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Ausland, Naher Osten

Der Preis der Besatzung: Vom „klassischen“ zum „fanatischen“ Zionismus

von Amos Gvirtz – http://trend.infopartisan.net

Von Anfang an waren sich die zionistischen Führer bewusst, dass die lokale Bevölkerung von Palästina gegen das zionistische Unternehmen sein würde. Sie bemühten sich darum, die Unterstützung der damaligen Weltmächte für das zionistische Projekt zu bekommen. Das berühmteste Ergebnis dieser Bemühungen war die Balfour-Erklärung, in der die britische Regierung ihre Unterstützung für die Errichtung eines Nationalheimes für die Juden in Palästina zum Ausdruck brachten – unter der Bedingung, dass die Rechte der lokalen Bevölkerung bewahrt bleiben würden.

Selbst nach der Errichtung des Staates Israel verstanden seine Führer, dass Israel nicht in der Lage sein würde, in einer Region zu leben, die ihm gegenüber feindlich gesinnt wäre, ohne die Unterstützung der Weltmächte. Man sagt, dass es in der Politik keine „kostenlose Mahlzeiten geben würde“. Deshalb diente  und dient Israel den Interessen jener Mächte, die ihm dafür Unterstützung geben.

In den 1950ern gelang es Israel, die ägyptische Armee in ihre Grenzen zu weisen und dadurch die ägyptische Intervention im algerischen Unabhängigkeitskrieg zu reduzieren.  Als Gegenleistung entwickelte sich eine besondere Beziehung zwischen Israel und Frankreich. Nachdem sich Frankreich aus Algerien zurückgezogen hatte, änderten sich seine Interessen im Mittleren Osten. Frankreichs  Priorität wurde die Verbesserung seiner Beziehungen mit den arabischen Staaten, und deshalb  kühlte es seine Beziehungen mit Israel ab. Frankreich legte ein Waffenembargo  wenige Tage vor dem Ausbruch des 1967er Krieges auf Israel – eine Aktion, die die Sonderbeziehung zwischen den beiden Ländern abbrach.

Ich  sehe denselben Krieg als Kennzeichen für den Anfang der Sonderbeziehung zwischen USA und Israel an.  Im Kontext des kalten Krieges war der Mittlere Osten zwischen zwei  Großmächten geteilt: Israel, Jordanien, Saudi-Arabien und die Golfstaaten waren  pro-USamerikanisch, während Ägypten und Syrien pro-sowjetisch waren. In den 1960er Jahren sandte Ägypten eine Armee zur Unterstützung einer der Seiten im Bürgerkrieg, der damals im Jemen wütete. Die USAmerikaner betrachteten die Ankunft einer pro-sowjetischen Armee an die Grenzen von Saudi-Arabien und ihren Ölquellen als Bedrohung an. Die intensiveren militärischen Zusammenstöße zwischen Israel und Syrien in Bezug auf Wasser und die Grenze, führte Syrien zu einem Hilferuf. Als Antwort brachte Ägypten einen Teil seiner Armee vom Jemen zum Sinai, ein Schritt, der sich entscheidend auf die Eskalation auswirkte, die zum 1967er-Krieg führte. Von USamerikanischem Gesichtspunkt aus, war es Israel gelungen, eine pro-Sowjetarmee von den  saudischen Grenzen abzubringen.

1970 brach der Krieg zwischen  Jordaniens Armee und den bewaffneten Kräften der PLO in Jordanien aus.  Israel konzentrierte  Truppen entlang der jordanischen Grenze und verhinderte so die syrische Invasion und verteidigte  so  ein pro-USamerikanisches Regime gegen die Invasion einer pro-sowjetischen Armee.

Als der US-Präsident Carter erklärte, dass die USA keine Waffen an Regime verkaufen würden, die die Menschenrechte verletzen, gab es Bedenken, dass die Diktatoren dieser Staaten sich an die  Sowjets zur Unterstützung wenden würden.  Durch  den Waffenverkauf an diese Staaten verhinderte Israel, dass sie sich an den Sowjetblock wandten.

