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Ausland, Naher Osten

Jemen erinnert an die Aggression von 1930 und den Niedergang in die Barbarei

von Finian Cunningham – https://einarschlereth.blogspot.de

Sowohl die Arabische Liga (AL) als auch die UNO haben sich voll in die unglückselige Liga der Nationen verwandelt, die vor mehr als 70 Jahren sich bis zur Vergessenheit blamierte, als sie versagte, die ausländischen Aggressionen zu verurteilen, die am Ende zum Kataklysmus des 2. Weltkrieges führten.
Als die Delegierten der Arabischen Liga sich am vergangenen Wochenende in Ägyptens Ferienstadt Sharm el-Sheikh versammelten, war beinahe die Hälfte ihrer Mitglieder in einem Luftwaffenblitz gegen eins seiner Mitglieder begriffen – Jemen.
Von jedem Zweifel oder Aufruf zur Zurückhaltung weit entfernt hat die Liga den Überfall voll gebilligt und ging sogar weiter, eine neue „vereinte militärische Kraft“ zu fordern, um die Aktion in anderen Ländern zu wiederholen, die ihrer Meinung nach ein Sicherheitsrisiko darstellten. Dies ist ein Blankoscheck für weitere ausländische Militärinterventionen unter Umgehung des Sicherheitsrates der UNO. Mit anderen Worten, die Säson für gesetzlose Aggressionen ist eröffnet.

Mit einer Bevölkerung von nur 24 Millionen, von denen die Hälfte in Armut lebt,
ist der Jemen eines der ärmsten Länder in der arabischen Region. Es ist auch eins der Gründungsmitglieder der Arabischen Liga, die 1945 am Ende des 2. Weltkrieges gebildet wurde.

Seit vergangener Woche sind Mengen jemenitischer Zivilisten, auch Kinder, bei der massiven Bombenkampagne getötet worden, die von den Saudis geführt und von den USA koordiniert wird. Die Koalition umfasst Ägypten, Nordsudan, Marokko sowie Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuweit und Bahrain am Persischen Golf. Mehr als 200 Kampfbomber aus diesen Ländern haben Luftschläge gegen die jemenitische Hauptstadt Sanaa geführt sowie gegen die Hafenstadt Aden im Süden und das umliegende Land.

Die Saudis und die anderen arabischen Sunni-Länder behaupten, dass der Aufstand der Houthis im Jemen vom Iran inszeniert wurde. Aber die Behauptungen sind in keiner Weise begründet und höchstwahrscheinlich aufgeblasen aus eigennützigen Gründen, um eine Rechtfertigung zu haben für das, was sonst eine rein kriminelle Aggression wäre. Die Washington Post berichtete:

„Die Saudis und ihre Alliierten denken (sic), dass die Shiiten-Rebellen von Iran unterstützt werden und dass Teheran versuche, Kontrolle über ein Land (Regime) auszuüben, das ein Alliierter von Riad und Washington gewesen ist.“ Letzteres Detail ist der wahre Schlüssel für die neue Saudi-geführte Aggression und nicht das spekulative Hörensagen über den Iran.

Der Jemen wird also bombardiert und Zivilisten werden massakriert, bloß weil die Saudis und ihre Alliierten „denken“, dass der Iran irgendwie involviert sei. Kein Beweis, kein legaler Fall, einfach drauflosbomben.

Die Houthis sind eine Shiiten-Sekte und unterhalten friedliche politische diplomatische Beziehungen mit dem shiitischen Iran. Aber beide Seiten weisen kategorisch jede militärische Beteiligung zurück. Die Huthis, auch als Ansarullah bekannt, scheinen vielmehr die Speerspitze einer Rebellion des Volkes gegen das gestürzte Jemen-Regime zu sein, das seit langem von den Saudis und den USA unterstützt wurde.

Vorige Woche floh der abgesetzte Präsident Abdel Rabbo Mansour Hadi aus dem Land, um Zuflucht in Riad zu suchen. Selbst wenn der Iran die Houthis unterstützte, würde das nicht einen totalen Bombenkrieg unter Führung eines Konsortiums arabischer Monarchien, die von den USA bewaffnet und gelenkt werden, gegen den Jemen legitimisieren.

In Sanaa sind in der vergangenen Woche Wohnviertel, Geschäfte und Büros durch hunderte nächtliche Luftangriffe zerstört worden. Jemens internationaler Lufthafen wurde so schwer getroffen, dass er nicht mehr funktioniert, wodurch das Land abgeschnitten wurde. Eine Schiffsblockade von saudischen, ägyptischen und US- Kriegsschiffen hat auch Jemens Zugang zum Roten Meer im Westen erschwert. Berichten zufolge liegen Leichen von Zivilisten in Aden auf den Straßen und die Hospitäler sind mit Verwundeten überfüllt. US-Kriegsschiffe kontrollieren den Golf von Aden.

Auf dem Hintergrund dieses Gemetzels hat die A L die saudischen Militärattacken gebilligt. Der saudische König Salman sagte dem Gipfel, dass die Bombenkampagne weitergehen würde, bis die Houthi-Rebellen besiegt seien. Das bedeutet, es ist kein Ende in Sicht. Tatsächlich scheint die umfassende Bombenkampagne und die Seeblockade eine massive Invasion von 150 000 saudischen Truppen vorwegzunehmen, die vorige Woche an der Nordgrenze Jemens massiert wurden.

