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Ausland, Naher Osten

Israel: ein Staat der Verleugnung

von Gershon Shafir – http://www.tlaxcala-int.org

Die israelische Regierung  hat die Besatzung in einen  „dauerhaft-vorübergehenden“ Zustand gestaltet und machte eine Politik der Verleugnung zu einer ihrer  Ecksteine.

Die militärische Besatzung ist ein seltenes Phänomen in der heutigen Welt. Eine halb-hundertjährige Besatzung wie Israels Kontrolle der 1967 eroberten palästinensischen Gebiete ist sogar noch seltener. Sich ernsthaft  mit ihrer  Dynamik und ihren Konsequenzen auseinanderzusetzen, ist auf Grund der Tatsache sogar schwieriger, dass im vergangenen halben Jahrhundert Israel nicht nur Siedlungen, sondern auch einen dreistöckigen  Palast der Verleugnung gebaut hat. Israel ist  jetzt eine offizielle Residenz der Besatzungs-Verleugnung. Der anschaulichste Nachweis der grotesken Natur dieses Verleugnungspalastes ist , dass sich jedes seiner Stockwerke in verschiedenen imaginären Zeitzonen befindet.

In der Öffentlichkeit  beschreiben die israelischen Regierungen das Westjordanland und Ostjerusalem als umstrittene anstatt als besetzte Gebiete.  Doch im ersten Stockwerk des Palastes rechtfertigen sie die Folgen der Besatzung nach dem Bereich des humanitären Völkerrechts, der  kriegerische militärische Besatzungen regelt. Eine wichtige Auflage dieses Gesetzes ist, dass die Besatzung vorübergehend sei und ein zuvorkommender israelischer Oberster Gerichtshof  hat explizit viele  seiner Entscheidungen auf diese Prämisse basiert.

Doch kann eine  50-Jahre lange Besatzung als vorübergehend angesehen werden?  Nach der „Shamgar-Doktrin“ – die ich nach dem  Militär-Generalanwalt während  des Sechstagekrieges von 1967 und Präsidenten des Obersten Gerichtshofs in den 80ern nenne –„in Erwartung einer  alternativen politischen oder militärischen Lösung, könnte dieses System der Regierung von einem legalen Gesichtspunkt  endlos fortfahren“.  Innerhalb des Palastes ist die Besatzung dauerhaft vorübergehend.

Der zweite Stock des Verleugnungspalastes beherbergt die israelische Fixierung auf  Land, während gleichzeitig der politische  Ausdruck palästinensischer nationaler Identität  verweigert wird.  Besatzungen  werden von vielen kleineren und größeren Verleugnungen zerrissen, aber letztendlich ist es die Geschichte eines  verleugneten Volkes. Unendlich verlängerte Kontrolle über ein anderes Volk, ohne dies in das Gemeinwesen, entsprechend den Bürgerschaftsrechten, einzubinden, war einmal  Standardpraxis in Kolonien und Protektoraten. Aber diese Zeit ist vorbei.

Die Realität  zu verleugnen, erfordert das Einfrieren der historischen Zeit vor der erfolgreichen Dekolonisierungsbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg, die zur Flutwelle der Unabhängigkeiten in Asien und Afrika führte.  Das Projekt der israelischen Dauerbesatzung ist ein Rückschritt, Kolonialismus unter einem neuen Namen. Es schreibt das palästinensische Volk aus der Geschichte Palästinas weg, während  umgekehrt  die Palästinenser Israel  als einen  Staat des jüdischen Volkes anerkennen müssen. Es stellt auch  den palästinensischen Widerstand als unerklärlich und pathologisch dar.

In der dritten Etage  hat die die extensive Siedlungsaktivität  die Besatzung angeblich irreversibel und einen palästinensischen Staat unmöglich gemacht. Viele Kritiker der Besatzung teilen diese Illusion. Tatsächlich wird  der israelischen Kolonisierung mit der Zeit der Dampf ausgehen.

Der ursprüngliche  Likud-Siedlungsplan von 1981, beabsichtigte, dass  2010, 1,3 Millionen Juden neben  1,8 Millionen Arabern im Westjordanland leben würden. Und Mitte 2016 unter  fast drei Millionen Westjordanland-Palästinensern lebten 405 158 jüdische Siedler in 126 Siedlungen, und machten 13,8% der Bevölkerung in der Region aus. Palästinenser bewahren eine vernichtende demographische Dominanz.