Dies sind drei Beispiele, wonach USamerikanischen Interessen  in der Region gedient wurden, was zur Entwicklung der außerordentlich nahen  Beziehung zwischen Israel und den USA führte.

In den frühen 70ern begann Ägypten einen Prozess des Orientierungswandels: von den Sowjets  zu den USAmerikanern. In geheimen Gesprächen mit Kissinger forderten sie, dass USAmerika Druck auf Israel ausübt, um den besetzten Sinai zurückzugeben. Ministerpräsidentin Golda Meir und der Verteidigungsminister Moshe Dayan wiesen das ägyptische Friedensangebot ab. Die anderen Regierungsminister waren sich dieses Angebotes nicht bewusst, auch die Geheimdienste Israels nicht.  Kissinger stimmte darin überein, sich von Druck auf Israel zurückzuhalten und zwar für ein Engagement, dass im Falle, dass ein Krieg ausbricht, Israel nicht der erste sein wird, solch einen Krieg zu initiieren. Golda und Dayan hielten ihr Versprechen gegenüber Kissinger und erlaubten der IDF nicht, einen Präventivschlag  auf ägyptische und syrische Flugplätze auszuführen und begrenzten auch die Einberufung vor dem ägyptisch-syrischen  Angriff auf Israel im Oktober 1973. Erst nach dem Lufttransport von Waffen aus den USA gelang es Israel, den Lauf des Krieges zu ihren Gunsten zu bestimmen.

Der Fehlschlag des Jom-Kippur-Krieges war die Folge der Verweigerung der Labor-Regierung unter Golda Meirs Führung, ein Friedensangebot anzunehmen.  Sie zogen es vor, anstelle von Frieden die besetzten Gebiete zu behalten, was Israels Existenz gefährdete.

Nur nach einem unnötigen Krieg mit tausenden von  gefallenen Soldaten und unter dem Druck  von Präsident Carter akzeptierte die rechte Regierung Israels Sadats Friedensangebot.

Nach dem Sechstagekrieg begann sich ein neuer Typ von Zionismus  durchzusetzen: der fanatische Zionismus. Die vorherrschende Vision des fanatischen Zionismus, dem klassischen Zionismus entgegengesetzt (ich nenne ihn existentiellen Zionismus), sieht in der Errichtung eines unabhängigen Staates als Lösung der jüdischen Existenz den Beginn eines messianischen Prozesses und zwar die Erfüllung  von Gottes biblischem Versprechen eines Groß-Israel.

Wir haben hier zwei sehr verschiedene Arten von Zionismus. Der klassische Zionismus errichtete den  Staat mit Hilfe einer Kombination immenser Bemühungen seiner Anhänger, und dem Verständnis, dass die Unterstützung der Supermächte  nicht nur für die Errichtung des Staates wichtig war,  sondern auch  für seine fortdauernde Existenz. Der  fanatische  Zionismus ist überwiegend  von einem allmächtigen Gott überzeugt,  auf den sich die Existenz des Staates gründet. Ich kann nicht anders, als die Frage stellen: wie ist es möglich, dass Juden nach allem – nach dem Holocaust –  noch immer  an dem Glauben festhalten?  Wo war Gott  während des Holocaust?

Die meiste Zeit gibt es zwischen den beiden Strömungen des Zionismus Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit ist jedoch von der Befolgung der Regierungspolitik der Annexion der Gebiete abhängig.  Falls  es als Folge von Druck von außen irgendeine Abweichung von dieser Politik gibt, bricht der inhärente Konflikt zwischen den beiden Bewegungen  aus.

Glücklicherweise war  in der Zeit des Friedensvertrages mit Ägypten die politische Macht  des fanatischen Zionismus gering. Diese Kluft zum klassischen Zionismus führte  Geula Cohen  zum Rückzug aus der Likud-Partei und zur Bildung von Tehiya, die erste politische Partei des fanatischen Zionismus.  Zur Zeit der Oslo-Abkommen war die Situation  viel ernster. Dieser Strom des Zionismus hatte mehr Macht angesammelt, und dies kam dem Innersten  des „göttlichen Versprechens“ näher. Es endete  mit dem Mord an  Ministerpräsident Rabin  durch  einen Anhänger des fanatischen Zionismus.