Mansour Hadi war auf dem Gipfel der AL anwesend und wurde königlich empfangen. Er rief die saudische Koalition auf, mit den Luftangriffen auf sein Land nicht nachzulassen, bis die Houthi-„iranischen-Marionetten“ zerschmettert sind. Die Ironie ist, dass Mansour Hadi in Jemen weithin als Marionette der Saudis und Washingtons verhasst ist, nicht nur bei den Houthis. Seine hartnäckige Weigerung, den Forderungen des Volkes nach einem demokratischen Übergang in den vergangenen drei Jahren, hat dazu geführt, dass die Houthis am Ende die Hauptstadt und die Regierungsbehörden Ende 2014 übernahmen.

Diese neue saudische Intervention im Jemen, von Washington dirigiert, ist vom Iran, Russland und China verurteilt worden. Aber die UNO hat erbärmliche Passivität angesichts dieser Aggression gezeigt. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon sprach auf dem AL-Gipfel, verurteilte aber nicht den Überfall auf Jemen.

„Es ist mein dringender Wunsch, dass auf diesem AL-Gipfel von den Führern klare Richtlinien festgelegt werden, um die Krise im Jemen friedlich zu lösen,“ sagte er dienstfertig, was an Zynismus grenzte. Friedensgespräche sollten wohl von seinem Sonderbotschafter Jamal Benomar geleitet werden. Er sagte dies, während Saudiarabien und andere offen gelobten, den Blitzkrieg weiterzuführen.

Die nackte Aggression gegen Jemen in Komplizenschaft von der USA und den europäischen Hauptstädten ist vielleicht der Tiefstpunkt der AL und der UNO. Der Abstieg dieser Organisationen in die erbärmliche Irrelevanz ist seit Jahrzehnten im Gange. Die verächtliche Verwandlung in Instrumente der Aggression ist jetzt klar vor den Augen der Welt.

Die UNO und die AL haben geschwiegen, als die USA und ihre Alliierten ein Krieg nach dem anderen gegen Länder in den vergangenen zwei Jahrzehnten führten, vor allem gegen den Irak von den 1990-er bis zu den 2000-er Jahren, was zu mehr als einer Million Toten führte, überwiegend Zivilisten. Schlimmer noch, die UNO und die AL sind der Komplizenschaft schuldig, indem sie Washington de facto grünes Licht gaben – und gelegentlich sogar logistische Unterstützung – um ihre Kriege im ganzen Nahen Osten zu führen.

2011 warf die AL Libyen und Syrien hinaus, obwohl beide Länder der US-NATO Aggression unterworfen wurden, in Zusammenarbeit mit Saudiarabien und anderen Golfstaaten wie Katar und der VAR. Der libysche Führer Muammar Gaddafi wurde von NATO- und Golf-finanzierten Extremisten 2011 ermordet, der vor seinem Tod von der AL als „finished“ denunziert wurde.

Syrien, genau wie Jemen, war eins der AL- Gründungsmitglieder, doch wird die Regierung von Bashar al Assad bis heute in der 22-Mitglieder-Organisation suspendiert. Der Sitz Syriens wurde dem westlich unterstützten Syrischen Nationalen Rat übergeben, der aus Exil-Niemanden besteht, ohne Rückhalt in Syrien.

Die Liga ist folglich nichts anderes als eine eigennützige Quasselbude, beherrscht von den Saudis und den anderen ölreichen Golfkönigreichen, Marionettenregime von Washington, die somit die Liga zu einem Instrument macht, das den USA einen dünnen Mantel für ihre imperialen Räubereien im Nahen Osten und Nordafrika gibt.

Ironisicherweise ist eins der Gründungsprinzipien der AL der Schutz der „Souveränität und Unabhängigkeit“ ihrer Mitglieder.

Die Gesetzlosigkeit und die nackte Aggression, von der internationale Angelegenheiten erfasst wurden, sind unheilvoll. Und die kollektive Bombardierung des Jemen erinnert an 1930.

Jene gefährliche Periode erlebte eine Serie von internationalen Aggressionen, die von faschistischen Mächten straflos verübt wurden. Die LN – Vorläufer der UNO – ermöglichte dies durch schamloses Schweigen und Einverständnis. Als Japan 1931 große Teile von Chinas Mandschurei annektierte haben die LN, USA, England und Frankreich weggeschaut. Ebenso, als das faschistische Italien 1935-36 sich seinen Weg nach Abessinien (Äthiopien) freibombte, Francos Spanien 1938 Katalunien unterdrückte und Hitlers Deutschland auch 1938 Österreich und das tschechische Sudetenland annektierte.

Der vollständige Zusammenbruch jedes Anscheins von internationalem Recht in den 1930-er Jahren und der Aufstieg von staatlich gefördertem Gangstertum ebnete den Weg für den Zweiten Weltkrieg.

Ein ähnlicher Prozess der Degenerierung ist heute in Gang, geführt von den USA und ihrer Clique von Alliierten in der NATO-Allianz und den ölreichen arabischen Diktaturen. Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien, Ukraine und Jemen sind nur einige der schlimmen Früchte des Gifts in den internationalen Beziehungen. Gleichwohl beschuldigt Washington Putin und Moskau, sich wie Hitler aufzuführen mit einem boshaften Atavismus des 20. Jahrhunderts.

Dass ein wehrloses, verarmtes Land wie Jemen offen von hunderten US-gelieferten F-15 Kampfjets – noch dazu unter großem Zuspruch – bombardiert werden kann, ist ein sicheres Zeichen, dass die Welt wieder in den Abgrund von zügelloser Kriminalität und der Möglichkeit eines noch katastrophaleren großen Krieges gleitet.

Quelle – källa – source

Aus dem Englischen: Einar Schlereth

https://einarschlereth.blogspot.de/2015/04/jemen-erinnert-die-aggression-von-1930.html

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