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Ausland, Naher Osten

Die größte humanitäre Krise der Welt wird von den West-Medien praktisch ausgeblendet.

von Prof. Vijay Prashad – https://einarschlereth.blogspot.de

Dieser Herr Professor aus Indien sitzt in den USA und ihr könnt sehen, mit welcher Vorsicht er sich ausdrückt. Und man muss dankbar sein, dass sie den Mund wenigstens ein klein wenig öffnen.

Vor einem Tag hat ein Saudi-Jet eine Autokolonne im Distrikt Mawzaa/Jemen beschossen, bei dem mindestens 20 Zivilisten getötet wurden, viele aus einundderselben Familie. Diese Autos transportierten Menschen, die vor den erneuten Kämpfen nahe der Stadt Taiz im südwestlichen Jemen flohen. ‚Nirgends im Jemen sind Zivilisten sicher,“ sagte Shabia Mantoo von der UN-Flüchtlingsbehörde (UNHCR). Dieser Vorfall, wie viele andere zuvor, sagt die UNHCR ‚zeigt die extreme Gefahr für die zivilen Personen, besonders jene, die fliehen wollen. Sie erdulden die meiste Gewalt.‘

Saudiarabien hat dazu kein offizielles Statement abgegeben. Wahrscheinlich wird das Prüfteam des Königreichs für derlei Vorfälle (JIAT) die Beweise prüfen. Früher sind Grausamkeiten von der JIAT geprüft worden – in einem Bericht vom April 2017 und in vielen Fällen gestand man die Schuld ein. Aber in jedem Fall sagt die Saudi-Regierung, sie habe nicht gewusst, dass es sich um ein Hospital handelte, dass man bombardiert habe, oder dass die zivilen Wohngebiete von der anti-Saudi-Koalition als Militär-Basen benutzt würden. Es ist unmöglich, das Gewicht der Beweise zu leugnen, die zeigen, dass die Saudis zivile Gebiete bombardieren – Schulen, Hospitäler, Märkte und Wohngebiete. Aber die Regierung weigert sich, die Verantwortung zu übernehmen.

Das reichste Land der arabischen Welt, Saudiarabien, begann gegen das ärmste Land der arabischen Welt 2015 Krieg zu führen. In dieser Periode ist Jemen – mit einer Bevölkerung von 25 Millionen Bewohnern – erheblich zerstört worden. Die UN hat das Ausmaß der Gräuel dokumentiert. Die Zahlen sind schrecklich. Über 20 000 Menschen sind schon in diesem Krieg gestorben, mindesten die Hälfte davon Zivilisten. Die Zahl der Verletzten kann nicht erfasst werden, da mehr als die Hälfte der Hospitäler und medizinischen Zentren nicht funktionieren. [Warum schreibt er nicht die Wahrheit? Sie funktionieren deshalb nicht, weil sie von den Saudis nach den Koordinaten der USA weggebombt wurden. D. Ü.]

Das Leben für die Überlebenden ist gefährlich. Für sie zieht sich die Zeit in die Länge, da der Krieg endlos weitergeht. Die Leiden nehmen zu. Alte Krankheiten tauchen wieder auf. Darunter Hunger. Vergangene Woche hat der Sonderbeauftragte des Generalsekretärs für den Jemen, Ismail Ould Cheikh in New York den Sicherheitsrat über die Situation im Jemen informiert. Er sagte, dass 20 Millionen von Jemens 25 Millionen vom Krieg betroffen sind. Die meisten haben wenig Zugang zu Wasser, Kanalisation, Hygiene und Nahrung. Sieben Millionen, darunter 2.3 Mill. Kinder – leiden akuten Hunger. Es gibt jetzt 320 000 vermutete Fälle von Cholera und 1700 bestätigte Tote.

Wir haben Berichte aus dem Jemen erhalten dank einigen UN-Personen, Journalisten und Jemeniten, die – vergeblich – versuchten, die internationale Gemeinde aufzurütteln. Als die UNO versuchte, drei BBC-Journalisten auf einem Hilfs-Flug nach Sana‘a mitzunehmen, wurde die Landung des Flugzeugs von den Saudis verhindert. Ben Lassoued, der für das UN-Büro für die Koordinierung der Humanitären Angelegenheiten im Jemen, sagte:

„Es ist unglücklich und mit ein Grund, weshalb der Jemen mit einer der größten humanitären Krisen der Welt so wenig Aufmerksamkeit in den internationalen Medien erhält.“