Aber die  größte Gefahr des fanatischen Zionismus wurde  im jüdischen Untergrund   mit dem Versuch demonstriert, (in den 80er-Jahren) den Felsendom auf dem Tempelberg  zu sprengen. Falls dies gelungen wäre, wäre der nationale Konflikt in einen religiösen Konflikt mit der ganzen  muslimischen Welt ausgeartet und hätte nicht nur Israels Existenz gefährdet, sondern das ganze Weltjudentum. Das Erstaunliche an der ganzen Sache war die gegenüber den Mitgliedern des Untergrunds gezeigte Nachsichtigkeit nach deren Verhaftung. Sie erhielten luxuriöse Bedingungen, während sie  in Haft und im Gefängnis waren und  nach kurzer Zeit wurden sie entlassen. Welche Lobby schützt Kriminelle aus ihren eigenen Reihen?

Nach dem  1967er-Krieg begriff die israelische Regierung, dass alle freundlichen Länder gegen die Politik der Annexion sein würden. Deshalb übernahm sie eine Strategie der  Täuschung und der Desinformation, während sie mit einer Politik der langsamen Expansion weitermachte, aber darauf achtete, dass  bei ihren  systematischen Verletzungen der Rechte der  besetzten Bevölkerung es keine Todesfälle gab.  Dies geschah, um die  Medien zu beruhigen und die Aufmerksamkeit der Welt von der  schleichenden Inbesitznahme der Gebiete abzulenken. Es gibt keine Todesfälle bei dem weit verbreiteten  Landdiebstahl, der Zerstörung von Häusern, beim Aufbau der Siedlungen, beim Diebstahl von Wasser und Mineralien und auch nicht  bei der Vertreibung.

Es  geschieht auf dieselbe Weise, in der die Anhänger des fanatischen Zionismus die israelischen Bürger behandeln. Sie machen Lippenbekenntnisse, reden von Einheit und Liebe zu Israel, während sie gleichzeitig  mit Bürgerkrieg drohen, falls die israelische Regierung auf ein Friedensabkommen  drängt. Rabins Mord war der erste Schuss in diesem Krieg. Unterdessen übernahmen die Vertreter des fanatischen Zionismus alle Gebiete der Regierung und arbeiten  von innen, um  die besetzten Gebiete zu übernehmen. Neben dem enormen Budget, das  die Regierung in die Siedlungen steckt, werden  von fanatischen Zionisten andere kreative  und fragwürdige  Methoden verwendet, um weitere große Summen dorthin zu liefern, wo sie nicht kontrolliert werden können.

Eine der größeren Gefahren, die sie darstellen, ist die feindselige Übernahme der Likud, die rechte Regierungspartei des klassischen Zionismus. Tausende Anhänger des fanatischen Zionismus haben sich der Likud-Partei angeschlossen und bedrohen Wahlkandidaten  für das israelische Parlament, falls sie sie nicht unterstützen, dann würden sie nicht gewählt werden. Sie setzen auch ihre eigenen Vertreter auf die Kandidatenliste.  Doch am Wahltag ziehen viele von ihnen vor, anstelle der Likud die eigenen Parteien des fanatischen Zionismus zu wählen.

Wir sehen hier, wie eine kleine Minderheit einen Prozess in Gang gebracht hat, um eine Ideologie einzuführen und den  bestehenden Zionismus in einen fanatischen zu verwandeln und so, jede Möglichkeit zum Frieden  zu verhindern,  und damit  die Existenz Israels und des jüdischen Volkes zu riskieren.

Quelle: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=20999

Ergänzende Leseempfehlung:

http://trend.infopartisan.net/trd0817/t070817.html

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Der Preis der Besatzung: Vom „klassischen“ zum „fanatischen“ Zionismus

  1. Und deutschland in seiner unermesslichen Güte zahlt dem Israeli alle illegale Siedlungen, und obendrein gibt es noch ein U-Boot nach dem anderen, gell?

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    Verfasst von reiner tiroch | 16. August 2017, 12:00

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