Noch bemerkenswerter, nach Shaul Arielis Berechnung, ist die jährliche Wachstumsrate der Siedlerbevölkerung; sie zeigt  eine langfristige Abnahme von  über 10% in den 1990ern  auf 5.3%  2009 und  auf 3,9%  2016. Am vernichtendsten ist, dass 80%  des Wachstums der jüdischen Bevölkerung im Westjordanland vom natürlichen Wachstum kommt, seitdem die Israelis von jenseits der Grünen Linie wegbleiben und die Hälfte dieser Geburten  in nur zwei  Haredi-Städten geschieht: Beitar Ilit und Modiin Ilit.

Der geographische und wirtschaftliche Einfluss der israelischen Kolonisierung bleibt  ebenso begrenzt.  Die bebauten Gebiete der Siedlungen sind 2% des Westjordanlands. Die meisten Siedler pendeln zu ihrer Arbeit  nach Israel. Viele sind  in aufgeblasenen, Bildungs-, Sicherheits- und Dienstjobs in ihren Siedlungen beschäftigt. Die paar Hundert, die sich mit der Landwirtschaft befassen, beschäftigen Palästinenser, die die  Arbeit tatsächlich tun.

Die Ausnahmen sind die Siedlungen, die rund um Ostjerusalem liegen und drei Siedlungsblöcke. Die Mehrheit der israelischen Siedler  leben in den Blöcken Gush Etzion, Givar Zeev und Modiin Ilit entlang der Grünen Linie, die das Thema von  fortgeschrittenen Landaustausch-Gesprächen während der Olmert-Abbas-Verhandlungen waren. Die Entfernung von  27 000 Siedler-Haushalten (einschließlich der Stadt Ariel) würden einen 4%-Austausch ermöglichen und Israel erlauben, diese Blöcke zu behalten – als Teil der territorialen Teilung, die den Staat Palästina schaffen würde.

Die religiös-zionistische Gemeinschaft ist heute weniger  einig als ihr  Image suggeriert. Während die religiös-zionistischen Siedler – über ein Viertel der gesamten Siedlerbevölkerung – leicht einen Pulk von Unterstützern mobilisieren können, die gegen die  gelegentliche  Vertreibung von individuellen  Siedlungen oder Stadtteilen opponieren, ihre religiöse  Kohorte (wie es vom israelischen Soziologen Nissim Leon  gezeigt wurde) mobilisierte nicht massenhaft, um die  Evakuierung  von Gush-Kativ in Gaza zu stoppen helfen. Sie blieben wegen Verpflichtung gegenüber Mamlachtiyut  (nationales Interesse) fern und weil solche Opposition ihren hart verdienten sozialen Status und ihre Mobilität gefährden würde.

Zuletzt lebten von den  4,219,884 Israelis, die  im März 2015  bei den nationalen  Wahlen abstimmten, nur 1,9% in Siedlungen außerhalb der Siedlungsblöcke (einschließlich Ariel).  Im Ganzen haben nur 81 381 gewählt; von diesen  waren nur  48 861  für die  Parteien Jüdisches Heim  und Likud, die voll  engagiert sind, die  Kolonisierung außerhalb der Siedlungsblöcke fortzusetzen.

Kurz gesagt: das Siedlungsprojekt hat weder die Bedingungen für den Anschluss des Westjordanlands an Israel geschaffen noch ihn unvermeidbar gemacht. Die Zeit begünstigt nicht Israels Kolonisierung, weil ihr  demographischer Fußabdruck zu klein ist. Meine Machbarkeitsanalyse führt zu der Schlussfolgerung, dass der Terminus „unumkehrbar“ zurückgewiesen werden muss, während die verbleibenden  Hindernisse für eine territoriale Teilung eindrucksvoll, aber nicht unüberwindbar sind. Die  Hindernisse für die Evakuierung der Siedler sind politisch, nicht geographisch.

Am 50. Jahrestag der Besatzung,  demonstrieren die auffällige Unwirklichkeit der anhaltenden Vorläufigkeit und der historische Anachronismus, zusammen mit dem Hinhalten die Kolonisierung, dass der  Palast der Verleugnung unbewohnbar ist.

Danke Tlaxcala
Quelle: https://972mag.com/israeli-denialism-and-the-permanently-temporary-occupation/128016/
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 10/06/2017
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=20755

Übersetzt von  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس  –  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Israel: ein Staat der Verleugnung

  1. die Hinterfozigkeit der Israelis besteht doch schon seit tausenden Jahren, dem Volk Gottes, gell?

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    Verfasst von reiner tiroch | 18. Juni 2017, 11:57

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  1. Pingback: Israel: Ein Staat der Verleugnung (Videos) | PRAVDA TV – Lebe die Rebellion - 26. Juni 2017

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