Jemen, Somalia, Südsudan und Nigeria sind alle in den Klauen von Menschen gemachten Hungersnöten, wo 20 Millionen Menschen langsam verhungern. Wo keine humanitäre Hilfe möglich ist. [Und in allen diesen Fällen sind es von den USA fabrizierte Krisen. Tja, der Herr Professsor hat Angst um seinen Lehrstuhl. D. Ü.] Von den großen Mächten gab es wenig Beachtung. Bilder auf sozialen Medien von spindeldürren Kindern rufen Mitleid hervor, aber keine Handlung. Die UNO konnte nur 43% der 6.27 Mrd. Dollar aufbringen, die dringend benötigt werden, um die Hungersnot in diesen vier Ländern zu verhindern. Die USA haben 1.9 Mrd $ gespendet. Aber das ist ein Bruchteil von dem, was die US-Waffenindustrie verdiente durch den Verkauf von Waffen an die Saudis und die neuen Bomben-Lieferungen, um Jemen in den Hunger zu bomben. Als Präsident Trump kürzlich Saudiarabien besuchte, schloss er einen 110 Mrd. $ Waffendeal mit den Saudis. Dies ist zusätzlich zu den 350 Mrd. $ Waffenverkäuf über 10 Jahre.

Mit anderen Worten schürt die USA einen Konflikt, der zu Verbrechen und Hunger führte. Sie ist verantwortlich – durch seine Stellvertreter – für diese Verwüstung.

2016 kam eine UN-Expertenrunde zum Schluss, dass im Krieg der Saudis im Jemen grobe Menschenrechts-Verbrechen dokumentiert wurden, die „weit verbreitet und systematisch“ sind. Was am erschütterndsten an ihrem Bericht ist, zeigt sich in der Dokumentation über die Saudi-Luftangriffe auf die Transportrouten (zu Wasser und zu Lande), die Lagerhallen für Nahrungsmittel (etwa ein Lagerhaus von Oxfam) und ein Wasserprojekt, das von der EU finanziert worden war. Außerdem heißt es dort, dass man „drei Angriffe der Koalition auf lokale Nahrungs- und Landwirtschafts-Produktionsstätten dokumentiert habe“. 2015 zerstörten die Saudis Kräne und Lagerhäuser in der Hafenstadt Hudaydah. Da 90 % der Nahrung des Jemen importiert wird, sind diese Zerstörungen katastrophal gewesen. Diese Zerstörungen und auch die Zerstörung der Wasserreinigungsanlagen haben zu dem Hunger [und der Cholera! D. Ü.] im Lande geführt.

Der Bericht von Cheikh hat die Mitglieder des Sicherheitsrates nicht gerührt. Sie saßen schweigend da. Chinas Botschafter Liu Jieyi ist der Präsident des Rates für den Juli. Er sagte, dass die stillen Mitglieder „einer Meinung sind über den Ernst der Situation“ und dass sie eine „politische Lösung als den einzigen Weg unterstützen, um den Konflikt in Jemen zu beenden“. Drei von der UNO ausgehandelte Friedensgespräche sind gescheitert, und beide Seiten wiesen auch die jüngste Runde im August vergangenen Jahres zurück. Im Mai d. J. sollten Gespräche beginnen. Vergeblich. Diskussionen begannen in Oman mit vertrauensbildenden Maßnahmen. Die UNO bot an, die Hafenstadt Hudaydah einem neutralen Land zur Kontrolle zu geben. Aber man konnte sich auf keinen Kandidaten einigen.

Justin Forsyth von der UNICEF sagte gestern vor einem Unterkomitee für Auslandsbeziehungen des Senats aus. Er betonte, dass die Krise an Orten wie dem Jemen sofortige Aufmerksamkeit erforderten. Hilfsgelder müssten sofort beschafft werden und ein politische Lösung scheint möglich zu sein. Diese Kriege scheinen endlos. Ihre Tragödien nehmen geometrisch zu. Er sagte:

„Konflikte, extreme Klima-Ereignisse wie Dürre, Umwelt-Verschlechterung, Klimawandel, Verlust von Lebensgrundlagen und Armut stärken Hunger und Krisen. Wenn wir nicht die Ursachen angehen, werden die Krisen weitergehen.“

Herr Forsyth war mutig, diese tieferen Ursachen zu nennen. Aber einige hat er ausgelassen: ein ökonomisches Modell, das Einkommensungleichheit fördert und menschliche Arbeit durch Maschinen ersetzt und eine herzlose Missachtung von Leiden in weiten Gebieten der Welt, die nicht in der Lage waren, die Ketten der Armut der Kolonial-Zeit abzuschütteln. Die Senatoren nickten mit den Köpfen. Sie sind einsichtig.

Dann geht es weiter. Waffendeals müssen begrenzt werden. Mit Donatoren muss gesprochen werden. Es ist so viel an einem Tag zu tun. So schwierig, sich auf jedes Problem in der Welt zu konzentrieren. Diese Stories des Leidens sind so schwierig zu verdauen. Man braucht wohl erst einmal einen starken Kaffee?

Vijay Prashad ist Professor für internationale Studien am Trinity College in Hartford, Connecticut. Er hat 18 Bücher veröffentlicht.

Quelle – källa – source

Aus dem Englischen: Einar Schlereth

https://einarschlereth.blogspot.de/2017/07/die-grote-humanitare-krise-der-welt.html#more

 

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