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Theorie, Wirtschaft

Der Lohmann-Ruchti – Effekt müsste eigentlich Marx-Engels Effekt heißen.

von Norbert Nelte

„Mt dem Lohmann-Ruchti-Effekt umschreibt die Betriebswirtschaftslehre die Wirkung der verbrauchsbedingten Abschreibungen als ausschließlicher Reinvestitionsquelle für Neuinvestitionen auf das Sachanlagevermögen von Unternehmen. Da sich hierdurch die betrieblichen Kapazitäten unter bestimmten Prämissen vergrößern können, spricht man auch vom Kapazitätserweiterungseffekt.“ (Wikipedia)

Beim Gabler-Springer Wirschaftslexikon lesen wir:

 „Der Lohmann-Ruchti-Effekt beruht auf der Tatsache, dass in den Verkaufspreisen der hergestellten Erzeugnisse der Abschreibungswert für die Anlagennutzung i.d.R. früher vergütet wird, als er für die verschleißbedingte Erneuerung der Anlagegüter benötigt wird, von denen die Abschreibungsbeträge stammen, d.h., dass die Verflüssigung des im Anlagevermögen gebundenen Kapitals und das Ausscheiden verbrauchter Anlagegüter aus dem Produktionsprozess zeitlich auseinander fallen. Werden die in diesem Sinn vorweggenommenen Abschreibungsbeträge laufend investiert, so führt das zu einer Anlagenexpansion, ohne dass es (theoretisch) der Zuführung neuer Mittel (durch Aufnahme von Fremdkapital oder Erhöhung des Eigenkapitals) bedarf.“

Auf Deutsch. Angenommen, der Kapitalist kauft 10 Lastkraftwagen, die in 10 Jahren abgeschrieben werden, dann kann er nach einem Jahr mit den Einnahmen aus dem Verkauf einen 11. LKW kaufen, wobei die ersten 10 LKWs noch 9 Jahre fahren. Nach dem zweiten Jahr dann wieder einen LKW usw.. Somit hat er nach 9 Jahren 19 LKWs, obwohl er am Anfang nur 10 gekauft hat, also im Durchschnitt der Jahre 14,5 LKWs. Aber das Ganze nur dann, wenn er die LKWs auch selber bezahlt hat, nicht die Bank. Dann braucht er ja den Anteil für die einkalkulierten LKW-Abschreibungen des Geldes aus dem Verkauf für die Bankabzahlungen.

Das heißt, das alle fixen Anlagen im Betrieb nicht nur den Mehrwert der Arbeiter dem Kapitalisten bringen, sondern noch mal einen Sonderprofit von 50% der Anlagen gegenüber der Konkurrenz, die sich das Geld bei der Bank leiht durch den Kapazitätserweiterungseffekt, der eigentlich auch den Arbeiten zusteht. Das heißt, die Kapitalsten beuten uns nicht nur einmal aus, sondern 1,5mal.

Das alles habe ich doch bei Karl Marx im Kapital schon gelesen: Marx  2. Band, 8. Kapitel, S. 168. „3. Der im fixen Kapital ausgelegte Wertteil des produktiven Kapitals ist ganz, auf einmal vorgeschossen worden, für die ganze Funktionsdauer desjenigen Teils der Produktionsmittel, woraus das fixe Kapital besteht. Dieser Wert wird also auf einmal vom Kapitalisten in die Zirkulation geworfen; er wird aber der Zirkulation nur stückweis und allmählich wieder entzogen durch die Realisierung der Wertteile, die das fixe Kapital den Waren stückweis zusetzt. Andrerseits: Die Produktionsmittel selbst, worin ein Bestandteil des produktiven Kapitals fixiert wird, werden auf einmal der Zirkulation entzogen, um dem Produktionsprozeß für ihre ganze Funktionsdauer einverleibt zu werden, aber sie bedürfen für dieselbe Zeit nicht des Ersatzes durch neue Exemplare derselben Art, nicht der Reproduktion. Sie fahren während längrer oder kürzrer Zeit fort, zur Bildung der in Zirkulation geworfenen Waren beizutragen, ohne selbst der Zirkulation die Elemente ihrer eignen Erneuerung zu entziehn. Während dieser Zeit erheischen sie also auch ihrerseits keine Erneuerung des Vorschusses von seiten des Kapitalisten. Endlich: Der im fixen Kapital ausgelegte Kapitalwert durchläuft den Kreislauf seiner Formen während der Funktionsdauer der Produktionsmittel, worin er existiert, nicht stofflich, sondern nur für seinen Wert, und <169> auch das nur teilweise und allmählich. D.h. ein Teil seines Werts wird fortwährend als Wertteil der Ware zirkuliert und in Geld verwandelt, ohne sich aus Geld in seine ursprüngliche Naturalform rückzuverwandeln. Diese Rückverwandlung des Gelds in die Naturalform des Produktionsmittels findet erst statt am Schluß seiner Funktionsperiode, wenn das Produktionsmittel gänzlich verbraucht ist.“

