte Blutvergießer, gehören dazu. Das ist die Gemeinschaft, zu der Israel gehören möchte.

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Mohammad Abd el Aal, 10 Jahre,  wurde am 27. Mârz 2009 von einer Streubombe im Libanon verletzt. Foto Cluster Munitions Coalition

Streubomben sind eine besonders barbarische Waffe, eine Bombe, die sich in zahllose kleine Bomben verwandelt und sich über ein großes Gebiet verteilt und wahllos verletzt und tötet. Manchmal explodieren sie erst Jahre nach ihrer Abfeuerung. Die Welt war entsetzt und empört von solch einer Massenvernichtungswaffe. Und mit Recht. Die Welt – nicht aber Israel. Wir sind ein Sonderfall, wie allgemein bekannt ist. Uns ist alles erlaubt. Warum? Weil wir’s können.

Und dies ist nachweisbar. Wir wandten im 2. Libanonkrieg Streubomben an, und die Welt schwieg. Wir setzten auch gnadenlos Nadelgeschosse ein. 2002 sah ich ein Fußballfeld in Gaza, voll mit diesen  israelischen Nadelgeschoss-Granaten, die Tausende von tödlichen Metall-Pfeilen verbreiten. Alle dort spielenden Kinder wurden verletzt.

Ein anderes Mal sah ich Tausende von Pfeilen, die von Nadelgeschossen verteilt wurden und in den Mauern der Häuser in Gaza steckten. Man kann sich gut vorstellen, wie diese Pfeile den menschlichen Körper verletzten.

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Nadelgeschosse, die auf Gaza 2014 geschossen wurden 

Die Nadelgeschosse sind international verboten, aber in Israel erlaubt. Warum? Vielleicht weil wir das auserwählte Volk sind, vielleicht weil uns alles erlaubt ist. Wir kämpfen doch für unsere verzweifelte, prekäre Existenz, da wir wie ein zartes Blatt im Wind sind. Also ist es uns erlaubt, Streubomben, Nadelgeschosse und weißen Phosphor anzuwenden. Schließlich kämpfen wir ums Überleben gegen die fortgeschrittene Armee der Republik  Gaza und die furchteinflößenden Divisionen der Westbank. Wir sind gefährdet durch die Luftwaffe von Balata und die Seeflotte von Deheisheh und vor allem  durch die „erschreckende Brutalität“ der Palästinenser. Also brauchen wir  so viel Waffen wie möglich – ohne Einschränkungen [Balata und Deheisheh sind Flüchtlingslager, AdÜ].

Die Streubomben verursachten ein schreckliches Chaos in Kosovo, Laos, Afghanistan und im Irak. Israel will dasselbe tun. Die mörderischen Killing Fields im nächsten Besatzungskrieg, der gewiss kommen wird, werden  wie die Killing Fields in Laos sein; und dies gelingt dank der  Streubomben, die aus den neuen, in Israel angefertigten Kanonen kommen. Warum brauchen wir sonst  Streubomben? Haben wir nicht genug ordentliche Waffen in unserm Arsenal? Die Streubomben sind  vor allem für dicht bevölkerte Gebiete geeignet. Dort können sie am wirksamsten töten. Deshalb will sie die israelische „Verteidigungsarmee“.

Das nächste Mal nennt man das Argument, dass die ganze Welt gegen uns sei und die Kritik und Feindseligkeit gegen Israel nicht mit seinen Aktionen zusammenhängen würde. Man denke nur an die Streubombe. Israel schließt sich selbst aus der Familie der Nationen aus, schließt sich aber den brutalsten Staaten an und verspottet internationale Entscheidungen – jammert dann aber, in der Welt verhasst zu sein. Das nächste Mal Sie an die IDF als die „moralischste Armee in der Welt“ denken, denken Sie bloß an die Streubomben .

Die Streubomben-Affäre ist nicht weniger scheußlich als die U-Boot-Affäre,  für die sich keiner in Israel interessiert. Die U-Boote bedeuten Geld, Staatszeugen  und  Tatverdächtige. Es sei sexy, sich mit ihnen zu beschäftigen. Die Streubombe betrifft das Leben  unschuldiger Leute, wen interessiert das schon?

Die U-Boote sind die Korruption, gegen welche die Nation ist. Die Streubombe ist die arrogante, anhaltende Missachtung des Völkerrechts, die keinen im Land interessiert. Und dasselbe Verteidigungsestablishment, das bis in den Kern faul ist, steht hinter beiden Abkommen: Korruption der einen Art im U-Boot-Fall und Korruption der anderen Art im Streubomben-Fall. Doch das Verteidigungsestablishment kann sich beruhigen. Keiner wird wegen der Anwendung von Streubomben vor Gericht gebracht.

Rasha Zayoun, 16 Jahre, ihre Mutter und ihr Bruder wurden am 1. Februrar 2007 in ihrem Haus im Dorf Maarakeh im Südlibanon von einer Streubombe getroffen

 


Übersetzt von  Ellen Rohlfs
Danke Tlaxcala
Quelle: http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.806016
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 10/08/2017
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=21278 

 

 

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