In Wikipedia lesen wir zur Geschichte des Lohmann/Ruchti Effektes:

Karl Marx und Friedrich Engels haben im August 1867 in drei Briefwechseln (vom 24., 26. und 27. August 1867) diesen Effekt fast 100 Jahre vor den Namensgebern Lohmann/Ruchti beschrieben. Es folgte im Jahre 1926 eine am Beispiel einer Reederei orientierte Arbeit von Nico Jacob Polak. Polak wird allgemein als erster Autor genannt, der sich mit der Frage der Kapazitätserweiterung durch Reinvestition von Abschreibungen befasst hat. Hans Ruchti zitierte im Jahre 1942 Polaks Überlegungen in seiner Habilitationsschrift, bevor Martin Lohmann im Jahre 1949 einen Artikel über Abschreibungen veröffentlichte. Erst als Hans Ruchti 1953 diesen Vorgang erneut beschrieb, ging er als Lohmann-Ruchti-Effekt in die Fachliteratur ein.“

Also die Etablierten wissen sogar, dass der Kapazitätserweiterungseffekt das erste Mal von Marx/Engels beschrieben wurden, 100 Jahre vor Lohmann/Ruchti. Das wird im heutigen Recht eigentlich als Verletzung des Copyrights angesehen. Jetzt wollen sie noch unsere Entdeckungen enteignen, sie können den Hals nicht voll kriegen. Als Diebe, Mörder und Blinde möchten die Herrschenden und ihr leitendes Person   al unbedingt in die Geschichte und Schulbücher eingehen, na gut.

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Der Lohmann-Ruchti – Effekt müsste eigentlich Marx-Engels Effekt heißen.

  1. Herr Nelte, was Marx und Engels beschreiben haben, ist genauso falsch wie der Lohmann- Ruchti-Effekt es beschreibt.

    Sie alle gehen nämlich davon aus, dass sie den Preis jedes Jahr für die Abschreibung erwirtschaften koennen, um ihn dann rezuinvestieren und damit eine Produktionserweiterung zu erwirtschaften.

    Das mag zwar für 1 bis 2 Jahre möglich sein, geht aber an der Wirklichkeit vorbei! Das beginnt schon mit dem Wettbewerb und endet bei der Ueberkapazitaet.

    Was nutzen ihnen z.B. 19 Lkw, wenn es damit keine Waren mehr zu transportieren gibt. Es gibt den Begriff der optimalen Betriebsgröße. Damit ist gemeint, dass ein Betrieb auf Dauer keine groessere Kapitalausstattung mehr gebraucht und trotzdem ohne weiteres gute Gewinne abwerfen kann.

    Die Abschreibung ist der Inbegriff des Wertverlustes. Und dieser muss immer moeglichst ueber dieeigenen Einnahmen ausgeglichen werden.

    Und deswegen muss ein guter Unternehmer immer wieder neu aufs richtige Pferd setzen.

    Und das ist eine Kunst für sich!

    Kein Kapital vermehrt sich automatisch, bloß weil man über die Abschreibungen den Wertverlustausgleich durch Reinvestionen aufhebt.

    Ihnen ist nichts gestohlen worden, sondern man hat Sie weiter in die Irre gefuehrt!

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    Verfasst von Raimund Frenzel | 16. Juli 2017, 14:25

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